Aufgabe III — Natürliche Strahlenbelastung durch Radon
Radon ist ein farb- und geruchloses Edelgas, das in geringer Konzentration in der Luft vorhanden ist. Von besonderer Bedeutung ist das radioaktive Radon-Isotop das vorwiegend durch Zerfall des Uran-Isotops
im Erdboden gebildet wird.
Begründe, dass es vier Zerfallsreihen gibt und dass zur Zerfallsreihe von
gehört.
Erläutere, dass alle Nuklide dieser Zerfallsreihe aktuell auf der Erde, deren Alter auf Mrd. Jahre geschätzt wird, vorhanden sind.
zerfällt in das Polonium-Isotop
Gib die Zerfallsgleichung von
an und berechne die beim Zerfall frei werdende Energie.
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Die beim Zerfall von frei werdende Energie teilt sich auf das
Teilchen und den
Kern auf. Gehe davon aus, dass vor dem Zerfall der Impuls des
Kerns null ist und der
Kern nach dem Zerfall in einem angeregten Zustand mit der Anregungsenergie
vorliegt.
Zeige mittels eines nicht-relativistischen Ansatzes, dass für die kinetischen Energien und die Massen der Zusammenhang gilt.
Überprüfe diesen Zusammenhang unter Verwendung des Ergebnisses aus Teilaufgabe b und dem aus Material 1, Abbildung 1 ermittelbaren Wert der kinetischen Energie des Teilchens.
Stelle in einer schematischen Zeichnung des Potenzialtopfmodells für den Atomkern die Vorgänge beim Zerfall dar.
Stelle eine Hypothese für den Zusammenhang zwischen der Halbwertszeit eines Nuklids und der kinetischen Energie des zugehörigen emittierten Teilchens auf.
Hinweis: Der Operator „Hypothesen aufstellen“ erfordert auch eine fachlich fundierte Begründung.
In einer Schule sollen Kellerräume zu Unterrichtsräumen umgebaut werden. In Kellerräumen werden teilweise höhere Radon-Aktivitäten gemessen als in der Außenluft, weil das gasförmige aus dem Erdboden über kleine Risse und Fugen ins Gebäude gelangt.
Die Aktivität von in Räumen wird durch passive oder aktive Messverfahren ermittelt. Stelle die beiden in Material 2 beschriebenen Verfahren anhand dreier Kriterien tabellarisch einander gegenüber.
Die vorgesehenen Kellerräume sollen auf eine mögliche Radonbelastung hin untersucht werden. Entscheide dich begründet für eines der beiden Verfahren, indem du auf deine Kriterien Bezug nimmst.
Für einen der Kellerräume wurde anhand von Messwerten das Diagramm in Material 3, Abbildung 4 erstellt. Der Abfall der Aktivität nach 6:00 Uhr morgens ist auf ein vor 8:00 Uhr abgeschlossenes Stoßlüften zurückzuführen, bei dem die Raumluft vollständig mit Außenluft (Aktivität etwa pro
) getauscht wurde.
Ermittle aus dem Diagramm einen Näherungswert für den Zeitpunkt, an dem die Fenster wieder geschlossen wurden.
Der größte Teil der biologisch schädigenden Wirkung geht nicht von sondern von seinen Zerfallsprodukten aus. Während
fast vollständig wieder ausgeatmet wird, lagert sich
in der Lunge an. Im Weiteren wird nur die Strahlenbelastung durch den Zerfall von
betrachtet, d. h. in der weiteren Folge auftretende Zerfallsprozesse werden vernachlässigt.
Ein Erwachsener atmet durchschnittlich Liter Luft pro Minute ein. Berechne für eine Aufenthaltsdauer von
Stunden im Raum die Anzahl der eingeatmeten
Atome. Nimm dafür eine konstante Aktivität von
von
pro
Raumluft an.
Schätze damit die Äquivalentdosis für die Lunge eines Erwachsenen ab. Gehe davon aus, dass alle eingeatmeten Kerne in der Lunge zerfallen und die beim Zerfall an das umliegende Lungengewebe abgegebene Energie durch die kinetische Energie des
Teilchens (siehe Material 1, Abbildung 1) bestimmt wird.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Radioaktiver Zerfall von 

Das radioaktive Radon-Isotop zerfällt über mehrere Zwischenschritte bis zum stabilen Blei-Isotop
Abbildung 1 zeigt das Energiespektrum der von
und seinen Tochternukliden emittierten
Strahlung.

