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Inhaltsverzeichnis

HT 1

Aufgabenstellung:

Interpretiere die Quelle, indem du

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sie analysierst,

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2.

sie in den Kontext der Machteroberungsstrategien der Nationalsozialisten einordnest (14 BE) und Goebbels’ Redestrategie sowie die Wirkung der Rede herausarbeitest (14 Punkte),

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3.

die Aussagen des Redners und seine Redestrategie bewertest.

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Materialgrundlage:

  • Joseph Goebbels: Rede im Reichstag, 23. Februar 1932.
    (Rechtschreibung und Hervorhebungen wie im Original)

    Hinweise zu Redner und Material:

    Joseph Goebbels war zum Zeitpunkt der Rede Reichstagsabgeordneter, Gauleiter von Berlin und Reichspropagandaleiter der NSDAP.

    Die Rede wurde im Rahmen einer Aussprache gehalten, in der es um die Festlegung des Termins für die Reichspräsidentenwahl ging. Goebbels wurde wegen fortgesetzter Provokation von der Sitzung ausgeschlossen und konnte seine Rede nicht beenden.

Joseph Goebbels: Rede im Reichstag, 23. Februar 1932

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Die nationalsozialistische Bewegung hat diese Gelegenheit herbeigewünscht, um mit dem
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Kabinett Brüning und der von ihm repräsentierten Politik eine grundsätzliche Abrechnung
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zu halten. Es ist nicht an dem, als wenn die Situation, in der wir uns gegenwärtig befinden
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und die mehr und mehr zur wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Katastrophe treibt,
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von ungefähr käme. Sie ist das zwangsläufige Ergebnis einer Entwicklung, die in Deutschland
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mit dem 9. November 1918 eingesetzt hat

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(Zuruf von den Sozialdemokraten: die mit dem Krieg eingesetzt hat!)

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und die auch durch die Übernahme von Macht und Verantwortung durch das Kabinett
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Brüning nicht abgebrochen worden ist.

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Das hervorstehendste Merkmal der politischen Entwicklung in den letzten zwei Jahren in
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Deutschland ist der 14. September 1930.1 An diesem Tage zeigte sich zum erstenmal, daß
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aus dem Verfall der bürgerlichen Parteien sich eine 6½-Millionen-Armee herauskristallisiert
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hatte, mit einem festen Willen, einem politischen Programm und einer klar umrissenen politi¬
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schen Idee.

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(Lachen bei den Sozialdemokraten.)

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Wenn es nach den Spielregeln der Demokratie gegangen wäre, dann mußte die nationalsozia¬
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listische Bewegung nach dem 14. September 1930 mit der Übernahme von Macht und Ver¬
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antwortung betraut werden. Wenn demgegenüber aber das Kabinett Brüning in den dem
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Wahltag folgenden Tagen erklärte, es habe sich durch die Wahl nichts geändert, und es bleibt
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deshalb beim alten Kurs, so stellte diese Erklärung eine Verfälschung des Wahlergebnisses
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dar.

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[…]

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Die Regierung hat es sich nach dem 14. September in Deutschland sehr leicht gemacht. Man
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glaubte, die nationalsozialistische Bewegung stelle nur eine Fieberkrise dar, und sie werde
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ebenso jäh, wie ihre Kurve hochgestiegen sei, eines Tages wieder heruntersinken.

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(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)

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Diese Annahme hat sich als trügerisch erwiesen. […]

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Im Jahre 1931 ist diese Entwicklung in Deutschland unaufhaltsam vorgeschritten. Das Jahr
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1931 war im deutschen Volke das Jahr der politischen Frontabgrenzung. Das Jahr 1932 wird
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nun – das wissen wir alle – für Deutschland die endgültige große politische Entscheidung
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bringen. Da ist es wohl angebracht, jene politische, wirtschaftliche und finanzielle Situation
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zu umreißen, in der sich Deutschland augenblicklich befindet.

