Aufgabe I
Gib grundlegende Aspekte zum Heiligen aus dem Interview (M 1) wieder!
Stelle unterschiedliche theologische Positionen zur Gottesfrage dar und setze diese in Beziehung zu J. Lausters Gedanken zum Heiligen in M 1!
Entfalte in Abgrenzung zu dem von J. Lauster zitierten Motto „Mache aus deinem Leben, was du kannst“ (M 1, Z. 41 f.) biblische und reformatorische Perspektiven auf Leistungsbereitschaft, Leistungsfähigkeit sowie Leistungszwang und zeige eine mögliche Konsequenz daraus für das in deinem Kurs gewählte Längsschnittthema auf!
„Die Welt ist nicht besser geworden, aber dennoch bleibt uns nichts Anderes übrig, als daran zu glauben, darauf zu hoffen und so zu leben, als ob es diese bessere Welt gäbe“. (M 1, Z. 64-66)
Skizziere unter Einbezug des obigen Zitats einen philosophischen oder einen theologischen Antwortversuch auf die Theodizeefrage!
In Zusammenarbeit mit deiner Schule organisiert die benachbarte evangelische Kirchengemeinde eine Kunstausstellung mit dem Titel „Wie im Himmel so auf Erden – Gott und Mensch“. Die Textbeiträge des Ausstellungskatalogs sollen dabei von Schülerinnen und Schülern deines Leistungsfaches verfasst werden.
Entwirf den Beitrag für die Skulptur „Zufluchtsort“ (M 2), indem das Kunstwerk interpretiert wird! Beziehe dabei den Titel der Ausstellung sowie Aspekte aus M 1 ein!
„Wir debattieren immer über Kirchenschließungen und Austritte, vergessen dabei aber, dass die Grundbotschaft des Christentums und die Grundüberzeugungen der westlichen Moderne an einigen Punkten nicht miteinander vereinbar sind.“ (M 1, Z. 37-39)
Erläutere vor dem Hintergrund dieses Zitats die Rolle von Kirche in der gegenwärtigen Gesellschaft!
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Material 1: Das Heilige ist freizuhalten von Kitsch
Der Theologieprofessor Jörg Lauster geht in einem Interview, das im Dezember 2024 in der evangelischen Zeitschrift zeitzeichen erschienen ist, der Frage nach dem Heiligen nach.
1 Hans Blumenberg (1920–1996), deutscher Philosoph.
2 evangelikal: einer christlichen Frömmigkeitsausprägung zugehörig, die häufig geprägt ist von der Betonung einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, der Bedeutung einer bewussten Entscheidung für den christlichen Glauben und einem Verständnis der Bibel, das davon ausgeht, relativ direkt (moralische) Verhaltensweisen aus ihr ableiten zu können.
Quelle: Lauster, Jörg: Das Heilige ist freizuhalten von Kitsch, zeitzeichen 12/2024, S. 40–43; für Prüfungszwecke bearbeitet
Material 2: Zufluchtsort
Die Skulptur der Künstlerin Annette Zappe aus dem Jahr 2023 trägt den Titel Zufluchtsort und ist aus Bronze, Gips und Gold gefertigt. (Maße: 24 x 24 x 14 cm)

Quelle: https://www.bildimpuls.de/bildimpulsart/kraftquelle/ (zuletzt eingesehen 07.01.2025); für Prüfungszwecke bearbeitet
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Aufgabe 1
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Jörg Lauster bestimmt das Heilige in einer prägnanten Kurzformel als das „Berührtwerden von etwas, was größer ist als ich selbst“ (vgl. Z. 2 f.).
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Das Heilige ist kein vom Menschen hergestelltes Konstrukt, sondern eine Einwirkung von außen, auf die der Mensch als Subjekt antwortet (vgl. Z. 16–18).
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Lauster bekräftigt Ottos klassische Definition des Heiligen als mysterium tremendum et fascinans (vgl. Z. 5–10).
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Das Heilige zeichnet sich demnach durch eine polare Grundstruktur aus: Es ruft einerseits Erschauern und Furcht hervor (tremendum), übt andererseits aber eine unwiderstehliche Anziehung und Faszination aus (fascinans) (vgl. Z. 13–15).
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Heiligkeit ereignet sich nicht ausschließlich im Spektakulären oder Überwältigenden, sondern bricht oft in scheinbar unbedeutenden, gewöhnlichen Lebenssituationen als „Alltagsdurchbrechung“ auf (vgl. Z. 19–24).
