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Mediation

You are taking part in the project “Responses to Global Warming” organized by Youth and Environment Europe. All participants have been invited to contribute an entry to the project blog in which they present best-practice examples of dealing with climate change from their home countries.

Write a blog entry, outlining the problems cities face and the ways a project in Leipzig tries to improve the situation locally.

25 %

Das Schwammviertel

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Wann immer das Wetter es zulässt, rollen Bagger und Radlader im Gelände eines ehe-
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maligen Verladebahnhofs im Leipziger Stadtzentrum. Sie machen klar Schiff, damit
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ein Stadtquartier für 3 700 Menschen entstehen kann, mit Schulen, Kitas, Läden und
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Büros – und mit einer „blau-grünen“ Infrastruktur. „Gemeint ist eine dezentrale, na-
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turnahe Form des Wassermanagements“, sagt Roland Müller vom Helmholtz-Zentrum
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für Umweltforschung (UFZ), der ein begleitendes, staatlich gefördertes Forschungs-
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projekt leitet. Die Idee sei, das gesamte Regenwasser im Quartier zu halten und für
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trockene Zeiten zwischenzuspeichern. Das könne „entscheidend dazu beitragen“, Fol-
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gen des Klimawandels durch häufigere Starkregenereignisse und Dürren lokal zu mil-
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dern.
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Die Menschen in den Städten sind davon besonders betroffen. Wenn es heftig reg-
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net, drohen Überflutungen, weil das Wasser auf versiegelten Straßen und Plätzen nicht
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komplett versickern kann und das Kanalsystem an Grenzen kommt. An heißen Som-
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mertagen wiederum heizen sich Asphalt und Beton kräftig auf. Die Temperaturen klet-
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tern oft um mehrere, schweißtreibende Grad höher als im Umland.
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Die Gegenstrategie der Leipziger Forscher fußt vor allem auf Pflanzen. „Statt Gul-
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lys werden zum Beispiel Baumrigolen¹ das Wasser von den Straßen aufnehmen“, be-
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richtet Müller. Die Baumreihen wurzeln in einen Untergrund aus Schotter, Kies und
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Bodensubstrat². Unter den Wurzelballen hält eine Wanne, zum Beispiel aus Lehm,
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Wasser für Trockenzeiten zurück. „Bäume steigern außerdem das Wohlbefinden, nicht
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nur aus ästhetischen Gründen“, so der Biotechnologe. Schließlich filtern sie Schad-
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stoffe und Staub aus der Luft, liefern Schatten, und sie kühlen ihre unmittelbare Um-
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gebung, wenn sie Wasser über die Blätter verdunsten. Den Effekt der Verdunstungs-
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kälte kennt vermutlich jeder, der schon einmal durchnässt im Wind gestanden hat.
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Weitere geplante Wasserspeicher sind Mulden, Tanks und Gründächer, die zudem
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wärmeisolierend wirken. „An der Unterseite der Gründächer auf einem unserer Insti-
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tutsgebäude ist es im Sommer selten wärmer als 35 Grad Celsius“, berichtet Müller.
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An der Unterseite eines konventionellen Kiesdachs hingegen könne es bis zu 20 Grad
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wärmer werden. Gerade ermittelt sein Team, welche Gründachtypen zum Einsatz kom-
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men werden. […]
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Auch das Grundwasser sei ein möglicher Speicherort, sagt Müller. Es fließe sehr
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langsam, selten mehr als einen Meter pro Jahr. Lasse man Regenwasser zum Beispiel
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an einem Gebäude versickern, könne es bei Bedarf im Sommer auf dem gleichen
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Grundstück wieder entnommen werden. Das etwa fünf Grad kalte Grundwasser könnte
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in Zukunft womöglich auch zur Gebäudekühlung genutzt werden. Andere Elemente
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des dezentralen Wassermanagements wie Fassadenbegrünung und wasserdurchlässige
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Straßenbeläge werden im neuen Leipziger Quartier voraussichtlich nicht zum Einsatz
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kommen.
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Das Konzept einer Stadt, die wie ein Schwamm Wasser aufnimmt und wieder her-
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gibt, ist im Grunde nicht neu und wird unter anderem in den USA und in China seit
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vielen Jahren staatlich gefördert. „Auch deutsche Städte setzen heute zumindest in Tei-
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len auf ein dezentrales Regenwassermanagement“, sagt Andreas Matzinger vom Kom-
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petenzzentrum Wasser Berlin, der in zwei interdisziplinären, vom Bundesforschungs-
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ministerium geförderten Projekten entsprechende Planungsinstrumente mitentwickelt
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hat. Schließlich helfe eine gut geplante Regenwasserbewirtschaftung nicht nur den
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Menschen in der Stadt, sondern auch der Natur. Die bisherige Praxis könne die ökolo-
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gischen Gleichgewichte in Flüssen und Seen stören. Je nach Abwassersystem strömt
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Regenwasser entweder das ganze Jahr ungefiltert in die Gewässer oder zumindest bei
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Starkregen, wenn eine Überlastung der Kläranlagen droht, in diesem Fall sogar zusam-
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men mit ungereinigtem Abwasser. […]
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Dass sich das Schwammkonzept trotz vieler Vorteile noch nicht flächendeckend
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durchgesetzt hat, liegt Müller zufolge unter anderem am Planungsaufwand. Die Stadt,
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der Investor, Wasserwirtschaft und Baubehörden, Ämter für Stadtgrün und Umwelt-
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schutz, sie alle müssten zusammenarbeiten, Szenarien durchspielen und viel diskutie-
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ren. Aber auch der Gesetzgeber ist gefragt. „Es fehlen zukunftsweisende Rahmenset-
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zungen“, moniert der UFZ-Rechtsexperte Moritz Reese. Das Ziel, lokale Wasserkreis-
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läufe zu schließen und Regenwasser dezentral zu bewirtschaften, müsse gesetzlich
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stärker festgeschrieben werden. Es gelte, Gemeinden und Städte zu ermächtigen und
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zu verpflichten, entsprechend zu planen und dabei auch die Bürger zu beteiligen. „Erst
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dann haben sie genügende rechtliche Rückendeckung gegenüber Investoren oder Ei-
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gentümern“, so der Jurist. Anordnungsmöglichkeiten, Entschädigungs- oder Förderin-
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strumente müssten zudem normiert sowie die Entwässerungs- und Bebauungsplanung
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enger miteinander verzahnt werden. Schließlich prägt die dezentrale Wasserwirtschaft
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auch das Stadtbild.

(641 Wörter)

„Das Schwammviertel“, Andrea Hoferichter, SZ.de vom 22. 02. 2021

(Sprachliche Fehler in der Textvorlage wurden entsprechend der geltenden Norm korrigiert.)

Annotationen

1 Baumrigole: Regenwasserspeicher unterhalb von Bäumen

2 Bodensubstrat: Nährboden

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