Thema 2 – Erschließen pragmatischer Texte
Aufgabenstellung
Lies den Text Bleibt’s dabei? sorgfältig durch und bearbeite dann die folgenden Aufgaben:
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Fasse den Inhalt des Textes so zusammen, dass dessen Aufbau erkennbar wird.
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Beschreibe sprachliche Auffälligkeiten und deren Wirkung in den Zeilen 1 bis 74.
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Stelle anhand geeigneter Textstellen mögliche Absichten der Autorin dar.
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Manche Restaurants fordern bei einer nicht wahrgenommenen Reservierung mittlerweile eine Gebühr (vgl. Z. 136 – 139). Was hältst du von dieser Maßnahme? Lege deine Meinung in etwa 250 Wörtern dar.
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Stell dir vor, dir wäre per Kurznachricht von einem Freund oder einer Freundin kurzfristig abgesagt worden. Du stellst deinen Freund bzw. deine Freundin in einem Telefonat zur Rede. Verfasse hierzu einen passenden Dialog, der zu einer konstruktiven Lösung des Problems führt.
Material
Bleibt’s dabei?
Wir leben in Zeiten grenzenloser Unverbindlichkeit. Warum es Menschen gerade so schwerfällt, sich festzulegen, und was daran bedenklich ist
Silke Wichert
Textquelle: Süddeutsche Zeitung vom 03.12.2022 (Text zu Prüfungszwecken verändert)
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Thematik:
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Die Autorin beleuchtet das Phänomen der zunehmend als unverbindlich angesehenen Terminabsprachen kritisch.
Aufbau und Inhalt:
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Sinnabschnitt 1 (Z. 1 – 19): Hinführung zur Thematik:
Die Autorin macht anhand einiger Beispiele darauf aufmerksam, dass Termine jedweder Art in einem auffälligen Übermaß auf digitalem Weg in Erinnerung gerufen werden, nicht zuletzt, um zu eruieren, ob sie auch eingehalten werden.
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Sinnabschnitt 2 (Z. 20 – 28): Feststellung der Thematik:
Auf Zusagen zu Terminen ist heutzutage kein Verlass mehr.
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Sinnabschnitt 3 (Z. 29 – 50): Veranschaulichung des Problems der Unzuverlässigkeit und Frage nach den Ursachen:
Bei der Planung von Veranstaltungen bestätigt sich, dass Gäste trotz Zusage nicht erscheinen, was die Vorbereitung von Events erschwert. Über diese Unzuverlässigkeit ist die Autorin umso mehr verwundert, als Deutschland bislang im Ruf absoluter Verlässlichkeit und Korrektheit gestanden hat.
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Sinnabschnitt 4 (Z. 51 – 74): technologische Gründe:
Digitale Kommunikationsformen und Terminbuchungssysteme erlauben selbst kurzfristige Terminabsagen, ohne sich der Herausforderung einer persönlichen Kontaktaufnahme und damit vielleicht verbundenen Rechtfertigung stellen zu müssen.
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Sinnabschnitt 5 (Z. 75 – 102): psychologischer Hintergrund:
Mit der Absicht, für sich selbst nur das Bestmögliche zu erzielen, halten sich viele insbesondere im Freizeitbereich durch mehrere Zusagen bis zuletzt alle Möglichkeiten offen, auch auf die Gefahr hin, den Überblick zu verlieren.
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Sinnabschnitt 6 (Z. 103 – 116): bedenkliche Auswirkungen und kritische Bewertung:
Erfahrene Unzuverlässigkeit kann zu Nachahmungs- oder gar Vergeltungseffekten führen. Die Autorin bewertet das Streben nach Unverbindlichkeit auch darum als letztlich asozial.
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Sinnabschnitt 7 (Z. 117 – 130): Empfehlung zum Perspektivenwechsel:
Psychologen raten, sich in die Person einzufühlen, die eine kurzfristige Absage erhält.
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Sinnabschnitt 8 (Z. 131 – 145): Gegenmaßnahmen:
Um eine höhere Verbindlichkeit zu erzielen, werden mittlerweile auch entsprechende Maßnahmen wie Kundenbewertungen oder gar Gebühren bei versäumter Stornierung ergriffen.
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Sinnabschnitt 9 (Z. 146 – 156): Fazit:
Die Verfasserin plädiert dafür, zu einer einmal getroffenen Entscheidung zu stehen und zur Erleichterung derselben erst gar nicht so viele Optionen und Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen.
Sprachliche Auffälligkeiten und deren Wirkung
Wortwahl:
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zahlreiche Fremdwörter: z. B. „Phrasenrepertoire“ (Z. 18), „mutiert“ (Z. 24), „gecancelt“ (Z. 71)
→ gehobenes Sprachniveau
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Fachbegriffe aus dem Bereich der digitalen Kommunikation: z. B. „Remindern“ (Z. 4), „Push-Nachricht“ (Z. 7), „Kommunikationsplattform“ (Z. 8 f.), „Gruppen-Chat“ (Z. 16 f.)
