Thema 3 – Erschließen literarischer Texte
Aufgabenstellung
Lies den Auszug aus dem Roman Ein ganzes Leben sorgfältig und bearbeite dann die folgenden Aufgaben:
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Fasse den Inhalt des Textes zusammen.
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Beschreibe sprachliche Auffälligkeiten des Textes und deren Wirkung.
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Charakterisiere die Figur des Andreas Egger.
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„Er wollte Marie beschützen und für sie sorgen“ (Z. 13). Entspricht diese Rollenverteilung in einer Partnerschaft deinen Vorstellungen? Lege deine Position in ca. 250 Wörtern dar.
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Als Marie sich nach dem Heiratsantrag wieder allein in ihrem Zimmer befindet, beginnt sie, über den vergangenen Abend und ihre Entscheidung nachzudenken. Verfasse einen inneren Monolog, in dem Maries Gedanken und Gefühle zum Ausdruck kommen.
Material
Ein ganzes Leben (Romanauszug)
Robert Seethaler
Textquelle: Robert Seethaler: Ein ganzes Leben, 31. Auflage, München 2016, S. 44 – 55.
(Text zu Prüfungszwecken verändert)
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Thema
Andreas Egger arbeitet beim Bau der ersten Seilbahn in seinem Bergdorf mit, um genug Geld zu verdienen, sodass er seiner geliebten Marie einen Heiratsantrag machen kann. Dieses Vorhaben setzt er dann auch in die Tat um.
Inhalt
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Andreas Egger grübelt lange Zeit darüber nach, ob er als bloßer Handlanger zum Ehemann tauge, da er seine geliebte Marie heiraten möchte.
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Um über die nötigen finanziellen Mittel für eine Ehe zu verfügen, heuert er bei der Firma an, die in seinem Heimatdorf die erste Seilbahn errichtet.
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Trotz einer Gehbehinderung erledigt Egger die schweren Arbeiten mit Ausdauer und Zufriedenheit.
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Nach einiger Zeit möchte er schließlich Marie fragen, ob sie seine Frau werden wolle, weiß aber nicht, wie er das Vorhaben umsetzen soll, da er weder im Reden noch im Schreiben viel Talent hat.
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Gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen Thomas Mattl plant Egger, seine Liebeserklärung mit Feuer in den Berg zu schreiben.
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Mattl platziert zusammen mit etlichen Arbeitskollegen mit brennbarem Material gefüllte Säckchen so am Berg, dass sie nach ihrer Entzündung vom Tal aus als Schriftzug sichtbar werden.
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Während Mattl das Kommando zum Entfachen der Säckchen gibt, sitzt Egger zusammen mit Marie auf einem Baumstumpf und bittet sie, in Richtung des Berges zu schauen, wo man die Worte „Für Dich, Marie“ in Flammen lesen kann.
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Genau in diesem Moment hält Andreas Egger um Maries Hand an, welche seinen Antrag annimmt und ihn damit überglücklich macht.
Sprachliche Auffälligkeiten und deren Wirkung
Wortwahl
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treffende Adjektive und Verben, die etwa Eggers Unbeholfenheit und Nachdenklichkeit: (z. B. „starrte“, Z. 2; „ungewohnt zaghaft“, Z. 13 f.; „fürchtete“, Z. 14; „dachte“, Z. 30, Z. 33, Z. 36), die weiteren Figuren (z. B. Marie: „warme, raue Hand“, Z. 30; „dufteten“, Z. 61; Prokurist: „mit einer vernarbten, von einem kurzgeschorenen Haarkranz umrahmten Glatze“, Z. 16 f.; Mattl: „heiser gebrüllten“, Z. 49 f.), Situationen und Atmosphäre (z. B. „vom Mond beschienene Gras“, Z. 2 f.; „dämpfte“, Z. 15; „kreischen … lautlos … gleiten“, Z. 29 f.; „schweigend“, Z. 65; „glommen … auf“, Z. 69) veranschaulichen
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wiederholte Verwendung der Konjunktion „aber“, um Eggers Zweifel in Bezug auf seine Eignung als Ehemann und den Heiratsantrag Nachdruck zu verleihen (z. B. Z. 1, Z. 4, Z. 9, Z. 33)
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Verwendung konjunktivischer Verbformen, um Unsicherheit Eggers hinsichtlich der gemeinsamen Zukunft mit Marie hervorzuheben („hätte er“, Z. 1, Z. 37; „Ginge es …, würde er … sitzen“, Z. 8)
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vereinzelt veraltete Ausdrücke, die der Handlungszeit geschuldet sind (z. B. „Mietknecht“, Z. 5; „Holzhauer“, Z. 39)
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Alliterationen, z. B. „Hand in Hand“ (Z. 8) → verdeutlicht Verliebtsein Eggers; „kühl und klar“ (Z. 29) → zeigt, dass sich Egger in den Bergen wohlfühlt
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auffällige Wiederholung am Ende: „fragte er“ (Z. 76 f.) → Vergewisserung, dass Marie Egger wirklich heiraten will
Satzbau
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Parallelismen und Anaphern als Ausdruck des genügsamen und zugleich nachdenklichen Charakters von Andreas Egger (z. B. „Er war … Er war …“, Z. 4; „Ich bin … Ich kann … Ich mache.“, Z. 18; „Egger half … Er schleppte … Er hob … Egger mochte …“, Z. 25–29)
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nur wenige wörtliche Reden (vgl. z. B. Z. 17–19, Z. 47, Z. 64, Z. 76–77) → Darstellung der Hauptfigur als eher wortkarg
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hauptsächlich kurze, teils unvollständige Sätze, um einfaches Milieu treffend wiederzugeben (z. B. „Am liebsten hätte er … Ehemann.“, Z. 1–6; „Egger half… nachzeichnete.“, Z. 25–31)
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einige Aufzählungen: z. B. „Kein Alkohol, keine Hurereien, keine Gewerkschaften.“ (Z. 24), „Er schleppte Eisen, Holz und Zement“ (Z. 26) → vermittelt Eindruck von der schweren Arbeit in einem eher rauen Arbeitsumfeld; „zweihundertfünfzig … schwere, mit Sägespänen gefüllte und mit Petroleum getränkte Leinensäckchen“ (Z. 50 f.) → hebt den Aufwand für den ungewöhnlichen Heiratsantrag hervor
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Einschübe, um Eggers Sichtweisen zu unterstreichen (z. B. „so viel … zu verstehen“, Z. 7; „dachte er bei sich“, Z. 33 f.; „wie Egger fand“, Z. 61 f.)
