Thema 1
Thema 1: Industrialisierung in der Diskussion (Erörterung)
Übergreifende Aufgabenstellung:
Erörtere in einem inhaltlich kohärenten und sinnvoll strukturierten Fachaufsatz die Position Jürgen Kockas, wonach die Sicht auf die deutsche Industrialisierung ambivalenter werde.
Bearbeite dabei auch folgende Teilaufgaben:
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Fasse die Aussagen des Autors zusammen.
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Untersuche am Beispiel Deutschlands die Plausibilität der Einordnung der Industrialisierung als „fundamentalen Wachstums- und Strukturwandlungsprozeß“. (Zeilen 8–9)
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Analysiere die von Kocka angeführten historischen Sachverhalte, welche zu einer sich verändernden Sicht auf den Industrialisierungsprozess führen würden.
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Setze dich mit der Prognose des Verfassers auseinander, wonach in Zukunft keine grundsätzliche Neubewertung der Industrialisierung zu erwarten sei.
Darstellung: Jürgen Kocka über die Industrialisierung (2021)
Der deutsche Sozialhistoriker Jürgen Kocka (geb. 1941) lehrte bis zur Emeritierung an der Freien Universität Berlin. Einen seiner Forschungsschwerpunkte bildet die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Deutschlands vom 18. bis zum 20. Jahrhundert.
Rechtschreibung, Zeichensetzung und Hervorhebungen folgen der Vorlage.
Kocka, J. (2021): Kampf um die Moderne. Das lange 19. Jahrhundert in Deutschland. Stuttgart, S. 29–45.
1 Hobsbawm, Cipolla, Gehlen, Conze: Bezugnahme auf die Historiker Eric Hobsbawm (1917–2012), Carlo M. Cipolla (1922–2000), Arnold Gehlen (1904–1976), Werner Conze (1910–1986), die zur angesprochenen Thematik Grundlagenwerke vorgelegt haben
2 Schumpeter: Joseph Schumpeter (1883–1950), Ökonom und Sozialwissenschaftler
3 Riehl: Wilhelm Heinrich Riehl (1823–1897), Schriftsteller und Kulturwissenschaftler
4 Rede auf dem Hohen Meißner: Ansprache des deutschen Philosophen Ludwig Klages (1872–1956) anlässlich des ersten „Freideutschen Jugendtages“, die auf einer Anhöhe des hessischen Mittelgebirges Hoher Meißner gehalten wurde
5 Radkau: Joachim Radkau (geb. 1943), Historiker
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Formulieren, dass Kocka von einer sich derzeit ausdifferenzierenden Bewertung der sozialökonomischen Geschichte des 19. Jahrhunderts ausgeht
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Verweisen auf die etablierte Grundannahme von der Industrialisierung als Wachstums- und Strukturwandlungsprozess
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Angeben eines erfolgten Perspektivwechsels aufgrund größerer zeitlicher Distanz und anderer räumlicher Betrachtung sowie erst gegenwärtig wahrgenommener langfristiger Folgen der Industrialisierung (z. B. „Klimakatastrophe“, „Desolidarisierung“)
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Umreißen der Position des Historikers, nach der gegenwärtige Probleme zu einer anderen Betrachtung des Industrialisierungsprozesses im 19. Jahrhundert führen würden (z. B. Entfernung des Menschen von der Natur, Ressourcenerschöpfung)
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Aufzeigen der Auffassung Kockas, wonach trotz des wachsenden Interesses an der Betrachtung der „dunklen Seiten“ der Industrialisierung sowie der Einbindung früher zeitgenössischer Kritik an diesen Erscheinungen kein Paradigmenwechsel bei der Beurteilung der Industrialisierungsgeschichte zu erwarten sei, sondern der Betrachtung nur eine weitere Dimension hinzugefügt werde
Zweite Teilaufgabe:
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Herausstellen, dass die Auffassung des Autors für die Zeit bis zur Gründerkrise plausibel ist
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Mögliche Aspekte:
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Entstehung von Führungssektoren
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Kopplungseffekte
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Aufstiege von Berufsgruppen
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Hochkonjunktur
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Einschätzen, inwieweit die Verfasserposition für die Industrialisierungsphase nach der Gründerkrise zutreffend ist
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Mögliche Anknüpfungspunkte:
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neue Leitbranchen
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Herausbildung von Großunternehmen und Großbanken
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soziale Entwicklungen
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Verweisen auf Krisenphänomene, die im Zusammenhang mit dem von Kocka thematisierten Wachstums- und Strukturwandlungsprozess stehen
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Mögliche Bezugspunkte:
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Gründerkrise
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soziale Frage
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Abstiege von Berufsgruppen
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Dritte Teilaufgabe:
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Veranschaulichen der Autorenposition zu negativen und mehrheitlich nicht intendierten Auswirkungen der Industrialisierung
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Mögliche Angaben:
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Umweltverschmutzung (z. B. Gewässer, Boden, Luft)
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Erschöpfung natürlicher Ressourcen
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fortschreitende Zerstörung der Natur
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Konkretisieren der vom Verfasser für die veränderte Einschätzung angeführten Sachverhalte
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Mögliche Aspekte:
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Kohle als Hauptenergieträger einschließlich der damit verbundenen Luftverschmutzung
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Eingriffe in die Natur durch Montansektor, Eisenbahnbau, räumlich expansive Industrien und Landwirtschaft
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Umweltbelastungen durch Industrie und Landwirtschaft
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Folgen von starkem Bevölkerungswachstum und Urbanisierung
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Vierte Teilaufgabe:
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Feststellen, dass Kocka von der Berechtigung der Einschätzung der Industrialisierung als „fundamentale[m] Wachstums- und Strukturwandlungsprozess“ ausgeht
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Verweisen auf die Ansicht des Autors, nach der mit Berücksichtigung von „dunklen Seiten“ des Industrialisierungsprozesses dessen Betrachtung nur eine neue Dimension hinzugefügt werde
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Abwägen, inwieweit diese erweiterte Perspektive die etablierte Sichtweise generell in Frage stellen könnte
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Formulieren eines aus den Ausführungen resultierenden Fazits