Vorschlag A – Senioren regieren die Welt – Altersbeschränkung für Staatsämter?
I Übersetzung
Übersetze den Text in angemessenes Deutsch. (Material 1)
II Interpretation
Gib unter Verwendung lateinischer Textbelege Catos bzw. Ciceros Haltung gegenüber dem Greisenalter (senectus) wieder. (Material 1)
Analysiere die sprachlich-stilistische Gestaltung des Textabschnittes von Nihil igitur adferunt bis augeri senectus solet. (Material 1)
Untersuche, inwieweit die Haltung Catos bzw. Ciceros gegenüber dem Greisenalter (senectus) stoisches Gedankengut enthält. (Material 1)
Senioren regieren die Welt – Altersbeschränkungen für Staatsämter?
Nimm unter Berücksichtigung von Material 1 und Material 2 Stellung zu der Frage, ob in der heutigen Zeit Altersbeschränkungen für Staatsämter eingeführt werden sollten.
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Vorbemerkung
Im vorliegenden Text aus einer philosophischen Schrift äußert sich der bei Abfassung 62-jährige Cicero zu hochbetagten noch aktiven Politikern. In der Form eines fiktiven Dialogs legt er dabei seine eigenen Ansichten zum Alter dem Staatsmann Cato (234–149 v. Chr.) in den Mund. Dieser bekleidete bis ins Greisenalter (senectus) hohe Staatsämter und genoss großes Ansehen in der Republik.
Übersetzungshilfen zu Material 1
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Z. 1 |
rem gerere: eine Tätigkeit ausführen/vollbringen |
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Z. 2 |
res seniles: Beschäftigungen im Alter |
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Z. 3 |
Q. Maximus: bedeutender römischer Staatsmann und erfolgreicher Feldherr (bekleideten höchste Staatsämter und galten als Vorbilder für Tugendhaftigkeit und Unbestechlichkeit) |
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Z. 5 |
nihil adferre: hier nichts als Beweis anführen, einen Beweis schuldig bleiben |
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Z. 6 |
malos scandere (scando): die Mastbäume hochklettern, auf die Masten steigen |
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Z. 7 |
sentina, -ae, f.: Schmutzwasser (das sich im Kielraum eines Schiffes sammelt) |
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Z. 7 f. |
quae iuvenes: Ergänze faciunt. |
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Z. 8 |
velocitas, velocitatis, f.: Beweglichkeit, Reflex |
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Z. 9 |
rem gerere: eine Tätigkeit ausführen/vollbringen |
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Z. 10 |
orbari (+ Abl.): (einer Sache) beraubt werden |
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Z. 11 |
Lacedaemonius, -i, m.: Spartaner (kriegerisches Volk in Griechenland) |
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Z. 11 f. |
ut sunt, sic etiam nominantur: sie werden als das bezeichnet, was sie auch sind |
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Z. 12 |
quodsi: wenn also, wenn nun |
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Z. 13 |
labefactare, -facto, -factavi, -factatum: zugrunde richten |
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Z. 13 f. |
esse (+ Gen.): Zeichen (einer Sache) sein, Merkmal (einer Sache) sein |
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Z. 14 |
senescentis (aetatis) = senectutis |
Material 2
Die Welt regiert von Senioren
Vorbemerkung
In einem 2023 veröffentlichten Onlineartikel ist u. a. Folgendes zu lesen:
URL: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/die-welt-regiert-von-senioren-aeltere-regierungschefs-wie-fit-ist-die-generation-70-plus-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-230709-99-336189 (abgerufen am 09.01.2025).