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Die theologische Herausforderung besteht darin, diese Momente vor sentimentaler Banalisierung und Kitsch (etwa dem Verharmlosen auf ein bloßes Kinderlächeln) zu bewahren (vgl. Z. 25–27).
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Gott lässt sich nicht auf das Bild des harmlosen „lieben Gottes“ reduzieren (vgl. Z. 31).
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Mit Hans Blumenberg deutet Lauster dieses „Mehr“ des Heiligen als existenziellen Trost, der den Menschen trägt und hält, indem das eigene Leben gegenüber der Transzendenz an relativer Wichtigkeit verliert (vgl. Z. 28–33).
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Die Erfahrung des Heiligen führt zu heilsamer Demut, indem sie den Menschen vor Augen führt, dass Grunddimensionen des Lebens der eigenen Verfügungsgewalt entzogen sind (vgl. Z. 37–43).
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Sie setzt damit einen deutlichen Kontrapunkt zu modernen Idealen totaler Selbstoptimierung und Machbarkeit (vgl. Z. 41–46).
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Lauster grenzt sich von utilitaristischen Heilungsversprechen (z. B. Religion als Mittel für Gesundheit oder Erfolg) ab (vgl. Z. 49–53).
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Echtes Heilsein bedeutet theologische Teilhabe an der durch Christus verbürgten Erlösung: Wo im Heiligen göttlicher Trost aufleuchtet, hat der Prozess der Erlösung im Menschen bereits begonnen (vgl. Z. 54–58).
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Trotz der Erfahrung, dass die Welt historisch nicht einfach besser geworden ist, erfordert der Glaube die Haltung, darauf zu hoffen und so zu leben, „als ob es diese bessere Welt gäbe“ (vgl. Z. 60–66).
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Das Einbrechen des Heiligen begründet das Vertrauen, dass die Welt am Ende durch Gottes Handeln verwandelt wird (vgl. Z. 66–68).
Aufgabe 2
Darstellung unterschiedlicher theologischer Positionen zur Gottesfrage
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Klassisch-theistischer Ansatz (Gott als transzendenter Schöpfer und personales Gegenüber):
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Gott wird als eigenständiges, metaphysisches Wesen verstanden, das die Welt aus dem Nichts erschaffen hat (creatio ex nihilo) und ihr als allmächtiger, allgütiger Herrscher gegenübersteht.
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Merkmale: Gott ist dem Kosmos überlegen (Transzendenz), greift in die Heilsgeschichte ein und kann vom Menschen im Gebet als personales Du angerufen werden.
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Dialektische Theologie (Karl Barth – Gott als der „ganz Andere“):
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Entwickelt als radikaler Bruch mit der liberalen Kulturtheologie des 19. Jahrhunderts.
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Merkmale: Zwischen Gott und Mensch besteht ein „unendlicher qualitativer Unterschied“. Gott lässt sich weder in der Kultur noch in der menschlichen Vernunft oder religiösen Emotionen finden.
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Gott offenbart sich ausschließlich souverän „senkrecht von oben“ in Jesus Christus (Wort Gottes). Jeder Versuch des Menschen, von sich aus zu Gott aufzusteigen, wird als menschliche Anmaßung (Religion als Unglaube) entlarvt.
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Existenzial-hermeneutische Theologie (Paul Tillich – Gott als „Grund des Seins“):
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Abkehr von einem Gott, der als überirdisches „Wesen neben anderen Wesen“ gedacht wird.
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Merkmale: Gott ist kein Objekt, sondern das, was den Menschen „unbedingt angeht“ (ultimate concern). Er ist die Tiefe und der tragende Urgrund allen Seins (ground of being), der die existenzielle Angst vor der Nichtigkeit und Sinnlosigkeit überwindet.
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Apophatische / Negative Theologie (z. B. Meister Eckhart):
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Gott entzieht sich allen menschlichen Begriffen, Vorstellungen und Bildern.
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Merkmale: Über Gott kann letztlich nur gesagt werden, was er nicht ist (via negationis). Jedes feste Gottesbild wird zerbrochen, um die absolute Unergründlichkeit und Unverfügbarkeit Gottes zu wahren.
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Beziehungssetzung zu Jörg Lausters Gedanken zum Heiligen (M 1)
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Schnittmengen mit der Negativen Theologie und Karl Barth:
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Lausters Akzentuierung des Heiligen als etwas, das der menschlichen Verfügungsgewalt radikal entzogen ist (vgl. Z. 40 f.), korrespondiert mit der Skepsis gegenüber festen Gottesbildern.
