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Inhaltsverzeichnis

Aufgabe I

Thema: Das revolutionäre Russland und der Erste Weltkrieg

(Rahmenthema 1 mit Übergriff auf Rahmenthema 3)

Aufgaben

1.

Fasse das Material nach einer quellenkritischen Einleitung zusammen.

30%

2.

Ordne das Material in den Kontext der Russischen Revolutionen ein.

40%

3.

Überprüfe, inwiefern die im Material geäußerten Erwartungen hinsichtlich der Ergebnisse des Ersten Weltkriegs erfüllt wurden.

30%

Material

Deklaration der Provisorischen Regierung über die Aufgaben des Krieges vom 27. März 1917 (9. April 1917) an die russische Gesellschaft

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Nach Prüfung der militärischen Lage des russischen Staates hat sich die provisorische
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Regierung dafür entschieden, um ihrer Pflicht gegen das Land zu genügen, dem Volke
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offen und direkt die ganze Wahrheit zu sagen. Die jetzt gestürzte Regierung ließ die
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Landesverteidigung in einem Zustande schwerer Unordnung. Durch ihre sträfliche
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Untätigkeit und ihre ungeschickten Maßnahmen brachte sie Unordnung in unsere Fi-
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nanzen, in das Verpflegungs- und Transportwesen und in die Munitionsversorgung
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der Armee. Sie hat unsere gute wirtschaftliche Organisation erschüttert. Die proviso-
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rische Regierung wird mit lebhafter, tätiger Unterstützung des ganzen Volkes alle
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Kräfte dazu verwenden, diese schlimmen Folgen des alten Regimes zu beseitigen,
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aber die Zeit drängt, das Blut zahlreicher Söhne des Vaterlandes ist in diesen langen
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zweieinhalb Kriegsjahren reichlich geflossen. Trotzdem steht das Land immer noch
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einem mächtigen Gegner gegenüber, der ganze Länder unseres Staates besetzt hält
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und uns gerade jetzt, in den Geburtstagen der russischen Freiheit, von neuem be-
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droht.
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Die Verteidigung unseres eigentlichen nationalen Vaterlandes um jeden Preis und die
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Befreiung des Landes vom Feinde, der über unsere Grenzen gedrungen ist, bilden die
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hauptsächlichste, wichtigste Aufgabe unserer Krieger, die die Freiheit des Volkes ver-
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teidigen. Die provisorische Regierung überlässt es dem Willen des Volkes, in enger
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Verbindung mit unseren Verbänden1 alle den Weltkrieg und seine Beendigung be-
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treffenden Fragen endgültig zu entscheiden, hält es aber für ihr Recht und ihre Pflicht,
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schon jetzt zu erklären, dass das freie Russland nicht das Ziel hat, andere Völker zu
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beherrschen, ihnen ihr nationales Erbe wegzunehmen und gewaltsam fremdes Ge-
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biet zu besetzen, dass es vielmehr einen dauerhaften Frieden auf Grund des Rechtes
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der Völker, ihr Schicksal selbst zu bestimmen, herbeiführen will. Das russische Volk
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erstrebt nicht die Vergrößerung seiner äußeren Macht auf Kosten anderer Völker, es
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hat nicht das Ziel, irgendein Volk zu unterjochen oder zu erniedrigen.
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Im Namen der Gleichheit entfernte es die Ketten, die auf dem polnischen Volke las-
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teten2. Aber das russische Volk wird nicht zugeben, dass sein Vaterland aus dem gro-
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ßen Kampfe erniedrigt und erschüttert in seinen Lebensbedingungen hervorgeht.
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Diese Grundsätze werden die Grundlage der äußeren Politik der provisorischen Re-
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gierung bilden, die den Volkswillen unfehlbar zur Ausführung bringt und die Rechte
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unseres Vaterlandes schützt, wobei sie die Verpflichtungen, die wir gegen unsere
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Verbündeten eingegangen sind, einhält.
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Die provisorische Regierung des befreiten Russland hat kein Recht, dem Volke die
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Wahrheit vorzuenthalten. Das Vaterland ist in Gefahr. Alle Kräfte müssen angespannt
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werden, um es zu retten. Möge das Land auf diese Wahrheit nicht mit unfruchtbarer
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Niedergeschlagenheit, nicht mit einem Zustand der Entmutigung antworten, sondern
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mit Schwung, um einen einheitlichen nationalen Willen zu schaffen. Das wird uns
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neue Kräfte für den Kampf verleihen und wird uns das Heil bringen. Möge die Stunde
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harter Prüfung das ganze Land kräftig genug finden, um die eroberte Freiheit zu si-
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chern und um sich unermüdlicher Arbeit zu widmen zum Wohle des freien Russland.
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Die provisorische Regierung, die den feierlichen Eid abgelegt hat, dem Volke zu die-
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nen, hat die feste Überzeugung, dass mit allgemeiner, bisher nie gewesener Unter-
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stützung aller und eines jeden sie selbst in der Lage sein wird, ihre Pflicht zu erfüllen.

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Der Vorsitzende des Ministerrats, gez. Fürst Lwow3

1hier: Truppenverbände

2Unterstützung der Provisorischen Regierung für die Wiederherstellung Polens als unabhängiger Staat

3Fürst Georgi Jewgenjewitsch Lwow, Mitglied der ersten Reichsduma, Vertreter der Konstitutionellen Demokraten (Kadetten), vom 16. März 1917 bis zum 20. Juli 1917 russischer Ministerpräsident und Innenminister, gewählt von der Provisorischen Regierung

Fundort: W. Astrow, A. Slepkow, J. Thomas (Hgg.), Illustrierte Geschichte der russischen Revolution 1917. Reprint der Ausgabe von 1928, Frankfurt am Main 1970, S. 174.

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