Aufgabe 2
Entscheide dich für eine der Werkreproduktionen.
Setze dich mit dieser bildkünstlerisch auseinander und entwickle davon ausgehend eigene Bildwelten.
Nutze die Möglichkeiten des farbigen Gestaltens.
Erarbeite eine oder mehrere Bildreihen und/oder Einzelblätter.
Präsentiere deine Ergebnisse.
Begründe deine bildnerischen Entscheidungen im Verhältnis zum Ausgangswerk.
Verzeichnis der Werkreproduktionen:

-
Gustave Doré, Don Quijotes Wahnvorstellungen, 1863; Holzstich nach einer Zeichnung von Gustave Doré; 244 x 195 mm

-
Magdalena Abakanowicz, Menge, 1987, Sackleinen und Harz, 50 Figuren, je 170 x 50 x 30 cm
Weiter lernen mit SchulLV Plus!
monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Grundideen und Thematiken zur Auseinandersetzung mit den Werkreproduktionen
1. Gustave Doré – „Don Quijotes Wahnvorstellungen“
Formale Analyse:
Im Zentrum der Darstellung befindet sich Don Quijote. Um ihn herum entwickelt sich eine Vielzahl fantastischer und teilweise bedrohlich wirkender Gestalten. Die Figuren scheinen den Protagonisten regelrecht zu umgeben und erzeugen eine unruhige, überladene Bildwirkung.
Dabei entsteht ein deutlicher Gegensatz zwischen der realen Figur Don Quijotes und der ihn umgebenden fantastischen Welt. Die Grenzen zwischen Realität, Vorstellung und Wahn werden dadurch aufgehoben.
Die zahlreichen Figuren, Überschneidungen und unterschiedlichen Bewegungsrichtungen erzeugen eine starke Dynamik. Der Blick kann kaum an einem einzelnen Punkt verweilen, sondern wandert durch die Vielzahl der Gestalten. Die dichte Komposition vermittelt dadurch Unruhe und kann als bildliche Darstellung der Gedanken- und Vorstellungswelt Don Quijotes verstanden werden.
Hell-Dunkel und Kontrast:
Da es sich um einen Holzstich handelt, wird die Darstellung insbesondere durch grafische Gestaltungsmittel wie Linie, Schraffur und Hell-Dunkel geprägt. Unterschiedliche Schraffuren erzeugen räumliche Tiefe, Plastizität und verschiedene Oberflächen.
Der starke Hell-Dunkel-Kontrast verstärkt gleichzeitig die dramatische und fantastische Wirkung der Szene.
Ideen für eigene bildkünstlerische Auseinandersetzungen und Bildwelten:
In einer Bildreihe kann der Übergang von Realität zu Fantasie beziehungsweise Wahn untersucht werden. Ausgangspunkt ist beispielsweise das realistische Porträt einer Person. In jedem weiteren Bild treten zunehmend erfundene Wesen, Gegenstände und verzerrte Formen hinzu.
Die Figur selbst kann gleichzeitig immer stärker mit ihrer Umgebung verschmelzen. Durch grafische Techniken, Schraffuren, Überlagerungen und unterschiedliche Linienstärken wird die Grenze zwischen tatsächlicher Umgebung und Gedankenwelt zunehmend aufgehoben.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine alltägliche Situation darzustellen und gewöhnliche Gegenstände durch Veränderung ihrer Proportionen oder Formen in fantastische beziehungsweise bedrohliche Wesen zu verwandeln.
2. Magdalena Abakanowicz – „Menge“
Formale Analyse:
Die Installation besteht aus 50 annähernd lebensgroßen Figuren, die gemeinsam als Gruppe beziehungsweise „Menge“ auftreten. Durch die Wiederholung ähnlicher menschlicher Körper entsteht zunächst der Eindruck von Einheitlichkeit.
Gleichzeitig besitzt jede Figur aufgrund ihrer Materialstruktur und individuellen Oberflächenbeschaffenheit Unterschiede. Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Masse.
Die Figuren wirken anonymisiert und entpersonalisiert. Das Fehlen individueller Gesichtszüge verhindert eine eindeutige Identifikation einzelner Personen. Der Mensch erscheint dadurch weniger als individuelle Persönlichkeit, sondern vielmehr als Bestandteil einer größeren Gruppe.
Von besonderer Bedeutung ist außerdem der Raum zwischen den Figuren. Je nach Standort des Betrachters überschneiden sich einzelne Körper oder verdecken sich gegenseitig. Der Betrachter begegnet deshalb nicht nur einzelnen Figuren, sondern einer räumlich erfahrbaren Masse.
