ll Interpretationsaufgaben
Grammatik
Bestimme exakt die Form von …
…voluptatum (Z. 3) und gib die semantische Funktion des Kasus an.
…superstitione (Z. 7) und gib die semantische Funktion des Kasus an.
…desideret (Z. 9) und begründe den Modusgebrauch.
Stelle den Satz „Tum vero . . . desistemus“ (Z. 9 – 12) in einem Satzbild dar, beispielsweise nach der Einrückmethode.
Nenne die Art der Nebensätze und die satzwertigen Konstruktionen.
Wortbildungslehre
Nenne aus dem Text drei Wörter und leite von ihnen jeweils ein Fremdwort im Deutschen ab.
Erkläre die Bedeutung der Fremdwörter vom lateinischen Ursprung her.
Text- und Literaturverständnis
Gib den Gedankengang des Textes wieder.
Interpretiere vor dem Hintergrund deiner Kenntnisse der epikureischen Philosophie die Passagen:
„non conturbamur ignoratione rerum, e qua ipsa horribiles existunt saepe formidines“ (Z. 8)
sowie
„morati melius erimus, cum didicerimus, quid natura desideret“ (Z. 9).
Weise in dem Abschnitt Z. 1 - 7 zwei Stilmittel und deren Wirkung im Kontext nach.
Stellungnahme
„Der Unwissende hat Mut, der Wissende hat Angst.“
Setze dieses Zitat des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia (1907 – 1990) in Bezug zum lateinischen Text.
Nimm selbst Stellung zum Nutzen von Wissen.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Ein Anhänger Epikurs zählt manche Vorteile dessen Lehre auf und beschreibt einen epikureischen Weisen folgendermaßen:
(186 Wörter)
Hilfen:
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Z. 1 habet |
beachte |
Subjekt zu allen Prädikaten im 1. Satz ist ein „sapiens“ im Sinne Epikurs |
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Z. 2 rebus |
hier |
Eigenschaften |
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Z. 3 praeterita |
ergänze |
tempora |
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Z. 4 praesentibus |
ergänze |
temporibus |
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Z. 5 ab iisque vitiis |
et ab iis vitiis |
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Z. 5/6 vitiis, quae paulo ante collegizu den vitia |
zu den vitia gehören z. B. die ungezügelte Begierde nach Reichtum, Ehre oder Herrschaft |
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Z. 8 existunt |
= |
exsistunt |
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Z. 9 moratus, -a, -um |
wohlgesittet, gut geartet, mit einem guten Charakter versehen |
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Z. 10/11 servata illa, quae …, regula, ad quam … |
konstruiere |
servata illa regula, quae…, ad quam … |
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Z. 14 ratio, -tionis f |
hier |
Lehre, Schule |
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Genitiv Plural femininum, Genitivus partitivus
Ablativ Singular femininum, Ablativus separativus
3. Person Singular Präsens Konjunktiv Aktiv, indirekter Fragesatz
Satzbild am Beispiel der Einrückmethode:
Tum vero, (Hauptsatz/ Beginn)
si stabilem scientiam rerum tenebimus, servata illa regula, (Konditionalsatz, Abl. abs.)
quae quasi delapsa de caelo est ad cognitionem omnium, (Relativsatz)
ad quam omnia iudicia rerum dirigentur, (Relativsatz)
numquam ullius oratione victi (PC) sententia desistemus. (Hauptsatz/ Ende)
Wortbildungslehre
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finitas |
Finale: finire |
beenden; ein Finale ist ein Endspiel |
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migrare |
Migration: migrare |
wandern; Migration bezeichnet das Verlassen der Heimat |
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dirigentur |
Dirigent: dirigere |
leiten; ein Dirigent leitet einen Chor oder ein Orchester |
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sensuum |
sensibel: sensus |
Gefühl; sensibel ist ein Mensch, der viel empfindet, der Gefühle wahrnimmt |
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perspecta |
Perspektive: perspicere |
durchschauen; eine Perspektive ist eine Sichtweise |
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vitam |
Vitamine: vita |
Leben; Vitamine sind lebenswichtige Stoffe |
Text- und Literaturverständnis
Im Leben des epikureischen Weisen überwiegt die Freude den Schmerz, denn er hat keine Furcht vor den Göttern oder dem Tod. Er geht vernünftig mit der Zeit um. Sein Wissen befreit ihn von überflüssigen Ängsten und liefert ihm eine vernünftige Lebensregel. Er kann nicht verführt werden durch irgendjemandes Rede, weil er für seine Überzeugungen gute Argumente hat. Durch das Vertrauen auf die Sinneswahrnehmungen können Erkenntnis und Wissen entstehen.
