Aufgabe III – Der Teufel und die Posaune
Fasse zentrale Handlungsschritte der Kurzgeschichte M 1 zusammen und berücksichtige dabei insbesondere die Veränderungen des moralischen Empfindens, die der Erzähler Sam im Laufe der Nacht durchläuft!
Stelle die biblische und reformatorische Rede von Sünde und Gnade dar und setze dich davon ausgehend mit dem Gedankengang des Erzählers (insbesondere in M 1, Z. 24–45) auseinander!
Skizziere Grundgedanken der Religionskritik Ludwig Feuerbachs und überprüfe, inwieweit diese geeignet sind, das vom Erzähler in der Kapelle Erlebte (vgl. M 1) zu beschreiben!
Setze philosophische und theologische Aussagen zu Wirklichkeit und Wahrnehmung in Beziehung zu den Zeilen 51–60 von M 1!
„Die uralten philosophischen Fragen fanden eine nach der anderen ihre Antwort. Richtig und falsch waren leicht zu unterscheiden.“ (M 1, Z. 49 f.)
Erläutere ausgehend vom obigen Zitat aus M 1 ethische Grundbegriffe und Einordnungskriterien!
Entfalte ein selbstgewähltes ethisches Problemfeld und erörtere davon ausgehend Möglichkeiten eines christlich verantworteten Handelns angesichts christlicher Hoffnungsbilder und -traditionen!
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Die Erzählung The Devil and the Trombone des amerikanischen Wissenschaftsjournalisten und Autors Martin Gardner erschien erstmals 1948. In dem Erlebnis des Universitätsprofessors Sam verwebt der Verfasser phantastische, musikalische und religiöse Motive.
Quelle: Gardner, Martin: The Devil and the Trombone, in: Isaac Asimov et al. (Hg.): 100 Great Science Fiction Short Short Stories, Doubleday 1978, S. 27–30; für Prüfungszwecke übersetzt und bearbeitet
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Aufgabe 1
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Sam betritt nachts, getrieben von Neugier, die Universitätskapelle, da er von dort Orgelklänge hört.
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In der Kirche trifft er an der Orgel auf eine engelsgleiche Person, deren Musik ihn mit innerem Frieden und dem Gefühl eines Einklangs mit der als vollkommen gut empfundenen Welt erfüllt.
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Plötzlich erscheint eine dunkle, teufelsähnliche Figur und beginnt auf der Posaune zu spielen, deren dissonante Töne den inneren Frieden in Aufgewühltheit verwandeln und alles Gute als Trugbild erscheinen lassen.
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Die beiden Figuren beginnen ein Duett, aus dem sich für den Erzähler eine Einsicht in die Komplexität des Zusammenspiels von Gut und Böse und Lösungen für alte philosophische Fragen andeuten.
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In dem Moment, als der völlig überwältigte Erzähler glaubt, nicht nur das Leben mit all seinen Geheimnissen, sondern sogar Gott selbst verstehen zu können, beenden die beiden Figuren ihr Duett und deuten an, dass absolute Erkenntnis für ihn lebensbedrohlich gewesen wäre.
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Das abrupte Verschwinden und die Aufforderung sich aufzuwecken, lassen den Protagonisten verunsichert zurück, sodass er sich zu Hause nicht einmal in der Lage sieht, die Frage seiner Frau nach dem gemeinsamen Umgang mit Erziehungsproblemen zu beantworten.
Aufgabe 2
Das biblische Verständnis der Sünde (hamartia – Zielverfehlung)
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Im Alten Testament (Gen 3–11) beschreibt der Sündenfall den Bruch der vertrauensvollen Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf. Sünde ist kein isoliertes moralisches Einzelfehlverhalten, sondern der Versuch des Menschen, autonom wie Gott zu sein (hybris).
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Im Neuen Testament (insbesondere bei Paulus, z. B. Röm 7) erweist sich die Sünde als existenzielle Verfallenheit: Der Mensch ist in sich selbst verkrümmt (homo incurvatus in se ipsum) und vermag aus eigener Kraft das dauerhaft Gute nicht zu vollbringen.
