Prüfungsarbeit 1
Die US-Amerikanerin Simone Biles ist das Übertalent des Kunstturnens. Im Alter von sechs Jahren begann sie mit dieser Sportart und zehn Jahre später errang sie bei den Weltmeisterschaften 2013 in Antwerpen ihren ersten Titel im Mehrkampf. Sie turnt Elemente, die ihr keiner nachmachen kann. Mit nur Körperhöhe und geballter Muskelkraft hat sie beste Voraussetzungen für hochkomplexe Turnelemente. So zeigte sie bei den US Classics 2021 am Sprungtisch einen „Jurtschenko mit Doppelsalto rückwärts gebückt“. Eigens für sie wurde ein neuer Buchstabe auf der Schwierigkeitsskala für die Bewertung eingeführt.
Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 sagte Simone Biles den Mehrkampf nach der ersten Disziplin ab, sie hatte die „Twisties“. Bei den sogenannten Twisties handelt es sich um eine mentale Blockade oder Desorientierung, die Athleten während akrobatischer Bewegungen erleben können. Sie verlieren das Gefühl für ihre Position und Rotation im Raum, was zu einem Verlust der Kontrolle während Sprüngen oder Drehungen führen kann.
Nach drei Jahren ist Simone Biles wieder zurück. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gewinnt sie im Mehrkampf mit der Mannschaft ihre insgesamt achte Goldmedaille. Sie ist damit die höchstdekorierte Turnerin der Geschichte.
Vgl. Quelle (www.ispo.com/heroes/simone-biles, abgerufen am 03.06.2025)

Abbildung 1 Simone Biles
(Quelle: Fernando Frazão/Agência Brasil, Simone Biles Rio 2016b, CC BY 3.0 BR, abgerufen am 24.10.2026)
Ordne die Sportart Kunstturnen einer Sportartengruppe zu und erläutere personale Leistungsvoraussetzungen für diese Sportart.
Stelle den möglichen langfristigen Leistungsaufbau einer Turnerin dar und erläutere Ziele und Inhalte einer Etappe genauer.
Beschreibe biologische Besonderheiten der Entwicklungsphase der motorischen Ontogenese, in der sich Simone Biles zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaften 2013 in Antwerpen befand.
Leite daraus Folgerungen aus sportmotorischer Sicht ab.
Voraussetzung für den „Jurtschenko mit Doppelsalto rückwärts gebückt“ ist das sichere Beherrschen eines einfachen Saltos rückwärts gebückt (Abb. 3).
Analysiere die Bewegungsstruktur eines Saltos rückwärts gebückt.

Abbildung 2 Salto rückwärts gebückt
Belege die Wirkung der biomechanischen Prinzipien der optimalen Anfangskraft und der Drehimpulserhaltung beim Salto rückwärts gebückt.
Erläutere die Bedeutung der Kraftfähigkeiten für das Kunstturnen.
Erstelle ein Belastungsgefüge zur Entwicklung einer dominanten Kraftfähigkeit für den Salto rückwärts gebückt.
Simone Biles hat inzwischen fünf nach ihr benannte Turnelemente entwickelt. Die Neuentwicklung von Elementen im Kunstturnen ist ein anspruchsvoller und risikoreicher Prozess.
Diskutiere mögliche Vorgehensweisen für Lernprozesse eines neuen Elements.
Erkläre mögliche Ursachen der „Twisties“ mithilfe des Modells der psychischen Handlungskomponenten.
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Erläutern personaler Leistungsvoraussetzungen für das Kunstturnen, z. B.
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Konditionelle Fähigkeiten: ausgeprägte Maximal- und Schnellkraft (für Absprünge/Rotationsbeschleunigungen), hohe Beweglichkeit (für geforderte Körperhaltungen wie gebückt/gespreizt).
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Koordinative Fähigkeiten: Orientierungsfähigkeit (im Raum bei komplexen Drehungen), Kopplungsfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit (sichere Landung).
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Psychische Fähigkeiten: Mut, hohe Konzentrationsfähigkeit, Willenskraft, Stressresistenz.
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Konstitutionelle/Physische Voraussetzungen: geringe Körperhöhe und Hebelverhältnisse, hoher Muskelanteil zur Optimierung von komplexen Elementen.
Darstellen des möglichen langfristigen Leistungsaufbaus
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Grundlagentraining
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Aufbautraining
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Anschlusstraining
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Hochleistungstraining
Erläutern von Zielen und Inhalten einer Etappe, z. B. Grundlagentraining
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Ziele: Erwerb eines vielseitigen Bewegungsschatzes, spielerische Entwicklung der koordinativen Fähigkeiten, Wecken der Freude an der Sportart.
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Inhalte: allgemeines Turnen (Rollen, Handstand, Rad), vielseitige und unspezifische Kraft- und Beweglichkeitsübungen, Erlernen der turnerischen Grundelemente.
Beschreiben biologischer Besonderheiten der Entwicklungsphase (Adoleszenz / spätes Jugendalter)
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Abschluss des Längenwachstums, vermehrtes Breitenwachstum (Zunahme der Muskelmasse).
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Körpervollreife (Maturität) und Stabilisierung des hormonellen Systems.
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Größere Bewegungsharmonie.
Ableiten von Folgerungen aus sportmotorischer Sicht, z. B.
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Optimales Trainierbarkeit von Maximal- und Schnellkraft aufgrund muskulärer Voraussetzungen.
