Aufgabe I
Soziale Marktwirtschaft und Leitbilder der europäischen Außenhandelspolitik
Fasse die Aussagen von Friedrich Merz zu seinen wirtschaftspolitischen Vorhaben zusammen.
Erläutere ausgehend vom Text Leitbilder der europäischen Außenhandelspolitik.
Erörtere Friedrich Merz‘ Vorstellungen vom Verhältnis von Markt und Staat in der sozialen Marktwirtschaft.
Weiter lernen mit SchulLV Plus!
monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Im Rahmen des Bundestagswahlkampfs 2025 erschien der vorliegende Gastbeitrag, der von Friedrich Merz verfasst wurde. Merz war in diesem Wahlkampf der Kanzlerkandidat für die CDU/CSU. Heute ist er Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland in einer Koalition aus CDU, CSU und SPD.
Die Quelle welt.de ist das Online-Portal der deutschen überregionalen Tageszeitung WELT.
Friedrich Merz: Deutschlands Wirtschaft muss wieder wachsen!
1Der Inflation Reduction Act in den USA ist ein staatliches Investitions- und Subventionsprogramm, welches z. B. Investitionen in Klimaschutz und Gesundheit fördert, aber z. B. auch Steueranreize für inländische Produktion enthält.
2Die G7-Industriestaaten sind eine Gruppe von sieben führenden Wirtschaftsnationen (USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Deutschland), die sich regelmäßig zu politischen und wirtschaftlichen Themen austauschen.
3Netzentgelte sind Gebühren, die Verbraucher für die Nutzung und die Erhaltung des Stromnetzes zahlen müssen.
4Mercosur ist ein lateinamerikanischer Staatenverbund mit einem gemeinsamen Binnenmarkt. Der Staatenverbund hat mit der EU ein Freihandelsabkommen verhandelt, das jedoch noch nicht in Kraft gesetzt ist.
5Die ASEAN-Staaten sind mehrere südostasiatische Staaten, die u. a. über eine gemeinsame Freihandelszone (AFTA) verfügen.
6Wenn Unternehmen ihre Gewinne nicht an die Eigentümer ausschütten (z. B. in Form von Dividenden), sondern im Unternehmen belassen, spricht man von einbehaltenen Unternehmensgewinnen. Auf diese Gewinne müssen Unternehmen Steuern zahlen.
Quelle: Merz, Friedrich: Deutschlands Wirtschaft muss wieder wachsen!, aus: welt.de vom 10.02.2025, abgerufen von: https://www.welt.de/debatte/article255379042/Friedrich-Merz-Deutschlands-Wirtschaft-muss-wieder-wachsen.html (Zugriff am 01.07.2025).
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Friedrich Merz sieht die deutsche Wirtschaft aufgrund internationaler Konflikte, zunehmenden Protektionismus und wachsender Konkurrenz aus China und den USA unter erheblichem Druck. Deutschland habe wirtschaftlich an Wettbewerbsfähigkeit verloren und müsse deshalb einen grundlegenden wirtschaftspolitischen Kurswechsel vollziehen (Z. 1–17).
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Merz möchte staatliche Unternehmenssubventionen zurückdrängen und stattdessen bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen. Durch weniger Bürokratie, niedrigere Kosten und mehr unternehmerische Freiheit sollen Unternehmen eigenständig wachsen können (Z. 18–22).
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Im Bereich der Energiepolitik möchte Merz die Stromsteuer und Netzentgelte senken, um Unternehmen und Verbraucher zu entlasten. Gleichzeitig setzt er auf Technologieoffenheit und einen Ausbau des Emissionshandels, um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz miteinander zu verbinden (Z. 23–33).
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Zur Förderung von Innovation und Unternehmertum plant er einen deutlichen Bürokratieabbau. Für jede neue Regelung sollen zwei bestehende abgeschafft werden. Insbesondere Unternehmensgründungen sollen erleichtert sowie Digitalisierung und künstliche Intelligenz stärker gefördert werden (Z. 34–46).