Abbildung 1: kinetische Energien der Teilchen, die beim Zerfall ausgewählter Nuklide emittiert werden
Material 2: Messverfahren zur Bestimmung der Radon-Aktivität in Innenräumen
a) Passives Messverfahren
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Abbildung 2a: Radon-Exposimeter; Öffnungen mit Filtermembran in weiß dargestellt |
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Abbildung 2b: schematischer Aufbau des Radon-Exposimeters |
Es werden leicht zu handhabende, kostengünstige (30 € bis 50 €) Radon-Exposimeter eingesetzt. Bei ihnen diffundiert aus der Raumluft durch eine Filtermembran ins Innere einer halbkugelförmigen Messkammer (siehe Abbildung 2a und 2b). An der Oberseite der Kammer ist eine wenige hundert Mikrometer dünne Detektorfolie aus Polycarbonat angebracht. Zerfallen
Kerne in der Messkammer, so hinterlassen die emittierten
Teilchen beim Eintritt in die Detektorfolie Spuren. Diese sind erst nach einer chemischen Behandlung im Labor sichtbar und können dann ausgezählt werden. Mithilfe von Radon-Exposimetern können mittlere Radon-Aktivitäten zwischen
und
pro
Raumluft ermittelt werden. Üblicherweise beträgt die Messdauer drei bis zwölf Monate, um jahreszeitliche Schwankungen berücksichtigen zu können.
b) Aktives Messverfahren
|
Es werden mehrere tausend Euro teure Messgeräte eingesetzt, die auf einer Ionisationskammer basieren. Ihr prinzipieller Aufbau ist in Abbildung 3 dargestellt. Die Kammer besteht aus einem Metallzylinder (Anode), in dem sich isoliert vom Metallzylinder eine Stabelektrode (Kathode) befindet. Zwischen Anode und Kathode wird eine Gleichspannung von ca. |
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Abbildung 3: prinzipieller Aufbau und Beschaltung einer Ionisationskammer |
Material 3: Messung der Radon-Aktivität in einem Kellerraum

Abbildung 4: Messung der Radon-Aktivität pro Raumluft in einem Raum während eines Tags; die eingetragenen Werte stellen die jeweils alle zwei Stunden gemessenen Aktivitäten mit ihrer Unsicherheit dar
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Begründen der vier Zerfallsreihen
Bei einem Zerfall nimmt die Massenzahl
um vier ab. Bei einem
Zerfall bleibt sie unverändert. Deshalb bleibt innerhalb einer solchen Zerfallsreihe der Rest bei der Division der Massenzahl durch vier gleich. Es gibt genau vier mögliche Reste und damit vier Klassen von Zerfallsreihen:
Dabei ist eine ganze Zahl. Für die beiden betrachteten Nuklide gilt:
und
Beide gehören somit zur Reihe, der Uran-Radium-Reihe. Aus
entsteht durch insgesamt vier
und zwei
Zerfälle
Die Massenzahl sinkt dabei um
die Kernladungszahl insgesamt um
Erläutern Heutiges Vorkommen
Die Halbwertszeit von beträgt etwa
und ist damit ungefähr so groß wie das Erdalter. Ein erheblicher Teil des ursprünglich vorhandenen Urans ist daher noch nicht zerfallen. Sein fortlaufender Zerfall erzeugt ständig neue Tochterkerne. Dadurch sind auch die kurzlebigen Nuklide der Reihe heute noch vorhanden. Das stabile Endprodukt
wird ebenfalls gebildet und reichert sich an.
Zerfallsgleichung
Beim Zerfall wird ein Heliumkern abgegeben. Die Summe der Massenzahlen und die Summe der Kernladungszahlen bleiben jeweils erhalten.
Berechnen der frei werdenden Energie
Die frei werdende Energie ergibt sich aus dem Massendefekt:
Mit den Bekannten Massen folgt:
Mit ergibt sich:
Zeigen des Zusammenhangs zwischen Energien und Massen
Vor dem Zerfall ist der Gesamtimpuls null. Wegen der Impulserhaltung fliegen der Poloniumkern und das Teilchen in entgegengesetzte Richtungen mit gleich großen Impulsbeträgen:
Nichtrelativistisch gilt Damit folgt unmittelbar:
Überprüfung mit den Energiewerten
Von der frei werdenden Energie verbleiben zunächst als Anregungsenergie im Tochterkern. Für die beiden kinetischen Energien zusammen stehen daher zur Verfügung:
Aus dem Radon-Peak in Material 1, Abbildung 1 lässt sich näherungsweise ablesen. Somit ergibt sich für den Rückstoß des Poloniumkerns:
Der Vergleich liefert:
und
Die Werte stimmen im Rahmen der Ablesegenauigkeit überein. Der wesentlich leichtere Heliumkern erhält nahezu die gesamte kinetische Energie.
