Kinderbetreuung in Stuttgart: Oma und Opa auf Leihbasis
Von Susanne Müller-Baji
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Die Großeltern sind wichtige Bezugspersonen für Kinder. Wo es keine Verwandten gibt, helfen zwei Vermittlungsangebote.
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Bei Irmgard Tinz ist freitags Enkelzeit, dann kommt Levi (11) nach der Schule zu ihr nach Weilimdorf. Man isst gemeinsam, plauscht über dies und das, wie das halt so ist zwischen
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Oma und Enkel. Nur, dass die beiden nicht miteinander verwandt sind: Ihre eigenen Enkel leben weit weg, seine Großeltern ebenfalls. Zusammengeführt hat die beiden vor rund acht Jahren die Leihgroßeltern-Vermittlung „Mit Zeit und Herz“ der Stadt Stuttgart. Und gleich das erste Treffen habe gezeigt, dass man sich gesucht und gefunden hatte, erinnert sich Levis Mutter Annett Engel.
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Auch die Evangelische Gesellschaft (eva) vermittelt Leihgroßeltern. Wie Erika Klug-Lang, die von Anfang an mit dabei ist. Sie ist auffallend jung Leihoma geworden – und dabei geblieben, auch wenn sie sich seit Corona mehr in der Organisation engagiert. Die Initiative für das Angebot sei von einem Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Feuerbach und einer engagierten Bürgerin ausgegangen, erzählt sie: Gesucht wurden Menschen, die bei der Kinder-
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betreuung helfen konnten.
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Dass hier einiges im Argen lag, bekam sie ironischerweise damals selbst zu spüren: „Ich war selbst Mutter und daheim und habe überlegt, was ich denn jetzt machen kann. Denn es war sehr schwer, Arbeit und Familie zu verbinden. Als ich den Aufruf gelesen habe, habe ich mich sofort gemeldet.“ Längst ist die findige Idee, die Generationen zusammenführt und dabei
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alle bereichert, beim Treffpunkt 50plus und bei der eva angesiedelt. Das 30-jährige Bestehen nimmt man hier zum Anlass, einen neuen Aufruf zu starten: „Während der Pandemie sind viele von ehemals rund 80 Leih-Omas und -Opas weggebrochen“, sagt Günther Schwarz, der das eva-Angebot hauptamtlich betreut und dabei von einem ehrenamtlichen Organisationsteam unterstützt wird.
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Überwiegend engagieren sich Frauen, aber es gibt auch einige Männer, wie Jochen Grube aus Plattenhardt: Er wurde Leihopa, weil er gerne mit Kindern umgeht und betreut einen Elfjährigen – und auch dessen kleiner Bruder ist oft mit von der Partie. Zusammen in den Wald gehen, Fahrrad fahren oder am Flughafen Flugzeuge anschauen – das mache Generationen-
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übergreifend einfach Freude: „Es wäre schön, wenn sich mehr Opas dafür erwärmen würden“, sagt er.
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Auf städtischer Seite ist die Vermittlung von Leihgroßeltern unter der Überschrift „Mit Zeit und Herz“ dem Jugendamt zugeordnet. Dort können sich aber auch Jüngere zum Beispiel als Familienpaten für „Menschen mit Unterstützungsbedarf“ engagieren. Rita Fougeras etwa begleitet eine irakisch-stämmige Familie bei der Kommunikation mit Ämtern und Schulen. Dazu-
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gekommen ist sie auf der Höhe der Flüchtlingswelle 2015, wollte effektiv helfen: „Man muss offen sein für das Fremde“, sagt Fougeras, „dabei aber auch Distanz wahren“.
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Leihgroßeltern können alle werden, die gerne mit Kindern umgehen und jede Woche ein paar Stunden Zeit aufbringen können. Beide Vermittlungsstellen verlangen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, bemühen sich, ein Engagement in Wohnortnähe zu vermitteln
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und bieten […] regelmäßige Möglichkeiten zum Austausch bei Problemen an. Denn nicht immer läuft alles reibungslos: Manchmal sehen die Eltern in den Leihgroßeltern eher Dienstleister, manchmal endet das von Anfang an auf Zeit angelegte Engagement allzu abrupt durch Umzug oder ähnliche Einschnitte.
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Leihoma Irmgard Tinz und ihre kleine Feuerbacher Wahlfamilie zeigen freilich, wie es im Idealfall auch sein kann. „Man muss einfach auf einander zugehen“, sagt Annett Engel. Sogar Heiligabend haben Mutter, Sohn und Leihoma bereits zusammen gefeiert und einen gemeinsamen Österreichurlaub unternommen. Die Frauen sind sich sicher, dass die Verbindung bestehen bleibt, auch wenn Levi seine Leihoma mit der Zeit immer weniger braucht. Und Irmgard
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Tinz sagt sogar: „Ich habe nicht nur einen Leihenkel bekommen, sondern auch eine zusätzliche Tochter.“
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Müller-Baji, S. (2022, 3. Juni). Kinderbetreuung in Stuttgart: Oma und Opa auf Leihbasis.Stuttgarter Nachrichten.
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