Aufgabe 2
Nationalsozialistische Außenpolitik
Alle nationalen Vorstellungen, von der Veränderung der deutschen Grenzen über die Wieder-
herstellung deutscher Großmachtpositionen bis hin zu Plänen einer mitteleuropäischen Hege-
monie und kolonialer Rückeroberung, die viele nationale Gruppierungen propagiert hatten, wa-
ren für Hitler und den harten Kern der nationalsozialistischen Bewegung nur Instrument. Sie
waren die Maske, hinter der Hitler seine Expansions- und Lebensraumpläne versteckte, und
umgekehrt gab deren schrittweise Erfüllung dem Führermythos immer neue Nahrung und fes-
teren Bestand.
Hans-Ulrich Thamer, Historiker, 2005
Erörtere, ausgehend vom Zitat, inwiefern die nationalsozialistische Außenpolitik eine
grundlegende Abkehr von der bisherigen deutschen Außenpolitik darstellte.
(Zur Bearbeitung der Aufgabe sind alle Materialien einzubeziehen.)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1 Alfred Rosenberg3 über die zukünftige deutsche Außenpolitik, 1927
3Alfred Ernst Rosenberg (1893 - 1946), deutscher Politiker zur Zeit der Weimarer Republik und des National-
sozialismus, führender Ideologe der NSDAP.
Rosenberg, Alfred: Der Zukunftsweg einer deutschen Außenpolitik. München 1927, S. 9 - 12.
Material 2 Aufruf der Reichsregierung an das deutsche Volk zur Abstimmung über den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, 14. Oktober 1933
Berlin, den 14. Oktober 1933
Die Reichsregierung
https://bildsuche.digitale-sammlungen.de/index.html (12.05.2026)
Material За Auszüge aus dem Hoßbach-Protokoll, 5. November 1937
Niederschrift von Oberst Friedrich Hoßbach über eine Besprechung in Berlin, während der
Adolf Hitler in einem mehrstündigen Monolog den wichtigsten Vertretern der Wehrmacht die
Grundzüge seiner Außenpolitik darstellte.
https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_de&dokument=0008_hos&object=pdf&st=&1-de
(24.04.2024)
Material 3b Broschüre zur Erfüllung des Vierjahresplanes, Sonderausgabe, Januar 1941

https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/vlt01671 (12.05.2026)
Material 4 Joachim Fest, Historiker: Hitler. Eine Biographie, 1973
4Eschatologie: die Lehre von einem neuen (besseren) Zustand der Welt am Ende der Weltgeschichte
5Wiederhersteller
Fest, Joachim: Hitler. Eine Biographie, Hamburg 2007 (zuerst 1973), S. 936 - 941.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Hans-Ulrich Thamer behauptet, dass nationale Aspekte der nationalsozialisti-
schen Außenpolitik wie die Wiederherstellung der deutschen Großmachtposi-
tion oder koloniale Rückeroberungen von Hitler zur Verschleierung seiner Ex-
pansions- und Lebensraumpläne genutzt worden seien. Dabei habe die etap-
penweise Realisierung dieser Ziele die nachhaltige Entwicklung eines Füh-
rermythos begünstigt.
Resümee, Verknüpfung mit Ausgangsproblematik
Der Schwerpunkt der nationalsozialistischen Außenpolitik zwischen
1933 und 1936 lag auf der Revision bestehender Verträge und dem
Austesten von Handlungsspielräumen gegenüber den Siegermächten
des Ersten Weltkrieges. Dies kam insbesondere durch die Abkehr von
der außenpolitischen Zielsetzung der Weimarer Republik zum Ausdruck,
die sich im Austritt aus dem Völkerbund im Jahr 1933 manifestierte.
Ab 1937 agierte Hitler zunehmend aggressiver und seine Maßnahmen
dienten vorwiegend der Kriegsvorbereitung. Die Verknüpfung der Außenpolitik
mit den Vorstellungen von rassischer Auslese, Lebensraumerweiterung sowie
der Blut-und-Boden-Ideologie stellte ebenfalls einen deutlichen Bruch mit der
deutschen Außenpolitik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dar. In jenem
Kontext gingen die Ziele der Nationalsozialisten deutlich über den expansiven
Charakter einer imperialistischen Außenpolitik, wie sie von den europäischen
Großmächten vor dem Ersten Weltkrieg betrieben wurde, hinaus. Diese nutzte
Hitler, um sich gegenüber der deutschen Bevölkerung zunehmend als
Heilsbringer zu inszenieren.
