II Interpretationsaufgaben zu Text A und B
Grammatik
Bestimme exakt…
…qui (Z. 2), nenne die Wortart und ihre Verwendung an dieser Stelle.
…iudicarem (Z. 5) und begründe den Modus.
… die Form illata (Z. 5) und nenne das Beziehungswort sowie die Konstruktion, in der sie in diesem Satz verwendet wird.
… die Form adducti (Z. 7), nenne das Beziehungswort und die Konstruktion, in der sie in diesem Satz verwendet wird.
Wortbildung
Nenne die Bestandteile, aus denen das Kompositum habitabilis (V. 2) zusammengesetzt ist, und ein weiteres Kompositum außerhalb des Textes mit derselben Bildung.
Ovid verwendet das dichterische Wort tellus (V. 2). Nenne eine Entsprechung, die in einem Prosatext stehen könnte.
Text- und Literaturverständnis
Untersuche die Zeilen 6–12 von Text A auf Stilmittel. Benenne und belege drei Stilmittel mit Textstellen und erläutere deren Wirkung im Kontext.
Ordne den Textausschnitt A in Caesars Vita und Karriere ein. Deute auch die Absicht des Autors in diesem Textabschnitt.
Vergleiche die Darstellung des römischen Imperialismus in den beiden Texten.
Dichtung
Fertige eine metrische Analyse der Verse 1 und 2 an und trage Längen, Kürzen, Betonungszeichen und eine sinnvolle Zäsur pro Vers ein.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Text A
Caesar lässt in seinem Bericht über die Eroberung Galliens einen feindlichen Feldherrn, der mit seinen Leuten in Alesia eingeschlossen ist, Folgendes sagen:
(142 Wörter)
Hilfen zu Text A:
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Z. 1 quid … mei consilii est? |
quod … meum consilium est? |
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Z. 1/2 Cimbri, -orum, Teutones, -um |
Kimbern und Teutonen: germanische Stämme, die um 110 v. Chr. auf ihrem gemeinsamen Weg nach Süden durch Gallien zogen |
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Z. 2 compellere, -pello, -puli, -pulsum |
zusammentreiben |
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Z. 2 subigere, -igo, -egi, -actum |
unterwerfen, knechten |
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Z. 3 vitam tolerare |
hier: das Leben aufrechterhalten, retten (sich am Leben halten) |
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Z. 4 institui / prodi |
id (auf exemplum bezogen) |
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Z. 4 pulcherrimum |
pulcherrimum esse |
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Z. 5 depopulare |
entvölkern, verwüsten |
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Z. 6 petierunt |
petiverunt |
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Z. 8/9 quos … servitutem |
in horum agris civitatibusque considere atque his aeternam servitutem iniungere, quos fama nobiles potentesque bello cognoverunt |
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Z. 8 cognoscere |
jemanden als etwas kennenlernen |
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Z. 9 iniungere |
aufbürden |
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Z. 10 quod si |
wenn also |
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Z. 10 respicere, -spicio |
denken an |
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Z. 11 in provinciam redigere |
zu einer Provinz machen |
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Z. 11 securis, -is f. |
Beil (gemeint ist das Liktorenbeil als Hoheitszeichen des römischen Staates und als Symbol der Vollstreckungsgewalt von Körper- und Todesstrafen) |
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Z. 11 subicere, -icio, -ieci, -iectum |
unterwerfen |
Text B
Nach Caesars Ermordung lässt Jupiter Venus die Zukunft des julischen Geschlechtes schauen und sagt über Augustus, dass er den Tod seines Vaters rächen und letztendlich allen Ländern Frieden bringen werde. Daran schließt er folgende Worte an:
(39 Wörter)
Hilfen zu Text B:
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V. 1/2 ab utroque oceano |
an beiden Ozeanen (gemeint ist der Ost- und Westrand des Weltmeeres, das nach der antiken Vorstellung die ganze Welt umfließt) |
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V. 3 sustinere, -eo |
hier: tragen |
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V. 3 huius, illi |
gemeint ist jeweils: Augustus |
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V. 5 ferre, fero, tuli, latum |
hier: einbringen |
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qui: Nominativ Plural Maskulinum, Relativpronomen; relativer Satzanschluss
iudicarem: 1. Person Singular Konjunktiv Imperfekt Aktiv; Irrealis der Gegenwart
illata: PPP, Ablativ Singular Femininum, calamitate; Ablativus absolutus
adducti: PPP, Nominativ Plural Maskulinum, Romani, PC
Wortbildung
habitare und bilis; z. B.mobilis, visibilis, narrabilis
terra oder orbis terrarum
Text- und Literaturverständnis
z. B.:
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Asyndeton: iura, leges, agros, libertatem (Z. 6/7). Durch die asyndetische Aneinanderreihung dieser wichtigen Begriffe bekommen sie in der Rede des Gegners ein besonderes Gewicht. Den Zuhörern wird klar, dass die alten Feinde geradezu human waren im Gegensatz zu den Römern, da sie all dies den Galliern überlassen haben. Der Begriff „Freiheit“ steht pointiert an letzter Stelle, denn das ist es, worauf es dem Redner ankommt, um sie geht es, wenn die Gallier ihre Gesetze selber bestimmen können und ihr Land behalten.