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Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, möchte Merz inländische und ausländische Arbeitskräfte mobilisieren. Dazu sollen ältere Beschäftigte durch Steuervergünstigungen zum Weiterarbeiten motiviert und die Einwanderung qualifizierter Fachkräfte durch vereinfachte Verfahren erleichtert werden (Z. 47–55).
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Darüber hinaus möchte Merz das Bürgergeld abschaffen, da es seiner Ansicht nach falsche Anreize zur Arbeitsaufnahme setze (Z. 50–51).
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In der europäischen Außenhandelspolitik spricht sich Merz gegen Abschottung und neue Handelsbarrieren aus. Stattdessen fordert er eine Vertiefung des europäischen Binnenmarktes sowie eine stärker an europäischen Wirtschaftsinteressen orientierte Freihandelspolitik mit zusätzlichen Handelsabkommen, beispielsweise mit Indien und den ASEAN-Staaten (Z. 56–66).
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Schließlich plant Merz eine Steuerreform, durch die Einkommen und einbehaltene Unternehmensgewinne geringer besteuert werden sollen. Die Steuerbelastung für entsprechende Unternehmensgewinne möchte er schrittweise auf 25 % senken, um Investitionen und Wirtschaftswachstum anzuregen (Z. 67–72).
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Insgesamt verfolgt Merz das Ziel, durch weniger staatliche Regulierung, niedrigere Steuern und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken und neues Wirtschaftswachstum zu ermöglichen (Z. 73–77).
Ausgangslage und Materialbezug
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Friedrich Merz beschreibt eine zunehmende Abschottung einzelner Volkswirtschaften und spricht von einem „Wiedererstarken des Protektionismus“ (Z. 1–2). Dies stelle die exportorientierte deutsche Wirtschaft vor neue Herausforderungen.
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Als Beispiele nennt er den Inflation Reduction Act der USA, der unter anderem die inländische Produktion durch staatliche Fördermaßnahmen begünstigt, sowie die zunehmende Bedeutung von Zöllen im internationalen Handel (Z. 1; Z. 56–58).
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Merz lehnt eine europäische Abschottung als Reaktion auf diese Entwicklungen ab. Stattdessen fordert er eine „globale Freihandelsoffensive“, eine Vertiefung des europäischen Binnenmarktes und zusätzliche Handelsabkommen, die sich stärker an europäischen Wirtschaftsinteressen orientieren sollen (Z. 56–66).
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In seinen Ausführungen werden damit insbesondere die beiden außenhandelspolitischen Leitbilder Freihandel und Protektionismus deutlich.
Leitbild des Freihandels
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Unter Freihandel versteht man den möglichst ungehinderten internationalen Austausch von Waren, Dienstleistungen und Kapital. Ziel ist es, Handelshemmnisse wie Zölle, Importbeschränkungen oder andere staatliche Hindernisse möglichst weitgehend abzubauen.
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Der Freihandel beruht auf der Vorstellung, dass der Wettbewerb zwischen Unternehmen und Volkswirtschaften zu einer möglichst effizienten Nutzung der vorhandenen Ressourcen führt. Die Preise werden dabei grundsätzlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt.
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Durch den internationalen Wettbewerb können Produktionsfaktoren wie Arbeit und Kapital dort eingesetzt werden, wo sie vergleichsweise effizient genutzt werden. Dies wird als effiziente Ressourcenallokation bezeichnet.
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Eine wichtige Grundlage des Freihandels ist die internationale Arbeitsteilung. Staaten spezialisieren sich auf die Herstellung von Gütern, bei denen sie vergleichsweise geringe Produktionskosten beziehungsweise komparative Kostenvorteile haben.
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Dadurch können die Produktivität steigen, Produktionskosten sinken und Waren günstiger angeboten werden. Verbraucher profitieren möglicherweise von niedrigeren Preisen und einer größeren Produktauswahl, während Unternehmen zusätzliche Absatzmärkte erschließen können.
