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Inhaltsverzeichnis

HT 1

Aufgabenstellung:

Interpretiere die Quelle, indem du

1.

sie analysierst,

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2.

ausgehend von der Quelle sozioökonomische und innenpolitische Veränderungen im Deutschen Kaiserreich erläuterst (14 BE) und die Redestrategie charakterisierst (14 BE),

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3.

zu Stoeckers Ausführungen Stellung nimmst.

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Materialgrundlage:

  • Adolf Stoecker: Die Kaiserliche Botschaft. Rede, gehalten im Eiskeller zu Berlin am 2. Dezember 1881.

    (Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion wie im Original)

    Hinweise zu Autor und Material:

    Christian Adolf Stoecker (1835–1909) war ein evangelischer Theologe, Hofprediger und einflussreicher Politiker. Zum Entstehungszeitpunkt des Textes war er Reichstagsabgeordneter für die Deutschkonservative Partei.

    Der Eiskeller war ein Berliner Arbeiterlokal, in dem regelmäßig Versammlungen abgehalten wurden. Die Rede bezieht sich auf die Kaiserliche Botschaft Wilhelms I. zur Sozialpolitik vom 17. November 1881, die u. a. die Fortführung und den Ausbau sozialpolitischer Absicherungen gegen die typischen Risiken der Arbeiterexistenz ankündigte. Laut Polizeibericht waren am Abend der Rede 770 bis 800 Personen anwesend.

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[…]
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In Deutschland ist die soziale Frage die gewichtige Frage des gesamten industriellen Ar-
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beiterstandes. Wie der Deutsche alles ernsthaft nimmt, so hat er auch die soziale Frage mit
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einer gewissen Gründlichkeit ergriffen. In so weite Kreise verbreitet ist das soziale Studium
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nirgend wie bei uns. In keinem andern Lande hat eine Agitation, die anderthalb Jahrzehnte
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dauerte, solche Spuren hinterlassen wie hier. Wir sind ein Volk, das lesen kann, das gern
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nachdenkt, über die Gründe der Dinge forscht, auch wohl in ferne Zukunft hinausträumt: alle
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diese Züge sind bei der Entstehung der sozialdemokratischen Bewegung sehr stark zur Gel-
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tung gekommen. Als Lasalle mit seiner gewaltigen Agitationskraft die Schlagworte in das
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deutsche Volk hineinwarf, war für die soziale Bewegung ein gewaltiges Strombett vorhanden.
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Jahrelang hat die Flut in mächtigen Wellen geströmt; an den Attentaten hat sie sich gebro-
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chen, an dem Sozialistengesetz einen Damm gefunden. Aber der irrt, der, weil der starke, hohe
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Damm den Strom verbirgt, die wilden Wasser nicht bemerkt. Dahinter rauschen sie weiter.
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Noch hält der Damm, aber wie lange? Daß neben den unterdrückenden Maßregeln heilsame
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Einrichtungen getroffen werden müssen, ist jedem Einsichtigen klar. Die gegenwärtige Kul-
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turwelt steht unter der Drohung des sozialen Umsturzes. Nur die teilnehmende, barmherzige
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Arbeit an des Volkes leiblichem und geistigem Wohl kann die Gefahr beschwören. […]

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Die soziale Frage stammt in ihrer neueren Gestalt aus der französischen Revolution. Als
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Untersuchung über die beste Form der menschlichen Gesellschaft ist sie so alt wie die
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Menschheit selbst. Daß der vierte Stand die soziale Frage als Waffe benutzt, um seine Forde-
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rungen durchzusetzen, ist neu. Die Revolution von 1789 und ihre Nachfolgerinnen haben
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diese Forderungen nicht erfüllt, sondern vereitelt. Wohl stand auf der Fahne der französischen
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Revolution das Wort geschrieben: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. […] Freilich wie die
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Freiheit, kann auch die Gleichheit falsch gedeutet werden; wie man die Freiheit auffaßt, als
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Zügellosigkeit, als das Recht, das Gesetz zu brechen, die Traditionen des Volkes zu verach-
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ten, die sozialen Ordnungen zu zerstören, die Korporationen aufzulösen, das Familienleben zu
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lockern, so kann auch die Gleichheit ein schlimmes Wort werden. Wenn man glaubt, daß
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jeder mit dem andern gleich viel haben, gleich viel sein soll, dann wird der Gedanke der
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Gleichheit zur Gefahr.

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Die Welt beruht auf Unterschieden: Mann und Weib, Eltern und Kind, Bevölkerungen des
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Nordens und Südens, reiche und arme Länder, begabte und unbegabte Menschen, fröhliche
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und bedrückte Gemüter, Kranke und Gesunde, Vornehme und Geringe: Welche Fülle von
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Unterschieden und wer will sie aus der Welt schaffen! Es ist der schlimmste Fehler eines fal-
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schen Sozialismus, daß er sich einbildet, durch Nivellierung von Reichtum und Armut ein all-
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gemeines Glück herzustellen, während doch die Zufriedenheit noch auf ganz andern Momen-
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ten beruht als auf der Verteilung des Vermögens. Die Weltordnung ruht geradezu auf den Un-
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terschieden und wird durch sie nicht gehindert. Aber wenn die Gleichheit in dieser Welt der
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Unterschiede, der Ueberordnung und Unterordnung, den einen Punkt bedeutet, an dem wir
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alle gleich sind, weil wir alle unsterbliche Seelen haben, gleich vor Gott als sein Ebenbild und
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zum ewigen Leben geschaffen, darum auch in den irdischen Verhältnissen zu gleichem Recht
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berechtigt, so ist Gleichheit ein tiefsinniger Begriff, gleichsam die Versöhnung der Unter-
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schiede, die Brücke über die Spalten, die unsre soziale Welt zerreißen.

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Diese Gleichheit wächst nicht auf dem vulkanischen Boden der Revolution, die französi-
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sche Revolution hat ebensowenig die wahre Gleichheit wie die wahre Freiheit geschaffen.
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Von der Brüderlichkeit, diesem dritten Losungswort, war überhaupt niemals ernsthaft die
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Rede! […]

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In dem Jahrhundert, das seit der französischen Revolution verflossen ist, hat der dritte
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Stand, der damals zur Herrschaft gelangte, seine Brüderlichkeit offenbart. Was in unserm Er-
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werbsleben, in dem sauern Ringen der Arbeit mit der Geldmacht aus dieser Art Brüderlichkeit
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geworden ist, liegt vor aller Augen. Freie Konkurrenz der Kräfte, unbeschränkter Kampf ums
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Dasein, das kalte Gesetz von Angebot und Nachfrage, der schnöde Grundsatz, daß Arbeit eine
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Ware ist: das sind die brüderlichen Ideen, mit welchen ein falscher Liberalismus das Wirt-
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schaftsleben entseelt, die soziale Gemeinschaft vernichtet hat. Reich werden auf Kosten der
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anderen; über das Glück des Nächsten zum Besitz emporsteigen; die Arbeit des andern aus-
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beuten und den letzten Blutstropfen aus ihm herauspressen; den Einfältigen auf gesetzlichem
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Wege um das Seine bringen und nicht danach fragen, ob man mit dem Aermel das Zuchthaus
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streift: das ist der Zustand, der infolge jener falschen Ideen in den Kreisen des Mammons-
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dienstes1 sich eingebürgert hat, und der als Gegensatz die ebenso falschen Ideen des sozialen
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Umsturzes unter den Nichtbesitzenden erzeugt. Die Gottlosigkeit, welche die sittlichen
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Grundsätze verwirrt, hat auch den religiösen Halt zerstört.

