Aufgabe I – Menschliches Machwerk
Fasse die Grundgedanken von M 1 in fünf Thesen zusammen!
Entfalte Grundelemente eines biblischen Gottesverständnisses und setze diese in Beziehung zu Aussagen des M 1!
Erläutere zwei Antwortversuche auf die Theodizeefrage und untersuche, wie M 1 mit der Theodizeefrage umgeht!
„Einer Theologie, deren Gottesbilder fraglich und brüchig geworden sind, eröffnen sich neue Zugänge zu moderner Kunst und Literatur.“ (M 1, Z. 39 f.)
Beschreibe das Bild „Gott der Farbe“ (M 2) und interpretiere dieses ausgehend vom obigen Zitat unter Berücksichtigung von M 3!
„Wenn die Bibel vom Menschen als ‚Bild Gottes‘ spricht, so ist dies keine Aussage über das Wesen des Menschen, sondern über seine Aufgabe.“ (M 1, Z. 48 f.)
Formuliere ausgehend von dem diese Aufgabe einleitenden Zitat biblische Begründungen für menschliche Kreativität!
Setze dich anhand eines ethischen Problemfelds deiner Wahl differenziert mit der Aussage des obigen Zitats auseinander, beziehe dabei die M 1 bis 3 mit ein!
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Menschliches Machwerk
Der Theologe Andreas Benk stellt 2010 in seinem in der evangelischen Zeitschrift zeitzeichen erschienenen Artikel Menschliches Machwerk einen Zusammenhang von Gottesbildern, dem Bilderverbot und menschlicher Verantwortung her.
Quelle: Benk, Andreas: Menschliches Machwerk. Gottesbilder, Bilderverbot und die Verantwortung des Menschen, in: zeitzeichen 11, Heft 12, S. 22–24, für Prüfungszwecke bearbeitet
Material 2: „Gott der Farbe“ (2016)
Gia Hung

Quelle: https://diekunstmacher.de/unsere-galerie/verkaufte-kunstwerke/gia-hung/acrylgemaelde-g.-hung-gott-der-farbe-ii; (zuletzt eingesehen am 25.09.2025)
Material 3: „Die Erschaffung Adams“ (1508-1512)
Michelangelo Buonarroti

Quelle: https://www.wikiart.org/de/ michelangelo/die-erschaffung-adams-1512-0; (zuletzt eingesehen am 13.11.2024)
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Aufgabe 1
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Die Vielzahl unterschiedlicher, auch in verschiedener Hinsicht irritierender biblischer Gottesbilder macht deutlich, dass Gott jeglicher Darstellung entzogen ist.
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Es kann ein Korrektiv traditioneller, einfacher Bilder sein, dass über Gott im Grunde nur negierende Aussagen möglich sind.
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Die Theologie nach Auschwitz thematisiert das Gefühl der Gottesferne angesichts hochproblematischer Zustände in der Welt.
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Moderne Kunst eröffnet Möglichkeiten, im Sinne des biblischen Bilderverbots konkreten und sich hartnäckig haltenden Gottesvorstellungen eine Absage zu erteilen.
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Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen impliziert menschliche Unverfügbarkeit und kann somit als Auftrag zur Übernahme von Verantwortung für die Welt verstanden werden.
Aufgabe 2
Biblisches Gottesverständnis
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Gott als Schöpfer und Urheber des Lebens (Gen 1–2): Gott wird als der souveräne Weltschöpfer bezeugt, der die Wirklichkeit aus dem Nichts ins Dasein ruft und dem Menschen die Schöpfung anvertraut.
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Gott als der Unverfügbare und Verborgene (Ex 3,14; Ex 20,4 f.): Das biblische Bilderverbot betont die radikale Transzendenz Gottes. Gott lässt sich nicht auf magische, gedankliche oder bildliche Darstellungen festlegen, sondern entzieht sich menschlicher Zugriffsbereitschaft.
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Gott als der Mit-Leidende und Befreier (Ex 3,7; Passion Jesu): Gott offenbart sich in der Geschichte als derjenige, der das Elend seines Volkes sieht, im Leiden Jesu am Kreuz die Gottesferne selbst durchleidet und nahe bei den Zerbrochenen ist.
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Gott als Richter und Vollender (Mt 25; Offenbarung): Der biblische Gott fordert Gerechtigkeit ein, richtet die Welt am Ende der Zeiten und richtet das Zerbrochene wieder auf.
In Bezug auf M 1
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Benk greift biblische Grundelemente auf, zeigt aber deren verstörende Kehrseiten: Gott verlangt die Aufopferung Isaaks (Gen 22), duldet den betlehemitischen Kindermord (Mt 2) und richtet im Weltgericht (Mt 25). Diese Polemiken kollidieren oft mit naiven Wunschvorstellungen von einem rein „lieben Gott“.
