Aufgabe A – Politische Predigten
Thema
Verschont mich mit politischen Predigten!
Aufgaben
Gib die zentralen Aussagen in M 1 wieder und formuliere das Anliegen.
Entfalte anhand selbst gewählter Bibelstellen das Reich-Gottes-Verständnis Jesu und untersuche, ob Zusammenhänge zwischen M 1 und diesem Reich-Gottes-Verständnis bestehen.
Stelle ein Kirchenverständnis dar und vergleiche dieses mit M 1.
„Die Kirche Gottes ist etwas anderes als eine Vorfeldorganisation des linken politischen Spektrums. Es ist höchste Zeit, dass sie sich wieder darauf besinnt, statt ihre Gotteshäuser mit Politisieren leer zu predigen.“ (Z. 68-71)
Nimm Stellung zu dieser Aussage aus M 1.
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Liane Bednarz1
1 Liane Bednarz (geb. 1974) ist Juristin und Publizistin aus Hamburg.
2 Collarhemd: wird von Geistlichen getragen und ist eine Form des Priesterhemdes mit einem weißen, ringförmigen Stehkragen.
Quelle: Liane Bednarz: Verschont mich mit politischen Predigten! In: DIE ZEIT, Nr. 53/2021, 22. Dezember 2021.
Anmerkung zur Autorin: Liane Bednarz (* 1974) ist Juristin und Publizistin aus Hamburg.
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Der im Dezember 2021 in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienene Meinungsbeitrag Verschont mich mit politischen Predigten! von der Juristin und Publizistin Liane Bednarz setzt sich kritisch mit der zunehmenden politischen Positionierung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auseinander.
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Die Autorin, die sich selbst als konservative und fromme Christin versteht, beklagt eine fortschreitende Säkularierung und Enttheologisierung der kirchlichen Verkündigung zugunsten tagespolitischer, überwiegend grün-linker Agenden.
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Ihr zentrales Anliegen ist die dringende Ermahnung an die evangelische Kirche, sich von der Rolle eines bloßen politischen Akteurs abzukehren und sich wieder auf ihren eigentlichen theologischen Kern zu besinnen: die existenzielle Seelsorge und die Verkündigung der Botschaft von Sünde, Tod, Erlösungsbedürftigkeit und ewigem Leben.
Zentrale Aussagen
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Corona-Krise und Orientierung an jenseitigen Lebensfragen (Z. 1–11):
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Die Pandemie hat die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens drastisch offengelegt und Grundfragen nach Schuld, Tod und einem gnädigen Gott neu aufgeworfen.
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Menschen suchen in der Kirche Orientierung bei existenziellen Sehnsüchten, werden dort jedoch häufig mit tagespolitischen Parolen konfrontiert.
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Kritik an der EKD-Spitze und Einbuße an Kernbotschaft (Z. 12–29):
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Zwar gebe es engagierte Pfarrerinnen und Pfarrer, die Vergebung und Seelsorge in den Mittelpunkt stellen, doch die Kirchenleitung agiere vermehrt politisch.
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Angesichts historisch hoher Kirchenaustrittszahlen (220.000 im Jahr 2020) warnt Bednarz, dass eine einseitige Politisierung konservative und fromme Mitglieder entfremde und frustriere.
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Kritik am Symbolhandeln und der Teilnahme an Demonstrationen (Z. 30–38):
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Die geschlossene Teilnahme des EKD-Rats am „Klimastreik“ von Fridays for Future vor der Bundestagswahl 2021 wird als Beispiel für die „Selbstverzwergung“ der Kirche zum politischen Akteur gewertet.
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Durch solche Aktionen unterscheide sich die Kirche kaum noch von säkularen aktivistischen Gruppen.
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Ideologisierung des „Konziliaren Prozesses“ (Z. 38–54):
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Der seit 1983 etablierte Dreiklang des Konziliaren Prozesses – „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ – werde im Kirchenalltag weltimmanent und ideologisch umgedeutet.
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Biblische Grundbegriffe würden säkularisiert: Frieden werde auf Pazifismus reduziert, Gerechtigkeit auf soziale Umverteilung und Schöpfungsbewahrung auf grüne Parteipolitik, anstatt Gottes Gerechtigkeit und die Erlösung von der Sünde zu verkünden.
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Parteipolitische Einseitigkeit und Gefahr der Entleerung (Z. 55–71):
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Die Mitwirkung von Geistlichen in parteipolitischen Wahlwerbespots (z. B. Bündnis 90/Die Grünen) verletze den Auftrag einer überparteilichen Volkskirche.
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Bednarz betont, dass christliche Ethik zwar zum Handeln in der Welt aufrufen müsse, dies jedoch niemals auf Kosten der Kernbotschaft geschehen dürfe.
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Das Politisieren führe letztlich dazu, dass sich die Gotteshäuser weiter leeren.
