Aufgabenstellung 2
Aufgabe:
Der Weg in den Holocaust – begonnen durch Worte, Schweigen und Wegschauen der Gesellschaft?
Stelle in Form einer historischen Argumentation deine Position zur oben genannten Themenfrage dar, indem du
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die im Zitat vermittelte Position wiedergibst und erklärst,
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ausgehend von der Themenfrage und dem Zitat den historischen Kontext der Ursachen und des Prozesses der Entrechtung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der deutschen und europäischen Juden erläuterst und
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zur Themenfrage unter Einbeziehung des Zitats begründet Stellung nimmst.
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Die Holocaust-Überlebende Eva Szepesi1 formulierte in ihrer Rede in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus am 31. Januar 2024 Folgendes:
Die Shoah2 begann nicht mit Auschwitz. Sie begann mit Worten. Sie begann mit dem Schweigen und dem Wegschauen der Gesellschaft.
Anmerkungen:
1 Szepesi, Eva (geb. 1932 in Budapest), aufgewachsen als Tochter jüdischer Eltern in Budapest, überlebte als Kind das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Ende Januar 1945 wurde sie nicht auf den Todesmarsch der Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz mitgenommen, da sie bereits für tot gehalten wurde, nachdem sie mehr als eine Woche lang ohne Essen und Trinken in der Kälte zwischen Leichen ausgeharrt hatte. Sie engagiert sich an Schulen und öffentlichen Einrichtungen als Zeitzeugin.
2 Shoah: hebräische Bezeichnung für den Massenmord an den europäischen Juden.
Fundort:
Rede von Eva Szepesi bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus, 31. Januar 2024. Online verfügbar unter: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw05-gedenkstunde-rede-szepesi-988212 (Zugriff am 02.06.2026).
Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Fundort.
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aufgabenbezogen historische Ereignisse, Strukturen und Prozesse strukturiert beschreibst (historischer Kontext), hier etwa:
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Organisation und Methoden des NS-Staates,
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Phasen der Ausgrenzung, Entrechtung (1933–1938), der Enteignung und Vertreibung (1938–1942) und der Ermordung (1942–1945) der deutschen und europäischen Juden.
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dich auf die im Zitat zum Ausdruck kommende Sichtweise von Eva Szepesi zum Thema beziehst:
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Die Autorin thematisiert die grundsätzliche Problematik der Ursachen des Holocaust. Dabei stellt sie die Frage nach der Wahrnehmung, dem Verhalten und der Beteiligung der Menschen an der Verfolgung und systematischen Ermordung der jüdischen Menschen. Sie hebt die scheinbare Ambivalenz der Bedeutung von sprachlichen Äußerungen einerseits und Schweigen sowie Wegschauen andererseits hervor.
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die Anforderungen an die formale und inhaltliche Ausgestaltung einer historischen Argumentation erfüllst, hier:
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die durch Belege gestützte Argumentation zur Themenfrage,
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die Bezugnahme auf das vorgelegte Material unter Abgrenzung von verwandten Fragen bzw. historischen Sachverhalten,
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die Abwägung von Argumenten und Gegenargumenten zur Themenfrage.
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auf der Basis deiner historischen Kenntnisse historische Ereignisse, Prozesse und Strukturen auswählst, die in deiner Darstellung sinnvoll geordnet und gewichtet werden, wobei du Bezug auf die Sichtweise Eva Szepesis nimmst, etwa:
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Aspekte einer Kontextualisierung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, hier etwa:
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nationalsozialistische Ideologie und Propaganda, vor allem Antisemitismus einschließlich traditionellem Antijudaismus, Führerprinzip; Mentalitäten, z. B. autoritäre Prägung, zeitgenössische Medien,
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Organisation und Methoden des NS-Staates, vor allem Struktur des NS-Staates,
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Organisation des Terrors (SA, Gestapo, Konzentrationslager, insbesondere SS),
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mentale und politische Folgen der Weltwirtschaftskrise (Existenzängste fast aller Bevölkerungskreise und damit verbunden schwindendes Vertrauen in den Staat und dessen Fähigkeit der Problembewältigung, Suche nach Alternativlösungen, gefährlicher Stimmenzuwachs für die radikalen Parteien),
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traditionell verbreitete Mentalitäten und Denkweisen der Ausgrenzung gegenüber Minderheiten und Diskriminierung wie vor allem Antisemitismus, Antijudaismus, Rassismus, Nationalismus.