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Ebenso wie Barth betont Lauster, dass das Heilige von außen auf das Subjekt einwirkt (vgl. Z. 16–18) und nicht das Produkt menschlicher Selbstermächtigung ist.
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Unterschied zu Barth: Während Barth jede Vermittlung über die menschliche Erfahrung strikt ablehnt, verortet Lauster das Aufleuchten des Heiligen ausdrücklich im menschlichen Erleben und in konkreten Alltagsdurchbrechungen (vgl. Z. 21–24).
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Konvergenz mit Rudolf Otto und Paul Tillich:
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Lausters Rückgriff auf das mysterium tremendum et fascinans (vgl. Z. 5–15) rückt die affektive, existenzielle Ergriffenheit ins Zentrum.
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Dies deckt sich mit Tillichs Bestimmung des Glaubens als Zustand des Ergriffenseins von dem, was uns unbedingt angeht: Das Heilige ist kein abstraktes Gedankengebäude, sondern eine Realität, die den Menschen im Innersten erschüttert, tröstet und hält (vgl. Z. 32 f.).
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Kritik an Verengungen des Theismus:
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Lauster wendet sich explizit gegen einen naiven Theismus, der Gott zum harmlosen, verfügbaren „lieben Gott“ verniedlicht (vgl. Z. 31).
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Indem er das Heilige freihalten will von Kitsch (vgl. Z. 26), fordert er eine Theologie, die Gottes Unbegreiflichkeit aushält und Gott nicht zum Wunscherfüller oder Garanten irdischer Wohlbefindlichkeit degradiert (vgl. Z. 49–53).
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Aufgabe 3
Biblische Perspektive (Schöpfung, Gesetz und prophetisch-jesuanische Verkündigung)
Leistungsfähigkeit als Schöpfungsgabe und deren Begrenzung
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Der Mensch ist als Abbild Gottes (Imago Dei, Gen 1,26 f.) geschaffen; seine Würde ist ihm vor jeder erbrachten Leistung bedingungslos verliehen.
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Individuelle Begabungen, Talente und Kräfte sind kein autonomes Verdienst, sondern anvertrautes Schöpfungsgut (vgl. Gleichnis von den anvertrauten Talenten, Mt 25), mit dem der Mensch verantwortungsvoll umgehen soll.
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Zugleich setzt Gott der Ausbeutung menschlicher Leistungsfähigkeit eine unantastbare Grenze: Durch das Sabbatgebot (Ex 20,8–11) wird dem Menschen die wöchentliche Arbeitsruhe geheiligt – sein Dasein hat einen Zweck jenseits von Produktivität und Selbstverwertung.
Leistungsbereitschaft als Nächstenliebe und Weltverantwortung
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Im biblischen Sinn ist Leistungsbereitschaft nicht auf Selbstüberhöhung oder Konkurrenz ausgerichtet, sondern auf die Solidarität mit dem Nächsten (Doppelgebot der Liebe, Mk 12,28–34).
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Arbeit und Engagement sind Dienst am Mitmenschen und Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung (Gen 2,15: bebauen und bewahren), keine Mittel zur Selbsterlösung.
Leistungszwang als Verfehlung und Durchbrechung der Äquivalenzlogik
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Jesus erteilt im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1–16) dem menschlichen Äquivalenzdenken (gleicher Lohn für gleiche Leistung) eine fundamentale Absage: Der Weinbergbesitzer entlohnt die zuletzt Gekommenen nach ihrem Lebensbedarf (ein Denar zur Sicherung der Existenz), nicht nach geleisteten Arbeitsstunden.
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Gottes Zuwendung lässt sich nicht erzwingen oder erarbeiten; der Zwang zur Selbstrechtfertigung durch Taten widerspricht der bedingungslosen Zuwendung des Reiches Gottes.
Reformatorische Perspektive (Rechtfertigungslehre nach Martin Luther)
Leistungsfähigkeit und die Entlastung von der Werkgerechtigkeit
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Nach reformatorischem Verständnis (sola gratia / sola fide) vermag die menschliche Leistungsfähigkeit vor Gott (coram Deo) nichts auszurichten. Der Mensch kann sich sein Heil, seine Würde und seinen Lebenssinn niemals selbst erarbeiten.
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Dies befreit die menschlichen Fähigkeiten von einem religiösen und existentiellen Überdruck: Der Mensch muss sich nicht mehr selbst erschaffen oder rechtfertigen.
