Aufgabe 2
Thema
KI und Religion
Aufgabenstellung
Gib die zentralen Aussagen des Textes mit eigenen Worten wieder.
Ordne dieses Experiment ein in Ihre Auseinandersetzung mit ethischen Implikationen der
Thematik Künstliche Intelligenz.
Welche Bedingungen müsste eine Jesus-KI bzw. ein „Jesus-Avatar“ im Kirchenraum erfüllen, um
biblischen bzw. fachlichen Ansprüchen gerecht zu werden?
Entwickle in Anlehnung an oder in Auseinandersetzung mit dem Text begründete Ideen.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Was passiert nach dem Tod, Jesus? Eine künstliche Intelligenz mimt den Heiland.
Susanne Wedlich
Wedlich, Susanne: Was passiert nach dem Tod, Jesus? Eine künstliche Intelligenz mimt den Heiland,
in: Tagesspiegel Plus, 27.11.2024 (gekürzt, zuletzt aufgerufen am 10. Juni 2025).
Susanne Wedlich (*1971) ist freie Wissenschaftsjournalistin und arbeitet u. a. für Spiegel Online und die
Süddeutsche Zeitung.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?1) Zentrale Aussagen des Textes
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Susanne Wedlich berichtet von einem Experiment der Hochschule Luzern, bei dem in einer Kapelle ein Jesus-Chatbot als Kunstinstallation eingesetzt wurde. Ziel des Projekts war es, die Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz in der Seelsorge zu untersuchen.
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Über einen Zeitraum von drei Monaten nutzten etwa 1000 Menschen in der Luzerner Peterskapelle die Gelegenheit, mit dem Jesus-Avatar ein Gespräch zu führen. Unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit sprachen die Besucherinnen und Besucher über zentrale Lebensthemen wie Liebe, Tod, Frieden und Orientierung.
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Im Mittelpunkt des Projekts stand insbesondere die Frage, ob KI spirituelle beziehungsweise religiöse Erfahrungen ermöglichen kann. Bei der Entwicklung des Jesus-Chatbots beschäftigten sich die Beteiligten deshalb nicht nur mit technischen Fragen, sondern auch mit seinem Erscheinungsbild, den biblisch-theologischen Inhalten und der emotionalen Wirkung auf die Gesprächspartner.
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Der Luzerner KI-Jesus wurde mit Texten des Neuen Testaments trainiert und vergleichsweise einfach aufgebaut: Auf die Frage eines Besuchers folgte die Suche nach einer geeigneten Bibelstelle, aus der anschließend eine Antwort entwickelt wurde. Die Gespräche dauerten nur ungefähr zehn Minuten und endeten jeweils mit einem Gebet.
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Die Autorin verweist außerdem auf bereits vorhandene Jesus-Avatare in sozialen Medien, die sie kritisch beurteilt. Problematisch erscheinen ihr insbesondere vereinfachende Glücksversprechen und eine sektenähnliche Ansprache. Auch die Möglichkeit von Halluzinationen der KI sei problematisch; deshalb hätten die Entwickler in Luzern bewusst den künstlichen Charakter des KI-Jesus betont.
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Die Auswertung des Experiments deutet darauf hin, dass KI unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich etwas ermöglichen kann, das von Menschen als „heiliger Moment“ (Z. 4) erlebt wird, und damit auch einen seelsorgerischen Wert besitzen kann. Trotz der Frage, ob KI menschliche Seelsorge irgendwann ersetzen könnte, könne sie gerade im Umgang mit traumatisierten Menschen möglicherweise Vorteile bieten. Unabhängig von den bestehenden Grenzen werde Künstliche Intelligenz Religion und Glaubenspraxis verändern.
2) Ethische Implikationen Künstlicher Intelligenz
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Ein wesentlicher ethischer Aspekt betrifft die Mensch-Maschine-Interaktion. Die Auswertung des Experiments zeigt, dass der KI-Jesus von manchen Nutzerinnen und Nutzern als persönlich, tröstlich und spirituell ansprechend wahrgenommen wurde (vgl. Z. 71 ff.). Auch bei traumatisierten Menschen könne ein KI-System unter Umständen eine vorurteilsfreie Kommunikation ermöglichen (vgl. Z. 84 f.). Dennoch kann KI menschliche Begegnung und Beziehung lediglich unterstützen, nicht vollständig ersetzen. Gerade in der Seelsorge bleiben persönliche Verantwortung und Empathie entscheidend. Ein Jesus-Avatar erreicht deshalb nicht die Qualität authentischer zwischenmenschlicher Beziehungen.