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Die Finanzpolitik in Deutschland bietet das Bild grauenhaftester Verwüstung. Man hat ver¬
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sucht, mit drakonisch-mechanischen Eingriffen von Notverordnungen das Geldsystem in
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Deutschland in die Balance zu bringen. Nachdem dieser Versuch zwei Jahre lang vorgenom¬
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men worden ist, kann man die Feststellung treffen, daß er auf ganzer Linie mißlang. Selbst
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wenn der Reichskanzler heute darauf verweisen wollte, daß die öffentlichen Finanzen sich in
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der Balance befinden, so beweist das gar nichts. Der Etat ist kein Selbstzweck, sondern ein
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Mittel zum Zweck. Eine Finanzierung auf Kosten der Gesundheit des Volkes durchzuführen,
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ist dasselbe, als wollte ein Operateur eine Operation zwar wissenschaftlich richtig durchfüh¬
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ren, der Patient aber leider bei der Operation zu Tode kommen.

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[…]

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Die zwangsläufige Folge dieser Tatsache ist, daß die Wirtschaft mehr und mehr in Leerlauf
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gerät. Befindet sich der Blutkreislauf der Wirtschaft, das Geldwesen, nicht mehr in Ordnung,
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dann werden allmählich die Hochöfen stillgelegt werden müssen, dann wird sich das Heer der
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Arbeitslosigkeit bis ins Unermessene vermehren. […]

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Darf man sich da wundern, daß im Innern die Gegensätze sich mehr und mehr verschärfen,
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daß die politischen Fronten in erbitterter Feindschaft gegeneinander und gegenüber aufmar¬
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schieren, und daß die Gefahr eines latenten Bürgerkriegs von Tag zu Tag mehr wächst?2

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[…]

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Am 14. September 1930 erhielt das amtliche Deutschland für diese zwölfjährige Politik des
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Verfalls und des Verzichts vom Volke die Quittung. Damit war die Möglichkeit geboten, in
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Deutschland ein nationales Regiment ans Ruder zu bringen und jenem verhängnisvollen Kurs
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ein Ende zu bereiten, der von der amtlichen Politik seit 12 Jahren eingeschlagen wurde und
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Deutschland von einer politischen Niederlage in die andere hineingeführt hatte. […] Die Re¬
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gierung Brüning hat sich in weitest gehendem Maße des Artikels 48 bedient. Aber die Regie¬
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rung mußte die Feststellung machen, daß man mit dem Artikel 48 zwar nationale Bewegun¬
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gen niederknüppeln kann, daß man mit dem Artikel 48 zwar nationalsozialistischen Abgeord¬
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neten das Reden verbieten kann, daß man mit dem Artikel 48 zwar nationalsozialistische Zei¬
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tungen am Erscheinen verhindern kann, daß man, rund heraus gesagt, mit dem Artikel 48
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alles machen kann, nur kein Geld.

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(Lauter Beifall bei den Nationalsozialisten. – Erregte Zwischenrufe von den
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Kommunisten und Sozialdemokraten. – Glocke3.)

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[…]

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Führende Sozialdemokraten – ich brauche da nur an den Präsidenten dieses hohen Hauses4
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selbst zu erinnern –

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(erneut lebhafte Zurufe rechts)

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haben in aller Öffentlichkeit erklärt, daß auch eine legale Machtübernahme durch uns für
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Deutschland den Bürgerkrieg bedeuten würde.

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(Hört! Hört! rechts. – Zurufe von den Sozialdemokraten: Jawohl!)

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Was ist das anders, als eine blutrünstige Hetze zu Mord und Totschlag! Die Herren, die nun
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zu merken beginnen, daß sie auch nach den Spielregeln der Demokratie die Macht abgeben
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müssen, wollen sich nun darauf vorbereiten, die Macht, wenn nötig, mit Gewalt zu verteidi¬
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gen. Aber sie täuschen sich. Sie treffen im Jahre 1932 nicht wie im Jahr 1918 auf ein feiges
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Bürgertum. Ihnen steht das erwachende Deutschland gegenüber.

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(Stürmische Zustimmung bei den Nationalsozialisten. – Lachen und Gegenrufe links. –
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Glocke5.)

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[…]

1Tag der Wahl zum 5. Reichstag der Weimarer Republik.

2Im Anschluss kam es zu tumultartigen Szenen im Reichstag.

3Hier: akustisches Signal, mit dem der Reichstagspräsident zu Ruhe und Ordnung mahnt.

4Gemeint ist der Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD).

5Siehe Anmerkung 3.

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