Material und Kontrast:
Die Verwendung von Sackleinen und Harz erzeugt eine raue, unregelmäßige Oberfläche. Das Material unterstützt die körperliche und zugleich verletzlich wirkende Erscheinung der Figuren.
Ein wichtiger Kontrast entsteht zwischen Wiederholung und Individualität: Die Figuren besitzen eine ähnliche Grundform, unterscheiden sich jedoch in Details und Oberflächen. Damit wird das Verhältnis zwischen dem einzelnen Menschen und einer anonymen Masse sichtbar.
Ideen für eigene bildkünstlerische Auseinandersetzungen und Bildwelten:
Eine Bildreihe kann sich mit der Frage beschäftigen, wie ein Individuum innerhalb einer Gruppe seine Eigenständigkeit verliert oder bewahrt.
Dazu werden zunächst zahlreiche ähnliche menschliche Silhouetten dargestellt. Im ersten Bild unterscheidet sich eine einzelne Figur deutlich von den übrigen Figuren, beispielsweise durch Farbe, Position oder Form. Im Verlauf der Bildreihe gleicht sich diese Figur jedoch immer stärker der Masse an.
Umgekehrt kann die Reihe auch zeigen, wie sich eine zunächst vollständig gleichförmige Figur schrittweise aus der Gruppe löst und eine individuelle Gestalt entwickelt.
Begründung anhand Werk 2 „Menge“
Ausgangspunkt der eigenen Gestaltung ist das Spannungsverhältnis zwischen Individualität und Anonymität, das durch die Vielzahl ähnlich gestalteter menschlicher Figuren entsteht.
In einer mehrteiligen Bildreihe werden zahlreiche vereinfachte menschliche Silhouetten dargestellt. Zu Beginn unterscheiden sie sich kaum voneinander. Sie besitzen ähnliche Formen, Größen und Körperhaltungen und bilden dadurch optisch eine geschlossene Masse.
Eine einzelne Figur hebt sich jedoch zunächst durch ihre farbige Gestaltung von der übrigen Gruppe ab. Im Verlauf der Bildreihe verliert diese Farbe zunehmend an Intensität, während gleichzeitig einzelne Farbspuren auf die umstehenden Figuren übergehen. Dadurch wird sichtbar, dass sowohl die Gruppe das Individuum beeinflusst als auch das Individuum Spuren innerhalb der Gruppe hinterlassen kann.
Die Wiederholung der menschlichen Form nimmt das wesentliche Gestaltungsprinzip von Abakanowicz' Installation auf. Dieses wird jedoch von einer dreidimensionalen Installation in eine zweidimensionale Bildreihe übertragen und dadurch eigenständig weiterentwickelt.
Auch die räumliche Anordnung der Figuren orientiert sich am Ausgangswerk. Überschneidungen und unterschiedliche Größen erzeugen räumliche Tiefe und lassen die dargestellte Menge dichter erscheinen. Einzelne Figuren werden teilweise von anderen verdeckt, wodurch die Wirkung einer anonymen Menschenmasse zusätzlich verstärkt wird.
Die Farbgestaltung erweitert das Ausgangswerk um einen neuen Aspekt. Während die ähnliche Gestaltung der Figuren zunächst für Anpassung und Gleichförmigkeit steht, dient die abweichende Farbe als Symbol für Individualität. Ihr schrittweises Verschwinden verdeutlicht den Verlust persönlicher Eigenständigkeit innerhalb einer Gruppe.
Dadurch wird das Grundprinzip des Ausgangswerkes nicht lediglich übernommen, sondern inhaltlich und formal weiterentwickelt. Die eigene Bildwelt beschäftigt sich mit der Frage, wie stark ein Mensch Teil einer Gemeinschaft sein kann, ohne seine Individualität vollständig zu verlieren.
Gerade diese Verbindung von Ausgangswerk und eigener Formentscheidung entspricht dem Erwartungshorizont 2026: Bewertet werden bei Aufgabe 2 unter anderem der eigenständige Zugang zum Bild, farbiges Gestalten sowie die Übereinstimmung von inhaltlichem Anspruch und formaler Konsequenz. Sachsen Abi Kunst 2026 LK EWH […
Die Formulierungen sind dabei absichtlich wie bei der SchulLV-Lösung 2025 aufgebaut: sachlich, konkret auf mögliche Schülerarbeiten bezogen und nicht als einziger „Musterweg“, sondern als Sammlung plausibler Lösungsansätze. Bei praktischen Kunstaufgaben gibt es schließlich keine einzige verbindliche Bildlösung; auch der offizielle Erwartungshorizont betont ausdrücklich die individuelle Bildsprache, Einfallsreichtum und Originalität.