Aufgabe 4 — Röntgenanalyse von Kunstwerken
Röntgenstrahlung kann eingesetzt werden, um herauszufinden, ob ein Kunstwerk echt oder gefälscht ist. Es können beispielsweise tieferliegende Farbschichten oder die Zusammensetzung von Metallen untersucht werden.
Zur Analyse von Röntgenspektren kann die Drehkristallmethode verwendet werden (siehe Material 1).
Erläutere die Funktionsweise einer Röntgenröhre.
Leite die Bragg-Bedingung mit
unter Verwendung einer aussagekräftigen Skizze her.
Ein Beispiel für ein Röntgenspektrum ist in Abbildung 2 (Material 2) dargestellt.
Markiere im Diagramm die kontinuierliche und die charakteristische Röntgenstrahlung sowie die kurzwellige Grenze.
Erläutere die Entstehung kontinuierlicher und charakteristischer Röntgenstrahlung und der kurzwelligen Grenze.
Ermittle rechnerisch mithilfe der kurzwelligen Grenze die Beschleunigungsspannung.
[Kontrollwert: ca. ]
Die charakteristische Strahlung einer Röntgenröhre wird mithilfe eines Lithium-Fluorid-Kristalls vermessen (Material 1). Die Anode besteht aus Molybdän. Die zur Linie des Anodenmaterials gehörige Strahlung wird unter dem Winkel
gemessen.
Berechne mithilfe des Moseley-Gesetzes den Winkel
Ein Kunsthändler hat eine Figur mit einer vergoldeten Silbermünze in der Hand angeboten bekommen. Er fragt sich, ob sich unter dem Gold tatsächlich reines Silber befindet. Die Münze soll mithilfe der Röntgenfluoreszenzanalyse untersucht werden (Material 3).
Werte das Diagramm in Abbildung 3 (Material 3) aus. Erläutere, warum im Diagramm kein Peak für die Vergoldung erkennbar ist. Beantworte die Frage des Kunsthändlers.
Erläutere Interpretationsschwierigkeiten, wenn zur Analyse der Münze die Röntgenröhre aus Aufgabenteil c) verwendet wird (siehe auch Material 2).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Die Drehkristallmethode zur Aufnahme von Röntgenspektren
Bei der Drehkristallmethode trifft ein Röntgenstrahl auf einen Kristall (Abbildung 1). Die vom Kristall reflektierte Strahlung wird mit einem Zählrohr registriert. Durch das Drehen des Kristalls wird der Einstrahlungswinkel variiert und jeweils mit dem Zählrohr die Strahlung registriert.
Der hier verwendete Lithium-Fluorid-Kristall hat einen Netzebenenabstand von

Abbildung 1: Aufbauskizze Drehkristallmethode
Material 2: Röntgenspektrum

Abbildung 2: Röntgenspektrum einer Molybdän-Anode
Material 3: Röntgenfluoreszenzanalyse
Bei der Röntgenfluoreszenzanalyse von Kunstwerken werden Untersuchungsobjekte mit kontinuierlicher Röntgenstrahlung bestrahlt. Durch die eingestrahlten Photonen werden Atome angeregt und senden bei der Rückkehr in den ursprünglichen Zustand Photonen mit einer materialspezifischen charakteristischen Energie aus. Die vom Material emittierte Strahlung wird mit dem Zählrohr registriert und analysiert. Es gilt das Moseley-Gesetz.

Abbildung 3: Röntgenfluoreszenzanalyse der Münze
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Sobald eine Heizspannung an der Heizwendel angelegt wird, bildet sich dort eine Elektronenwolke. Zwischen der Heizwendel und der Anode wird eine hohe Beschleunigungsspannung angelegt. Das dadurch entstehende elektrische Feld sorgt dafür, dass die Elektronen in Richtung der Anode beschleunigt werden und auf diese mit hoher kinetischer Energie auftreffen. Beim Aufprall auf das Anodenmaterial erfahren die schnellen Elektronen eine starke Abbremsung, wodurch Röntgenphotonen emittiert werden.
Um sicherzustellen, dass die erzeugte Röntgenstrahlung gerichtet abgestrahlt wird, besitzt die Anode eine schräge Form. Damit sich die Elektronen ohne Kollisionen mit Luftmolekülen frei bewegen können, ist der gesamte Aufbau in einem evakuierten Glaskolben untergebracht.