Stil
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sehr bildhafte Sprache durch Verwendung von
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Metaphern: z. B. „während seine Gedanken … kreisten“, Z. 3 f.; „Ein Schweigen lag im Raum“, Z. 20 → beschreiben Zweifel Eggers bezüglich seiner Eignung als Ehemann und seine Unsicherheit beim Vorstellungsgespräch; „der gewissermaßen die Größe seiner Liebe in sich trug und sich … in Maries Gedächtnis und Herz einbrennen würde“, Z. 34–36; „glühende Tropfen …, die sich … zu geschwungenen Linien vereinten“, Z. 70 f. → Veranschaulichung des Antrags
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Vergleiche: z. B. „wie ein dunkler Schleier“, Z. 20 → betont Unsicherheit beim Gespräch mit dem Prokuristen; „als schlüge es …, so als ob … erwacht wäre“, Z. 66 f. → zeigt Aufregung Eggers; „wie ein Schwarm Glühwürmchen“, Z. 69 f. → Eindrücklichkeit der entflammten Liebeserklärung
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Personifikationen: z. B. „wurde Egger von Ruhelosigkeit gepackt“, Z. 32 → verdeutlicht Eggers ungeduldige Liebe; „Die Nacht senkte sich über die Berge“, Z. 54; „schwangen sich die glühenden Linien … über den Hang oder schlossen sich zu rundlichen Gebilden zusammen“, Z. 72 f. → vermitteln romantische, fast mystische Atmosphäre beim Antrag
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zur Hauptfigur passender, eher einfacher Schreibstil, z. B. durch Anaphern, einfachen Satzbau
Charakterisierung Andreas Eggers
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verdient sein Geld zunächst als Handlanger (vgl. Z. 5), bevor er bei der Firma anheuert, die die Seilbahn in seinem Dorf baut (vgl. Z. 11–24)
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hat eine Gehbehinderung, aufgrund derer er hinkt (vgl. einleitende Information zum Romanauszug; Z. 17)
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ist verliebt in Marie, möchte diese heiraten und für sie sorgen (vgl. Z. 1–10)
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wirkt in Liebesangelegenheiten unbeholfen (z. B. „Aber er hatte keine Ahnung, wie …“, Z. 1 f.) und hat wenig Erfahrung mit Frauen (vgl. Z. 6 f.)
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ist romantisch, schwärmerisch (z. B. „Ginge es nach ihm, würde er für den Rest seines Lebens … sitzen, Hand in Hand mit Marie“, Z. 8 f.) und zugleich nüchtern, realistisch (z. B. „Er kannte seine Aufgaben in dieser Welt.“, Z. 9 f.; „ihre Haare dufteten …, wie Egger fand, auch ein bisschen nach Schweinebraten“, Z. 61 f.)
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ist einerseits zurückhaltend (z. B. „da er fürchtete, seine groben Stiefel könnten … beschädigen“, Z. 14) und von Selbstzweifeln geprägt (z. B. „um seine eigenen Unzulänglichkeiten“, Z. 3 f.; „So ein Mann …“, Z. 6), sich aber zugleich seiner Rolle und Stärken bewusst (z. B. „Er kannte seine Aufgaben in dieser Welt. Er wollte Marie beschützen und für sie sorgen“, Z. 9 f.; „Ich bin stark. Ich kann alles. Ich mache alles.“, Z. 18)
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ist stark und fleißig (vgl. Z. 25–29), gerne in den Bergen (vgl. Z. 28–30) und nicht sehr gut im Reden und Schreiben (vgl. Z. 36 f.)