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Benk begründet die Zerstörung naiver Gottesbilder direkt mit dem alttestamentlichen Kultbildverbot (Ex 20,4 f.). Der Text verdeutlicht, dass die Vielstimmigkeit der Bibel genau diese Funktion hat: Sie verhindert, dass Gott auf ein einzelnes System reduziert wird.
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Das Grundelement des leidenden Gottessohnes spiegelt sich im Aufschrei Jesu am Kreuz wider, dass Gott nicht eingreift. Benk nutzt dies zur Bekräftigung, dass biblische Rede von Gott paradox ist und nicht in glatten Harmonieformeln aufgeht.
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Für Benk entwertet die biblische Widersprüchlichkeit den Glauben nicht. Vielmehr zwingt die Unergründlichkeit Gottes den Menschen dazu, Gottes Vertreter auf Erden zu sein und Verantwortung für die Welt zu übernehmen.
Aufgabe 3
Antwortversuch 1: Das Buch Hiob (Biblisch-existenzielle Antwort):
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Konzept: Hiob leidet völlig schuldlos und klagt Gott an. Seine Freunde versuchen, das Leid rational durch ein Tun-Ergehen-Syndrom (Schuld-Strafe-Logik) zu erklären.
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Lösung: Gott antwortet Hiob aus dem Wettersturm und verweist auf die Unbegreiflichkeit der Schöpfung. Hiob erhält keine theoretische Erklärung für sein Leid, erkennt aber die Grenzen menschlicher Vernunft an („Ich habe unbedacht geredet“, Hiob 42,3). Gott bleibt dem Leidenden nahe, ohne sich zu rechtfertigen.
Antwortversuch 2: G. W. Leibniz (Philosophisch-rationalistische Theodizee):
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Konzept: Leibniz fragt, wie ein allmächtiger und allgütiger Gott eine Welt voller Übel erschaffen konnte.
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Lösung: Gott hat vor der Schöpfung alle möglichen Welten durchdacht und sich für die „beste aller möglichen Welten“ entschieden. Übel sind unvermeidbare Begleiterscheinungen (physisches, moralisches und metaphysisches Übel), die im Gesamtplan Gottes notwendig sind, um ein größeres Gut zu ermöglichen.
Umgang mit der Theodizeefrage in Material M 1
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Auschwitz als Bruchstelle jeglicher Theodizee: Benk stellt das Grauen der Shoa (Auschwitz) als zentrale Chiffre für die Unlösbarkeit der Theodizeefrage in der Gegenwart dar. Unter Berufung auf Hans Jonas betont er das verstörende Schweigen Gottes während des Wütens in den Vernichtungslagern (vgl. Z. 28-36).
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Kritik an klassischen Gottesattributen: Der Autor hinterfragt traditionelle Antworten radikal: Weder der gleichgültig schweigende Allmächtige noch der ohnmächtig mitweinende Gott bieten angesichts von Auschwitz echten Trost. Gott entzieht sich jeder rationalen Rechtfertigung.
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Gerechtigkeit als menschliche Kategorie: Benk fasst das menschliche Postulat nach Gerechtigkeit als eine „menschliche Schöpfung“ auf. Er zeigt, dass Versuche, Gottes Handeln an menschlichen Maßstäben zu messen, an ihre Grenzen stoßen (vgl. Z. 7 f.).
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Theodizee als Motiv zur Bild-Revision: Die Unbeantwortbarkeit der Theodizeefrage wird bei Benk zum stärksten Argument für das Verwerfen aller naiven, kitschigen Gottesbilder (vgl. Z. 5, 25). Die Aporie des Leids führt direkt zur Notwendigkeit negativer Theologie und zur Hinwendung zu moderner Kunst.
Aufgabe 4
Beschreibung des Bildes „Gott der Farbe“ (Material M 2)
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Der Hintergrund des abstrakten Gemäldes ist mit breiten, Dynamik ausstrahlenden Pinselstrichen in hellem Weiß, sanftem Blau/Türkis und im unteren Zentrum in zartem Pink/Rosa gehalten. Die Ränder wirken verrieben und weich, während sich die hellen, lichtdurchwirkten Töne in der oberen Bildmitte konzentrieren.
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Über dem Hintergrund schwebt eine hochenergetische, vielfarbige abstrakte Gebilde-Form. Von einem verdichteten, intensiv strukturierten Zentrum aus breiten Farbaufträgen (u. a. Rot, Gelb, Grün, Dunkelblau) erstrecken sich Farbstränge diagonal nach links oben und in die rechte Bildhälfte.