Potenzialtopfmodell des Alphazerfalls
Die Skizze zeigt die potenzielle Energie eines Teilchens in Abhängigkeit von seinem Abstand zum Kernzentrum:

Hypothese zur Halbwertszeit
Bei vergleichbaren Coulombbarrieren ist die Halbwertszeit umso kürzer, je größer die kinetische Energie der emittierten Teilchen ist. Bei höherer Energie wird der zu durchtunnelnde Bereich schmaler und der Energieabstand zur Barriere kleiner. Dadurch steigt die Tunnelwahrscheinlichkeit und damit die Zerfallswahrscheinlichkeit pro Zeit. Mit
folgt eine kleinere Halbwertszeit.
Vergleich anhand dreier Kriterien
|
Kriterium |
Passives Verfahren |
Aktives Verfahren |
|---|---|---|
|
Messprinzip und Auswertung |
Alphateilchen hinterlassen Spuren in einer Detektorfolie. Die Spuren werden nach chemischer Behandlung im Labor gezählt; daraus ergibt sich eine mittlere Aktivität. |
Alphastrahlung ionisiert die Luft in einer Ionisationskammer. Der gemessene Ionisationsstrom ist proportional zur momentanen Aktivität; die Werte werden direkt angezeigt und digital aufgezeichnet. |
|
Messdauer und zeitliche Aussage |
Üblicherweise |
Wenige Minuten bis mehrere Tage. Der zeitliche Verlauf und kurzfristige Änderungen, etwa durch Lüften, werden sichtbar. |
|
Kosten |
Etwa |
Mehrere tausend Euro für ein Messgerät. |
Begründete Entscheidung
Für die Untersuchung der Kellerräume vor einer dauerhaften Nutzung als Unterrichtsräume bietet sich das passive Verfahren an, sofern ausreichend Zeit bis zur Nutzung besteht. Entscheidend ist die längerfristige Belastung. Eine Messung über mehrere Monate erfasst auch jahreszeitliche Schwankungen, während eine kurze aktive Messung stark von der jeweiligen Lüftung und Witterung beeinflusst sein kann. Die geringen Kosten ermöglichen es, mehrere Räume gleichzeitig zu untersuchen. Die spätere Laborauswertung ist für diese längerfristige Planung vertretbar.
Wenn dagegen kurzfristig der Einfluss des Lüftens untersucht werden soll, wäre das aktive Verfahren wegen seiner zeitlichen Auflösung geeigneter.
Beim vollständigen Luftaustausch sinkt die Aktivität pro Raumvolumen auf den Außenluftwert von ungefähr Nach dem Schließen der Fenster steigt sie durch erneut eindringendes Radon wieder an. Gesucht ist deshalb der Zeitpunkt, bei dem die rückwärts verlängerte Anstiegskurve diesen Außenluftwert erreicht.
Für eine Näherung wird der erste Abschnitt des Anstiegs als linear betrachtet. Aus dem Diagramm ergeben sich ungefähr um 8:00 Uhr und
um 10:00 Uhr. Die mittlere Steigung beträgt damit:
Für den Anstieg vom Außenluftwert bis zum Messwert um 8:00 Uhr ergibt sich:
Die Fenster wurden daher ungefähr gegen 7:30 Uhr wieder geschlossen. Wegen der Messunsicherheiten und der nur näherungsweise linearen Rückverlängerung ist keine minutengenaue Angabe möglich.
Anzahl der eingeatmeten Poloniumatome
In acht Stunden wird das folgende Luftvolumen eingeatmet:
Die Aktivität pro Volumen ist Für
wird die tabellierte Halbwertszeit
verwendet. Aus
folgt für die Anzahl der Atome im eingeatmeten Luftvolumen:
Einsetzen der Werte ergibt:
Damit werden etwa Poloniumatome eingeatmet. Die Aktivität wird hier über die Zerfallskonstante in eine Atomanzahl umgerechnet; sie ist keine Anzahl von Atomen pro Sekunde Atemluft.
Abschätzung der Äquivalentdosis der Lunge
Für den Zerfall von lässt sich aus Material 1, Abbildung 1 eine Alphateilchenenergie von etwa
ablesen. Für ein Teilchen entspricht dies:
Nach der Aufgabenannahme zerfallen alle eingeatmeten Poloniumkerne in der Lunge und geben diese Energie an das Gewebe ab. Daraus folgt:
Für die Abschätzung wird eine Lungenmasse von angenommen. Die Energiedosis beträgt dann:
Mit dem Strahlungswichtungsfaktor für Alphastrahlung ergibt sich die Äquivalentdosis:
Die Äquivalentdosis der Lunge liegt unter diesen Annahmen somit in der Größenordnung von wenigen Mikrosievert. Bei einer anderen angenommenen Lungenmasse ändert sich das Ergebnis umgekehrt proportional zur Masse. Weitere Zerfälle der Zerfallsreihe sind hier entsprechend der Aufgabenstellung nicht berücksichtigt.


