Aufgabe 1.1
Die letzten Jahre waren wirtschaftlich und politisch von multikausalen Krisen geprägt, wesentlich durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg. Die Akteure der Wirtschafts-, Geld- und Haushaltspolitik wurden dadurch vor verschiedene Herausforderungen gestellt.
Beschreibe drei Aufgaben des Staates in der sozialen Marktwirtschaft und erläutere deren Umsetzung anhand des Kreislaufmodells.
Stelle drei Probleme dar, die sich aus der hohen Staatsverschuldung Deutschlands ergeben können.
Charakterisiere das Wechselkurssystem zwischen dem Euro und dem US-Dollar.
Nenne drei mögliche Ursachen für eine Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar.
Beschreibe eine der Ursachen sowie Folgen der Abwertung für die Wirtschaft im Euroraum.
Beschreibe drei Inflationsursachen, die sich aus den eingangs genannten Krisen ergeben und beurteile die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank vom 6. Juni 2024.
Material 1
Bundeshaushalt 2023, Einnahmen
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Bereich |
Anteil in % |
|---|---|
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Steuern und Finanzzuweisungen |
83,42 |
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Rücklagen |
10,25 |
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Schulden |
6,38 |
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Grund-, und Kapitalvermögen, Sondervermögen |
0,56 |
Quelle: https://www.bundeshaushalt.de (26.09.2024)
Material 2
Bundeshaushalt 2023 (Ausgaben inkl. 1. Nachtragshaushalt)
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Funktion |
Anteil in Prozent % |
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Soziale Sicherung |
46,44 |
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Allgemeine Dienste (Verteidigung, politische Führung und zentrale Verwaltung, Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Finanzverwaltung) |
23,57 |
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Finanzwirtschaft (Zinsen u. a.) |
8,83 |
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Bildungswesen, Wissenschaft, Forschung, kulturelle Angelegenheiten |
7,26 |
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Verkehrs- und Nachrichtenwesen |
6,07 |
|
Energie- und Wasserwirtschaft, Gewerbe und Dienstleistungen |
4,47 |
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Gesundheit, Umwelt, Sport und Erholung |
2,05 |
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Wohnungswesen, Städtebau, Raumordnung und kommunale Gemeinschaftsdienste |
0,85 |
|
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten |
0,46 |
Quelle: https://www.bundeshaushalt.de (26.09.2024)
Material 3
6. Juni 2024: EZB senkt erstmals seit fast 5 Jahren die Zinsen
Die EZB steuert um: Nach einer Serie von Zinserhöhungen senkt die Notenbank nun wieder die Zinsen im Euroraum. Und das, obwohl die Inflation zuletzt wieder leicht angezogen hat. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt nach ihrer beispiellosen Serie von Leitzinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation wieder die Zinsen im Euroraum. Nach knapp neun Monaten auf Rekordhoch verringern die Euro-Währungshüter den Einlagenzins, [...], um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent. Das teilte die Notenbank in Frankfurt am Donnerstag im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mit. Zugleich wird der Zins, zu dem sich Kreditinstitute frisches Geld bei der Notenbank besorgen können, von 4,5 Prozent auf 4,25 Prozent gesenkt.
[...] Volkswirte hatten mit einer Lockerung der geldpolitischen Zügel gerechnet, nachdem die Inflation sich deutlich abgeschwächt hatte. Zwar hat die Teuerung im Euroraum im Mai wieder etwas an Tempo gewonnen: Die Verbraucherpreise stiegen zum Vorjahresmonat um 2,6 Prozent nach 2,4 Prozent im April. Vom Rekordhoch bei 10,7 Prozent im Herbst 2022 ist die Inflation inzwischen aber weit entfernt.
[…]
Nach neuester Prognose der Notenbank wird die Teuerung im Euroraum etwas langsamer zurückgehen als zuletzt erwartet. Für das laufende Jahr rechnet die EZB nun mit einer Inflationsrate von 2,5 Prozent, im März hatte die Notenbank noch 2,3 Prozent vorhergesagt. 2025 wird eine Rate von 2,2 (März-Prognose: 2,0) Prozent erwartet.