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Das Bild wird von mehreren feinen, messerscharfen schwarzen und weißen Diagonallinien durchschnitten, die sich kreuzen. Eine prägnante weiße Linie teilt das Gemälde scheinbar in zwei Hälften, weist jedoch zwei Unterbrechungen auf und berührt das bunte Farbzentrum.
Interpretation ausgehend vom Zitat und unter Berücksichtigung von M 3
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Die Struktur von G. Hungs Werk (M 2) greift das visuelle Bauprinzip von Michelangelos Fresko (M 3) auf. An die Stelle des gegenständlichen Gottesvaters und des nackten Adam tritt eine reine, entgrenzte Farb- und Formdynamik. Dies betonen auch die Titel. Einzelne Farbzonen in M 2 (Grün, Hauttöne) zitieren die Wiese/das Tuch bzw. den Körper Adams aus M 3.
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Die sich annähernden, unterbrochenen Linien und die Zuspitzung der Farbflächen in M 2 richten den Blick exakt auf dieselbe verdichtete Lücke, in der bei Michelangelo (M 3) die Fingerspitzen von Gott und Adam kurz vor der Berührung verharren.
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Gemäß dem Zitat von Jürgen Ebach in M 1 verweigert sich M 2 jeder Verfestigung und figürlichen Naivität. Das Bild zeigt Gott nicht als alten Mann im Gewand (M 3), sondern als schöpferische, ungreifbare Energie und Andersheit („Gott der Farbe“).
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Die Abstraktion drückt Gottes Nichtdarstellbarkeit ebenso aus wie die Unergründlichkeit des menschlichen Wesens (M 1, Z. 46–48). M 2 macht den Raum des Heiligen als dynamisches Kraftfeld erfahrbar, ohne das Geheimnis begrifflich zu fixieren oder zu instrumentalisierten. Es lässt sich als modernes Gottesbild lesen.
Aufgabe 5
5.1 Biblische Begründungen für menschliche Kreativität
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Schöpfungsauftrag und Imago Dei (Gen 1,26–28): Der Mensch ist als „Bild Gottes“ geschaffen. Da der biblische Gott primär als gestaltender Schöpfer hervortritt, beinhaltet die Ebenbildlichkeit den Auftrag, als Repräsentant Gottes schöpferisch, kultivierend und gestaltend in der Welt tätig zu werden.
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Mitgestaltung der Wirklichkeit (Gen 2,19–20): Im zweiten Schöpfungsbericht überträgt Gott dem Menschen die Aufgabe, den Tieren Namen zu geben. Das Benennen ist ein zutiefst kreativer, ordnender Akt der Kultur- und Sprachwerdung.
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Gaben und Baukunst zum Lobe Gottes (Ex 31,1–5): Die Erzählung von Bezaleel zeigt, dass handwerkliche, künstlerische und ästhetische Fähigkeiten direkt als Gabe des Geistes Gottes (Ruach) gedeutet werden, um Schönheit und Räume der Gottesbegegnung zu schaffen.
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Das Entlastungsgeschenk des Sabbats (Gen 2,2–3; Ex 20,8): Die biblische Kreativität gründet nicht in rastlosem Selbsterzeugungszwang. Der Sabbat garantiert die Unterbrechung des Werks, schützt die Schöpfung vor Überausbeutung und schenkt zweckfreie Freiheit zum Staunen und Spiel.
5.2 Auseinandersetzung mit der Aussage anhand eines ethischen Problemfeldes
Eine differenzierte Auseinandersetzung sollte je nach Wahl des ethischen Problemfeldes die Materialien in unterschiedlicher Weise einbeziehen, in jedem Fall aber die aus der Ebenbildlichkeit abgeleitete „[Verantwortung] für die Gestaltung der Welt“ (Z. 50) thematisieren.
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Eine medizin- oder bioethische Fragestellung kann hinterfragen, inwieweit der im Zitat stark gemachte Zusammenhang von Ebenbildlichkeit und Verantwortung im Umgang mit eigener und fremder Gebrochenheit und Fragmentarität hilfreich ist.
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In tierethischen Fragestellungen wird zu berücksichtigen sein, inwieweit auch Tieren und ihrem Handeln eine aus der Ebenbildlichkeit abgeleitete unantastbare Würde zuzusprechen ist.
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Medienethische oder friedensethische Fragestellungen werden eher auf Verantwortlichkeiten gegenüber Agierenden und Betroffenen in den jeweiligen Zusammenhängen sowie auf die Begrenztheit menschlicher Wirklichkeitswahrnehmung eingehen.
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M 2 und M 3 sind insofern einzubeziehen, als sie gerade im Zusammenspiel die Grundbewegung des Textes M 1 weg von naiv-figürlichen Darstellungen Gottes und seines Handelns hin zur Anerkennung einer „radikale[n] Andersheit und Unverzweckbarkeit Gottes“ (Z. 17 f.) verdeutlichen.