Der Aussage Hans-Ulrich Thamers ist zuzustimmen.
sachgerechte inhaltliche Schwerpunktsetzung unter Nutzung des Fachwortschatzes
und historischer Daten
mögliche inhaltliche Schwerpunkte:
-
Außenpolitik zur Zeit der Weimarer Republik
-
nationalsozialistische Ideologie und Wirtschaftspolitik
-
Etappen der nationalsozialistischen Außenpolitik bis 1939
-
kriegsvorbereitende Maßnahmen
-
Ausblick auf den Zweiten Weltkrieg
Analysiere und bearbeite die Materialien (formal und inhaltlich), führe Belege an
und verknüpfe sach- und methodenkompetent Materialien und eigene Gedankengänge.
Material 1
historischer Kontext:
-
Weimarer Republik, 1927
Inhalte:
-
Entlarvung des Friedensversprechens: Erkenntnis der Unwahrhaftigkeit der
Sieges- und Friedenspropaganda der Alliierten
-
Nachkriegsfolgen: Zusammenbruch Deutschlands, Staatsneugründungen
auf deutsche Kosten, internationale Überschuldung, zunehmende globale
Verwicklungen
-
weltweite Erschütterung: globale Nachwirkungen des Weltkriegs, Fortbe-
stehen eines umfassenden „Weltkampfs" trotz Kriegsende
-
Neuorientierung des deutschen Volks: Besinnung auf vermeintliche Le-
bensraumanforderungen (,,Land, Raum, Luft, Ackerscholle")
-
Ablehnung traditioneller Politikfelder: Zurückweisung dynastischer Inte-
ressen, Wirtschaftspolitik, Konfessionspolitik, Internationalismus, Klas-
senkampf, Kleinstaaterei
-
Ideologie von der Schaffung eines Volkes: Forderung nach Umformung der
Bevölkerung zu einem homogenen „Volk" und Expansion des Lebens-
raums für ein angestrebtes 100-Millionen-„Geschlecht"
-
Kopplung von Innen- und Außenpolitik: Behauptung, dass innenpolitischer
„Sieg" äußere Expansion und ‚Freiheit" voraussetze
-
rassebasierte Geschichtsdeutung: Zuschreibung politischer Schicksale an
„Rasse", Bevölkerungszahl, Geografie und „rassisch-völkische Umwelt"
-
nordische Rassemythologie: Konstruktion einer angeblichen historischen
„Völkerwanderung" der „nordischen Rasse"
-
Germanenidealisierung: Zuschreibung der Entstehung abendländischer
Staaten und Kultur zur „herrschenden" germanischen Gruppe über andere
„Rassen" und „Mischungen"
Erörterungsmöglichkeiten:
-
Krieg als Mittel der nationalsozialistischen Außenpolitik
-
„Lebensraumtheorie" als Bestandteil der NS-Ideologie
-
Synthese von Ideologie und Außenpolitik
-
Abkehr von bisheriger deutscher Außenpolitik
Material 2
historischer Kontext:
-
Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, 1933
Inhalte:
Argumentation für den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund:
-
Verständigungspolitik als Ziel der deutschen Reichsregierung
-
Ablehnung von Gewalt als Mittel der Politik
-
mehrfaches Bekenntnis zu globaler Abrüstungspolitik und zur Diplomatie mit allen Nationen
-
Bereitschaft zum Abschluss von Nichtangriffsverträgen
-
Zubilligung der Gleichberechtigung Deutschlands als Voraussetzung für erfolgreiche internationale Beziehungen
-
Austritt aus dem Völkerbund aufgrund fehlender Gleichberechtigung Deutschlands
-
Versailler Vertrag als Ursache für Not und Elend des deutschen Volkes
-
Distanzierung der deutschen Reichsregierung von Aufrüstungsabsichten
Erörterungsmöglichkeiten:
-
Grundlage für spätere Revisionspolitik
-
deutsche Außenpolitik bis 1936 – Widerspruch von Friedensbekundungen und Aufrüstungsbestrebungen
Material 3a
historischer Kontext:
-
deutsche Außenpolitik, 1937
Inhalte:
-
militärische Gewalt trotz des damit verbundenen Risikos als einzige Lösung der Deutschen Frage
-
Kämpfe Friedrichs des Großen um Schlesien und Bismarcks um Österreich und Frankreich als Erfolgsbilanz riskanter militärischer Operationen
