Thema 3 – Erschließen literarischer Texte
Aufgabenstellung
Lies den Auszug aus dem Roman Was man von hier aus sehen kann sorgfältig durch und bearbeite dann die folgenden Aufgaben:
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Fasse den Inhalt des Textes zusammen.
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Beschreibe sprachliche Auffälligkeiten des Textes und deren Wirkung.
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Charakterisiere die Ich-Erzählerin Luise.
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„Mein Vater findet, dass man nur in der Ferne wirklich wird, deshalb ist er auf Reisen“ (Z. 26 f.). Nimm Stellung (etwa 250 Wörter) zu der Frage, inwiefern das Reisen einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung leisten kann.
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Verfasse einen Tagebucheintrag aus der Sicht Frederiks, der am Ende des Tages seine Gedanken und Gefühle zur Begegnung mit Luise notiert.
Material
Was man von hier aus sehen kann (Romanauszug)
Mariana Leky
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Der Bestseller-Roman Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky aus dem Jahr 2017 wurde in über 20 Sprachen übersetzt und verfilmt. Im Buch geht es um Luise, die in einem Dorf in Deutschland lebt, in dem jeder jeden kennt. Auf der Suche nach ihrem Hund Alaska kommt es zu einer unerwarteten Begegnung. |
Textquelle: Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann, 8. Auflage, Köln 2021, S. 131 – 140 (Text zu Prüfungszwecken verändert)
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Thematik:
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Luise begegnet auf der Suche nach ihrem Hund dem buddhistischen Mönch Frederik, der ihre Gefühlswelt durcheinanderbringt.
Textinhalt:
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Luise sucht ihren Hund Alaska, als sie auf einer Wiese in der Abenddämmerung auf drei buddhistische Mönche trifft.
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Sofort ist sie von einem der Mönche, Frederik, fasziniert und versucht, ein Gespräch mit diesem zu beginnen, nachdem die Mönche sich dazu bereit erklärt haben, ihr beim Suchen zu helfen.
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Sie bewundert Frederik und erzählt ihm unvermittelt persönliche Details aus ihrem Leben.
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Nachdem die beiden Alaska entdeckt haben, begleitet Luise Frederik noch zu seiner Unterkunft. Beim Versuch Frederiks, Luise zu erzählen, wie es dazu gekommen sei, dass er buddhistischer Mönch geworden ist, fällt ihm diese stets ins Wort.
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An der Unterkunft angekommen, verabschieden sich die beiden voneinander, jedoch bittet Luise Frederik zuvor noch um dessen Telefonnummer, welche dieser ihr auf den Arm schreibt.
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Als Frederik die Tür geschlossen hat, ist Luise glücklich und stolz auf sich, weil sie es gewagt hat, ihn nach seiner Telefonnummer zu fragen.
Sprachliche Auffälligkeiten und deren Wirkung
Wortwahl:
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viele Adjektive zur Verdeutlichung der Faszination, die Frederik auf Luise ausübt (z. B. hell, Z. 24; schön, Z. 25; glücklich, Z. 43), sowie Verben und Adjektive zur Veranschaulichung der Verwirrung, die die Begegnung bei Luise auslöst (z. B. erschrak, Z. 7; schwindlig, Z. 7; fieberhaft, Z. 20; verkeilen sich, Z. 22)
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Alliterationen: z. B. kahle Köpfe (Z. 4)
→ hebt die auffällige Erscheinung der buddhistischen Mönche hervor;
ganze großflächige Leben (Z. 9 f.)
→ betont die Tragweite der Begegnung
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Wortspiel: absehbaren Abschied etwas unabsehbarer (Z. 43)
→ zeigt die vermeintliche Erfolglosigkeit des Unterfangens an
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häufige Wiederholung des Pronomens ich an bestimmten Stellen (z. B. Z. 10, Z. 11, Z. 14, Z. 15, Z. 20)
→ Hervorhebung der Tatsache, dass Luise sehr damit beschäftigt ist, die Begegnung mit Frederik zu verarbeiten und richtig einzuordnen
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dagegen Häufung des Pronomens wir an anderer Stelle (z. B. Z. 19 f.)
→ Freude Luises über gemeinsame Tätigkeit
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viele Wiederholungen: z. B. Mönch in der Mitte (Z. 7, Z. 9, Z. 14)
→ unterstreicht, wie sehr Luise in seinen Bann gezogen ist (als eine Verbindung zwischen dem Mönch und Luise aufgebaut ist, weicht der Ausdruck dem Vornamen);
schmucklose Verben des Sagens (sagte, fragte; z. B. Z. 6 f., Z. 9, Z. 12 – 15, Z. 17 f.)