Gnade als unverdiente Zuwendung Gottes (sola gratia)
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Gnade bezeichnet das freie, ungeschuldete Erbarmen Gottes. Gott überlässt die gefallene Welt nicht der Selbstzerstörung, sondern schenkt Heil und Versöhnung (Röm 8,32).
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Reformatorische Zuspitzung (Martin Luther): Der Mensch kann sich seine Erlösung nicht durch Werke erarbeiten. Er wird allein durch den Glauben (sola fide) bedingungslos gerechtgesprochen und bleibt zugleich Sünder und Gerechtfertigter (simul iustus et peccator). Aus dieser Rechtfertigung erwächst das „neue Leben in Christus“.
Auseinandersetzung mit dem Gedankengang des Erzählers (M 1, Z. 24–45)
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In der Deutung des Musizierens der teufelsähnlichen Gestalt durch den Erzähler (vgl. Z. 34–38) lassen sich Bezüge zur Situation des Menschen nach dem Sündenfall erkennen. Menschliche Lebenswirklichkeit erscheint geprägt von dem, was in der Bibel (Gen 3–11) als Folge der Sünde beschrieben wird. Aus eigener Kraft gelingt den Menschen nichts dauerhaft Gutes (vgl. Röm 7), ihr Tun mündet letztlich in der „totalen Zerstörung“ (Z. 38).
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Die Melodie der engelsähnlichen Gestalt (vgl. Z. 24–26) spielt auf Gottes Gnade an. Dieser überlässt die Welt und den Menschen nicht sich selbst, sondern er hat einen Plan, der seine Güte zeigt (vgl. Röm 8,32).
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Ebenso lassen sich Bezüge zum „neuen Leben in Christus“ erkennen, wenn der Erzähler davon spricht, „Wege zu beschreiten, echte Ziele […] verfolgen“ (Z. 44 f.) zu können, die sich ihm in der nächtlichen Musik offenbart hätten. Zugleich wird ihm bewusst, dass Brüche und Unvollkommenheiten Teil der menschlichen Existenz sind (vgl. Z. 42–45).
Aufgabe 3
Grundgedanken der Religionskritik Ludwig Feuerbachs
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Religion ist nach Feuerbach das Verhältnis des Menschen zu seinem eigenen Wesen. Nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, sondern der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde (Homo homini deus est).
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Aus Ohnmacht, Endlichkeit und Bedürftigkeit projiziert der Mensch seine besten, unendlichen Gattungswünsche (vollkommene Liebe, Weisheit, Allmacht, Gerechtigkeit) an einen jenseitigen Himmel und nennt diese Projektion „Gott“.
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Durch die Projektion verarmt der Mensch, da er sich selbst erniedrigt, um die himmlische Gestalt zu erhöhen. Die Kritik zielt darauf ab, die Projektion zu durchschauen, Gott aufzulösen und die Liebe vom Himmel auf das irdische, zwischenmenschliche Zusammenleben zurückzuholen.
Anwendung von Feuerbachs Gedanken auf M 1
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Das engelsgleiche Wesen kann im Sinne Feuerbachs als Projektion menschlicher Sehnsüchte nach Schutz, Führung oder Trost gedeutet werden. Dies zeigt sich in der Kurzgeschichte z. B. darin, dass diese Gestalt dem Erzähler inneren Frieden schenkt (vgl. Z. 24).
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Die teufelsähnliche Gestalt wiederum erscheint als Projektion menschlicher Ängste und Konflikte angesichts eigener Begrenztheit und Defizite. In seiner Melodie zeigt sich die dunkle und zerstörerische Seite des Menschen (vgl. Z. 38).
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Die Tatsache, dass der Erzähler das nächtliche Geschehen möglicherweise geträumt hat (vgl. Z. 61–65) kann so gelesen werden, dass der Erzähler im Traum das verarbeitet und verbildlicht, was ihn im Innersten beschäftigt.
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Während Feuerbach das Aufgeben der Projektion als Chance für den Menschen sieht, sein Leben im Diesseits in die eigene Hand zu nehmen, scheitert der Erzähler am Ende der Geschichte an der Wirklichkeit. Als seine Frau ihn mit Blick auf die Erziehung des Sohnes um Rat fragt, ist er nicht imstande, eigenständig eine Entscheidung zwischen richtig und falsch zu treffen (vgl. Z. 67–71).
