Vorschlag C
Thema
Engagement für die Schöpfung
Aufgaben
Gib die Aussagen des Textes von Uwe Birnstein wieder. (Material)
Untersuche, inwiefern sich die Handlungen und Aktionen der so genannten „Klima-Kleber“ (Material) aus ethisch-moralischer Sicht begründen lassen.
Beziehe dich dabei auf die Ethik Kants und den Utilitarismus.
Diskutiere, ausgehend von Botschaft und Handeln Jesu, ob und inwiefern sich Jesus heute bei den „Klima-Klebern“ (Material) engagieren würde.
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Uwe Birnstein: „Klima-Kleber“. Ähnliche Aktionen gab es schon in biblischen Zeiten (abgerufen am 23.09.2023).
Hinweis
Uwe Birnstein (*1962): deutscher Theologe und Publizist
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In dem 2022 erschienenen Beitrag ‚Klima-Kleber‘. Ähnliche Aktionen gab es schon in biblischen Zeiten beschäftigt sich der Theologe Uwe Birnstein mit der Frage, inwiefern man die Klima-Aktivisten, die sich an Straßen festkleben, theologisch einordnen und mit biblischen Propheten vergleichen kann.
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Zu Beginn charakterisiert Birnstein drei seltsam anmutende „Mahner“, die sich öffentlich und militant für einen Wechsel im Verhalten der Menschen gegenüber der Umwelt einsetzen. Danach klärt er auf, dass es sich dabei nicht um aktuelle Beispiele handelt, sondern um modernisierte Anspielungen auf das Verhalten von Propheten aus dem Alten Testament.
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Diese Propheten hätten, ebenso wie die „Letzte Generation“ heute, die Menschen wachrütteln und zur Änderung ihres Verhaltens bewegen wollen. Der Autor sieht zahlreiche Parallelen zwischen den biblischen Propheten und den modernen Umweltaktivisten: Beide wollten die Menschen aufrütteln, beide verfolgten ein Anliegen zur Bewahrung der Schöpfung, und manche Aktivisten hätten auch einen religiösen Hintergrund. Auch die Kirchen mahnten seit Langem einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung an.
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Kritisch äußert sich Birnstein jedoch zu den Methoden der Klima-Aktivisten, die den Verkehr an zentralen Verkehrsknotenpunkten zum Erliegen bringen und Staus verursachen. Trotzdem bewertet er ihr Anliegen als wichtig. Auch hier zieht er eine Parallele zu den biblischen Propheten: Offenbar seien Handlungen nötig, wenn Worte allein niemanden mehr erreichen.
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Am Ende macht Birnstein deutlich, dass er etwa in starken friedlichen Zukunftsvisionen im Stil Jesajas eine Möglichkeit sieht, Menschen zu bewegen und zu mobilisieren. Ebenso habe Jesus den Menschen zwar die Frohe Botschaft verkündet, doch die Menschen seien selbst zur Mitarbeit an der Gestaltung der Zukunft der Welt und an der Erhaltung der Schöpfung aufgerufen. Jesus nehme ihnen dieses Engagement nicht ab.
Aufgabe 2
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Nach der Ethik Kants kann der Mensch als Vernunftwesen das menschliche Dasein ganzheitlich erfassen. Daher ist klar, dass das menschliche Dasein, einschließlich der Umwelt, nicht durch gegenwärtige Handlungen gefährdet werden darf.
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Dieser Gedanke zeigt sich auch in der Selbstzweckformel des Kategorischen Imperativs. Darin soll die allgemeinbegriffliche Vorstellung der Menschheit als Handlungszweck berücksichtigt werden. Die Menschheit in der Person eines jeden anderen wird nicht ausreichend geachtet, wenn Handlungen die natürlichen Grundlagen beschädigen, etwa auf Kosten der jüngeren Generation. Für eine Handlung, die die natürliche Grundlage des menschlichen Daseins beschädigt, kann keine Maxime gefunden werden, die im Sinne der Grundformel des Kategorischen Imperativs allgemeingesetzlichen Charakter haben könnte.