→ zeigen an, dass weniger das Gesprochene im Vordergrund steht, als vielmehr das, was durch die Begegnung mit dem Mönch in Luise ausgelöst wird;
mit weil eingeleitete kausale Nebensätze (z. B. Z. 8, Z. 15, Z. 20, Z. 31)
→ wirken wie eine Art Rechtfertigung für die anfangs unsicheren Reaktionen Luises;
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Formen von umdrehen (z. B. Z. 10, Z. 16, Z. 22)
→ heben auch in Verbindung mit dem ebenfalls wiederholt verwendeten Verb ahnen (z. B. Z. 9, Z. 11, Z. 16) hervor, dass die Begegnung Luise verändert;
Formen von schließen und Tür (Z. 57 – 59, Z. 64)
→ lassen den Leser das langsame Schließen der Tür mitverfolgen und Luises Einschreiten umso überraschender wirken
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Ausdrücke wie auf einmal (Z. 2), aus dem Nichts (Z. 3, Z. 46), plötzlich (Z. 45)
→ Nervosität Luises durch für sie unvorhergesehene Begegnung mit Frederik
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Verwendung konjunktivischer Formen, um die Unsicherheit bzgl. des weiteren Geschehens bei den Figuren zu unterstreichen (z. B.verlieren könnte … suchen hätten, Z. 41 f.; müsste, Z. 42; schließen würde, Z. 58)
Satzbau:
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Wechsel von
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sehr kurzen Sätzen bei der Darstellung der Situation aus Luises Sicht und zur Verdeutlichung, dass für sie die Zeit zu schnell vergeht (z. B. Wir standen jetzt vor … Schulter., Z. 52 – 56), und bei Aussagen Frederiks zur Hervorhebung seiner Ruhe und Klarheit im Gegensatz zu Luise (Ist er das?, Z. 36; Telefonieren ist sehr umständlich, Z. 66)
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längeren, verschachtelten Sätzen bei Luises Gedanken zur Verdeutlichung ihrer Unsicherheit und Nervosität (z. B. Mir wurde … würde., Z. 7 – 10; Ich überlegte … lösen., Z. 20 – 23)
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Parallelismus bei Wiedergabe von Details aus Luises Leben (Ich bin … Mein Vater … Meine Mutter … Der Optiker … Ich …, Z. 26 – 30)
→ Wiedergabe für Luise selbst unerwartet und so nicht geplant
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Verwendung des Imperativs und des Verbs müssen am Textende bei Aussagen Luises (Gib sie mir trotzdem, Z. 67; Schreib sie hier drauf, Z. 69; jetzt musst du aber mal los, Z. 73)
→ zunehmende Selbstsicherheit Luises
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unvollständige, abgebrochene Sätze Frederiks aufgrund von Unterbrechungen durch Luise (Vor zwei Jahren habe ich mein Studium abgebrochen, um …, Z. 46; um in Japan in einem Kloster zu leben, und …, Z. 49)
→ Darstellung von Luises Neugier und Ungeduld
Stil:
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sehr bildhafte Sprache durch Verwendung von
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Metaphern (z. B. dass er … umdrehen würde, Z. 9 f.; weil einem die Zeit verschwimmt, Z. 15 f.; verkeilen sich alle Fragen ineinander, Z. 22)
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Vergleichen (z. B. als kämen sie nicht aus dem Wald, sondern aus dem Nichts, Z. 3; wie jemand, der versucht, sich … einzuprägen, Z. 33 f.)
→ Verbildlichung von Luises Verwirrung und gefühlsmäßiger Überforderung sowie ihrer genauen Beobachtung Frederiks
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Sprachwitz durch Gegensätze in den Aussagen der Protagonisten (z. B. dass man nur in der Ferne wirklich wird, Z. 27; In der Nähe wird man auch wirklich, Z. 38 f.; Viel zu früh, Z. 52; Viel zu spät, Z. 53) und teils abrupte Wechsel im Gesprächsverlauf (z. B. „Ist er das?“, fragte er. „Wer?“ „Alaska“, sagte Frederik., Z. 36; „Ich bin … Wie spät ist es eigentlich?“, Z. 50 f.) sowie das Aufgreifen fast identischer Aussagen (z. B. Es ist folgendermaßen, Z. 26, Z. 45; Ich müsste dann mal zurück, Z. 42; ich muss da jetzt rein, Z. 53; jetzt musst du aber mal los, Z. 73)
→ Erheiterung des Lesers
Charakterisierung Luises
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22 Jahre alt (vgl. Z. 26)
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Vater ist ständig auf Reisen, Mutter hat ein Verhältnis (vgl. Z. 26 – 28)
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Ausbildung zur Buchhändlerin (vgl. Z. 30), hat einen Hund mit Namen Alaska (vgl. Z. 14), lebt in einem kleinen Dorf (vgl. einleitende Information zum Romanauszug)
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lässt sich vom Aufeinandertreffen mit Frederik völlig durcheinanderbringen (vgl. Z. 7 – 11), weiß nicht recht, was sie sagen soll (vgl. Z. 20 – 23)
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ist von Anfang an sehr angetan von Frederik (vgl. Z. 24 f.)