-
Frage nach Beginn einer militärischen Offensive der deutschen Reichsregierung
-
Fall 1: 1943 bis 1945
-
späterer Kriegseintritt zu Ungunsten des Deutschen Reiches
-
Aufrüstung Deutschlands abgeschlossen
-
nicht mehr verfügbare personelle Reserven aus älteren Jahrgängen nach 1945
-
sofortige Notwendigkeit militärischen Handelns aufgrund der Ungewissheit zukünftiger Entwicklungen
-
aufgrund dessen Entwurf weiterer Szenarien:
-
-
Fall 2: innenpolitische Krise Frankreich als Voraussetzung und Möglichkeit für den Überfall auf die Tschechei
-
Voraussetzung: soziale Spannungen, innenpolitische Krise
-
Folge: Ausschaltung französische Armee
-
Handlungsmöglichkeit: Angriff auf Tschechei
-
-
Fall 3: Ausschluss eines Zweifrontenkrieges durch einen Krieg Frankreichs mit anderem Staat
-
Folge: Handlungsfreiheit Deutschlands
-
Handlungsmöglichkeit: „Niederwerfen" der Tschechei und Österreichs
-
Erörterungsmöglichkeiten:
-
konkrete Kriegspläne als endgültige Abkehr von bisheriger deutscher Außenpolitik
-
aggressive Außenpolitik Hitlers ab 1937
-
Krieg als einziges Mittel zur Realisierung außenpolitischer Zielsetzungen
Material 3b
historischer Kontext:
-
Wirtschafts- und Außenpolitik des Deutschen Reiches in den Jahren 1936–1940, 1941
Inhalte:
-
Industriegebiet in der unteren Bildhälfte, Bauer auf Traktor im Vordergrund
-
Militärflugzeuge mit Eisernem Kreuz am Himmel
-
stilisierte, überdimensionale Geschütze im Hintergrund
-
Frakturschrift „Der Vierjahresplan“ in Frakturschrift am unteren Bildende
Deutung/Erörterungsmöglichkeiten:
-
Erfolge des Vierjahresplans
-
Fokussierung auf den Aspekt der militärischen Aufrüstung
-
Verbindung von Wirtschafts- und Außenpolitik
-
Autarkiepläne
-
propagandistische Darstellung
Material 4
historischer Kontext:
-
Historikerurteil, 1973
Inhalte:
-
Zusammenhang von Erstem und Zweitem Weltkrieg
-
deutsche Weltmachtidee seit der späten Bismarckzeit
-
Verdichtung imperialistischer Kriegsziele um 1900
-
Scheitern von 1914–1918 als Ausgangspunkt erneuter Radikalisierung
-
imperialistische Kontinuität der deutschen Geschichte
-
Höhepunkt dieser Kontinuität in der Person Hitlers
-
Rolle konservativer Führungsschichten
-
Weltmacht- und Revisionskonzepte der Kaiserzeit
-
Geltungskomplex nach dem Zusammenbruch von 1918
-
Wahrnehmung Hitlers als Vollstrecker konservativer Revisionsziele
-
Instrumentalisierung des Versailler Vertrags
-
Mobilisierung durch Demütigungs- und Opferdiskurse
-
Unterstützung Hitlers durch konservative Eliten in der Frühphase
-
Kritik konservativer Kreise lediglich an Hitlers Risikobereitschaft
-
Bruch der Kontinuität zwischen konservativem Revisionismus und Hitlers Zielen
-
Unvereinbarkeit konservativer Etappenziele mit Hitlers Endzielen
-
Verachtung Hitlers gegenüber halbherzigen Bündnispartnern
-
Konzept des grenzenlosen „Griffs nach der Weltmacht"
-
qualitativer Unterschied zum Imperialismus der Kaiserzeit
-
zentrale Bedeutung ideologischer Radikalisierung
-
Rassenideologie, Auslesevorstellungen und Sendungsbewusstsein
-
strategische Täuschung konservativer Eliten und Militärs
-
instrumentelle Nutzung der Kontinuitätsbehauptung
-
Vorspiegelung der Rolle als Vollstrecker verlorener Großmachtträume
-
eigenständige, ideologisch begründete Zielsetzung Hitlers
Erörterungsmöglichkeiten:
-
Dekonstruktion
-
Verhältnis von nationalsozialistischer und imperialistischer Außenpolitik
-
nationalsozialistische Außenpolitik als Traditionsbruch
-
Zusammenhang von Außenpolitik und Führermythos