-
Damit es zu konstruktiver Interferenz kommt, muss der Gangunterschied
einem ganzzahligen Vielfachen der Wellenlänge
entsprechen:
mit
-
Wie in der Skizze dargestellt setzt sich der Gangunterschied
aus zwei gleich langen Katheten
zusammen, es gilt also
-
Für das eingezeichnete rechtwinklige Dreieck gilt
-
Daraus folgt für die Kathete
und somit für den Gangunterschied
-
Ausgehend von der anfänglichen Bedingung für Maxima
ergibt sich schließlich die Bragg-Bedingung:

Kontinuierliche Strahlung (Bremsspektrum):
-
Wenn die beschleunigten Elektronen in das elektrische Feld der Anodenatome eindringen, erfahren sie eine Abbremsung. Dabei wird Energie in Form von Röntgenphotonen freigesetzt.
-
Da die Elektronen unterschiedlich stark abgebremst werden, können die entstehenden Photonen jeden beliebigen Energiewert annehmen, der maximal der gesamten kinetischen Energie eines vollständig gestoppten Elektrons entspricht.
-
Ein Photon mit dieser maximalen Energie besitzt folglich die höchstmögliche Frequenz und damit die kleinstmögliche Wellenlänge. Dies begründet das Vorhandensein der kurzwelligen Grenze im kontinuierlichen Spektrum.
Charakteristische Strahlung:
-
Die beschleunigten Elektronen aus der Röntgenröhre sind zudem in der Lage, einzelne an die Atomkerne des Anodenmaterials gebundene Elektronen herauszuschlagen.
-
Die dadurch entstehenden Lücken werden durch Elektronen aus oberen Schalen aufgefüllt. Die Energiedifferenz
zwischen den beiden Schalen wird dabei in Form eines emittierten Photons abgegeben.
-
Da diese Energiedifferenzen spezifisch für das jeweilige Anodenmaterial sind, erzeugt dieser Prozess charakteristische Peaks bei festen Wellenlängen im Spektrum.
Zunächst muss die Grenzwellenlänge aus dem Diagramm aus Material 2 abgelesen werden. Diese liegt bei etwa
An dieser kurzwelligen Grenze geht die gesamte kinetische Energie eines auftreffenden Elektrons in die Energie eines einzigen Photons über. Somit gilt:
Das Einsetzen der Naturkonstanten und der abgelesenen Wellenlänge liefert:
Das Periodensystem im Formeldokument liefert für Molybdän die Kernladungszahl
Außerdem lautet das Moseley-Gesetz gemäß Formeldokument:
Daraus ergibt sich für die Frequenz eines Photons:
Somit ergibt sich für die Wellenlänge der Röntgenstrahlung folgender Wert:
Die Bragg-Bedingung kann nun nach dem Winkel aufgelöst werden:
Es ergibt sich somit ein berechneter Winkel von
Zunächst werden die Energien der beiden charakteristischen Peaks aus dem Spektrum entnommen:
-
Für den ersten Peak ergibt sich dabei ein Wert von
-
Der zweite Peak liegt bei etwa
Es gilt das Moseley-Gesetz, das nach der Kernladungszahl aufgelöst wird, es gilt
Durch Einsetzen ergibt sich für den ersten Peak eine Kernladungszahl von:
Für den zweiten Peak ergibt sich eine Kernladungszahl von:
Ein Abgleich mit dem Periodensystem in der Formelsammlung identifiziert diese Kernladungszahlen eindeutig als die Elemente Kupfer und Silber.
Dem Kunsthändler muss somit mitgeteilt werden, dass es sich bei der Münze um eine Fälschung handelt, da der Kern nicht aus reinem Silber besteht, sondern auch Kupfer enthält.
Ergänzend lässt sich anführen, dass Gold die Ordnungszahl besitzt. Nach dem Moseley-Gesetz müsste echtes Gold einen charakteristischen Peak bei einer deutlich höheren Energie (etwa
) aufweisen, was in dem vorliegenden Diagramm jedoch gänzlich fehlt.
Ein potenzielles Problem bei dieser Analysemethode tritt auf, wenn sowohl die eingestrahlte Röntgenstrahlung als auch die von der Probe emittierte Strahlung charakteristische Peaks aufweisen. Diese Peaks könnten im Spektrum leicht miteinander verwechselt werden.
In der Praxis führt dies zu dem Risiko, dass das Material der Anode irrtümlicherweise als Bestandteil der analysierten Probe interpretiert wird. Umgekehrt könnte auch ein tatsächlich in der Probe vorhandenes Material fälschlicherweise ignoriert werden, in der Annahme, es handele sich lediglich um das Anodenmaterial der Röntgenröhre.