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Aufgabe 2.2

TASK

The blog “Dynamic Ecology” invites people to contribute posts on ecological issues. Write an entry for the blog outlining the meadow orchards projects in Germany and their outcomes.

TEXT

Auszug aus dem Artikel

Sich krumm machen für Streuobstwiesen

Missen will die Streuobstwiesen1 im Südwesten wohl niemand. Ihr Fortbestand ist allerdings gefährdet. Doch es gibt Beispiele von Menschen, die retten wollen, was zu retten ist.

Von Katharina Hirrlinger

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Saftiges Gras, blühende Bäume und jede Menge Insekten, die im Frühling über die
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Streuobstwiesen schwirren – so sieht es derzeit in Baden-Württemberg aus. Doch dieses
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Bild ist bedroht. Seit den 1950er Jahren sind die Streuobstwiesen in Baden-Württemberg um
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75 Prozent zurückgegangen. In Europa sogar um 90 Prozent“, sagt der NABU2-Experte und
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Grünen-Abgeordnete Markus Rösler. Die Gründe dafür sind vielfältig: der hohe Pflege- und
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Arbeitsaufwand, fehlende Rentabilität oder der Bau neuer Wohngebiete.

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Doch Streuobstwiesen sind wichtig: „Sie sind ein Hotspot biologischer Vielfalt im Europa
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nördlich der Alpen“, sagt Markus Rösler. Derzeit gebe es noch 7,1 Millionen Streuobstbäume
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im Südwesten. Um den Status quo jedoch zu erhalten, müssten jährlich 100000 Bäume
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gepflanzt werden. Ideen gibt es aber genug. Wir stellen Beispiele aus Baden-Württemberg
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und Hessen vor. […]

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In Mössingen im Kreis Tübingen befindet sich einer der größten Bestände an
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Streuobstwiesen in der Region Neckar-Alb. Noch vor 100 Jahren habe dort jeder in
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Mössingen Streuobst gehabt, sagt Marcus Hölz, Geschäftsführer des Inklusions-
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unternehmens Arbeit in Selbsthilfe. Viele Wiesen seien heute aber in erbärmlichem Zustand.
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Deshalb kümmern sich mittlerweile drei Grüngruppen3 das ganze Jahr über um die
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Streuobstwiesen. Die 16 Menschen mit und ohne Behinderung schneiden Bäume, mähen
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Wiesen, ernten und verarbeiten das Obst.

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Auf die Idee kam Marcus Hölz im Jahr 2014. „Ich habe den Bedarf an Unterstützung auf den
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Streuobstwiesen gesehen, gleichzeitig wollte ich eine sinnvolle und nachhaltige Tätigkeit für
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die Menschen mit Behinderung schaffen, in der jeder seine Fähigkeiten einsetzen kann.“
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Mittlerweile haben sie die Dorfmosterei in Bodelshausen übernommen und die Cafés Pausa
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und Weitwinkel sowie zwei Läden eröffnet. In der Mosterei wird ein Teil des Obsts zu Saft
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verarbeitet, der in den Cafés und Läden verkauft wird. Aus dem Rest werden in der
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hauseigenen Manufaktur Kuchen, Marmeladen, Tees, Riegel und vieles mehr hergestellt.
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Insgesamt konnten so etwa 200 Wiesen vor dem Verfall gerettet werden, sagt Hölz. […]

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Beate Holderied gründete 2012 den Verein Streuobstpädagogen. Zuvor war sie bereits mehr
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als zehn Jahre mit Kindern und Jugendlichen auf Streuobstwiesen im Schönbuch4
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unterwegs, um ihnen Wissen und Freude an der Natur zu vermitteln. Seitdem habe sie von
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Lübeck bis Meersburg über 1000 Streuobstpädagoginnen und -pädagogen ausgebildet. In
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90 Unterrichtseinheiten lernen sie, Obst- und Vogelarten zu bestimmen, Obstbäume zu
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pflanzen und zu schneiden, Wiesen zu pflegen und das Obst zu verarbeiten. Der Fokus liege
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aber auch auf der didaktischen und pädagogischen Arbeit, erklärt Beate Holderied. Jährlich
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lernen rund 7000 Kinder, was innerhalb eines Jahres auf Streuobstwiesen passiert. „Immer
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wieder bekommen wir Rückmeldungen, dass Kinder ihr Wissen in die Familien getragen
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haben und die jetzt Interesse an der Bewirtschaftung von Streuobstwiesen haben“, sagt sie.
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Ihre ersten Schützlinge von 2003 sind inzwischen erwachsen […].

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Seit drei Jahren darf in Ostfildern5 kostenlos Obst geerntet werden – bei vorher
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ausgewählten Bäumen. „Ziel ist es, das Obst nicht mehr verkommen zu lassen“, erklärt der
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Sprecher der Stadt, Dominique Wehrle. Denn wenn sich keiner um die Bäume kümmert,
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fallen die Früchte zu Boden und verfaulen. Das freut zwar Insekten und andere Tiere,
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dennoch gehen dabei lokal angebaute Nahrungsmittel verloren.

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Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ostfildern können deshalb online über eine interaktive
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Karte eine Ernteerlaubnis für bestimmte Bäume einholen. Ein Hinweisschild, das selbst
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angebracht werden muss, soll das Abernten durch Unbefugte unterbinden. Wer eine
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Erlaubnis eingeholt hat, darf die reifen Früchte ernten. Wer keinen Obstbaum ergattern
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konnte oder die vielen Früchte eines einzigen Baumes nicht alleine ernten möchte, kann sich
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an den „Obstbäumen für alle“ bedienen, die ebenfalls unter der Rubrik Obstvergabe auf der
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Webseite der Stadt Ostfildern zu finden sind.

1 Streuobstwiese – Obstanbau, bei dem unterschiedliche Obstbäume auf einer Wiese wachsen und Früchte häufig unentgeltlich für privaten Gebrauch verwendet werden dürfen

2 NABU – Naturschutzbund Deutschland e. V., eine deutsche nichtstaatliche Organisation mit dem Ziel, Natur und Umwelt zu schützen

3 Grüngruppe – Arbeitsgruppe innerhalb des Inklusionsunternehmens Arbeit in Selbsthilfe

4 Schönbuch – fast vollständig bewaldeter Naturpark südwestlich von Stuttgart

5 Ostfildern – Stadt südöstlich von Stuttgart

(576 Wörter)

Hirrlinger, Katharina. „Sich krumm machen für Streuobstwiesen.“ Stuttgarter Zeitung, Stadtausgabe Innenstadt, S. 6. 28. April 2023. Zugriff am 2. Mai 2023 von https://www.netzwerk-streuobst.de/wp-content/uploads/20230428_Stz_Streuobstprojekte-Gr%C3%BCngruppe%20AiS.pdf

(Sprachliche Fehler der Textvorlage wurden entsprechend der geltenden Norm korrigiert. Zwischenüberschriften der Textvorlage wurden entfernt.)

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