Aufgabenstellung
Wirtschaftspolitische Herausforderungen
Fasse die zentralen Aussagen von Isabella Weber und Lars Feld zusammen. (Material)
Stelle die beiden wirtschaftspolitischen Grundkonzeptionen dar und ordne die Positionen von Weber und Feld diesen zu. (Material)
Isabella Weber geht im Interview auf Auswirkungen von Lieferkettenengpässen sowie weltweit steigende Preise bei Energie, Lebensmitteln und Rohstoffen ein. (Material)
Erläutere Chancen und Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland im Rahmen der ökonomischen Globalisierung.
„[Die] Politik von Christian Lindner, die auf Haushaltsdisziplin und Rückführung der Schuldenquote setzt, [ist] angesichts hoher Steuereinnahmen genau richtig.“ (Material)
Erörtere diese These.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um ein Interview von Jana Hensel und Mark Schieritz für Die Zeit aus dem Jahr 2023 mit den Ökonomen Isabella Weber und Lars Feld. Thematisch befasst sich das Gespräch mit den wirtschaftspolitischen Herausforderungen infolge von Energiekrise und Inflation sowie mit der Frage nach der angemessenen Rolle staatlicher Haushalts- und Wirtschaftspolitik. Dabei vertreten die beiden Wissenschaftler konträre Positionen, die im Folgenden gebündelt dargestellt werden.
Isabella Weber betont, dass die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen nicht primär durch eine übermäßige Nachfrage verursacht worden seien, sondern durch externe Angebots- und Kostenschocks, insbesondere infolge von Lieferkettenproblemen sowie stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen. Die Inflation habe daher nicht ihre Ursache in zu hoher Kaufkraft, sondern in strukturellen Engpässen und Preisweitergaben der Unternehmen.
Weber hebt hervor, dass staatliche Eingriffe wie die „Gaspreisbremse“ notwendig gewesen seien, um Haushalte vor existenziellen Belastungen zu schützen und soziale Verwerfungen zu verhindern. Sie argumentiert, dass ausreichende finanzielle Mittel vorhanden seien, wenn ein entsprechender politischer Wille bestehe. Eine strikte Sparpolitik gefährde aus ihrer Sicht sowohl den ökologischen Umbau der Wirtschaft als auch den sozialen Zusammenhalt.
Zudem warnt Weber davor, die Inflation durch eine allgemeine Nachfragedämpfung zu bekämpfen, da dies vor allem einkommensschwache Haushalte treffe. Stattdessen plädiert sie für gezielte staatliche Maßnahmen, etwa Preisdeckel oder eine Besteuerung übermäßiger Gewinne, um die Inflation dort zu bekämpfen, wo sie entstehe. Insgesamt spricht sie sich für eine grün-soziale Marktwirtschaft mit aktiver staatlicher Steuerung aus.
Lars Feld vertritt demgegenüber die Auffassung, dass die Inflation bereits vor dem Ukraine-Krieg eingesetzt habe und wesentlich auf eine übermäßige Stimulierung der Nachfrage zurückzuführen sei. Niedrige Zinsen, expansive Geldpolitik sowie hohe staatliche Defizite hätten dazu beigetragen, dass trotz begrenzten Angebots eine hohe Nachfrage entstanden sei.
Feld hält daher eine Rückkehr zu Haushaltsdisziplin für notwendig. Er betont, dass steigende Zinsen und eine Begrenzung staatlicher Ausgaben erforderlich seien, um die Inflation wirksam zu bekämpfen. Staatliche Transferleistungen und Entlastungsmaßnahmen hätten zwar kurzfristig geholfen, langfristig aber die Preissteigerungen begünstigt, da sie den Konsum stabilisiert hätten.
Zwar erkennt Feld an, dass einzelne Instrumente wie die Gaspreisbremse sinnvoll gewesen seien, insgesamt warnt er jedoch vor einer dauerhaften Abkehr von der Schuldenbremse. Er sieht die Verantwortung des Staates vor allem darin, Defizite und die Schuldenquote zu senken, um wirtschaftliche Stabilität zu sichern und Inflationsdruck zu reduzieren.