Epikurs erklärtes Ziel war es, die Menschen von ihrer Furcht vor den Göttern zu befreien. Seiner Lehre nach haben die Menschen von den Göttern nichts zu befürchten, da diese gar nicht Anteil nehmen am Leben auf der Erde, denn das würde ja ihre Ruhe stören und so könnten die Götter selbst nicht selig und glücklich sein. Das aber widerspricht der Definition Gottes. Auch nach dem Tod haben die Menschen nichts zu befürchten, da sich ihre Atomverbindung dann auflöst und sie aufhören als empfindende Wesen zu existieren. Durch seine Lehre glaubt Epikur die Hauptängste der Menschen (formidines) rational widerlegt und beseitigt zu haben. Gleichzeitig gibt Epikurs Lehre auch einen Maßstab dafür, was echte Bedürfnisse sind. Indem man sich daran orientiert, vermeidet man überflüssiges Streben nach Reichtum oder gesellschaftlicher Anerkennung. Denn laut Epikur ist alles, was wir brauchen, um die Grundbedürfnisse zu befriedigen, leicht zu beschaffen. Dadurch bekommen wir einen besseren Charakter, denn wir haben es dann nicht mehr nötig, einen anderen zu beneiden oder zu betrügen, um irgendwelche Vorteile zu bekommen.
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migrare de vita (Z. 2): Euphemismus: Schon in der Wortwahl wird deutlich, dass der Tod keinen Schrecken darstellt. Es handelt sich um eine Wanderung aus dem Leben hinaus.
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et praeterita grate meminit et praesentibus ita potitur . . . , neque pendet ex futuris: Trikolon, Klimax: Der epikureische Weise ist rundum glücklich: Dankbar erinnert er sich an das Vergangene, er ist Herr der Gegenwart und als Krönung ist er nicht abhängig von der Zukunft, der ansonsten alle anderen mit ängstlicher Erwartung oder gar Furcht entgegengehen.
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non plus voluptatum quam dolorum: Antithese: Das Leben des Epikureers ist voller Lust im Gegensatz zu dem Leben der anderen, welche Schmerzen haben.
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Neque tempus est, quo non: Litotes: Der Gegensatz zwischen dem Leben eines Epikureers und dem Leben der anderen wird durch die doppelte Verneinung hervorgehoben. Bei ihm hat das Vergnügen immer die Oberhand.
Stellungnahme
Die Schülerinnen und Schüler sollten den starken Gegensatz dieses Zitates zu Epikurs Auffassung herausarbeiten. Sie sollten für beide Positionen Argumente nennen und dann zu einer differenzierten persönlichen Stellungnahme kommen.
Für Epikurs Position spricht, dass eine unbestimmte Gefahr, die man nur erahnt, aber nicht genau durchschaut, häufig größere Angst auslöst, als eine, mit der man sich rational beschäftigt (Bsp.: Prüfungsangst, Angst vor neuem Lebensabschnitt, Todesangst).
Für Moravias Position spricht, dass bei manchen Entscheidungen das Wissen um mögliche Gefahren oder Schwierigkeiten Mutlosigkeit auslösen könnte, sodass man den Schritt gar nicht mehr wagt (Bsp.: Auslandsaufenthalt, politisches Engagement, Aufnahme eines Studiums…)