[..] „Wir sind mit dem spürbaren Rückgang der Inflation zufrieden, aber der Weg zurück zur Preisstabilität ist holprig“, hatte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel unlängst ARD Plusminus und tagesschau.de gesagt. Was das Wirtschaftswachstum im Euroraum angeht, sind die Euro-Währungshüter für das laufende Jahr etwas zuversichtlicher geworden: Die EZB erwartet nun einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,9 Prozent. Im März hatte die Notenbank ihre zuvor optimistischeren Konjunkturerwartungen noch auf 0,6 Prozent verringert.
Quelle: https://www.wiwo.de (26.09.2024)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Aufgaben des Staates in der sozialen Marktwirtschaft und Umsetzung anhand des Kreislaufmodells:
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Verbinden des Prinzips der Freiheit auf dem Markt mit dem Prinzip des sozialen Ausgleichs
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Sozialpolitische Aufgaben, z. B. Herstellen sozialer Gerechtigkeit durch Umverteilung von Einkommen und Vermögen
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Einnahmenseite: Steuereinnahmen (direkte Steuern, indirekte Steuern) als wesentlicher Bestandteil, durch den der Staat Einkommensteile aus den Haushalten und Unternehmen abzieht
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Ausgabenseite: der Großteil der Einnahmen fließt als Transferzahlungen an Haushalte, wie beispielsweise Gesundheit, Familie
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Wirtschaftspolitische Aufgaben, z. B. Konjunkturpolitik, Strukturpolitik
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Beispiele: Teile der Einnahmen für staatliche Konsum- und Investitionsausgaben (Verteidigung, Verkehr) und Subventionen, Bildung, Forschung
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Weitere Aufgaben: Bereitstellung öffentlicher Güter, z. B. Bildung, Verteidigung; Infrastruktur, Digitalisierung
Probleme, die sich aus der hohen Staatsverschuldung Deutschlands ergeben können:
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Belastung zukünftiger Generationen
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Bindung finanzieller Mittel im Bundeshaushalt
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Bonitätsverlust, Staatsbankrott
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Crowding-Out-Effekt
Wechselkurssystem zwischen dem Euro und dem US-Dollar:
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Flexibles Wechselkurssystem, d. h. Kursbildung durch Angebot und Nachfrage
Ursachen für eine Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar:
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Leistungsbilanzdefizite
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niedrigeres Zinsniveau im Euroraum
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Erhöhung der Geldmenge durch die Zentralbank
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Devisenmarktspekulationen
Beschreiben der Folgen der Abwertung für die Wirtschaft im Euroraum:
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Export wird günstiger
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Import wird teuer für den Euroraum
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Nachfrage nach europäischen Gütern und Dienstleistungen steigt
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Positive Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung
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Gefahr importierter Inflation
Inflationsursachen und Beurteilung der geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank vom 6. Juni 2024:
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Steigende Rohstoff- und Energiekosten
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Lieferkettenengpässe
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Steigende Nachfrage durch Angstkäufe
Beurteilung der geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank vom 6. Juni 2024:
Die EZB leitete am 6. Juni 2024 eine Zinswende ein, indem sie die Leitzinsen nach fast fünf Jahren erstmals senkte. Ausschlaggebend war der deutliche Rückgang der Inflation vom Rekordhoch von 10,7 % auf ein Niveau, das der Notenbank wieder geldpolitischen Spielraum verschaffte. Zudem stützte die EZB mit diesem Schritt die Konjunktur, da sie die Wachstumsprognose für das BIP leicht auf 0,9 % anhob. Niedrigere Zinsen erleichtern Investitionen und Konsum, was die wirtschaftliche Entwicklung positiv beeinflussen kann.
Dennoch bleibt die Entscheidung ein Balanceakt: Da die Teuerung im Mai 2024 wieder leicht auf 2,6 % anstieg und die Inflationsprognosen für die Folgejahre nach oben korrigiert wurden, bleibt das Stabilitätsziel von 2,0 % vorerst unerreicht. Eine zu frühe Lockerung der Geldpolitik birgt daher das Risiko, dass sich der Inflationsdruck erneut verstärkt und die Preisstabilität gefährdet wird.
Insgesamt ist die Zinssenkung unter Abwägung der Ziele Preisstabilität und Wirtschaftswachstum als vorsichtiger und nachvollziehbarer Schritt zu bewerten, da sie die wirtschaftliche Erholung im Euroraum unterstützt. Gleichzeitig ist sie jedoch mit Unsicherheiten verbunden, weshalb die EZB weiterhin wachsam bleiben und ihre Geldpolitik gegebenenfalls erneut anpassen muss.