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Stabilisierung und Perfektionierung koordinativer Fähigkeiten.
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Training sportartspezifischer Fertigkeiten auf höchstem Niveau (Automatisierung hochkomplexer Bewegungsmuster).
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Erhöhte Belastungsverträglichkeit für intensive Trainingsumfänge.
Analysieren der Bewegungsstruktur: azyklische Bewegung
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Vorbereitungsphase (Abb. 2, Bild 1-5): Schaffen optimaler Voraussetzungen für die Hauptphase. Armschwung nach hinten/unten mit Beugen der Knie und Absenken des Körperschwerpunkts; anschließender explosiver Armzug nach oben mit beginnender Beinstreckung.
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Hauptphase (Abb. 2, Bild 6-10): Lösen der Bewegungsaufgabe (Flugphase). Vollständige Streckung beim Abdruck, Einrollen in die gebückte Haltung (maximale Hüftbeugung) zur Beschleunigung der Rotation. Kurz vor der Landung erfolgt das Öffnen des Hüftwinkels (Verlangsamung der Rotation zur Landevorbereitung).
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Endphase (Abb. 2, Bild 11-12): Rückführen in einen statischen Zustand. Landung auf beiden Beinen, Abfedern der Aufprallkräfte durch Beugen der Kniegelenke, Aufrichten in den sicheren, ausbalancierten Stand.
Belegen der Wirkung biomechanischer Prinzipien
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Prinzip der optimalen Anfangskraft: Das Beugen der Kniegelenke und der Armschwung nach hinten (Ausholbewegung entgegen der Sprungrichtung) bewirken eine optimale Dehnung der Streckmuskulatur. Dies vergrößert den Kraftstoß für den nachfolgenden explosiven Abdruck (Streckung), wodurch eine maximale Sprunghöhe für die Flugphase erreicht wird.
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Prinzip der Drehimpulserhaltung: In der flugfreien Phase (ohne äußere Krafteinwirkung) bleibt der Drehimpuls konstant. Durch das enge Zusammenklappen in die gebückte Haltung wird die Körpermasse näher an die Drehachse gebracht, das Massenträgheitsmoment verringert sich und die Winkelgeschwindigkeit (Rotationsschnelligkeit) nimmt massiv zu. Das Öffnen des Körpers vor der Landung vergrößert das Trägheitsmoment wieder, um die Rotation für eine sichere Landung zu stoppen.
Erläutern der Bedeutung der Kraftfähigkeiten
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Maximalkraftfähigkeit: Basisfähigkeit für die Schnellkraft.
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Schnellkraftfähigkeit / Reaktivkraft: Entscheidend für explosive Absprünge am Boden oder Sprungtisch zur Erreichung ausreichender Flughöhen.
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Kraftausdauerfähigkeit: Notwendig für die Aufrechterhaltung der Körperspannung und Ausführungsqualität über die gesamte Übung.
Erstellen eines Belastungsgefüges zur Entwicklung einer dominanten Kraftfähigkeit, z. B. Schnellkraft (Reaktivkraft) für den Beinabdruck
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Trainingsmethode: Pliometrisches Training (reaktive Sprünge)
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Organisationsform: Stationstraining (z. B. Drop Jumps / Niedersprünge aus dem Kasten)
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Belastungsumfang: 4 Serien, 6-8 Wiederholungen
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Belastungsintensität: 100% (maximale Explosivität, supramaximaler Reiz im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus)
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Belastungsdichte: Serienpause 3-5 Minuten (vollständige lohnende Pause)
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Qualität der Bewegungsausführung: höchstmögliche Ausführungsgeschwindigkeit, minimaler Bodenkontakt
Diskutieren möglicher Vorgehensweisen für Lernprozesse (Methodische Reihung / Prinzipien)
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Ganzheits-/Teillernmethode: Aufgrund der hohen Komplexität und des Risikos bietet sich oft die Teillernmethode an (Isolierung von Absprung, Flug-/Rotationsphase und Landung), bevor das Element ganzheitlich ausgeführt wird.
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Methodische Hilfsmittel: Einsatz von Schnitzelgruben, Longen oder Trampolinen, um die Angst zu nehmen und Verletzungen beim Üben zu vermeiden.
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Fremdhilfe: Sichern und Helfen durch den Trainer bei den ersten Versuchen unter Wettkampfbedingungen.
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Mentales Training: Aufbau einer präzisen Bewegungsvorstellung vor der physischen Ausführung.
Erklären möglicher Ursachen der „Twisties" mithilfe der psychischen Handlungskomponenten
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Kognitive Komponente: Wahrnehmung und Informationsverarbeitung sind gestört. Die Athletin verliert das Gefühl für die Position und Rotation im Raum (Orientierungsverlust). Die Bewegungsvorstellung (Antizipation) für den komplexen Ablauf reißt ab.
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Emotionale Komponente: Ein extrem hoher Erwartungsdruck (z. B. bei Olympischen Spielen) kann zu massiver Stressbelastung, Angst vor Verletzungen oder Überforderung führen. Dies blockiert den automatisierten Abruf der Bewegungsprogramme aus dem motorischen Gedächtnis.
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Volitionale Komponente: Der Wille zur bewussten Handlungssteuerung reicht in dem Moment des Kontrollverlusts nicht mehr aus, um den Bewegungsausbruch (Abbruch) zu überwinden; der Entschluss, die Bewegung in der Luft zu Ende zu führen, geht verloren.