Leistungsbereitschaft im Schema von „Indikativ und Imperativ“
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Die reformatorische Ethik trennt Person und Werk: „Gute, fromme Werke machen nimmermehr einen guten, frommen Mann, sondern ein guter, frommer Mann macht gute Werke“ (Luther, Von der Freiheit eines Christenmenschen).
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Die Annahme durch Gott geht als Geschenk (Indikativ) voraus. Aus der Dankbarkeit über diese unbedingte Zusage erwächst eine befreite Leistungsbereitschaft (Imperativ): Der Christ wird zum „Dienstknecht aller Dinge und jedermann untertan“, um aus freiem Willen dem Nächsten zu dienen, ohne auf Gegenleistung oder Selbstprofilierung zu schielen.
Leistungszwang als Sünde und Selbstverkrümmung (cor incurvum in se ipsum)
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Luthers fundamentale Kritik richtet sich gegen den Versuch, sich durch Gesetzeserfüllung selbst gerecht zu machen (Werkgerechtigkeit). Das Motto „Mache aus deinem Leben, was du kannst“ wirkt wie ein säkulares Gesetz, das den Menschen unerbittlich anklagt, sobald er schwach wird oder scheitert.
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Wer unter dem Zwang steht, den eigenen Wert durch Leistung beweisen zu müssen, kreist permanent um sich selbst (in se ipsum incurvatus) und verliert die Freiheit gegenüber sich selbst, den Mitmenschen und Gott.
Konsequenz für ein gewähltes Längsschnittthema (Gerechtigkeit)
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Gegenüber der säkularen Leistungsgerechtigkeit (Belohnung nach Verwertbarkeit) fordert christliche Ethik eine bedingungslose Bedarfs- und Teilhabegerechtigkeit.
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Gesellschaftliche Systeme müssen am Schutz der Schwachen und Nicht-Leistungsfähigen gemessen werden, da Würde dem Menschen unverlierbar von Gott zugesprochen ist.
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Wenn eine Gesellschaft Gerechtigkeit rein als leistungsproportionale Verteilung definiert (wer mehr leistet/verdient, ist mehr wert), degradiert sie Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit (Alte, Kranke, Kinder, Menschen mit Behinderung) zu Bürgern zweiter Klasse.
Aufgabe 4
Theologischer Antwortversuch: Die Theodizee des mitleidenden Gottes (Jürgen Moltmann)
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Theoretische Theodizee-Entwürfe (wie Leibniz' „beste aller Welten“) scheitern an realen Katastrophen und verharmlosen das Leid.
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Gott begegnet dem Leid nicht als ungerührter Himmelsherrscher. Im Kreuz Christi nimmt Gott Verlassenheit, Schmerz und Tod in sein eigenes Wesen hinein und leidet solidarisch an der Seite der Opfer.
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Weil Gott im Kreuz das Leid geteilt und im Ostermorgen überwunden hat, ist die Welt nicht der Sinnlosigkeit preisgegeben. Dies begründet Lausters Haltung, trotz bleibender Rätsel (vgl. Z. 63 f.) so zu leben, „als ob es diese bessere Welt gäbe“ (Z. 65 f.).
Philosophischer Antwortversuch: Die praktische Theodizee nach Immanuel Kant
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Kant weist nach, dass die menschliche Vernunft prinzipiell unfähig ist, das Vorhandensein von Übeln (physisches Leid, moralisches Böses, Ungerechtigkeit) mit der Weisheit, Güte und Allmacht eines Schöpfers logisch in Einklang zu bringen.
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Alle rationalistischen Konstruktionen (wie etwa Leibniz’ Modell der „besten aller möglichen Welten“) scheitern vor der Realität und wirken gegenüber den Opfern von Leid zynisch.
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Die theoretische Vernunft stößt an ihre unübersteigbaren Grenzen: Das Problem des Leids bleibt theoretisch unlösbar.
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Kant verlagert die Theodizeefrage von der theoretischen Spekulation auf das moralische Handeln.
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Wenn der Mensch moralisch gut handelt, muss er vernünftigerweise hoffen dürfen, dass Tugend (sittliches Verhalten) und Glückseligkeit letztlich zusammenfallen.
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Da dies in der empirischen Welt offensichtlich nicht der Fall ist, muss die praktische Vernunft Gott, Freiheit und Unsterblichkeit postulieren – nicht als beweisbare Tatsachen, sondern als notwendige Voraussetzungen sittlichen Handelns.