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Langfristig soll Freihandel auf diese Weise das Wirtschaftswachstum fördern und den Wohlstand der beteiligten Volkswirtschaften steigern.
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In der Praxis wird dieses Leitbild beispielsweise durch Freihandelsabkommen umgesetzt. Dabei vereinbaren Staaten den Abbau von Zöllen, mengenmäßigen Einfuhrbeschränkungen und weiteren Handelshemmnissen.
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Merz vertritt dieses Leitbild, indem er neue Handelsabkommen, beispielsweise mit Indien und den ASEAN-Staaten, sowie eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA fordert (Z. 63–66).
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Auch die von ihm geforderte Vertiefung des europäischen Binnenmarktes entspricht dem Freihandelsgedanken. Innerhalb der EU sollen Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen möglichst frei zirkulieren. Merz möchte bestehende Hindernisse insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Energie und Kapitalmarkt abbauen (Z. 56–62).
Leitbild des Protektionismus
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Unter Protektionismus versteht man eine Außenhandelspolitik, bei der der Staat die heimische Wirtschaft durch gezielte Maßnahmen vor ausländischer Konkurrenz schützt.
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Ziel ist es beispielsweise, heimische Unternehmen und Arbeitsplätze zu sichern, strategisch wichtige Wirtschaftszweige zu erhalten oder die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ausland zu verringern.
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Ein wichtiges Instrument sind tarifäre Handelshemmnisse, insbesondere Zölle. Dabei werden importierte Waren mit zusätzlichen Abgaben belastet, sodass sie für Verbraucher teurer werden und heimische Produkte einen Wettbewerbsvorteil erhalten.
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Daneben gibt es nicht-tarifäre Handelshemmnisse, beispielsweise Importquoten, besondere technische Vorschriften oder staatliche Subventionen, die inländische Unternehmen gegenüber ausländischen Wettbewerbern begünstigen.
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Ein Beispiel für eine solche staatliche Begünstigung ist der von Merz erwähnte Inflation Reduction Act der USA. Dieser enthält unter anderem Subventionen und steuerliche Anreize für die Produktion im eigenen Land (Z. 1).
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Protektionistische Maßnahmen können kurzfristig Arbeitsplätze schützen, den Aufbau bestimmter Industrien fördern und die Versorgung mit strategisch wichtigen Gütern absichern.
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Gleichzeitig können sie jedoch den internationalen Wettbewerb einschränken und zu höheren Preisen für Verbraucher führen. Zudem besteht die Gefahr, dass andere Staaten mit eigenen Handelsbeschränkungen reagieren und dadurch Handelskonflikte entstehen.
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Merz sieht im zunehmenden Protektionismus eine Gefahr für die deutsche und europäische Wirtschaft. Er warnt vor Handelskriegen und fordert deshalb, auf neue Zölle nicht mit weiterer Abschottung zu reagieren (Z. 56–66).
Abschließende Einordnung
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Die beiden Leitbilder unterscheiden sich vor allem in der Rolle des Staates: Während der Freihandel auf möglichst offene Märkte und internationalen Wettbewerb setzt, befürwortet der Protektionismus gezielte staatliche Eingriffe zum Schutz der heimischen Wirtschaft.
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Friedrich Merz vertritt in seinem Text eindeutig ein freihandelsorientiertes Leitbild. Er möchte Handelshemmnisse abbauen, den europäischen Binnenmarkt vertiefen und durch neue Handelsabkommen die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen stärken.
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Gleichzeitig betont er, dass die europäische Freihandelspolitik stärker an den eigenen wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet werden müsse (Z. 62–66). Damit verbindet er das Ziel offener Märkte mit der Sicherung der wirtschaftlichen Stärke Europas.
Ausgangslage und Einordnung von Merz’ Position
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Friedrich Merz fordert einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel, bei dem Unternehmen mehr Freiheiten erhalten und staatliche Eingriffe reduziert werden sollen. Er sieht insbesondere hohe Steuern, Energiekosten und umfangreiche Bürokratie als Hindernisse für wirtschaftliches Wachstum (Z. 13–22).