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ist sehr nervös im Vorfeld des Antrags (vgl. Z. 59–67) und umso glücklicher, als Marie seinen Antrag annimmt (vgl. Z. 78–80)
Begründete Stellungnahme
Einleitung
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In dem Text hat Andreas Egger ein eher traditionelles Rollenbild.
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Er sieht es als seine Aufgabe, Marie zu beschützen und für sie zu sorgen. (vgl. Z. 8–10)
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Früher war diese Vorstellung in vielen Beziehungen üblich.
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Heute wird Partnerschaft oft anders verstanden.
Eigene Position
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Meinen Vorstellungen entspricht diese Rollenverteilung nur teilweise.
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Ich finde Fürsorge und gegenseitige Unterstützung in einer Beziehung wichtig.
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Aber die Verantwortung sollte nicht nur bei einem Partner liegen.
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Beide sollten füreinander da sein.
Was an dieser Haltung positiv ist
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Es ist etwas Gutes, wenn jemand Verantwortung übernehmen will.
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Egger zeigt, dass ihm Marie sehr wichtig ist.
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Er denkt nicht nur an sich selbst.
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Er möchte ihr Sicherheit geben.
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Das zeigt Liebe, Ernsthaftigkeit und Verlässlichkeit.
Warum ich die Rollenverteilung trotzdem kritisch sehe
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Problematisch ist, dass hier eine einseitige Rollenverteilung entsteht.
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Der Mann beschützt und versorgt.
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Die Frau wirkt eher passiv.
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Dadurch entsteht schnell ein Ungleichgewicht.
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Eine Partnerschaft sollte auf Gleichberechtigung beruhen.
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Beide Menschen sollten eigene Stärken, Wünsche und Aufgaben haben.
Meine Vorstellung von Partnerschaft
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Für mich bedeutet Partnerschaft:
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gegenseitiger Respekt
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gemeinsame Entscheidungen
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gegenseitige Unterstützung
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gleiche Verantwortung
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Nicht nur der Mann sollte „stark“ sein müssen.
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Auch eine Frau kann Sicherheit geben, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen.
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Beide sollten sich beschützen und füreinander sorgen.
Bezug zum Text
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Egger handelt aus Liebe und meint es ehrlich.
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Sein Heiratsantrag ist sehr besonders und zeigt seine Gefühle deutlich.
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Trotzdem spiegelt seine Haltung ein eher altes Rollenbild wider.
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Heute würde man eher sagen: Beide Partner tragen die Beziehung gemeinsam.
Fazit
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Insgesamt finde ich Fürsorge in einer Partnerschaft sehr wichtig.
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Die traditionelle Verteilung, dass nur der Mann schützt und sorgt, entspricht aber nicht ganz meinen Vorstellungen.
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Für mich ist eine gute Beziehung von Liebe, Respekt und Gleichberechtigung geprägt.
Innerer Monolog
Ausgangssituation
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Marie ist wieder allein in ihrem Zimmer.
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Der Abend klingt noch in ihr nach.
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Sie denkt an den Antrag und an ihre Antwort.
Mögliche Gedanken zum Erlebten
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Was für ein Abend das war ...
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Ich kann es immer noch kaum glauben!
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Diese brennenden Worte am Berg … alles nur für mich.
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So etwas hat bestimmt noch keine hier erlebt.
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Andreas hat sich so viel Mühe gegeben.
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Das war nicht einfach nur ein Antrag.
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Es war ein echtes Zeichen seiner Liebe.
Gefühle
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Ich bin gerührt.
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Ich bin wirklich glücklich.
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Aber auch etwas aufgewühlt.
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Alles ging plötzlich so schnell.
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Jetzt ist aus einem Moment Wirklichkeit geworden.
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Ich habe Ja gesagt.
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Wirklich Ja.
Gedanken über Andreas
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Andreas ist kein Mann vieler Worte.
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Aber gerade deshalb bedeutet diese Geste so viel.
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Er zeigt seine Gefühle nicht mit schönen Reden, sondern mit Taten.
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Er will mich beschützen und für mich sorgen.
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Das spürt man in allem, was er tut.
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Er ist ernsthaft, zuverlässig und stark.
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Bei ihm fühle ich mich sicher.
Mögliche Zweifel oder Unsicherheiten
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Aber wie wird unser gemeinsames Leben sein?
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Wird alles gut gehen?
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Wird er immer so sein wie heute Abend?
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Werde ich ihm eine gute Frau sein?
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Eine Hochzeit ist nicht nur ein schöner Augenblick.
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Sie bedeutet Verantwortung und Zukunft.
Entscheidung reflektieren
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Trotzdem war mein Ja nicht falsch.
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Es kam aus meinem Herzen.
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Als ich neben ihm saß, wusste ich, dass ich diesen Weg mit ihm gehen will.
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Vielleicht wird nicht alles leicht.
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Aber ich glaube, dass Andreas es ehrlich meint.
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Und ich glaube, dass ich ihn liebe.
Schluss
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Jetzt ist alles anders.
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Mein Leben hat heute eine neue Richtung bekommen.
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Ich habe Angst vor dem, was kommt.
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Aber noch stärker ist die Freude.
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Vielleicht beginnt heute mein eigentliches Leben.