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Hier liegt die direkte Parallele zu Lausters Gedankengang: Auch wenn die Erfahrung zeigt, dass die Welt nicht besser geworden ist, verlangt das moralische Bewusstsein ein Leben, als ob Gerechtigkeit, Sinn und eine bessere Welt realisierbar wären.
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Das Postulat Gottes und der Hoffnung verhindert, dass der Mensch angesichts von Leid und Ungerechtigkeit in Zynismus oder lähmende Resignation verfällt.
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Hoffen und Handeln begründen sich nicht aus dem bereits sichtbaren Erfolg, sondern aus der Pflicht zur praktischen Weltverbesserung.
Alternativ zu Kant ließe sich philosophisch auch auf Albert Camus’ Philosophie des Absurden verweisen
Aufgabe 5
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Die Skulptur verkörpert das Thema der Ausstellung: Die irdische, verletzliche Existenz (Bronzebeine) ist untrennbar mit dem himmlischen Glanz (Goldwolke) verbunden.
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Die Wolke steht biblisch für die Gegenwart Gottes (Offenbarung am Sinai, Verklärung Jesu), die zugleich verhüllt und offenbart: Gott ist gegenwärtig, bleibt aber ungreifbar.
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Wie von Lauster nach Rudolf Otto zitiert (vgl. Z. 5–15), erzeugt das Werk diese Doppelwirkung: Das Gold betört und strahlt Geborgenheit aus (fascinans), während die Wucht und Last der Wolke Schaudern und Respekt weckt (tremendum).
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Der Titel Zufluchtsort belegt, dass der Mensch hier nicht erdrückt wird: Sein Kopf ist im göttlichen Geheimnis geborgen. Das Verschwinden des Gesichts symbolisiert die heilsame Demut (vgl. Z. 39–41) – das Zurücktreten der eigenen Wichtigkeit hinter die Wirklichkeit Gottes (Z. 29–36).
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Das Blattgold versinnbildlicht das von Lauster mit Blumenberg beschriebene Aufleuchten des Trostes (vgl. Z. 31 ff.): Mitten auf der harten Erde darf der Mensch im Raum Gottes Zuflucht finden.
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Zappes Zufluchtsort wird damit zu einem sichtbaren Zeichen jener eschatologischen Hoffnung: Der Mensch steht mit beiden Beinen auf der harten Erde, aber sein Geist und sein Herz sind bereits im Himmel geborgen.
Aufgabe 6
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Lauster warnt davor, dass die Kirche versucht, ihre Relevanz durch bloße Anpassung an moderne Moden zurückzugewinnen (vgl. Z. 43–45).
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Wenn Kirche nur noch das wiederholt, was ohnehin gesellschaftlicher Konsens ist (z. B. reine Wohlfühlbotschaften oder säkulare Coaching-Formeln wie „Glaube an dich selbst“), verliert sie ihr prophetisches Spezifikum und macht sich letztlich überflüssig.
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Die wesentliche Aufgabe der Kirche besteht darin, ein institutionalisierter Zufluchtsort und Gegenraum zu sein:
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Gegen den Leistungszwang: Verkündigung der Rechtfertigung allein aus Gnade als befreiende Zusage, dass der Wert des Menschen nicht von seiner Produktivität abhängt.
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Gegen die Machbarkeitsillusion: Das Offenhalten der Kategorie des Heiligen, Unverfügbaren und Geheimnisvollen, das den Menschen vor Selbstüberschätzung bewahrt (vgl. Z. 40–46).
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Kirche hat die Aufgabe, Menschen Räume zu eröffnen, in denen sie existenziellem Trost begegnen können – fernab von Kitsch und falscher Vertröstung (vgl. Z. 25–33).
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Sie hält die Theodizeefrage und die Klage über das ungelöste Leid der Welt wach, setzt dem aber die Hoffnung entgegen, die gegen den Augenschein darauf vertraut, dass Gottes Heil am Ende siegt (vgl. Z. 63–68).
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Aus der Unverfügbarkeit des Heiligen und der Gottebenbildlichkeit erwächst der sozialethische Auftrag der Kirche: Sie muss Partei ergreifen für jene, die in einer gnadenlosen Leistungs- und Effizienzgesellschaft unter die Räder geraten (Alte, Kranke, Geflüchtete, Arme).
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Die Kirche der Gegenwart darf ihre Identität nicht an Mitgliederstatistiken messen.
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Ihre wahre Relevanz gewinnt sie als mutige, widerständige Gemeinschaft, die das heilsame Ärgernis des Kreuzes und die tröstende Kraft des Heiligen in eine erschöpfte Moderne hineinträgt.
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