Aufgabe 4
Philosophische Aussagen zu Wirklichkeit und Wahrnehmung
Platons Höhlengleichnis
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Theorie: Die sinnlich erfahrbare Welt gleicht Schatten an einer Höhlenwand. Wahre Erkenntnis erlangt die Seele erst, wenn sie die Höhle verlässt und zur überirdischen Ideenwelt (Idee des Guten als Sonne) aufsteigt.
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Bezug zu M 1: Sams Erlebnis spiegelt das Motiv dieses Aufstiegs wider. Durch die Musik wähnt er sich im Übergang von der bloßen Sinnenwelt zur Schau der ewigen Wahrheiten. Doch sein Aufstieg bleibt unvollendet: Bevor er die höchste Idee (das letzte Mysterium) erblicken kann, bricht das Erlebnis ab – er wird in die Dunkelheit der empirischen Welt zurückgestoßen.
Immanuel Kants Erkenntniskritik (Kritik der reinen Vernunft)
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Theorie: Menschliche Erkenntnis ist auf die Erscheinungen (Phaenomena) beschränkt, geordnet durch die Formen der Anschauung (Raum und Zeit) und Verstandeskategorien. Das „Ding an sich“ (Noumenon) sowie metaphysische Gegenstände (Gott, Unsterblichkeit, Freiheit) sind der theoretischen Vernunft unzugänglich.
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Bezug zu M 1: Das Duett verstummt in dem Moment, als Sam das „Ding an sich“ und das Rätsel von Gottes Existenz fassen will (vgl. Z. 55). Die Aussage des Dämons, sein Gehirn wäre sonst geplatzt (vgl. Z. 59 f.), verbildlicht die von Kant gezogenen Grenzen menschlicher Verstandeskapazität: Überschreitet das Denken seine kategorialen Grenzen, droht ihm Zerstörung und Verwirrung.
Theologische Aussagen zu Wirklichkeit und Wahrnehmung
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Gott teilt sich in seiner Schöpfung, in seinem fortlaufenden geschichtlichen Erhaltungshandeln (creatio continua) und maßgeblich in der Inkarnation Jesu Christi mit. Sam meint, diesen Schöpfungssinn hörend zu erfassen (vgl. Z. 54).
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Die volle Wirklichkeit Gottes bleibt in der irdischen Zeit verborgen (Deus absconditus). Vollendete Gotteserkenntnis ist ein eschatologisches Ereignis, das erst am Ende der Zeiten im Reich Gottes anbricht.
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Fragmentarität menschlicher Gotteserkenntnis (1. Kor 13,9–12): Paulus betont: „Unser Wissen ist Stückwerk [...]. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht“. Sams abrupter Erkenntnisabbruch (vgl. Z. 55 f.) unterstreicht diese theologische Wahrheit: Ein direkter, unvermittelter Zugriff auf Gottes Wesen ist dem irdischen Menschen verwehrt. Erkenntnis bleibt vorletztes Stückwerk.
Aufgabe 5
5.1 Ethische Grundbegriffe und Einordnungskriterien
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Moral vs. Ethik:
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Moral: Die Gesamtheit der in einer Gesellschaft geltenden Normen, Wertvorstellungen und Verhaltensmuster, nach denen Individuen ihr Handeln faktisch ausrichten.
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Ethik: Die philosophische bzw. theologische Reflexionswissenschaft über Moral; sie prüft und begründet methodisch, was sittlich geboten ist.
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Das Richtige vs. das Gute:
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Das Richtige: Bezieht sich meist auf die Konformität einer Handlung mit geltenden Normen, Gesetzen oder logischen Handlungsregeln (z. B. Deontologie).
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Das Gute: Zielt auf den obersten Wert, ein erstrebenswertes Lebensziel oder das gelingende Leben im Ganzen (bonum summum, Tugendethik, Telos).
