Aufgabenstellung 3
Aufgabe:
Gorbatschows Reformpolitik – Ursache des Zusammenbruchs der Sowjetunion?
Erörtere unter der oben genannten Themenfrage die Position des Verfassers, indem du
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die Kernaussagen zu den Ursachen des Endes des Kalten Krieges wiedergibst,
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die Position des Verfassers unter Einbeziehung des historischen Kontextes der 1980erJahre erläuterst und
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zur Themenfrage begründet Stellung nimmst.
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Der ehemalige SPD-Politiker und Journalist Egon Bahr1 blickte in seiner Autobiografie 1996 auf das Ende der Sowjetunion und des Kalten Krieges zurück:
Anmerkungen:
1 Bahr, Egon (1922–2015): war von 1972–1974 Bundesminister für besondere Aufgaben, anschließend bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, er prägte die neue Ost- und Deutschlandpolitik ab 1969 entscheidend mit.
2 Industrielle Große Sieben: Bezeichnung für die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen (G7).
3 Genscherismus: Bezeichnung für die außenpolitische Linie des deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, die auf Dialog und Kooperation mit der Sowjetunion setzte und häufig als zu nachgiebig kritisiert wurde.
4 Bonn: hier: Regierung der BRD (CDU/FDP-Koalition).
5 Lance: Kurzstreckenrakete.
6 Internationales Forum: Das Internationale Forum für Frieden fand im Februar 1987 in Moskau statt. Unter dem Leitgedanken „Für eine kernwaffenfreie Welt, für das Überleben der Menschheit“ versammelten sich rund 1300 Teilnehmende aus etwa 80 Ländern.
7 Brandt, Willy (1913–1992): war von 1969–1974 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
8 Truppenoffizier: metaphorische Bezeichnung für Jelzins organisatorische Disziplin und durchsetzungsstarken Führungsstil als Parteifunktionär.
9 Jelzin, Boris (1931–2007): war von 1991–1999 russischer Präsident.
10 Nemesis: Göttin der griechischen Mythologie; steht für Vergeltung, Maß und ausgleichende Gerechtigkeit gegenüber Übermaß.
Fundort:
Bahr, Egon: Zu meiner Zeit, München 1996, S. 532-536.
Wortlaut, einschließlich Sprachgebrauch, Rechtschreibung und Zeichensetzung, folgt dem Fundort.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Mögliche formale Kriterien (Basisdaten):
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Verfasser: Egon Bahr (ehemaliger SPD-Politiker, Bundesminister und Mitgestalter der neuen Ostpolitik)
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Textsorte: Autobiografie / persönliche Memoiren
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Titel: „Zu meiner Zeit“
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Entstehungszeit und -ort: 1996, Deutschland
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Zielgruppe: Historisch und politisch interessierte Öffentlichkeit, Nachwelt
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Thema: Rückblick auf das Ende des Kalten Krieges, die Rolle von Michail Gorbatschows Reformpolitik und die Haltung des Westens
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Perspektive des Autors: Subjektive, aber sachkundige Rückschau eines aktiven Mitgestalters der Entspannungspolitik; ausgeprägt wohlwollende und unterstützende Haltung gegenüber Gorbatschow; kritische Distanz zur zögerlichen Haltung des Westens (insb. der USA)
Hier mögliche Inhalte bei der Wiedergabe der Kernaussagen:
Der Autor
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äußert, dass der Westen Gorbatschows Reformkurs hätte stärken und ihn unterstützen müssen (vgl. Z. 1–2),
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verweist darauf, der Westen habe bei Kreditentscheidungen zu langsam, unentschlossen und unzureichend gehandelt (vgl. Z. 2–3),
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empfand es als demütigend, wie entschieden worden sei, wann und auf welche Weise Gorbatschow von den Chefs der führenden Industriestaaten (G7) gehört werde (vgl. Z. 3–5),
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berichtet, er habe gemeinsam mit dem deutschen Außenminister (Hans-Dietrich Genscher) für eine positive Wahrnehmung der westlichen Entspannungspositionen („Genscherismus“) geworben, was anfangs auf geringen Erfolg stieß (vgl. Z. 5–8),
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teilt mit, dass die USA die Bundesrepublik noch im Frühjahr 1989 massiv gedrängt hätten, moderne Kurzstreckenraketen zu beschaffen, während parallel neue Atomwaffen unterhalb der 500-Kilometer-Grenze entwickelt wurden (vgl. Z. 8–12),