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Im Sinne Kants ist dem Menschen als Vernunftwesen das moralisch Gebotene klar. Die allgemeine Motivation der Klimaaktivisten, also der Erhalt der Schöpfung bzw. Umwelt für alle Menschen, kann daher im kantischen Sinne als ethisch korrekt angesehen werden. Mit Blick auf die Rolle des Gewissens können die Klimaaktivisten außerdem als Überzeugungstäter verstanden werden. Nach Kant kann das Gewissen subjektiv nicht irren, weil es sonst gar nicht geurteilt hätte.
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Die konkrete aktivistische Handlung kann jedoch moralisch fragwürdig werden. Das gilt etwa für das Blockieren der Bewegungsfreiheit anderer Menschen. Auch dafür lässt sich keine Maxime formulieren, nach der zur moralischen Verbesserung der Mitmenschen jedes denkbare Mittel eingesetzt werden dürfte.
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Der klassische Utilitarismus stellt dagegen das Prinzip der Nützlichkeit in den Mittelpunkt. Eine Handlung ist dann nützlich, wenn ihre Folgen geeignet sind, den größtmöglichen Nutzen für die größtmögliche Zahl der Betroffenen zu erzielen.
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Das gilt auch dann, wenn die Handlung von gegenteiligen Effekten begleitet ist. So könnte man zunächst argumentieren, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe moralisch gerechtfertigt ist, solange sie das Glück der Menschen insgesamt steigert und ihre negativen Folgen akzeptabel erscheinen. Die bisherige Form des Konsums in vielen Lebensbereichen hat große Entwicklungen zum Nutzen der Menschheit hervorgebracht. Die Summe der Freuden scheint historisch nahezu beispiellos, während die Nebenwirkungen kurzfristig zunächst auf Abgase und Feinstaub begrenzt wirken konnten. Aus dieser Perspektive wäre das Handeln der Klimaaktivisten aus utilitaristischer Sicht abzulehnen.
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Mit der Erkenntnis des Zusammenhangs von Kohlendioxid und Erderwärmung wird billige Energie als große Quelle der Freude jedoch fraglich. Während bisher im Sinne des Utilitarismus sogar eine moralische Verpflichtung zum Einsatz billiger fossiler Brennstoffe formuliert werden konnte, verschiebt der Klimawandel das Glückskalkül erheblich. Das Freisetzen von CO₂ kann nun auch im Sinne des Utilitarismus als moralisch falsch gelten. Bedrohlich ist dabei, dass es nicht mehr um die Steigerung von Freude geht, sondern um die Minimierung negativer Folgen wie tiefgreifender sozialer Strukturveränderungen und existenzbedrohender Wetterereignisse.
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Klimaaktivisten gehen davon aus, dass die bisherigen Erkenntnisse über den Klimawandel ausreichen, um ihr Verhalten als ethisch geboten zu betrachten. Ihre Position ist damit ethisch und folgenorientiert motiviert, zumal es aus utilitaristischer Perspektive Ziel ist, den Gesamtzustand der Welt zu verbessern oder wenigstens zu erhalten.
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Insgesamt kann man zu dem Schluss kommen, dass das Anliegen der Klimaaktivisten nach Kant geboten ist, weil sie es als Pflicht ansehen, zukünftiges Leben zu schützen. Einzelne Aktionen, die keinen direkten Bezug zum Ziel haben, etwa Kartoffelbrei auf Kunstwerke, sind nach Kant jedoch gerade nicht moralisch geboten. Aus utilitaristischer Sicht können solche Aktionen angesichts der bekannten Folgen des Klimawandels eher gerechtfertigt erscheinen, wenn ihre starke Signalwirkung größere positive Folgen erwarten lässt.
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Zusätzlich spielt das Gewissen eine wichtige Rolle. Klimaaktivisten handeln aus ihrem Gewissen heraus. Die Gewissensfreiheit ist durch das Grundgesetz geschützt, gehört zu den Menschenrechten und wird auch im Zweiten Vatikanum als „Stimme Gottes“ im Gläubigen hoch geschätzt.