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Merz vertritt damit überwiegend wirtschaftsliberale Vorstellungen. Der Staat soll vor allem günstige Rahmenbedingungen schaffen, während Unternehmen durch Wettbewerb, Eigenverantwortung und unternehmerische Freiheit für Wachstum und Wohlstand sorgen.
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Die soziale Marktwirtschaft verbindet wirtschaftliche Freiheit und Wettbewerb jedoch mit staatlicher Ordnungspolitik und sozialem Ausgleich. Der Staat soll den Wettbewerb sichern, Marktversagen begrenzen und soziale Sicherheit gewährleisten.
Argumente für Merz’ Vorstellungen – mehr Markt und weniger Staat
Wirtschaftliche Entlastung und Wettbewerbsfähigkeit
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Durch Bürokratieabbau, Steuersenkungen und niedrigere Energiekosten könnten Unternehmen finanziell und organisatorisch entlastet werden. Dadurch könnten Investitionen gefördert, neue Arbeitsplätze geschaffen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gestärkt werden (Z. 13–25; Z. 40–44; Z. 67–72).
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Eine geringere Steuerbelastung könnte Unternehmen außerdem mehr finanzielle Mittel für Forschung, Innovationen und die Erweiterung ihrer Produktion ermöglichen.
Förderung von Innovationen und Unternehmertum
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Mehr unternehmerische Freiheit und weniger staatliche Vorschriften könnten Unternehmensgründungen erleichtern und die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft verbessern.
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Merz setzt insbesondere auf Technologieoffenheit, Digitalisierung und künstliche Intelligenz, um neue wirtschaftliche Möglichkeiten zu schaffen (Z. 26–33; Z. 34–46).
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Eine größere Eigenverantwortung könnte Unternehmen zusätzlich motivieren, neue Ideen zu entwickeln, Risiken einzugehen und ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu steigern.
Entlastung des Staatshaushalts
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Eine Verringerung staatlicher Unternehmenssubventionen könnte den Staatshaushalt entlasten. Die eingesparten Mittel könnten beispielsweise für Bildung, Infrastruktur oder den Schuldenabbau eingesetzt werden.
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Zudem könnten Unternehmen durch bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen langfristig höhere Gewinne erzielen und damit zusätzliche Steuereinnahmen ermöglichen. Ob diese die Einnahmeausfälle durch Steuersenkungen ausgleichen, ist allerdings unsicher.
Argumente für einen stärkeren Staat – Grenzen von Merz’ Vorstellungen
Sozialer Ausgleich und soziale Gerechtigkeit
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Die soziale Marktwirtschaft verfolgt neben wirtschaftlicher Freiheit auch das Ziel, soziale Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten.
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Das Sozialstaatsprinzip ist in Art. 20 Abs. 1 GG verankert. Der Staat muss deshalb soziale Absicherung gewährleisten und ein menschenwürdiges Existenzminimum sicherstellen.
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Merz möchte das Bürgergeld abschaffen, da es seiner Ansicht nach falsche Arbeitsanreize setzt (Z. 47–51). Ohne eine ausreichende alternative Absicherung könnten jedoch insbesondere einkommensschwache und arbeitslose Menschen benachteiligt werden.
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Staatliche Sozialleistungen und Maßnahmen zur Verringerung sozialer Ungleichheit können zudem den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den sozialen Frieden stärken.
Umweltschutz und staatliche Eingriffe bei Marktversagen
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Märkte können gesellschaftliche Probleme nicht immer eigenständig lösen. Beispielsweise entstehen durch Umweltverschmutzung negative externe Effekte, deren Kosten nicht vollständig von den Verursachern getragen werden.
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Deshalb sind staatliche Eingriffe wie Umweltstandards oder der Emissionshandel notwendig, um umweltschädliches Verhalten zu begrenzen.