→ dem Thema angemessene Sprache, Ausdruck der Fachkenntnis der Autorin
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bildhafte Ausdrucksweise: z. B. „Schwall von Remindern“ (Z. 4)
→ kritisiert Überfülle von Terminerinnerungen;
„Wesen …, das … mit digitalen Zaunpfeilern eingefangen werden muss“ (Z. 24 – 26)
→ unterstreicht die Unzuverlässigkeit der Menschen und kritisiert dieses Verhalten zugleich scharf;
„Puffermasse“ (Z. 38), „Risikospiel“ (Z. 40)
→ verdeutlichen die Planungsschwierigkeiten von Veranstaltern angesichts des Verhaltens der Gäste
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Personifikationen: z. B. „erteilen zwei blaue Häkchen … die Absolution“ (Z. 63 f.)
→ übt indirekte Kritik an digitaler Kommunikationsform, die auf persönliche Kontaktaufnahme verzichtet
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Klimax: „gesendet, empfangen, gelesen“ (Z. 64 f.)
→ hebt die schnelle und zugleich äußerst unpersönliche digitale Kommunikationsform hervor
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Alliterationen: z. B. „Überkorrekten, Überpünktlichen … ohne Verspätungen und Verschiebungen“ (Z. 44 – 47)
→ Erinnerung an angeblich typische deutsche Tugenden verschärft den Kontrast zur derzeit erlebbaren Unzuverlässigkeit
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Vergleiche: z. B. „wie ein Orakel“ (Z. 33)
→ betont die Unsicherheit, mit der Veranstalter zurechtkommen müssen;
„wie bestellt und nicht abgeholt“ (Z. 62)
→ stellt die frühere Verhaltensweise im vordigitalen Zeitalter heraus
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umgangssprachliche Ausdrücke: z. B. „Termine platzen lässt“ (Z. 26), „auf der Matte stehen“ (Z. 36 f.), „guckt“ (Z. 60), „mal“ (Z. 73)
→ spiegeln die Alltagsthematik wider
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Wortspiele: z. B. „nach- beziehungsweise vorzuhaken“ (Z. 13)
→ unterstreicht die Sorge, ob Termine überhaupt eingehalten werden;
„Damit ist die Sache … abgehakt“ (Z. 65 f.)
→ bekräftigt die Aussage, dass das unkomplizierte Versenden unpersönlicher Whatsapp-Nachrichten kurzfristige Terminabsagen fördert
Satzbau:
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Zitate der Online-Kommunikation, um zu veranschaulichen: z. B. Z. 14 f., Z. 19, Z. 56
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Aufzählungen: z. B. „An den morgigen Zahnarzttermin …, die Taxi-App …, die Kommunikationsplattform …“ (Z. 4 – 11)
→ Beispiele, die die digitalen Terminerinnerungen im Alltag illustrieren;
„weil es … Termine platzen lässt, Dates versetzt, nicht auf Partys … erscheint“ (Z. 26 – 28)
→ beschreibt nachdrücklich die Folgen fehlender Terminerinnerungen;
„spontaner, direkter, aber auch flüchtiger“ (Z. 54)
→ charakterisiert eindringlich die digitalen Kommunikationsformen;
„etwa bei Reservierungssystemen von Ämtern, Tennisklubs, Restaurants“ (Z. 68 – 70)
→ verdeutlicht verschiedene Bereiche, die von Absagen betroffen sind
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vereinzelt kurze Hauptsätze: z. B. „Zusagen per Mail seien heute im Grunde wertlos.“ (Z. 33 f.)
→ hebt die Unzuverlässigkeit hervor;
„Der technologische Wandel ist schuld.“ (Z. 51 f.)
→ schreibt pauschale Ursache zu;
„Das prägt auf Dauer.“ (Z. 73 f.)
→ stellt eine psychologische Entwicklung fest
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Ellipsen: z. B. „Und die kleinen? Die mittelwichtigen?“ (Z. 2 f.)
→ lenken die Aufmerksamkeit auf das nachfolgend beschriebene Phänomen, dass sich selbst gewöhnliche Termine groß ankündigen;
„Schon seltsam, eigentlich“ (Z. 41)
→ zeigt die Verwunderung der Autorin über das beschriebene Verhalten;
„Schnell gebucht, genauso schnell … gecancelt.“ (Z. 70 f.)
→ betont die Unkompliziertheit der digitalen, aber zugleich unpersönlichen Kommunikation
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rhetorische Frage: in Z. 41 – 49
→ Ausführlicher Rückbezug auf früher angeblich vorhandene Verbindlichkeit verstärkt die Verwunderung über momentane Unzuverlässigkeit.