Aufgabe 3
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Die heutige Situation, dass die Umwelt in dieser Form gefährdet ist, war zur Zeit Jesu unvorstellbar. Jesus ging es vor allem um soziale Gerechtigkeit, und sein Handeln sowie seine Botschaft kündigten das Kommen der Herrschaft Gottes an. Umweltprobleme spielten damals noch keine vergleichbare Rolle, da die Gesellschaft weitgehend agrarisch geprägt war und die industrielle Revolution mit ihren technischen und zerstörerischen Möglichkeiten noch in weiter Ferne lag. Dennoch lässt sich auf Grundlage seines Redens und Handelns ein mögliches Urteil entwickeln.
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Die Bergpredigt ist die zentrale Rede Jesu und enthält Hauptanliegen seiner Botschaft von der Basileia tou theou, also der Königsherrschaft Gottes. Sie steht im Zusammenhang mit der Forderung aus Mk 1,15: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Neben den Seligpreisungen und den Antithesen enthält sie auch das Vaterunser und die Goldene Regel in Mt 7,12: „Alles, was ihr von anderen fordert, das tut auch ihnen.“
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Mit den Antithesen bekräftigt Jesus die Zehn Gebote des Alten Testaments und verschärft sie zugleich. Dabei geht es besonders um Fragen des sozialen Zusammenlebens, den Schutz des Eigentums und der Ehe sowie um die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens. In ihrer Radikalität, die überlieferte Moral nicht nur dem Wortlaut nach zu befolgen, sondern ihren Kern zu erfassen und danach zu handeln, lässt sich ein Bezug zu den Forderungen und Handlungen der Klimaaktivisten erkennen. Auch diese handeln häufig radikal und erregen Anstoß, wie es auch bei Jesu Handeln der Fall war.
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In den Seligpreisungen zeigt Jesus die Vision einer besseren Zukunft, in der Trauernde getröstet, Leidende erlöst werden und eine neue Form von Gerechtigkeit gilt. Es geht um das bereits angebrochene, aber noch nicht vollendete Reich Gottes. Besonders die Option für die Armen steht im Mittelpunkt. In den Seligpreisungen finden sich auch jene, die nach Gerechtigkeit dürsten. Darin könnten sich Klimaaktivisten wiederfinden, da Gerechtigkeit für sie auch eine bewohnbare Welt meint, die für zukünftige Generationen Bestand hat.
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Gleichzeitig lassen sich bestimmte Aktionen der Klimaaktivisten, etwa das Festkleben auf Straßen oder an Kunstwerken, nur schwer mit der Bergpredigt verbinden. Denn wenn Menschen, Länder oder Konzerne, die sich rücksichtslos gegenüber der Schöpfung verhalten, als „Feinde“ betrachtet und bekämpft werden, wobei auch Schaden für andere in Kauf genommen wird, widerspricht dies den Forderungen der Antithesen. Diese verlangen ein Handeln im Sinne der Gottes-, Nächsten- und Feindesliebe.
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Ein Handeln, das sich stärker an Jesus orientiert, bestünde eher darin, durch gutes und umweltverträgliches Verhalten voranzugehen. Dazu gehört etwa, anderen zu zeigen, dass es umweltfreundlichere Wege zur Arbeit gibt und dass unreflektierter Konsum der Schöpfung und letztlich allen Menschen schadet.
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Allerdings zeigt Jesu Verhalten auch, dass er selbst zornig und handgreiflich werden konnte, etwa bei der Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel (Mt 21,12ff.). Dieses Handeln richtet sich vor allem gegen diejenigen, die sich im Gotteshaus bereichern, nicht gegen unbeteiligte Gläubige. Daraus ließe sich ableiten, dass entschlossener Protest gegen Lobbyisten, Konzerne und Verbände, die den Klimaschutz vernachlässigen, eher mit Jesu Handeln vereinbar wäre als die Behinderung oder Schädigung Unbeteiligter.
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Insgesamt ist es gut vorstellbar, dass Jesus sich entschlossen für den Erhalt der Schöpfung eingesetzt und gegen Verantwortliche eingeschritten wäre. Ob er sich jedoch an Aktionen der „Klima-Kleber“ beteiligt hätte, bleibt kontrovers diskutierbar, besonders mit Blick auf das Bild Jesu als Friedensfürst.