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Hyperbaton: aeternam iniungere servitutem (Z. 9). Die Dauer der Knechtschaft wird betont und abgebildet. Außerdem ist die betonte Endstellung von servitutem zu beachten, was dem vorher erwähnten libertatem zwar im Kasus entspricht, aber inhaltlich einen Gegensatz bildet.
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Hendiadyoin: iure et legibus (Z. 11). Diese beiden Begriffe stehen schon vorher in der Aufzählung nebeneinander und sollen betonen, dass die Gallier unter römischer Herrschaft ihre Verfassung und ihre Rechtsgrundsätze aufgeben und römisches Recht übernehmen müssten.
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Metapher: securibus subiecta (Z. 11). Durch dieses Bild wird den Zuhörern klar vor Augen gestellt, wie gewaltsam die römische Herrschaft ist.
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Alliteration: perpetua premitur (Z. 11). Die Härte eines Lebens unter römischer Herrschaft kommt durch die harten Laute zum Ausdruck.
Caesar hat nach seinem Konsulat die beiden gallischen Provinzen verwaltet. Während seines Prokonsulats dort hat er aber nicht nur die bestehenden Grenzen gesichert, sondern auch noch den nicht unterworfenen Teil Galliens erobert. Da er dafür kein Mandat hatte, musste er dies immer wieder vor dem römischen Senat und dem römischen Volk rechtfertigen. Außerdem strebte er eine zweite Amtszeit als Konsul an. Sein Bericht De bello Gallico dient also zum einen der Rechtfertigung und zum andern der Propaganda, indem er sich als tatkräftigen, zupackenden, wachsamen und klugen Politiker und Feldherrn darstellt.
Dieser Textausschnitt stammt aus einer entscheidenden Phase des Krieges gegen die Gallier. Dass er an dieser Stelle seinen Gegner so umfangreich und eloquent zu Wort kommen lässt, könnte die Objektivität seines Berichtes unterstreichen und die Dramatik erhöhen. Der Leser ist praktisch live im feindlichen Lager dabei.
Es könnte aber auch dazu dienen, die Gefährlichkeit und Unverschämtheit des Gegners zu betonen, da er dermaßen schlecht von der römischen Herrschaft redet. Beim Leser soll der Eindruck erweckt werden, dass diese Gegner auf jeden Fall besiegt werden müssen, damit sie nicht zu einer ernsten Gefahr für das römische Volk werden.
Im Caesartext kommt die Perspektive der unterworfenen Völker zum Ausdruck, die ihre Eigenständigkeit zugunsten des römischen Rechtes aufgeben müssen. Für sie bedeutet die Herrschaft der Römer Knechtschaft und gewaltsame Unterdrückung.
Ovid hingegen schildert die römische Perspektive, in der römische Herrschaft Frieden bedeutet und mit Recht, Gesetz und Zivilisation verbunden wird. Es entsteht der Eindruck, als hätte es vor den Römern im Barbarenland überhaupt kein Recht gegeben.
Dichtung
Metrische Analyse der Verse 1 und 2 mit Längen, Kürzen, Betonungszeichen und einer sinnvollen Zäsur:
