HT 3
Aufgabenstellung:
Analysiere den vorliegenden Textauszug.
Erläutere ausgehend vom Text die Ursachen für den Beginn des Ersten Weltkriegs (14 BE) und untersuche die Argumentation Sauers zur Kriegsschuldfrage (14 BE).
Beurteile Sauers Ausführungen.
Materialgrundlage:
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Bernhard Sauer: Der Erste Weltkrieg – ein Verteidigungskrieg? München 2023, S. 163–176.
(Rechtschreibung und Grammatik wie im Original, Fußnoten und Belege im Text getilgt)
Hinweise zum Autor:
Bernhard Sauer (geb. 1949) ist ein deutscher Historiker, der mehrere Publikationen zur neueren deutschen Geschichte vorgelegt hat.
VIII. Schlussbetrachtung
1Senegambien: Historische Bezeichnung für das westafrikanische Gebiet zwischen den Flüssen Senegal und Gambia.
2Heinrich Claß war von 1908 bis 1939 Vorsitzender des rechtsnationalistischen Alldeutschen Verbandes.
3Vermutlich handelt es sich hier um ein Zitat des Historikers Heinrich August Winkler aus: Der lange Weg nach Westen, S. 333.
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Autor: Bernhard Sauer (deutscher Historiker, geb. 1949).
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Adressaten: Die fachhistorische sowie die politisch und historisch interessierte Öffentlichkeit.
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Quellengattung/Textart: Sekundärliteratur / Historische Darstellung (Schlussbetrachtung einer fachhistorischen Monografie).
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Erscheinungsort und -jahr: München, 2023.
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Thema: Die Verantwortung des Deutschen Kaiserreiches für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der Charakter der deutschen Kriegszielpolitik.
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Intention: Widerlegung der These eines reinen deutschen Verteidigungskrieges bzw. eines schuldlosen Hineinschlitterns und Nachweis der aktiven kriegsfördernden Politik sowie der annexionistischen Bestrebungen der kaiserlichen Führung.
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Inhalt und Gedankengang:
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Kritik am Handeln der kaiserlichen Führung in der Julikrise: Die deutsche Politik strebte zwar nicht gezielt einen Weltkrieg an, verhinderte einen europäischen Krieg jedoch auch nicht; der „Blankoscheck“ ermunterte Österreich-Ungarn zu einem militärischen Vorgehen gegen Serbien trotz drohenden Konflikts mit Russland.
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Kriegsentschlossenheit trotz Kompromissbereitschaft Serbiens: Trotz der weitgehenden Annahme des österreichischen Ultimatums durch Serbien lehnte Wien Verhandlungen ab und erklärte den Krieg; die deutsche Führung verfolgte ab diesem Zeitpunkt eine kriegsfördernde Politik und handelte keineswegs als ahnungsloser Akteur.
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Einfluss kriegstreibender Eliten: Teile des Militärs, der Schwerindustrie und rechts-konservative Verbände wie der Alldeutsche Verband forderten wegen des vermeintlichen Zu-kurz-Kommens bei der Aufteilung der Welt gezielt einen Krieg zur Machtausdehnung.
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Annexionistische Kriegszielprogramme: Verfassung des „Septemberprogramms“ von Bethmann Hollweg als Minimalziel zur Absicherung der deutschen Vormachtstellung in Mitteleuropa sowie Erarbeitung weitreichender expansiver Denkschriften (Umsiedlungspläne im Osten, Gebietsgewinne im Westen und Kolonialreich in Afrika).
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Täuschung der Öffentlichkeit: Geheimhaltung der Kriegsziele durch Bethmann Hollweg zur Aufrechterhaltung der Legende eines reinen Verteidigungskrieges, um die Zustimmung der eigenen Bevölkerung zu sichern.
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Fazit: Der Erste Weltkrieg war kein Verteidigungskrieg zur Sicherung der Existenz, sondern ein gezielt für annexionistische Ziele genutzter Krieg.
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Ursachen des Ersten Weltkriegs und Untersuchung der Argumentation Sauers
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Ursachen für den Beginn des Ersten Weltkriegs:
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Bündnissysteme und Wettrüsten: Zuspitzung der imperialistischen Gegensätze durch die Blockbildung (Dreibund vs. Triple Entente), das deutsch-britische Flottenwettrüsten sowie landgestützte Aufrüstungsdynamiken.
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Weltmachtstreben und Einkreisungsangst: Wilhelminische „Weltpolitik“, deutsches Streben nach einem „Platz an der Sonne“, gepaart mit der Befürchtung der kaiserlichen Eliten, durch das Erstarken Russlands langfristig ins Hintertreffen zu geraten (Präventivkriegsdenken des Militärs).
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Rolle nationalistischer Verbände: Ideologische Aufladung durch Chauvinismus, Sozialdarwinismus und Kriegsfremdenhaß (z. B. durch den Alldeutschen Verband).
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Die Julikrise 1914: Das Attentat von Sarajevo als Katalysator, die Eskalation durch die bedingungslose deutsche Rückendeckung („Blankoscheck“) für Österreich-Ungarn sowie die Starrheit der militärischen Mobilmachungspläne (Schlieffen-Plan).
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Untersuchung der Argumentation Sauers zur Kriegsschuldfrage:
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Widerlegung des „Hineinschlitterns“: Sauer erteilt der These, die Mächte seien unschuldig in den Krieg hineingeglitten, eine Absage und verweist auf die bewusste kriegsfördernde Haltung der deutschen Führung ab Ende Juli 1914.
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Konstruktion einer doppelten Strategie: Unterscheidung zwischen der zögerlichen Haltung von Kaiser Wilhelm II. und Bethmann Hollweg auf der einen Seite und dem systematischen Druck kriegsbereiter Eliten (Militär, Schwerindustrie, Alldeutscher Verband) auf der anderen Seite.
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Beleg der Kontinuität expansiver Ziele: Verknüpfung der Vorkriegsbestrebungen mit den konkreten Kriegszielprogrammen („Septemberprogramm“, Denkschriften zur „völkischen Feldbereinigung“), um den offensiven Charakter des Kriegseintritts nachzuweisen.
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Aufdeckung der Propaganda-Funktion: Nachweis, dass das Narrativ des „Verteidigungskrieges“ eine von der Regierung gezielt eingesetzte Verkleidung war, um das Volk zu täuschen und die Heimatfront einzubinden.
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Bewertung
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Kritische Reflexion und Beurteilung:
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Historische Stichhaltigkeit: Sauers Ausführungen entsprechen dem gesicherten Forschungsstand im Gefolge der Fischer-Debatte; die Belege über den „Blankoscheck“ und das „Septemberprogramm“ stellen das offensive Risikobewusstsein der kaiserlichen Führung unzweifelhaft dar.
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Einordnende Relativierung: Sauers konsequente Fokussierung auf die deutsche Führung blendet die Mitverantwortung anderer Großmächte (z. B. die russische Generalmobilmachung oder die kompromisslose Haltung der serbischen und österreichischen Akteure) weitgehend aus, was in einer Gesamtschau der Julikrise als Ergänzung mitbedacht werden muss.
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Bedeutung der Volksbefindlichkeit: Die Analyse zeigt treffend, wie tief der Mythos des Bedrohungsszenarios in der Bevölkerung verankert war und wie gezielt die kaiserliche Diplomatie die offensive Absicht defensiv kaschierte.
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Zusammenfassendes Werturteil:
Sauers Urteil ist aus historischer Perspektive vollumfänglich zustimmend zu bewerten. Die These vom reinen Verteidigungskrieg hält einer wissenschaftlichen Überprüfung anhand der vorliegenden Quellen nicht stand. Das kaiserliche Deutschland trug durch seine Risikopolitik in der Julikrise sowie durch das rasche Formulieren maßloser Annexionen eine maßgebliche Verantwortung für die Entfesselung und Eskalation des Ersten Weltkriegs.