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Aufgabe 2
Das Reich-Gottes-Verständnis Jesu anhand selbst gewählter Bibelstellen
Das Reich Gottes (Basileia Tou Theou) bildet das absolute Zentrum der Verkündigung und des Handelns Jesu. Es wird durch verschiedene Dimensionen greifbar:
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Presentische Dimension (Gottesherrschaft ist bereits angebrochen):
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Bibelstelle: Lukas 17,20–21 („Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann [...] denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch“) bzw. Lukas 11,20 („Wenn ich aber durch Gottes Finger die Bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen“).
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Bedeutung: Das Reich Gottes ist keine ferne Utopie, sondern beginnt da, wo Jesus heilend, vergebend und befreiend wirkt. In den Wundern und der Hinwendung zu den Ausgegrenzten (Zöllner, Sünder, Kranke) wird Gottes liebende Gegenwart im Hier und Jetzt erfahrbar.
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Eschatologisch-futurische Dimension (Gottesherrschaft steht noch aus):
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Bibelstelle: Gleichnisse vom Wachstum (z. B. Senfkorn, Markus 4,30–32) oder das Unser-Vater-Gebet („Dein Reich komme“, Mt 6,10).
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Bedeutung: Das Reich Gottes ist eine eschatologische Größe, die Gott selbst am Ende der Zeiten vollenden wird (Schon-Jetzt und Noch-Nicht). Der Mensch kann das Reich Gottes nicht selbst aufbauen oder erpressen, sondern nur wie ein Geschenk empfangen (Mk 10,15).
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Ethik der Gottesherrschaft (Die Bergpredigt):
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Bibelstelle: Matthäus 5–7 (Seligpreisungen, Mt 5,3–12) und das Doppelgebot der Liebe (Mk 12,28–31).
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Bedeutung: Das Anbrechen des Reiches Gottes fordert eine Umkehr (Metanoia) des Menschen. Diese Ethik richtet sich an das Herz des Einzelnen: Gewaltfreiheit, Feindesliebe und Barmherzigkeit statt bloßer Erfüllung gesetzlicher Regeln.
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Untersuchung von Zusammenhängen und Spannungsfeldern zwischen M 1 und Jesu Reich-Gottes-Verständnis
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Zustimmung zu Bednarz (Gefahr der Verwechslung von Gottesreich und politischem Programm):
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Jesus lehnte die Politisierung des Reiches Gottes explizit ab. Er verweigerte sich den Zeloten, die die Gottesherrschaft durch politisch-militärischen Umsturz gegen die Römer errichten wollten, und distanzierte sich vor Pilatus („Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, Joh 18,36).
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Bednarz' Kritik an der „Verdiesseitigung“ (M 1, Z. 54) findet hier ihre Bestätigung: Wer das Reich Gottes mit politischen Konzepten (wie grüner Umweltpolitik oder sozialen Reformen) gleichsetzt, verkürzt die unfallbare Transzendenz des Reiches Gottes.
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Kritische Relativierung von Bednarz (Reich Gottes als weltverändernde Kraft):
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Jesus trennte das Reich Gottes nicht dualistisch von der Welt. Das Reich Gottes fordert eine radikale Umgestaltung der Verhältnisse: Durch das Doppelgebot der Liebe werden konkrete soziale Folgen wirksam (Speisung der Hungrigen, Eintreten für Arme).
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Wenn Bednarz den Konziliaren Prozess („Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“) als ideologisches Mantra abwertet, übersieht sie, dass diese Werte direkt im Handeln Jesu und den Propheten des Alten Testaments verwurzelt sind. Die Ankündigung der Basileia hat immer auch eine gesellschaftskritische, prophetische Spitze gegen ungerechte Strukturen.
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Aufgabe 3
Darstellung eines Kirchenverständnisses (Ekklesiologie)
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Die Ekklesiologie der Barmer Theologischen Erklärung (1934):
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Historischer Kontext: Entstanden im Widerstand der Bekennenden Kirche gegen die Gleichschaltung durch den Nationalsozialismus und die Ideologie der „Deutschen Christen“.
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Thesis III (Kirche als Gemeinde von Brüdern): Die Kirche ist die Gemeinde von Schwestern und Brüdern, in der Jesus Christus in Gegenwart und Zukunft im Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr handelt.
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Thesis 8.2 / Thesis IV (Absage an herrschaftliche Ordnungen): Die Kirche darf ihre Botschaft und ihre Ordnung nicht den jeweiligen herrschenden ideologischen oder politischen Strömungen anpassen. Sie darf sich nicht die Gestalt eines gesellschaftlichen Zeitgeistes geben.
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Thesis V (Auftrag der Kirche gegenüber dem Staat): Der Staat hat die Aufgabe, nach dem Maß menschlicher Einsicht für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erinnert Staat und Gesellschaft an Gottes Reich, Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung von Regierenden und Regierten.