Stil:
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insgesamt abwechslungsreiche und niveauvolle sprachliche Gestaltung
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Verwendung von Fachbegriffen
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bildhafter Sprache
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Einsprengsel von Umgangssprache
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authentisch wirkenden Zitaten aus der Online-Kommunikation
Mögliche Absichten der Autorin
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über das Phänomen der zunehmend als unverbindlich angesehenen Terminabsprachen (vgl. z. B. Z. 20 – 30), dessen mögliche Ursachen (vgl. z. B. Z. 51 f., Z. 77 – 86) und entsprechende Gegenmaßnahmen (vgl. z. B. Z. 136 – 145) informieren
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deutliche Kritik üben an der Flut von Terminerinnerungen und der Floskelhaftigkeit digitaler Kommunikation (vgl. z. B. Z. 1 – 19), an der Unzuverlässigkeit (vgl. z. B. Z. 20 – 28) sowie an dem Egoismus einiger Menschen (vgl. z. B. Z. 112 – 116)
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auf die negativen Folgen der Unverbindlichkeit aufmerksam machen (vgl. z. B. Z. 103 – 112)
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die Leserschaft für die Notwendigkeit von Empathie (vgl. z. B. 117 – 119) und Verpflichtungen sensibilisieren (vgl. z. B. Z. 146 – 153)
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appellieren an alle, das eigene Verhalten zu überdenken, Zusagen einzuhalten und niemanden zu versetzen (vgl. z. B. Z. 55 – 61, Z. 150 – 156)
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durch amüsante Formulierungen (z. B. „nach- beziehungsweise vorzuhaken“, Z. 13; „mit digitalen Zaunpfählen eingefangen“, Z. 24 f.) und eigene Erfahrungen im Bekanntenkreis (vgl. z. B. Z. 88 – 92) unterhalten
Begründete Stellungnahme
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Maßnahme: Restaurants verlangen Gebühr bei Nichterscheinen trotz Reservierung (vgl. Z. 136–139)
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Grundsätzlich sinnvolle Maßnahme, da sie ein reales Problem löst
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Argument 1: Wirtschaftliche Schäden für Restaurants
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Leere Tische bedeuten Einnahmeverluste
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Andere Gäste hätten Plätze nutzen können
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Besonders kleine Betriebe stark betroffen
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Argument 2: Förderung von Verbindlichkeit
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Gebühr wirkt abschreckend → Menschen sagen eher zuverlässig ab
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Gegenentwicklung zur im Text beschriebenen „Unverbindlichkeit“
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Stärkt verantwortungsbewusstes Verhalten
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Argument 3: Fairness gegenüber dem Anbieter
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Reservierung ist eine Art „Versprechen“
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Nichterscheinen ohne Absage ist respektlos
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Gegenargument: Unvorhersehbare Situationen
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Krankheit oder Notfälle können kurzfristige Absagen notwendig machen
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Gebühr könnte in solchen Fällen unfair sein
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Lösung / Abwägung
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Flexible Stornierungsfristen sinnvoll
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Kulanzregelungen bei nachvollziehbaren Gründen
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Fazit
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Maßnahme grundsätzlich gerechtfertigt
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Wichtig: faire und transparente Umsetzung
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Beitrag zu mehr Zuverlässigkeit im Alltag
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Dialog
A = du / B = Freund*in
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A: „Hey, ich wollte nochmal wegen gestern sprechen. Ich war ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht, dass du so kurzfristig abgesagt hast. Ich hatte mich sehr auf unser Treffen gefreut.“
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B: „Ja, ich auch. Aber ich hatte einfach total viel Stress und habe es nicht mehr geschafft.“
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A: „Ich verstehe ja, dass mal etwas dazwischenkommen kann. Aber ich hätte mir gewünscht, dass du früher Bescheid sagst.“
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B: „Ja, okay.... Da hast du recht. Ich hätte mich wirklich früher melden sollen.“
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A: „Mir ist es einfach wichtig, dass ich mich auf dich verlassen kann. Ich habe mir den Abend extra freigehalten.“
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B: „Das kann ich nachvollziehen. Ich werde in Zukunft besser darauf achten und meine Zeit besser planen.“
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A: „Vielleicht könnten wir auch abmachen, dass wir uns spätestens ein paar Stunden vorher einfach nochmal kurz absprechen?“
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B: „Gute Idee, das hilft bestimmt. Und ich verspreche, mich rechtzeitig zu melden.“
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A: „Okay, dann vergessen wir das gestern. Wollen wir den Abend einfach nachholen?“
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B: „Ja klar, sehr gerne. Wie wäre es am Wochenende?“
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A: „Passt für mich. Dann diesmal aber wirklich!“
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B: „Versprochen.“