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meint, dass der Westen durch sein Zögern sich selbst und Gorbatschow geschadet habe, wodurch wichtige Jahre für den Reformprozess verloren gegangen seien (vgl. Z. 15–17),
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stellt fest, dass die politische Umgestaltung der Sowjetunion nur als „Revolution von oben“ habe ausgehen können, da allein der Generalsekretär mithilfe der traditionellen Autorität des Parteiapparats die Partei schrittweise habe entmachten können (vgl. Z. 18–24),
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betont, dass der Erfolg oder Misserfolg von Gorbatschows Reformprozess entscheidend von der Wahl des richtigen Tempos abhängig gewesen sei (vgl. Z. 26–28),
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stellt heraus, dass größere Freiheit mit direktem materiellem Verlust für die Bevölkerung einhergegangen sei (die Menschen durften fast alles sagen, hatten aber fühlbar weniger) (vgl. Z. 33–35),
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beobachtete, dass Gorbatschow zunehmend die Kontrolle über den politischen Prozess verloren habe und schließlich nur noch mit hastigen Aushilfen auf die Entwicklungen reagieren konnte („Der Dompteur begann, den Tiger zu reiten“) (vgl. Z. 35–37),
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erklärt, dass innersowjetische Spannungen, insbesondere zwischen den Nationalitäten, lange verkannt worden seien und sich erst in dem Moment zugespitzt hätten, als die politische Führung weniger autoritär agiert habe und mehr auf Überzeugung gesetzt habe, (vgl. Z. 29–30),
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äußert, Gorbatschow habe versucht, die auseinanderstrebenden Kräfte zu ordnen und die Union in eine Föderation zu überführen, woraufhin ein Putsch erfolgt sei und Jelzin die (Sowjet-)Union zerschlagen habe, (vgl. Z. 37–41),
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kommt zu dem Schluss, dass Gorbatschow zwar die Sowjetunion nicht erfolgreich reformieren konnte, jedoch als Staatsmann die Welt von der gefährlichen Ost-West-Konfrontation befreit hat und für die Erlangung der staatlichen Einheit der Deutschen unersetzbar gewesen ist (vgl. Z. 42–46).
Mögliche Aspekte zum breiteren historischen Kontext (Hintergrund des Kalten Krieges):
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Strukturen des Konflikts: Einordnung der Fachbegriffe Kalter Krieg, Ost-West-Konflikt und bipolare Weltordnung (Aufteilung der Welt in den Westblock unter Führung der USA und den Ostblock unter Führung der UdSSR nach 1945).
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Systemgegensatz: Ideologische, politische (Demokratie vs. Einparteiendiktatur) und wirtschaftliche (Marktwirtschaft vs. sozialistische Planwirtschaft) Grundsätze der beiden Supermächte und der daraus resultierende globale Vormachtanspruch.
Hier mögliche Aspekte zur problemorientierten Einordnung der Position Bahrs in den historischen Kontext:
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Die systemische Krise des Ostblocks: Aufzeigen der tiefen Krise der UdSSR vor 1985 (ökonomische Stagnation der Planwirtschaft, Versorgungskrisen, technologischer Rückstand gegenüber dem Westen, immense finanzielle Belastung durch das Rüstungswettrennen und den Afghanistan-Krieg).
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Der Kurswechsel unter Gorbatschow (ab 1985): Verknüpfung mit den zentralen Reformbegriffen:
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Perestroika (Umgestaltung): Versuche zur Modernisierung der Wirtschaft und staatlicher Strukturen.
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Glasnost (Offenheit/Transparenz): Lockerung der Zensur, Gewährung von Meinungsfreiheit und Aufarbeitung der Geschichte.
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Außenpolitik: Abkehr von der Breschnew-Doktrin (Verzicht auf militärische Interventionen in den Satellitenstaaten), was den Demokratisierungsprozess in Osteuropa (Polen, Ungarn, DDR) erst ermöglichte.
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Meilensteine der Entspannung: Bezugnahme auf die Gipfeltreffen in Genf (1985) und Reykjavík (1986), den INF-Vertrag (1987 zur Abschaffung der landgestützten atomaren Mittelstreckenraketen) sowie das Gipfeltreffen auf Malta (1989), das das offizielle Ende des Kalten Krieges markierte.
