Aufgabe 1 – Weizen – eine salzsensible Kulturpflanze
Weizen (Triticum aestivum) ist eine wirtschaftlich bedeutsame Kulturpflanze. Der Verlust geeigneter Anbauflächen ist ein aktuelles Problem, das die gesicherte Ernährung der Menschheit in Zukunft weiter gefährden wird. Dieses Problem wird durch die zunehmende Bodenversalzung zusätzlich verschärft.
Erläutere das Konzept der ökologischen Nische und übertrage es auf das Beispiel des Weizens (M 1).
Plane einen Modellversuch zur Überprüfung der Hypothese aus Material 2.
Begründe deine Planungsschritte (M 2).
Führe den Modellversuch durch (M 2).
Hinweis:
Sollte dir die Planung und/oder die Durchführung nicht gelingen oder sollten dir die Ergebnisse unbrauchbar erscheinen, kannst du Ersatzergebnisse von der Aufsicht führenden Lehrkraft anfordern. Für die Planung und Durchführung werden in diesem Fall bis zu 13 Bewertungseinheiten nicht erteilt.
Beschreibe die mikroskopisch beobachtbaren Veränderungen (M 2).
Stelle dein Ergebnis in einer mikroskopischen Zeichnung dar (M 2).
Hinweis:
Nach Fertigstellung der Zeichnung ist das Präparat unter dem Mikroskop der Aufsicht führenden Lehrkraft vorzuzeigen.
Leite aus dem Modellversuch die Auswirkungen einer erhöhten Salzkonzentration im Bodenwasser auf die Assimilatproduktion und damit den Weizenertrag ab (M 2).
Beurteile die Übertragbarkeit der Erkenntnisse aus dem Modellversuch auf die Realbedingungen beim Weizen (M 1, M 2).
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 – Umweltfaktoren des Weizens
Eine Vielzahl von Umweltfaktoren hat Einfluss auf den Weizen (Triticum aestivum). Ein Ausschnitt aus dem Beziehungsgefüge zwischen Weizenpflanze und Umwelt ist in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Ausgewählte Umweltfaktoren des Weizens
M 2 – Modellversuch zu den Auswirkungen der Bodenversalzung
Durch intensive Bewässerung werden vermehrt im Wasser gelöste Salze wie Natriumchlorid (NaCl) auf Felder gebracht und konzentrieren sich nach der Verdunstung des Wassers im Boden. Durch den Einsatz von Streusalz im Winter wird das Problem verstärkt, da Natriumchlorid von Straßen und Wegen auf Felder gelangt. Besonders in trockenen Gebieten wird diese zusätzliche Salzbelastung nicht vollständig ausgewaschen. Stattdessen führen geringe Niederschlagsmengen, die auf salzbelastete Böden fallen, zu hochkonzentrierten Salzlösungen im Wurzelbereich. Weizen reagiert empfindlich auf einen erhöhten Salzgehalt und ist daher als salzsensible Art zu charakterisieren.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurde die Hypothese aufgestellt, dass eine Schädigung der Wurzelhaarzellen des Weizens bei Kontakt mit hochkonzentrierter Natriumchlorid-Lösung eintreten wird. Die Ursache dafür wird in der osmotischen Wirksamkeit hochkonzentrierter Salzlösungen auf pflanzliche Zellen vermutet.
Dir stehen für einen Modellversuch folgende Geräte und Materialien zur Verfügung:
Geräte: Lichtmikroskop, Objektträger, Deckgläschen, Bechergläser, Pasteurpipetten, Präparierbesteck, Küchenmesser, schnittfeste Unterlage, Filterpapier, weißes Papier DIN A4
Materialien: Rote Küchenzwiebel, Leitungswasser, gesättigte Natriumchlorid-Lösung
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Erläuterung ökologische Nische
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Das Konzept der ökologischen Nische beschreibt die Gesamtheit aller Wechselwirkungen zwischen einer Art und ihren abiotischen und biotischen Umweltfaktoren.
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Am Beispiel des Weizens wird dies u. a. wie folgt deutlich:
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Weizen benötigt eine bestimmte Mineralstoffzusammensetzung im Boden
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Weizen steht in interspezifischer Konkurrenz mit anderen Arten um begrenzte Ressourcen
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In der Gesamtbetrachtung aller für den Weizen relevanten Umweltfaktoren ergibt sich dessen artspezifische ökologische Nische, wobei der Mensch bei der Kulturpflanze Weizen durch die Beeinflussung bestimmter Umweltfaktoren auf die Erfüllung der artspezifischen Ansprüche aktiv Einfluss nimmt.