1 nach der Auffassung des Psychologen Hans-Werner Wahl, der auch im Folgenden zitiert wird
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Das Alter hindert (uns) an der Ausführung von Tätigkeiten. Von welchen? Etwa von denen, die in der Jugend und mit Körperkraft ausgeführt werden? Gibt es also keine Beschäftigungen im Alter, welche trotz körperlicher Schwäche gleichwohl mit dem Geist verrichtet werden (können)? Nichts leistete also Q. Maximus, nichts L. Paulus […]? Die übrigen Alten, Männer wie Fabricius, Curius, Coruncanius, leisteten sie nichts, wenn sie den Staat mit ihrer Einsicht und ihrem Einfluss verteidigten? […]
Also bleiben die einen Beweis schuldig, die sagen, dass das Greisenalter sich nicht an (politischen) Aktivitäten beteilige, und sie sind denen ähnlich, die behaupten, dass ein Steuermann beim Segeln nichts tue, während die einen die Mastbäume hochklettern, andere durch die Schiffsgänge laufen, (wieder) andere das Schmutzwasser ausschöpfen würden, jener aber das Steuerruder halte und dabei ruhig hinten auf dem Schiff sitze. Er macht nicht das, was die jungen Männer tun, aber er macht in der Tat viel Bedeutenderes und Besseres. Nicht mit körperlicher Kraft, Beweglichkeit oder Schnelligkeit werden bedeutende Taten vollbracht, sondern mit Einsicht, Einfluss und Entschlossenheit. Dieser Vorzüge wird das Alter gewöhnlich nicht nur nicht beraubt, sondern es wird gewöhnlich durch diese sogar bereichert. […]
Bei den Spartanern werden freilich diejenigen, die das bedeutendste Amt innehaben, als das bezeichnet, was sie auch sind: die Alten. Wenn ihr nun Beispiele aus dem Ausland lest oder hört, werdet ihr erfahren, dass die größten Staaten von jungen Männern zugrunde gerichtet, von alten Männern erhalten und wiederhergestellt worden sind. […] Leichtsinn ist offenbar ein Merkmal der (blühenden) Jugend, Klugheit eines des (fortgeschrittenen) Alters.
II Interpretation
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Die Haltung Catos bzw. Ciceros gegenüber dem Greisenalter (senectus) ist durchweg positiv und apologetisch geprägt, da er gängige Vorurteile über die Inaktivität oder Nutzlosigkeit alter Menschen im Staatswesen entschieden entkräftet.
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Er differenziert zunächst scharf zwischen körperlichen Tätigkeiten, die typisch für die Jugend sind, und den geistigen Aufgaben, die dem Alter angemessen sind (Z. 1: "A rebus gerendis senectus abstrahit. Quibus? An iis, quae iuventute geruntur et viribus?").
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Trotz eines eventuellen körperlichen Verfalls können und sollen wichtige staatliche Angelegenheiten durch reine Geisteskraft gelenkt werden (Z. 2: "quae vel infirmis corporibus animo tamen administrentur").
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Die Handlungen und Leistungen der älteren Generation werden als weitaus bedeutender und höherwertiger eingestuft als die physischen Taten der Jugend (Z. 7-8: "Non facit ea, quae iuvenes, at vero multo maiora et meliora facit.").
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Cicero betont, dass große staatspolitische Taten nicht durch physische Kraft, körperliche Beweglichkeit oder Schnelligkeit vollbracht werden, sondern durch spezifisch geistige Tugenden wie Einsicht, politisches Gewicht und fundierte Urteilskraft (Z. 8-9: "Non viribus aut velocitate aut celeritate corporum res magnae geruntur, sed consilio, auctoritate, sententia.").
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Diese für den Staat existenziellen geistigen Fähigkeiten gehen im Greisenalter nicht verloren, sondern sie nehmen erfahrungsgemäß sogar noch zu (Z. 9-10: "Quibus non modo non orbari, sed etiam augeri senectus solet.").
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Um diese Haltung zu veranschaulichen, nutzt er die Analogie des Steuermanns (Z. 5-6: "similesque sunt, ut si qui gubernatorem in navigando nihil agere dicant"): Während jüngere Seeleute die körperlich anstrengenden Arbeiten wie das Mastenklettern verrichten, lenkt der erfahrene Greis ruhig sitzend das Staatsschiff (Z. 7: "ille autem clavum tenens quietus sedeat in puppi").
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Aus historischer und politischer Sicht wird den Senioren eine bewahrende und rettende Funktion zugeschrieben, da sie Staaten, die durch junge Politiker an den Rand des Ruins gebracht wurden, stabilisieren und wiederherstellen (Z. 12-13: "maximas res publicas ab adulescentibus labefactatas, a senibus sustentatas et restitutas reperietis.").
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Abschließend pointiert Cicero seine Haltung, indem er die Lebensalter antithetisch gegenüberstellt: Die Jugend wird mit politisch gefährlichem Leichtsinn assoziiert, das Greisenalter hingegen mit der für die Staatsführung zwingend notwendigen Lebensklugheit und Voraussicht (Z. 13-14: "Temeritas est videlicet florentis aetatis, prudentia senescentis.").
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Das zentrale stilistische Element des Abschnitts ist ein ausführliches Gleichnis beziehungsweise eine Schiffsallegorie (Z. 5-7: "similesque sunt, ut si qui gubernatorem [...]"), welche die Rollenverteilung im Staat visualisiert und die übergeordnete Bedeutung der geistigen Führung veranschaulicht.
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Die Hektik und die körperliche Anstrengung der jüngeren Seeleute werden durch ein asyndetisches Trikolon, gestützt durch eine dreifache Anapher, dynamisch hervorgehoben (Z. 6-7: "alii malos scandant, alii per foros cursent, alii sentinam exhauriant").
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Diesem rastlosen Treiben wird die ruhige, aber hochverantwortungsvolle Tätigkeit des älteren Steuermanns durch eine starke Antithese und den adversativen Anschluss wirkungsvoll entgegengestellt (Z. 7: "ille autem clavum tenens quietus sedeat in puppi").
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Die qualitative Überlegenheit der geistigen Leistungen des Alters gegenüber den physischen der Jugend wird durch eine einprägsame Alliteration klanglich untermauert (Z. 8: "maiora et meliora").
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Auf syntaktischer Ebene arbeitet Cicero im Folgenden mit korrespondierenden Strukturen und markanten Gegenüberstellungen, etwa in der antithetischen Formulierung der Handlungsweisen (Z. 7-8: "Non facit ea, quae iuvenes, at vero multo maiora et meliora facit.").
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Die Polarität zwischen körperlichen und geistigen Vorzügen wird anschließend durch zwei unmittelbar kontrastierende Trikola auf den Punkt gebracht.
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Die physischen Attribute werden hierbei polysyndetisch aneinandergereiht (Z. 8-9: "viribus aut velocitate aut celeritate"), was durch die inhaltliche Nähe von velocitas und celeritas (Hendiadyoin/Tautologie) zusätzlich gedehnt wirkt.
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Diesen körperlichen Eigenschaften werden die geistig-politischen Tugenden des Alters asyndetisch, extrem prägnant und gewichtig entgegengestellt (Z. 9: "consilio, auctoritate, sententia").
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Die formale Konstruktion aus Negation und Korrektur (Z. 8-9: "Non [...], sed [...]") rahmt diesen inhaltlichen Gegensatz als klare Antithese ein und lenkt den argumentativen Fokus zwingend auf die intellektuellen Fähigkeiten.
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Abgeschlossen wird der Textabschnitt durch eine steigernde Gegenüberstellung (Z. 9-10: "Quibus non modo non orbari, sed etiam augeri senectus solet."), die als Antithese formuliert ist und nachdrücklich verdeutlicht, dass das Greisenalter keinen Kompetenzverlust, sondern einen essenziellen Zugewinn bedeutet.
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Die Kernüberzeugungen der Stoa basieren auf der Annahme, dass das Universum von einer göttlichen Weltvernunft (Logos) durchdrungen ist und der Mensch nach dem Prinzip leben soll, im Einklang mit der Natur zu existieren (secundum naturam vivere).
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Der Alterungsprozess wird in der Stoa als eine unvermeidbare, natürliche Entwicklung betrachtet, weshalb die Akzeptanz des Alters dem stoischen Ideal des Einverständnisses mit der kosmischen Ordnung entspricht.
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In den Aussagen Catos zeigt sich die stoische Abwertung rein körperlicher Güter und Äußerlichkeiten (adiaphora), da physische Stärke und Schnelligkeit für das Erreichen eines geglückten Lebens nicht entscheidend sind (Z. 8-9: "Non viribus aut velocitate aut celeritate corporum res magnae geruntur...").
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Stattdessen betont Cicero die stoische Kardinaltugend der Weisheit und Einsicht (prudentia / sapientia), die erst im Alter durch Lebenserfahrung voll ausgereift ist (Z. 13-14: "Temeritas est videlicet florentis aetatis, prudentia senescentis.").
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Die im Text hervorgehobenen geistigen Qualitäten, Einsicht, politisches Ansehen und Urteilskraft (Z. 9: "consilio, auctoritate, sententia"), spiegeln das stoische Ideal wider, dass der wahre Wert eines Menschen allein in seiner Vernunftbegabung und Tugendhaftigkeit liegt.
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Das Bild des ruhig am Steuerruder sitzenden Lenkers (Z. 7: "ille autem clavum tenens quietus sedeat in puppi") verbildlicht die stoische Gemütsruhe (apatheia bzw. ataraxia), durch die sich der Weise nicht von der Hektik des Umfelds anstecken lässt.
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Die Ausrichtung der staatlichen Handlungen am Gemeinwohl und die Pflicht zur aktiven Staatsgestaltung entsprechen der stoischen Verpflichtung zum Handeln im Sinne des Gemeinnutzes (kathon) sowie dem Gedanken der oikeiosis (Z. 4: "cum rem publicam consilio et auctoritate defendebant").
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Einschränkend lässt sich feststellen, dass Ciceros starker Fokus auf politische Macht und Ansehen (auctoritas) den reinen Lehren der Stoa nicht vollständig entspricht, da Status und Vorrangstellungen im Staat dort zu den gleichgültigen Dingen (adiaphora) zählen und nur sekundär als bevorzugte Dinge (proēgmena) gelten.
Einleitung
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Das Thema Altersbeschränkungen für Staatsämter verlangt eine Abwägung zwischen der durch Erfahrung gewonnenen Urteilskraft und den gesundheitlichen sowie intellektuellen Risiken des späten Alters.
Argumente für eine Altersbeschränkung (Material 2)
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Das Risiko für physische und neurologische Erkrankungen wie Demenz steigt ab einem Alter von 80 Jahren signifikant an, was die Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigen kann.
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Ältere Politikerinnen und Politiker weisen teils eine geringere Anpassungsfähigkeit an moderne gesellschaftliche Entwicklungen auf, da sie aus einer anderen Epoche geprägt sind.
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Es besteht die Gefahr einer geistigen Verengung ("Enge des eigenen Denkens") und des Rückfalls in veraltete Denkmuster bei schnellen, komplexen Krisen.
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Das Risiko von Selbstüberschätzung nimmt nach langjährigem Machterhalt im Alter zu.
Argumente gegen eine Altersbeschränkung (Material 1)
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Wie Cicero betont, beruht die Eignung für hohe Staatsämter nicht auf körperlicher Kraft (vires), sondern auf geistigen Tugenden wie Einsicht (consilium), Ansehen (auctoritas) und Urteilskraft (sententia) (Z. 8-9).
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Geistige Fähigkeiten und politische Erfahrung gehen im Alter nicht zwangsläufig verloren, sondern nehmen oft noch zu (Z. 9-10).
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Staatsmänner im Greisenalter erfüllen eine stabilisierende Funktion, indem sie vorschnelle Entscheidungen jener abfedern, die noch von Leichtsinn (temeritas) geprägt sind (Z. 12-14).
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Starre Altersgrenzen führen zu einer Form der Altersdiskriminierung und schließen erfahrene Persönlichkeiten pauschal aus.
Stellungnahme
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Eine pauschale Altersgrenze ist aus verfassungs- und demokratiefreundlicher Sicht kritisch zu sehen, da politische Urteilskraft individuell veranlagt ist.
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Sinnvoller als ein starr gewähltes Höchstalter wäre die Etablierung unabhängiger medizinischer Tauglichkeitsprüfungen oder die Stärkung eines intensiven Generationenaustauschs im politischen Alltag.
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Dennoch zeigt die Moderne, dass das Argument der Stoa und Ciceros über die reine Geistesschärfe durch neurobiologische Realitäten im sehr hohen Alter begrenzt wird.