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Der Zerfall der UdSSR: Radikalisierung des Prozesses durch das Streben nach Unabhängigkeit (v. a. in den baltischen Staaten und der Ukraine), den Augustputsch konservativer kommunistischer Kräfte (1991) gegen Gorbatschow, den Aufstieg von Boris Jelzin und die schließliche Auflösung der Sowjetunion Ende 1991 (Gründung der GUS).
Kritische Überprüfung der Position des Verfassers (Egon Bahr):
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Subjektivität: Bahr argumentiert als Mitarchitekt der sozialdemokratischen Ostpolitik („Wandel durch Annäherung“). Seine Perspektive ist stark von Sympathie für Gorbatschows Absichten und der politischen Nähe zu Hans-Dietrich Genscher geprägt.
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Kritik am Westen: Die Einschätzung, der Westen habe durch Zögern bei Wirtschaftshilfen und Krediten den Reformprozess blockiert, ist triftig, vernachlässigt aber, dass die strukturellen Mängel der sowjetischen Planwirtschaft vermutlich auch durch westliches Geld kaum kurzfristig zu sanieren gewesen wären.
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Fokus auf die „Revolution von oben“: Bahr betont zu Recht die Rolle der Führungseliten, unterschätzt dabei jedoch teilweise die Dynamik der Oppositionsbewegungen von unten (z. B. Bürgerrechtsbewegungen in den Unionsrepubliken und Satellitenstaaten).
Mögliche Argumente zur Beantwortung der Leitfrage („Gorbatschows Reformpolitik – Ursache des Zusammenbruchs der Sowjetunion?“):
Für ein abwägendes Urteil bietet sich eine Gewichtung verschiedener Ursachenfaktoren an:
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Gorbatschows Reformen als Hauptursache |
Strukturelle und externe Faktoren als Hauptursache |
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Katalysator des Zerfalls: Durch Glasnost (Meinungsfreiheit) verloren die Partei und die Zentrale ihr Herrschafts- und Informationsmonopol. Dies machte Kritik am System überhaupt erst möglich und mobilisierte die Massen. |
Unreformierbares System: Die Sowjetunion litt unter jahrzehntelanger wirtschaftlicher Ineffizienz, Korruption und Mangelwirtschaft. Die Krise war bereits vor 1985 so tief, dass das System inhärent kollabierte. |
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Ungewollte Dynamik der Nationalitäten: Die politische Öffnung bot den lange unterdrückten ethnischen Konflikten und Unabhängigkeitsbestrebungen (Baltikum, Kaukasus, Ukraine) den nötigen Freiraum, um virulent zu werden. |
Das Rüstungswettrennen: Der enorme ökonomische Druck durch die militärische Konkurrenz mit den USA (unter anderem durch das US-Rüstungsprogramm SDI unter Reagan) entzog der sowjetischen Wirtschaft vollends die Basis für zivile Modernisierungen. |
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Wirtschaftliches Fehlmanagement: Die Halbherzigkeit der Perestroika zerstörte alte Wirtschaftsstrukturen der Planwirtschaft, ohne funktionierende marktwirtschaftliche Mechanismen aufzubauen, was die Versorgungskrise verschärfte. |
Rolle des Westens: Wie von Bahr kritisiert, trugen das lange Zögern des Westens bei der Gewährung von Finanzhilfen und das Festhalten an militärischem Druck zur Destabilisierung von Gorbatschows Position bei. |
Mögliche Fazit-Varianten:
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Variante A (Die Reformen als Auslöser): Gorbatschows Politik war die unmittelbare Ursache des Zusammenbruchs. Seine gut gemeinten Versuche einer Demokratisierung und Modernisierung entzogen der sowjetischen Diktatur das fundamentale Fundament (Repression und Zensur). Das System war nicht teil-reformierbar; wer die Schrauben lockerte, brachte das gesamte Konstrukt zum Einsturz.
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Variante B (Die Reformen als Beschleuniger): Die Reformpolitik war nicht die tiefere Ursache, sondern lediglich der Auslöser, der den ohnehin unaufhaltsamen Verfall eines maroden, delegitimierten Systems sichtbar gemacht und beschleunigt hat. Gorbatschow agierte als „Konkursverwalter“, dessen historisches Verdienst darin lag, diesen Zusammenbruch weitgehend friedlich moderiert zu haben (Beendigung des Kalten Krieges).