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Ethische Grundmodelle zur Urteilsbildung:
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Deontologische Ethik (Pflichtethik, Kant): Bewertet die Handlung an sich und die zugrunde liegende Handlungsmaxime (Kategorischer Imperativ), ungeachtet der Konsequenzen.
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Teleologische Ethik (Konsequentialismus/Utilitarismus): Bewertet die sittliche Qualität einer Handlung ausschließlich nach dem Nutzen ihrer Folgen für alle Betroffenen.
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Bezug zum Zitat (Z. 49 f.):
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Sams Behauptung, richtig und falsch seien leicht zu unterscheiden, entlarvt sich als Illusion. Echte Ethik beginnt erst in der komplexen Wirklichkeit, in der Werte kollidieren, Güterabwägungen nötig sind und einfache Schemata versagen.
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5.2 Ethisches Problemfeld und christlich verantwortetes Handeln
Ausgangspunkt kann, je nach Behandlung im Unterricht, bspw. ein Thema aus der Medizin‑, Friedens‑, Tier‑, Wirtschafts‑, Umwelt‑ oder Medienethik sein, anhand dessen die Frage nach christlich verantwortetem Handeln in der Welt zu reflektieren sein wird.
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Gewähltes Problemfeld: Friedensethik – Waffenlieferungen an angegriffene Staaten vs. gewaltfreier Pazifismus
Vielschichtigkeit des ethischen Dilemmas
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Auf der einen Seite steht das Gebot der Nächstenliebe und der Schutz unschuldiger Opfer vor völkerrechtswidriger Aggression und Vernichtung (Recht auf Selbstverteidigung).
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Auf der anderen Seite steht Jesu Mahnung zur Gewaltfreiheit (Bergpredigt: Mt 5,39) und die Gefahr einer unkontrollierbaren Gewalteskalation mit massenhaftem Tod.
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Ein simples „Richtig und Falsch“ im Sinne von Sams Traumvision existiert in diesem Dilemma nicht. Jede Handlungsoption lädt unausweichlich Schuld auf sich.
Rückbindung an christliche Hoffnungsbilder und -traditionen
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Spannung von „Schon jetzt“ und „Noch nicht“ (Eschatologischer Vorbehalt):
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Noch nicht: Die Welt liegt noch in den Wehen der Zerrissenheit; Sünde und Gewalt sind reale Bedrohungen, die rechtliche und friedenssichernde Ordnungen erfordern.
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Schon jetzt: Das Reich Gottes hat mit Jesus begonnen. Seine Maßstäbe – Feindesliebe, Versöhnung, Abbau von Feindbildern – sind als Orientierungsmarken verbindlich.
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Visionen des Friedens (Mi 4,3; Jes 2,4; Offb 21):
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Die Verheißung, dass Schwerter zu Pflugscharen werden und Gott alle Tränen abwischen wird, verbietet es, den Krieg als legitimes Normalmittel zu akzeptieren. Das Friedensreich bleibt der eschatologische Fluchtpunkt.
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Gerichtsvorstellungen und Rechtfertigung:
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Das Wissen um Gottes Weltgericht relativiert menschliche Selbsterhöhung. Der christliche Akteur weiß um die Vorläufigkeit und Fehlbarkeit seiner Entscheidungen.
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Vor Gott lebt der Handelnde aus der Gnade (simul iustus et peccator): Er darf und muss in komplexen Konflikten mutig politische Verantwortung übernehmen, auch wenn er dabei in tragische Schuld gerät.
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Begründete Schlussfolgerung für christlich verantwortetes Handeln
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Christliche Friedensethik verharrt weder in tatenloser Resignation noch verfällt sie militärischem Enthusiasmus.
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Waffenlieferungen können im Sinne eines „rechtserhaltenden Gewaltmonopols“ zeitweilig das geringere Übel sein, um schwerstes Unrecht abzuwehren.
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Sie müssen jedoch stets subsidiär bleiben und von beharrlicher Diplomatie, humanitärer Hilfe und dem Ziel eines gerechten Friedens begleitet werden.
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Getragen von der Hoffnung auf Gottes vollendetes Friedensreich widersteht der Christ der Zerstörungslogik und engagiert sich im Diesseits für Deeskalation, Versöhnung und den Schutz der Menschenwürde.