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Die von Merz geplante Senkung von Stromsteuer und Netzentgelten könnte zwar Unternehmen und Verbraucher entlasten, gleichzeitig aber Anreize zum Energiesparen abschwächen (Z. 23–25).
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Allerdings können niedrigere Strompreise auch den Umstieg auf klimafreundliche Technologien fördern. Entscheidend ist deshalb, ob gleichzeitig wirksame Klimaschutzinstrumente bestehen.
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Der von Merz befürwortete Emissionshandel zeigt, dass auch seine Vorstellungen staatliche Rahmensetzung vorsehen: Der Staat begrenzt den zulässigen CO₂-Ausstoß, während Unternehmen selbst entscheiden, wie sie Emissionen reduzieren (Z. 26–33).
Schutzfunktion staatlicher Regulierung
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Staatliche Vorschriften verursachen zwar teilweise Kosten und bürokratischen Aufwand, erfüllen jedoch wichtige Schutzfunktionen.
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Beispielsweise sichern gesetzliche Regelungen Arbeitnehmerrechte, Verbraucherinteressen, Umweltstandards und faire Wettbewerbsbedingungen.
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Ohne ausreichende staatliche Kontrolle könnten marktmächtige Unternehmen ihre Stellung ausnutzen und den Wettbewerb einschränken.
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Ein zu weitgehender Bürokratieabbau könnte deshalb notwendige Schutzstandards gefährden. Entscheidend ist, überflüssige Regelungen abzubauen, ohne wichtige staatliche Kontroll- und Schutzfunktionen aufzugeben.
Finanzierung öffentlicher Aufgaben
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Steuersenkungen können Unternehmen und private Haushalte entlasten, führen zunächst jedoch zu geringeren staatlichen Einnahmen.
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Dadurch könnten finanzielle Mittel für wichtige öffentliche Aufgaben wie Bildung, Infrastruktur, soziale Sicherung oder Klimaschutz fehlen.
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Ein leistungsfähiger Staat ist jedoch notwendig, um die Voraussetzungen für langfristiges Wirtschaftswachstum und gesellschaftlichen Wohlstand zu schaffen.
Kriterienorientierte Abwägung und eigenes Urteil
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Unter dem Kriterium der wirtschaftlichen Effizienz sind Merz’ Vorstellungen nachvollziehbar. Bürokratieabbau, niedrigere Kosten und größere unternehmerische Freiheit können Investitionen, Innovationen und Wirtschaftswachstum fördern.
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Unter dem Kriterium der sozialen Gerechtigkeit müssen jedoch mögliche Nachteile für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden. Ein ausreichender sozialer Ausgleich bleibt deshalb notwendig.
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Unter dem Kriterium des Gemeinwohls ist ein handlungsfähiger Staat erforderlich, der öffentliche Güter bereitstellt, den Wettbewerb schützt und soziale sowie ökologische Probleme begrenzt.
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Auch unter dem Kriterium der Legitimität muss staatliches Handeln mit den verfassungsrechtlichen Grundwerten vereinbar sein. Dazu gehört insbesondere das Sozialstaatsprinzip nach Art. 20 Abs. 1 GG.
Gesamturteil
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Insgesamt erscheint eine stärkere marktwirtschaftliche Ausrichtung sinnvoll, wenn dadurch Unternehmen entlastet, Innovationen gefördert und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands verbessert werden.
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Allerdings darf sich der Staat nicht so weit zurückziehen, dass soziale Sicherheit, Umweltschutz oder faire Wettbewerbsbedingungen gefährdet werden.
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Merz’ wirtschaftsliberale Vorstellungen sind daher mit der sozialen Marktwirtschaft vereinbar, solange der Staat weiterhin einen verlässlichen Ordnungsrahmen schafft und den sozialen Ausgleich gewährleistet.
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Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Markt und Staat erscheint deshalb am sinnvollsten: Der Markt soll durch Wettbewerb und Eigenverantwortung wirtschaftlichen Wohlstand schaffen, während der Staat soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Stabilität und das Gemeinwohl sichert.