Vorschlag B – „Bauer sucht Frau“
I Übersetzung
Übersetze den Text in angemessenes Deutsch. (Material 1)
II Interpretation
Gib unter Verwendung lateinischer Textbelege wieder, mit welchen Argumenten der Zyklop Polyphem um die Liebe der Nymphe Galatea wirbt. (Material 1)
Analysiere die sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes. (Material 1)
Analysiere die Verse 1–3 metrisch. (Material 2)
Beurteile ausgehend vom vorliegenden Textauszug, ob der Zyklop Polyphem mit seiner Argumentation die Liebe der Nymphe Galatea gewinnen könnte.
Berücksichtige dabei auch die Wertmaßstäbe der epikureischen und der stoischen Lehre.
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Vorbemerkung
In einem Buch seiner „Metamorphosen“ erzählt der Dichter Ovid von der Liebe des einäugigen Zyklopen Polyphem zu der Nymphe Galatea. Diese liebt jedoch den schönen Hirten Acis und weist Polyphem ab. Deswegen hält Polyphem eine Rede, um Galatea zu umwerben und ihre Liebe zu gewinnen.
Übersetzungshilfen
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V. 1 |
pecus, pecoris, n.: Kleinvieh, Schafe (siehe auch V. 4) multae: Ergänze oves (Schafe). vallibus = in vallibus |
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V. 2 |
multas [...], multae [...]: Beziehe auf oves (Schafe). stabulari: (im Stall) stehen |
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V. 3 |
forte: vielleicht |
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V. 4 |
pauperis est: hier es ist Sache eines armen Mannes pecus, pecoris, n.: Kleinvieh, Schafe (siehe auch V. 1) |
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V. 5 |
lac, lactis, n.: Milch inde: hier davon bibenda = ad bibendum |
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V. 6 |
liquefacta coagula, n. (Pl.): flüssiges Lab (Gemisch aus Enzymen, das zur Gerinnung der Milch bei der Herstellung von Käse genutzt wird) |
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V. 7 |
novisse, novi: kennen liquidae: Beziehe auf aquae (V. 8). vidi: Ergänze me. |
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V. 9 |
hoc corpore: hier mit Blick auf diesen Körper |
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V. 11 |
nescio quem [...] Iovem (Subjektsakkusativ im AcI): ein gewisser Jupiter regnare: Ergänzen Sie ibi (= in caelo). plurimus, -a, -um: hier sehr dicht, sehr füllig torvos: Beziehe auf in vultus (V. 12) und übersetze im Singular. |
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V. 12 |
lucus, -i, m.: Wald, heiliger Hain |
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V. 13 f. |
nec mea quod [...] corpora, turpe puta = nec id turpe puta, quod mea corpora [...] |
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V. 13 |
horrere, horreo: hier struppig sein densissimus, -a, -um (+ Abl.): sehr dicht bewachsen (von/mit etwas) saeta, saetae, f.: (starkes) Haar, Borste |
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V. 14 |
putare (+ doppelter Akk.): (etwas für etwas) halten turpis: Ergänze est. frons, frondis, f.: Laub, Blätter |
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V. 15 |
colla, collorum, n. (Pl.): Hals iubae, iubarum, f. (Pl.): Mähne velare: verhüllen, bedecken |
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V. 16 |
volucris, volucris, f.: Vogel ovis, ovis, f.: Schaf decori esse (+ Dat.): (jemandem) gut stehen |
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V. 17 |
barba [...] saetae: Ordne barba et hirtae saetae in corpore viros decent. hirtae [...] saetae: struppige Borsten |
Material 2
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„All diese Schafe sind meine, viele streifen auch in den Tälern umher, viele verbirgt der Wald, viele stehen (eingepfercht) in Höhlen. Falls du mich vielleicht fragst, könnte ich dir nicht (einmal) sagen, wie viele es sind. Nur arme Leute zählen ihr Vieh! […] Stets habe ich schneeweiße Milch: Ein Teil davon wird zum Trinken aufbewahrt, einen Teil lässt flüssiges Lab gerinnen. […]
Ganz gewiss kenne ich mich und habe mich neulich (erst) im Spiegelbild des klaren Wassers gesehen, und mir gefiel meine (schöne) Gestalt, als ich sie sah. Sieh, wie groß ich bin! Einen größeren Körper hat (auch) Jupiter im Himmel nicht – denn ihr pflegt zu erzählen, dort oben regiere ein gewisser Jupiter.