Ausgehend vom vorliegenden Interview werden im Folgenden zunächst die angebetsorientierte und die nachfrageorientierte Konjunkturpolitik dargestellt. Anschließend werden die Positionen von Isabella Weber und Lars Feld diesen wirtschaftspolitischen Grundkonzeptionen zugeordnet.
Die nachfrageorientierte Konjunkturpolitik (keynesianisch geprägt) geht auf John M. Keynes zurück. Sie geht davon aus, dass wirtschaftliche Krisen und Arbeitslosigkeit vor allem durch eine zu geringe gesamtwirtschaftliche Nachfrage entstehen. Ziel staatlichen Handelns ist es daher, Nachfrageausfälle auszugleichen und die Wirtschaft zu stabilisieren.
Typische Merkmale sind die aktive Rolle des Staates in der Konjunktursteuerung, staatliche Ausgabenprogramme zur Stützung von Konsum und Investitionen, Akzeptanz höherer Staatsverschuldung in Krisenzeiten, Fokus auf soziale Abfederung wirtschaftlicher Schocks und die
Bekämpfung von Inflation eher durch gezielte Eingriffe statt durch allgemeine Sparpolitik.
Isabella Weber lässt sich eindeutig der nachfrageorientierten Konjunkturpolitik zuordnen. Sie argumentiert, dass die aktuelle Inflation nicht durch eine übermäßige Nachfrage verursacht worden sei, sondern durch Lieferkettenprobleme und externe Preisschocks (vgl. Z. 48 ff.). Daher lehnt sie eine allgemeine Nachfragedämpfung ab, da diese vor allem einkommensschwache Haushalte treffe (vgl. Z. 37 ff.).
Stattdessen befürwortet Weber staatliche Eingriffe wie die Gaspreisbremse, um Kaufkraft zu sichern und soziale Härten zu vermeiden (vgl. Z. 18 ff.). Sie warnt vor einer strikten Sparpolitik und betont, dass staatliche Ausgaben in Krisenzeiten notwendig seien, um wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten (vgl. Z. 56 f.). Insgesamt plädiert sie für eine grün-soziale Marktwirtschaft mit aktiver staatlicher Steuerung (vgl. Z. 9 ff.).
Die angebotsorientierte Konjunkturpolitik geht auf Milton Friedman zurück. Sie geht davon aus, dass wirtschaftliches Wachstum und Stabilität vor allem durch günstige Produktionsbedingungen entstehen. Inflation wird hierbei häufig als Folge einer zu hohen Nachfrage interpretiert.
Zentrale Merkmale sind die Begrenzung staatlicher Ausgaben und Haushaltsdisziplin, die Rückführung von Staatsverschuldung, die Dämpfung der Nachfrage, um Inflationsdruck zu senken, die Betonung von Marktmechanismen und der Fokus auf Stabilitätspolitik statt kurzfristiger Konjunkturimpulse. Damit liegt die Aufgabe des Staates in der Schaffung angemessener Rahmenbedingungen, die dem Markt die Selbstregulation ermöglichen.
Lars Feld vertritt eine klar angebotsorientierte Sichtweise. Er führt die Inflation auf eine zu stark gestützte Nachfrage zurück, die durch niedrige Zinsen, expansive Geldpolitik und hohe staatliche Defizite entstanden sei (vgl. Z. 30 ff.). Um die Inflation zu bekämpfen, fordert er eine Nachfragedämpfung, insbesondere durch steigende Zinsen und eine restriktive Haushaltspolitik (vgl. Z. 34 f.).
Feld spricht sich für eine Rückkehr zur Haushaltsdisziplin aus und betont die Notwendigkeit, Schuldenstand und Haushaltsdefizite zu verringern (vgl. Z. 62 f.). Staatliche Transferleistungen und Entlastungsmaßnahmen sieht er kritisch, da sie aus seiner Sicht den Preisanstieg verlängert hätten, indem sie den Konsum aufrechterhielten (vgl. Z. 59 ff.).
Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass Isabella Weber eine nachfrageorientierte Konjunkturpolitik vertritt, die auf staatliche Eingriffe, soziale Absicherung und gezielte Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung setzt. Lars Feld folgt einer angebotsorientierten Konjunkturpolitik, die Haushaltsdisziplin, Nachfragedämpfung und marktwirtschaftliche Steuerung in den Mittelpunkt stellt.
Ausgehend von den im Interview von Isabella Weber angesprochenen Lieferkettenengpässen sowie den weltweit steigenden Preisen für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe sollen im Folgenden die Chancen und Risiken der ökonomischen Globalisierung für den Wirtschaftsstandort Deutschland erläutert werden.
Deutschland ist als hochentwickeltes Industrieland in besonderem Maße in die globale Arbeitsteilung eingebunden. Die Volkswirtschaft ist stark exportorientiert und auf internationale Handelsbeziehungen angewiesen. Deutsche Unternehmen sind sowohl auf den Absatz ihrer Produkte auf den Weltmärkten als auch auf den Import von Vorleistungen, Rohstoffen und Energieträgern angewiesen. Die ökonomische Globalisierung hat damit erheblichen Einfluss auf Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Eine zentrale Chance der Globalisierung liegt im Zugang zu internationalen Absatzmärkten. Durch den Export hochwertiger Industrie- und Investitionsgüter können deutsche Unternehmen Skaleneffekte nutzen, ihre Produktionskosten senken und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Dies trägt zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung bei.
Darüber hinaus ermöglicht die globale Arbeitsteilung den kostengünstigen Bezug von Vorleistungen und Rohstoffen, was insbesondere für die exportstarke Industrie von Bedeutung ist. Internationale Lieferketten erlauben eine effiziente Spezialisierung entlang komparativer Kostenvorteile. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ergeben sich Vorteile in Form eines größeren Warenangebots und vergleichsweise niedriger Preise.
Zudem fördert die internationale Vernetzung Innovation und technologischen Fortschritt, da Unternehmen im globalen Wettbewerb stehen und von Wissenstransfers profitieren können. Insgesamt stärkt die Globalisierung somit die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die starke internationale Verflechtung mit erheblichen Abhängigkeiten verbunden ist. Lieferkettenengpässe, wie sie etwa in globalen Krisensituationen auftreten können, führen zu Produktionsausfällen und wirtschaftlichen Verlusten. Besonders problematisch ist dies für Industriezweige, die auf Just-in-time-Produktion angewiesen sind.
Ein weiteres Risiko besteht in der Abhängigkeit von Energie- und Rohstoffimporten. Steigende Weltmarktpreise für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe erhöhen die Produktionskosten für Unternehmen und können zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit führen. Gleichzeitig belasten höhere Preise private Haushalte und tragen zu inflationären Entwicklungen bei.
Darüber hinaus macht die Exportorientierung Deutschland anfällig für globale Konjunkturschwankungen. Wirtschaftliche Krisen oder politische Konflikte in wichtigen Handelspartnerländern können die Nachfrage nach deutschen Exporten deutlich reduzieren. Auch protektionistische Maßnahmen anderer Staaten stellen ein Risiko für den freien Welthandel dar.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die ökonomische Globalisierung für den Wirtschaftsstandort Deutschland sowohl erhebliche Chancen als auch Risiken mit sich bringt. Während internationale Märkte, Arbeitsteilung und Innovation Wachstum und Wohlstand fördern, erhöhen Lieferkettenabhängigkeiten sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise die Verwundbarkeit der exportorientierten Volkswirtschaft. Eine eigene Bewertung erfolgt im Rahmen dieser Aufgabe nicht.
Die These, die Politik von Christian Lindner, die auf Haushaltsdisziplin und die Rückführung der Schuldenquote setzt, sei angesichts hoher Steuereinnahmen „genau richtig“, wirft eine zentrale wirtschaftspolitische Grundsatzfrage auf. Im Kern geht es darum, ob der Staat in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit durch Sparpolitik zur Stabilisierung beitragen sollte oder ob eine aktive, auch schuldenfinanzierte Rolle des Staates als Nachfrager zielführender wäre. Diese Kontroverse wird im vorliegenden Interview zwischen der Ökonomin Isabella Weber und dem Wirtschaftsberater Lars Feld exemplarisch deutlich.