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Ausgrenzung und Entrechtung 1933 bis 1938, hier etwa:
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Boykottaktion vom 1.4.1933 (staatlich sanktionierte Terrorisierung),
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1933–1935 erste antisemitische Gesetze, z. B. „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (gesetzliche Entrechtung),
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1935–1938 „Nürnberger Gesetze“ und systematische Ausgrenzung,
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Verdrängung jüdischer Bürger aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben sowie dem kulturellen Leben, starke Einschränkung der Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, öffentliche Diskriminierungen und Stigmatisierungen,
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Folgen: Entzug der Lebensgrundlagen, Armut,
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Beginn der Emigrationsbewegung und der damit verbundenen Zwangsabgaben für emigrierende Juden, z. B. sog. „Reichsfluchtsteuer“.
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Enteignung und Vertreibung 1938 bis 1942, hier etwa:
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Entzug des Status von Körperschaften öffentlichen Rechts für jüdische Gemeinden,
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Anmeldepflicht jüdischen Vermögens für anschließende Enteignung,
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Berufsverbote, Zwangsvornamen und weitere antijüdische Ausgrenzungsmaßnahmen,
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Novemberpogrome mit Attentat als Vorwand; Pogromnacht (9./10.11.1938) mit Brandanschlägen und Zerstörungen von Synagogen, Geschäften, Wohnungen und jüdischen Friedhöfen,
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Folgen: Todesopfer, Verhaftungen/Konzentrationslager, hoher Sachschaden,
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Verpflichtung zu Zwangszahlungen der jüdischen Bevölkerung als sog. „Sühneleistung“,
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Ausschluss jüdischer Kinder und Jugendlicher vom Schulbesuch,
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weitere antijüdische Ausgrenzungs- und Vertreibungsmaßnahmen, z. B. Zwangsumzüge in sog. „Judenhäuser“ und Ausgehverbote.
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Ermordung der deutschen und europäischen Juden von 1942 bis 1945, hier etwa:
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planmäßige Koordinierung des Mordens in der Beratung auf der Wannsee-Konferenz im Januar 1942,
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Errichtung der Vernichtungslager, dabei Auschwitz als größtes Vernichtungslager, die Deportationen und die Ermordung von etwa sechs Millionen europäischer Juden.
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Die nationalsozialistische Herrschaft wurde von einer großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung akzeptiert. Die Mehrheit der Bevölkerung verhielt sich dem Staat und seinen Institutionen, der Regierung gegenüber traditionell konform. Eine breite Widerstandsbewegung und Zivilcourage gegen das NS-Regime hat es nicht gegeben.
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Nimm zur Themenfrage begründet Stellung, hier etwa indem du :
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Argumente anführst, die sich mit der aufgeworfenen Themenfrage und dem von der Autorin vermittelten Erklärungsansatz reflektierend auseinandersetzen,
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Bezüge zur Verantwortung des einzelnen Menschen in politisch-gesellschaftlichen Entscheidungssituationen herstellst,
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Mentalitäten wie autoritäre Traditionen, Antisemitismus, extremer Nationalismus, antidemokratische Denkweisen und Haltungen und Propaganda thematisierst,
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die Rolle einzelner Personen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kunst, aber auch im Alltag, z. B. Schule, Arbeitswelten, Familie reflektierst,
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Ausgehend von eigenen Norm- und Wertvorstellungen kannst du zur Problematik von Schuld und Verantwortung für die Shoa als dem größten Menschheitsverbrechen in der Geschichte Stellung nehmen und dich mit der Aufarbeitung der Shoa in der Gegenwart auseinandersetzen. So kannst du auch Aktualitätsbezüge herstellen, z. B. Rechtsruck, Erstarken rechtsextremer Parteien, Diskriminierung gesellschaftlicher Minderheiten und dem Zusehen/Schweigen der Mehrheitsgesellschaft; Reflexion von Begriffen und Themen, die wieder „salonfähig“ werden, Wiedererstarken von Antisemitismus in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023.