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merkt sofort, dass Frederik für ihr Leben bedeutsam wird, teilt ihm teils aus Unsicherheit und Nervosität persönliche Details aus ihrem Leben mit, um ihn für sich einzunehmen (vgl. Z. 26 – 32)
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ist sehr neugierig in Bezug auf Frederik (vgl. Z. 47 – 49)
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wirkt im Gespräch mit Frederik etwas tollpatschig und ungeschickt (vgl. Z. 25 – 32, Z. 40 – 49)
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möchte den Abschied gerne hinauszögern (vgl. Z. 40 – 42)
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wird im Verlauf des Textes mutiger, ergreift selbst die Initiative (vgl. Z. 63 – 69), obwohl sie in ihrem bisherigen Leben kaum entscheidungsfreudig gewesen ist (vgl. Z. 59 – 61), und ist stolz darauf (vgl. Z. 75 f.)
Begründete Stellungnahme
Thema: Reisen und Persönlichkeitsentwicklung
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Aussage im Text: „Man wird nur in der Ferne wirklich“ (Z. 26 f.)
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Grundsätzlich teilweise zustimmenswert, aber nicht uneingeschränkt richtig
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Argument 1: Neue Erfahrungen fördern Entwicklung
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Reisen bringt Menschen in neue Situationen.
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Begegnung mit anderen Kulturen erweitert den Horizont
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Man lernt, selbstständiger und offener zu werden.
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→ Persönlichkeitsentwicklung wird angeregt
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Argument 2: Distanz schafft neue Perspektiven
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Abstand vom Alltag ermöglicht Reflexion über das eigene Leben
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Gewohnte Denkweisen werden hinterfragt
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→ man erkennt, wer man ist und was einem wichtig ist
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Argument 3: Herausforderungen stärken den Charakter
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Orientierung in fremder Umgebung, neue Kontakte
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Umgang mit Problemen fördert Selbstvertrauen
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→ persönliche Reife wächst
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Gegenargument: Entwicklung auch ohne Reisen möglich
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Persönlichkeitsentwicklung hängt nicht nur vom Ort ab
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Auch im Alltag kann man sich weiterentwickeln
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Beziehungen, Schule oder Beruf bieten ebenfalls Lernchancen
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Gegenargument: Reisen allein garantiert keine Entwicklung
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Wer nur oberflächlich reist, lernt wenig.
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Einstellung und Offenheit entscheidend
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Fazit
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Reisen kann ein wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung sein.
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Aber nicht zwingend notwendig
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Entscheidend ist die eigene Haltung und Bereitschaft, Neues anzunehmen.
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Tagebucheintrag
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Heute ist ein ungewöhnlicher Tag
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Begegnung mit Luise kam völlig unerwartet
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Eigentlich nur Gehmeditation → plötzlich Begegnung im Wald
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Eindruck: Luise wirkt offen, ehrlich, aber auch etwas verloren
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Luise erzählt sehr persönliche Dinge
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überrascht, wie schnell sie Vertrauen fasst
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wirkt, als suche sie Orientierung im Leben
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Eigene Gedanken
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fühlte mich ruhig und gleichzeitig berührt
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ungewöhnlich intensive Begegnung
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Moment mit dem Hund Alaska
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gemeinsames Ziel verbindet
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Gefühl von Nähe entsteht
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Abschiedssituation
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eigentlich klar: mein Weg führt zurück ins Kloster
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dennoch spürbare Verbindung zu Luise
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Luises Hartnäckigkeit
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überrascht über ihre Entschlossenheit (Telefonnummer)
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Eindruck: sie will etwas festhalten, das ihr wichtig ist
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Eigene Zweifel / Reflexion
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Habe ich wirklich den richtigen Weg gewählt?
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Gegensatz zwischen meinem klaren Weg und ihrer Unsicherheit
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Fazit des Tages
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Begegnung hat mich nachdenklich gemacht
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Vielleicht ist auch Nähe ein Weg, „wirklich zu werden“
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Luise wird mir im Gedächtnis bleiben
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