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Vergleich des Kirchenverständnisses (Barmen) mit M 1 (Bednarz)
Gemeinsamkeiten
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Sowohl die Barmer Erklärung (Thesis II/III) als auch Bednarz wehren sich dagegen, dass die Kirche zur „Vorfeldorganisation“ oder zum Sprachrohr politischer Bewegungen degradiert wird.
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Beide Ansätze betonen, dass das Fundament der Kirche allein in Jesus Christus und der Verkündigung des Wortes Gottes liegt, nicht in weltlichen Ideologien.
Unterschiede
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Barmen V weist der Kirche eine klare prophetische Wächterfunktion zu: Sie muss den Staat an Gottes Gebot und Gerechtigkeit erinnern, was zwangsläufig politische Relevanz besitzt.
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Bednarz neigt hingegen zu einem engeren, primär individual-seelsorgerlichen Kirchenverständnis. Sie fordert die Konzentration auf das individuelle Heil des Einzelnen („Sünde, Tod, Erlösung“, Z. 7) und sieht politische Interventionen der Kirchenleitung rasch als Überschreitung des kirchlichen Auftrags an.
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Während Barmen zur klaren Absage an staatliches Unrecht verpflichtet, läuft Bednarz' Plädoyer Gefahr, die Kirche in eine weltabgewandte Innerlichkeit zurückzudrängen, die zu gesellschaftlich-ethischer Tatenlosigkeit verleitet.
Aufgabe 4
Einleitung
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Das Zitat „Die Kirche Gottes ist etwas anderes als eine Vorfeldorganisation des linken politischen Spektrums. Es ist höchste Zeit, dass sie sich wieder darauf besinnt, statt ihre Gotteshäuser mit Politisieren leer zu predigen“ (M 1, Z. 68–71) fungiert als die Zuspitzung von Liane Bednarz’ Kulturkritik.
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Im Folgenden wird diese provokante These auf ihre Stichhaltigkeit, Chancen und Gefahren hin erörtert.
Hauptteil
Argumente, die die Aussage von Bednarz stützen
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Die Kirche vereint Menschen unterschiedlicher politischer Überzeugungen. Wenn die EKD-Spitze einseitig Parteipolitik betreibt oder Wahlempfehlungen nahelegt (wie die Teilnahme am FFF-Streik kurz vor der Bundestagswahl, Z. 30–35), schließt sie Mitglieder aus und spaltet die Gemeinde.
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Wenn Kanzelreden nur noch sozialwissenschaftliche oder ökologische Banalitäten wiederholen, macht sich Kirche überflüssig. Das Alleinstellungsmerkmal der Kirche ist die Verkündigung des Evangeliums, das Trost in Schuld und Sterben spendet – Fragen, die keine politische Partei beantworten kann.
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Politischer Aktivismus verleitet zu der Annahme, der Mensch könne das Heil und den Weltfrieden aus eigener Kraft herstellen. Dies widerspricht der lutherischen Erkenntnis, dass der Mensch erlösungsbedürftig ist und Heil nur von Gott empfangen kann.
Argumente, die der Aussage widersprechen
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Der christliche Glaube ist nicht nur Privatsache. Wer Gott als Schöpfer bekennt, kann bei der Zerstörung der Umwelt nicht schweigen. Das Engagement für Schöpfungsbewahrung, Geflüchtete und Armutsbekämpfung ist keine „linke Ideologie“, sondern unmittelbare Konsequenz des Nächstenliebe-Gebots und der Prophetenkritik.
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Die Kirche hat historisch immer dann versagt, wenn sie zu stumm war (z. B. im Nationalsozialismus). Sie muss für die Stummen und Schwachen in der Gesellschaft ihre Stimme öffentlich erheben.
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Es greift zu kurz, die Kirchenaustritte primär auf „politische Predigten“ zurückzuführen. Empirische Studien (z. B. die EKD-Mitgliedschaftsuntersuchungen) zeigen, dass Relationalitätsverlust, der Missbrauchsskandal und die Kirchensteuer die Hauptgründe für Austritte sind – nicht das Engagement für den Klimaschutz.
Fazit
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Liane Bednarz legt zu Recht den Finger in die Wunde, wenn sie vor einer flachen Moralisierung warnt, die den theologischen Kern von Sünde, Vergebung und Auferstehung durch tagespolitische Parolen ersetzt.
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Eine Kirche, die nur noch als gesinnungsethischer Debattierklub auftritt, verliert ihre geistliche Strahlkraft und macht sich als Volkskirche unglaubwürdig.
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Dennoch ist ihre pauschale Absage an das politische Wirken verfehlt: Christlicher Glaube muss weltgewandt bleiben und sich dort öffentlich einmischen, wo die Würde des Menschen und die Schöpfung Gottes mit Füßen getreten werden.
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Das Ziel für die Kirche der Gegenwart muss lauten: Verkündigung aus der Tiefe des Evangeliums, aus der heraus mutiges, aber überparteiliches Handeln in der Welt erwächst.