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Daraus ergibt sich zugleich die Forderung nach einer ethischen Beteiligung am Entwicklungsprozess von KI-Systemen. Bei dem Luzerner Projekt entwickelten Computer- und Visualisierungsexperten das Konzept des Jesus-Avatars (vgl. Z. 25 ff.). Ethisch sinnvoll wäre es deshalb, auch Fachleute aus Seelsorge, Theologie und Psychologie frühzeitig in den Designprozess einzubeziehen, damit die technische Entwicklung nicht allein von fachfremden Entwicklerinnen und Entwicklern bestimmt wird.
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KI kann außerdem als kirchlich-seelsorgerisches Zusatzangebot verstanden werden. Ein gut trainierter Avatar könnte bestehende Seelsorgeangebote ergänzen und fehlende personelle Ressourcen teilweise ausgleichen. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass KI-Seelsorge oberflächlich, phrasenhaft oder stereotyp abläuft (vgl. Z. 41 ff.).
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Ein weiteres Problem liegt in einer möglichen Überschätzung und religiösen Überhöhung der Technik. Der Umgang mit Jesus-Chatbots könnte dazu führen, dass KI selbst beinahe religiöse Autorität erhält (vgl. Z. 55 ff.). Zudem besteht die Gefahr, dass Nutzerinnen und Nutzer in digitale Filterblasen religiöser Influencer oder sogenannter Christfluencer geraten (vgl. Z. 50 ff.).
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Schließlich stellt sich die Frage nach der Verantwortung für fehlerhafte KI-Aussagen. Im Text wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass KI halluzinieren und falsche Antworten erzeugen kann (vgl. Z. 61). Wenn ein Jesus-Avatar Aussagen trifft, die bei einem Menschen psychische oder seelische Schäden verursachen, muss geklärt werden, wer dafür verantwortlich ist – die Entwickler, die Betreiber oder andere Beteiligte.
3) Bedingungen für eine Jesus-KI beziehungsweise einen „Jesus-Avatar“ im Kirchenraum
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Zunächst müsste entschieden werden, welches Jesusbild die KI vermitteln soll. Denkbar wäre ein eher therapeutisch geprägter Jesus, der Verständnis für Sorgen, Ängste und persönliche Nöte zeigt (vgl. Z. 15 ff.). Demgegenüber könnte ein stärker prophetisches Jesusbild stehen, das Menschen zur Umkehr und zu Veränderungen auffordert. Für einen Jesus-Avatar im Kirchenraum könnte ein therapeutisch ausgerichtetes Konzept den einladenden Charakter besonders unterstützen.
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Auch die visuelle Gestaltung müsste sorgfältig bedacht werden. Möglich wäre ein eher klassisch gestaltetes Hologramm, das den Sehgewohnheiten vieler Menschen entspricht. Gleichzeitig müsste transparent bleiben, dass die Evangelien keine verlässlichen Angaben über das tatsächliche äußere Erscheinungsbild Jesu enthalten.
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Inhaltlich müsste eine Jesus-KI mit zentralen Texten des Alten und Neuen Testaments programmiert werden, beispielsweise mit prophetischen Texten, Psalmen, der Bergpredigt, Gleichnissen, Heilungsgeschichten und Auferweckungserzählungen. Hinzukommen müssten kirchliche Bekenntnisse, etwa zur Gottessohnschaft Jesu, um einen fachlich und dogmatisch nachvollziehbaren Rahmen zu schaffen. Bei zentralen Glaubensfragen, beispielsweise zur Eschatologie, sollte der Hoffnungsaspekt deutlich stärker gewichtet werden als eine bloße Drohbotschaft.
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Zusätzlich wären gegenwartsbezogene Antwortmöglichkeiten notwendig. Die KI sollte beispielsweise Fragen zu Krieg und Frieden oder zur Rolle von Frauen in der Kirche konstruktiv aufgreifen können. Dabei müsste sie jedoch vermeiden, lediglich die jeweils geltenden Normen oder Mehrheitsmeinungen unreflektiert zu reproduzieren.
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Insgesamt müsste eine Jesus-KI deshalb sowohl biblisch-theologisch fundiert als auch fachlich transparent und verantwortbar sein. Sollte man nach einer Prüfung mit religiös beziehungsweise fachlich nachvollziehbaren Argumenten zu dem Ergebnis gelangen, dass eine solche Installation diesen Anforderungen nicht gerecht werden kann, wäre es konsequent, auf ihren Einsatz im Kirchenraum zu verzichten.