HT 1
Aufgabenstellung:
Interpretiere die Quelle, indem du
sie analysierst,
sie in den Kontext der Machteroberungsstrategien der Nationalsozialisten einordnest (14 BE) und Goebbels’ Redestrategie sowie die Wirkung der Rede herausarbeitest (14 Punkte),
die Aussagen des Redners und seine Redestrategie bewertest.
Materialgrundlage:
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Joseph Goebbels: Rede im Reichstag, 23. Februar 1932.
(Rechtschreibung und Hervorhebungen wie im Original)Hinweise zu Redner und Material:
Joseph Goebbels war zum Zeitpunkt der Rede Reichstagsabgeordneter, Gauleiter von Berlin und Reichspropagandaleiter der NSDAP.
Die Rede wurde im Rahmen einer Aussprache gehalten, in der es um die Festlegung des Termins für die Reichspräsidentenwahl ging. Goebbels wurde wegen fortgesetzter Provokation von der Sitzung ausgeschlossen und konnte seine Rede nicht beenden.
Joseph Goebbels: Rede im Reichstag, 23. Februar 1932
1Tag der Wahl zum 5. Reichstag der Weimarer Republik.
2Im Anschluss kam es zu tumultartigen Szenen im Reichstag.
3Hier: akustisches Signal, mit dem der Reichstagspräsident zu Ruhe und Ordnung mahnt.
4Gemeint ist der Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD).
5Siehe Anmerkung 3.
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nenne den Autor (Joseph Goebbels, Reichstagsabgeordneter, Gauleiter von Berlin und Reichspropagandaleiter der NSDAP) und die Adressaten (Abgeordnete des Reichstags).
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charakterisiere die Quellengattung (Auszug aus einer Rede im Reichstag) und nenne das Datum (23. Februar 1932).
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nimm eine erste Einordnung in den situativen Kontext vor:
Endphase der Weimarer Republik, Kabinett Brüning, Festlegung des Termins für die Reichspräsidentenwahl.
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nenne das Thema der Quelle:
Fundamentale Kritik an der Regierung Brüning und der Weimarer Republik.
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arbeite die Intention des Autors heraus:
Delegitimation der Regierung Brüning, Provokation der politischen Gegner, Stilisierung der NSDAP zur einzig legitimen Kraft.
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gib Inhalt und Gedankengang der Quelle wieder, indem etwa folgende zentrale Aussagen herausgearbeitet werden:
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Krise als zwangsläufiges Ergebnis der Entwicklung seit dem 9. November 1918 und der Politik des Kabinetts Brüning.
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Wahlerfolg der NSDAP vom 14. September 1930 zeige den festen Willen einer "6 1/2-Millionen-Armee".
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Vorwurf der Verfälschung des Wahlergebnisses durch die Regierung, da diese der NSDAP nicht die Macht übergeben habe.
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Schilderung der Finanzpolitik als "grauenhafteste Verwüstung" und der Wirtschaft im "Leerlauf" mit wachsender Arbeitslosigkeit.
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Warnung vor latenter Bürgerkriegsgefahr und Zuspitzung der politischen Fronten.
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Kritik am Einsatz des Artikels 48 zur Unterdrückung der nationalen Bewegung.
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Angriff auf die Sozialdemokraten ("blutrünstige Hetze") und Betonung, dass ihnen nun das "erwachende Deutschland" gegenüberstehe.
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ordne die Quelle in den Kontext der Machteroberungsstrategien der Nationalsozialisten ein.
Folgende Aspekte sollten z. B. ausgeführt werden:
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Legalitätstaktik nach 1923: Nutzung des Parlaments zur Agitation und Zerstörung der Republik mit ihren eigenen Mitteln.
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Instrumentalisierung von Krisen: Gezielte Nutzung der Weltwirtschaftskrise ab 1929 zur Wählermobilisierung.
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Doppelstrategie: Kombination von pseudolegalem Vorgehen im Reichstag mit gleichzeitigem Straßenterror.
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Sündenbock-Mechanismen: Schuldzuweisung an die "Novemberverbrecher" und das System von Weimar.
arbeite Goebbels' Redestrategie sowie die Wirkung der Rede heraus,
so z. B.:
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Redestrategie: Zynische Berufung auf "Spielregeln der Demokratie"; Täter-Opfer-Umkehr (NSDAP als Opfer des Art. 48, SPD als Hetzer); extreme Polarisierung ("Fieberkrise", "erwachendes Deutschland"); gezielte Provokation demokratischer Parteien.
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Wirkung der Rede: Zerstörung der parlamentarischen Ordnung durch gezielte Eskalation und Tumulte; einkalkulierter Eklat und Stilisierung zum Märtyrer durch den Ausschluss von der Sitzung.
bewerte die Aussagen des Redners und seine Redestrategie.
Reflektiere dabei z. B. folgende Aspekte:
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Zustimmend: Analyse der tiefen wirtschaftlichen Krise und der Massenarbeitslosigkeit; Feststellung der zunehmenden Entmachtung des Parlaments durch den Artikel 48 unter den Präsidialkabinetten; Wahrnehmung einer starken politischen Polarisierung.
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Relativierend/Ablehnend: Verdrehung der Ursachen durch Ausblendung der Kriegsfolgen und der Weltwirtschaftskrise; heuchlerische Forderung nach demokratischen Spielregeln angesichts der eigenen diktatorischen Ziele; zynische Schuldprojektion auf die SPD bezüglich politischer Gewalt, während die NSDAP selbst Straßenterror ausübte.
gelange zu einem zusammenfassenden Urteil, etwa:
Goebbels' Rede instrumentalisiert reale Krisensymptome geschickt für NS-Propaganda. Die angebliche Verteidigung demokratischer Prinzipien ist tiefster Zynismus, da die Strategie ausschließlich auf Destabilisierung und Beseitigung der Republik abzielt.