Aus Sicht von Lars Feld spricht einiges für eine restriktive Fiskalpolitik. Er verweist darauf, dass die Inflation bereits vor dem Ukrainekrieg eingesetzt habe und wesentlich durch expansive Geld- und Finanzpolitik während der Corona-Pandemie begünstigt worden sei. Umfangreiche staatliche Ausgabenprogramme sowie niedrige Zinsen hätten die Nachfrage gestützt, während das Angebot aufgrund gestörter Lieferketten begrenzt gewesen sei. Um weiteren Preissteigerungen entgegenzuwirken, erscheine es daher konsequent, die Nachfrage zu dämpfen. In diesem Zusammenhang wird Haushaltsdisziplin als Instrument zur Inflationsbekämpfung verstanden. Angesichts hoher Steuereinnahmen könne der Staat zudem auf Neuverschuldung verzichten und stattdessen seine Schuldenquote senken. Dies stärkt langfristig die finanzielle Stabilität, erhält die Kreditwürdigkeit des Staates und wahrt die Generationengerechtigkeit, da zukünftige Haushalte nicht übermäßig durch Zins- und Tilgungsverpflichtungen belastet werden.
Demgegenüber kritisiert Isabella Weber eine Sparpolitik in der aktuellen Lage als ökonomisch und sozial problematisch. Ihrer Ansicht nach ist die Inflation weniger das Ergebnis einer überhöhten Nachfrage als vielmehr Folge externer Angebots- und Kostenschocks, etwa bei Energie, Rohstoffen und Lebensmitteln. In einem solchen Szenario führe eine Dämpfung der Nachfrage nicht zur Beseitigung der eigentlichen Ursachen, sondern verringere vor allem die Kaufkraft der privaten Haushalte. Besonders betroffen seien einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen, die einen großen Teil ihres Einkommens für lebensnotwendige Güter ausgeben müssen. Eine restriktive Fiskalpolitik wirft damit auch Fragen der politischen Legitimität auf, da sie gesellschaftliche Ungleichheiten verschärfen kann.
Aus der Perspektive einer nachfrageorientierten Konjunkturpolitik kommt dem Staat in Krisenzeiten eine stabilisierende Funktion zu. Während der Corona-Pandemie habe staatliches Eingreifen durch schuldenfinanzierte Ausgaben wesentlich dazu beigetragen, einen wirtschaftlichen Einbruch zu verhindern. Auch Instrumente wie Preisbremsen oder gezielte Transferleistungen können dazu beitragen, Kaufkraft zu sichern und konjunkturelle Abschwächungen abzufedern. Darüber hinaus erfordert der notwendige ökologische Umbau der Wirtschaft erhebliche Investitionen, die sich kurzfristig kaum allein aus laufenden Einnahmen finanzieren lassen. In diesem Zusammenhang können staatliche Schulden als Investition in zukünftiges Wachstum und gesellschaftliche Stabilität interpretiert werden.
Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass eine dauerhaft expansive Fiskalpolitik Risiken birgt. Eine hohe Staatsverschuldung kann langfristig zu steigenden Zinslasten führen und den fiskalischen Handlungsspielraum in zukünftigen Krisen einschränken. Zudem besteht die Gefahr, dass umfangreiche staatliche Eingriffe private Investitionen verdrängen oder Fehlanreize setzen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine unbegrenzte Ausweitung staatlicher Ausgaben ebenso wenig sinnvoll wie ein pauschaler Sparkurs.
In der abschließenden Bewertung erweist sich die These als nur teilweise überzeugend. Haushaltsdisziplin und der Abbau von Schulden sind wichtige Ziele einer nachhaltigen Finanzpolitik. In der im Material beschriebenen konjunkturellen Lage, die von externen Preisschocks, sozialer Belastung und hohem Investitionsbedarf geprägt ist, greift ein strikt restriktiver Kurs jedoch zu kurz. Effektiver erscheint eine ausgewogene Fiskalpolitik, die kurzfristig stabilisierend eingreift und gezielte Investitionen ermöglicht, ohne die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen aus dem Blick zu verlieren.