Planung Modellversuch
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Anfertigen und mikroskopieren eines Präparats der Epidermis der roten Küchenzwiebel in Leitungswasser
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Epidermiszellen der roten Küchenzwiebel dienen als Modell für Pflanzenzellen in unterschiedlich konzentrierten Lösungen.
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Leitungswasser modelliert ein nicht von übermäßiger Bodenversalzung betroffenes Milieu und dient als Kontrollversuch.
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Gesättigte NaCl-Lösung modelliert eine starke Salzbelastung der Bodenlösung
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Leitungswasser muss dann gegen die gesättigte NaCl-Lösung ausgetauscht werden oder es wird ein zweites Präparat aus demselben Gewebe in gesättigter NaCl-Lösung statt Leitungswasser angefertigt.
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Nach kurzer Wartezeit wird erneut mikroskopiert. Alle anderen Parameter bleiben unverändert, um ausschließlich die Auswirkungen der höheren Salzkonzentration auf Pflanzenzellen zu überprüfen.
Durchführung des Modellversuchs
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Herstellung der Präparate
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Einstellung Mikroskop
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Qualität des Präparats in NaCl-Lösung
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sachgerechte Arbeitsweise unter Berücksichtigung der Sicherheitsbestimmungen
Beschreibung der Veränderungen
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Ablösung der Zellmembran von der Zellwand (Plasmolyse)
→ Schrumpfen des Protoplasten; intensivere Färbung und Schrumpfen der Zellsaftvakuole im Vergleich zur Zelle im Leitungswasser
Mikroskopische Zeichnung
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formal und inhaltlich richtige mikroskopische Zeichnung einer plasmolysierten Epidermiszelle der roten Küchenzwiebel, die mit dem Ersatzergebnis oder Präparat übereinstimmt
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vollständige und korrekte Beschriftung der sichtbaren Strukturen
Hinweis: Die Bewertungskriterien für die mikroskopische Zeichnung werden vom prüfenden Fachlehrer, wie im Unterricht behandelt, festgelegt.
Auswirkungen einer erhöhten Salzkonzentration im Bodenwasser
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die Beobachtungen aus dem Modellversuch beruhen auf einem Wasserausstrom aus der Zellsaftvakuole, der sich auch bei einer erhöhten Salzkonzentration im Bodenwasser einer Wurzelhaarzelle der Weizenpflanze einstellt
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Schädigung der Wurzelhaarzelle durch Wasserverlust aufgrund osmotischer Wirksamkeit der gesättigten NaCl-Lösung und damit Bestätigung der Hypothese aus M 2
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Wasseraufnahme über Wurzelhaarzelle nicht mehr möglich
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Wassermangel in der Weizenpflanze → Schließen der Stomata → kein bzw. weniger Kohlenstoffdioxid wird aufgenommen und im Calvin-Zyklus fixiert → geringere Glukosebildung → geringere Stärkebildung → geringere Assimilatproduktion → Weizenertrag nimmt ab
Beurteilung
Jedes Modell steht stellvertretend und vereinfachend für komplexe Realbedingungen:
Anstelle von Wurzelhaarzellen des Weizens wurden Epidermiszellen der Zwiebel verwendet. Bei beiden Zelltypen handelt es sich um Pflanzenzellen mit grundsätzlich ähnlichem Aufbau, sodass die beobachteten Prozesse in ähnlicher Form auch an Wurzelhaarzellen des Weizens ablaufen würden.
Gesättigte NaCl-Lösung steht als Modell stellvertretend für einen erhöhten NaCl-Gehalt der Bodenlösung, wobei unter realen Bedingungen eine solch hohe Konzentration vermutlich nicht erreicht wird und der auf dem Weizenfeld beobachtete Wasserverlust der Wurzelhaarzellen in der Regel weniger stark ausfällt.
Unter Realbedingungen kommen neben NaCl noch weitere Salze im Boden vor, die z. B. aus Düngemitteln stammen, und eine Vielzahl weiterer Faktoren, wie z. B. Bodentyp und Niederschlagsmenge, beeinflussen die osmotischen Verhältnisse im Boden.
Sachurteil: Der Modellversuch stellt eine Vereinfachung der realen Bedingungen dar, ist aber für eine Veranschaulichung des Grundproblems der Bodenversalzung grundsätzlich geeignet.