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[…]

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Aus diesen Schwierigkeiten materieller und geistlicher Natur ist die soziale Frage in ihrer
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finsteren Gestalt emporgestiegen: Unzufriedenheit mit dem oft kargen Lohn, größere Unzu-
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friedenheit mit der Unsicherheit der Lage ist es, was die Arbeiter in großen Scharen der sozia-
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len Bewegung zugeführt hat. Die Berechtigung der Unzufriedenheit ist früher nicht anerkannt;
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heute wird sie ausgesprochen, und schon darin liegt eine Kraft der Beruhigung. […] Es gehört
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zu der Weisheit der [Kaiserlichen] Botschaft, daß sie nicht alles auf einmal zu heilen ver-
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spricht, nicht die ganzen sozialen Nöte berührt, sondern die größte Not herausgreift; die Unsi-
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cherheit der Arbeiterexistenz, Unfallversicherung, besseres Krankenkassenwesen und staatli-
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che Fürsorge für Invalidität und Alter, das sind die positiven Reformen, welche die Botschaft
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in Aussicht stellt. Eins ist von durchschlagender Wichtigkeit. Frank und frei2 wird mit könig-
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licher Offenheit anerkannt, daß das bloße Unterdrücken der Sozialdemokratie, das Vernichten
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der Parteiorganisation, das Verbieten der Presse nicht genügt.

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Menschen, die nichts von diesen Dingen verstehen, haben gemeint, die Sozialdemokratie
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sei nichts als Thorheit, Gottlosigkeit, Neid und Haß. Und gewiß ist in den sozialdemokrati-
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schen Plänen sowohl Thorheit wie Gottlosigkeit, eine Aufhetzung des armen Volkes, die nur
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mit der Revolution enden könnte; aber wer ein durch Liebe geschärftes Ohr hat, hört aus dem
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Grollen des Hasses doch den Ton der Klage heraus über Zustände, welche den Arbeiter nicht
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zum Frieden kommen lassen. Am allermeisten ist es die Unsicherheit, welche den Arbeiter
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drückt, die Hülflosigkeit der Gegenwart und die Hoffnungslosigkeit der Zukunft. […]

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Wer die soziale Frage anrührt, kann gar nicht anders, als seinen Finger auf solche Wunden
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legen. Er muß es fühlen: in der Unsicherheit der Arbeiterexistenz liegt in der That die aller-
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größte Not der Arbeiterwelt. Und wenn nun die Regierung mit kundigem Auge aus dem gro-
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ßen Gebiet diesen einen Punkt besonders feststellt und nicht bloß die Sonde des Arztes
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braucht, sondern zugleich das Heilmittel bezeichnet, so müssen wir anerkennen: die Weisheit
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in der Erkenntnis des Schadens ist eben so groß, wie die Liebe, die diese Schäden bessern
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will.

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[…]

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Unser Kaiser erkennt diese Aufgabe als eine Pflicht vor Gott und Menschen. Vor Gott! Es
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ist eine ernste Stunde, wenn ein Monarch, der über so viele Millionen das Regiment führt, am
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Abschluß seines langen, gesegneten Lebens vor Gott steht und sich fragt: „Welche Pflicht
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hast du noch?!“ Jenes Wort: „Königtum von Gottes Gnaden“ ist eben keine Redensart, son-
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dern eine Thatsache. Wir sehen hier, daß es eine eminent politische Bedeutung hat, daß ein
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König, der seine Verantwortung vor Gottes Thron fühlt, es nicht unterlassen kann, an die
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soziale Not seines Volkes zu denken. Der Schrei aus den Arbeiterkreisen, Handwerkerkreisen
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und den nicht besitzenden Klassen überhaupt ist an das Ohr der Regierung gedrungen, die
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Regierung hat es vor Gott und Menschen als ihre Pflicht erkannt, den Schrei zu beruhigen; da-
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für dürfen wir ihr dankbar sein. Aber die Regierung erkennt – und das ist der andre bemer-
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kenswerte Punkt –, daß die Erfüllung der erkannten Pflicht nicht in kurzer Frist geschehen
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kann. Sie verspricht nicht, was sie zu halten nicht im Stande wäre. Aber sie gelobt, daß sie,
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auch ohne unmittelbaren Erfolg zu haben, nicht ablassen will, die große Angelegenheit zu
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einem glücklichen Ziel zu führen.

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[…]

1Mammonsdienst: Überhöhung materieller Werte („Mammon“: Geld).

2frank und frei: offen und ehrlich.

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