Das Haar hängt mir sehr dicht ins finstere Gesicht und beschattet – wie ein Wald – die Schultern. Und halte das nicht für hässlich, dass mein Körper – von starren Borsten sehr dicht bewachsen – struppig ist! Hässlich ist ein Baum ohne Blätter, hässlich ein Pferd, wenn keine blonde Mähne seinen Hals bedeckt; Gefieder bedeckt Vögel, Schafen steht ihre Wolle gut: Ein Bart und struppige Borsten am Körper schmücken Männer.“
II Interpretation
Materieller Reichtum und Viehbesitz
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Polyphem verweist auf seine riesige Herde von Kleinvieh, die sich über Täler, Wälder und Höhlen erstreckt ("Hoc pecus omne meum est, multae quoque vallibus errant / multas silva tegit, multae stabulantur in antris", V. 1–2).
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Er hebt hervor, dass der Bestand so unermesslich groß ist, dass er die genaue Anzahl selbst auf Nachfrage nicht nennen kann ("nec, si forte roges, possim tibi dicere, quot sint", V. 3).
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Mit dem Aphorismus, dass es die Sache eines Armseligen sei, sein Vieh zu zählen, inszeniert er seinen unermesslichen materiellen Wohlstand ("pauperis est numerare pecus", V. 4).
Versorgung mit Nahrungsmitteln
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Er verspricht eine permanente Versorgung mit frischer, schneeweißer Milch ("Lac mihi semper adest niveum", V. 5).
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Er beschreibt die geplante Weiterverarbeitung der Milch zu haltbarem Käse mithilfe von Lab als Zeichen wohlgegliederten Vorratsdrucks ("pars inde bibenda / servatur, partem liquefacta coagula durant", V. 5–6).
Äußeres Erscheinungsbild und Attraktivität
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Polyphem bringt seine Selbsterkenntnis und sein positives Selbstbild ein, das er beim Betrachten seines Spiegelbildes im klaren Wasser gewonnen hat ("liquidaeque in imagine vidi / nuper aquae", V. 7–8).
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Er betont die Gefälligkeit und ästhetische Wirkung der eigenen Gestalt aus seiner eigenen Perspektive ("placuitque mihi mea forma videnti", V. 8).
Stärke, Korpulenz und Überlegenheit gegenüber Jupiter
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Er fordert Galatea direkt auf, seine gigantische Körpergröße zu bewundern ("Adspice, sim quantus", V. 9).
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Er vergleicht seine Statur mit Jupiter und behauptet, im Körperbau selbst den obersten Gott im Himmel zu übertreffen ("Non est hoc corpore maior / Iuppiter in caelo", V. 9–10).
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Den Götterglauben der Nymphen entwertet er beiläufig als bloßes Gerede über irgendeinen unbekannten Herrscher ("nam vos narrare soletis / nescio quem regnare Iovem", V. 10–11).
Männliche Behaarung als natürliches Schönheitsideal
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Er deutet sein dichtes Haar über dem finsteren Blick metaphorisch als mächtigen Hain, der seine Schultern beschattet ("Coma plurima torvos / prominet in vultus umerosque – ut lucus – obumbrat", V. 11–12).
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Er tritt dem Eindruck entgegen, ein dicht mit starren Borsten bewachsener Körper sei hässlich oder entstellend ("nec mea quod rigidis horrent densissima saetis / corpora, turpe puta", V. 12–14).
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Durch eine Exempelliste aus der Natur legt er dar, dass Entblößung beziehungsweise Kahlheit hässlich wirkt: Ein Baum ohne Laub und ein Pferd ohne Mähne seien unansehnlich ("Turpis sine frondibus arbor / turpis equus, nisi colla iubae flaventia velent", V. 14–15).
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Er veranschaulicht, dass jedes Lebewesen sein spezifisches natürliches Kleid als Schmuck besitzt, wie Vögel ihre Federn und Schafe ihre Wolle ("pluma tegit volucres, ovibus sua lana decori est", V. 16).
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Er schließt mit der Regel, dass zu echten Männern ein Bart und struppige Borsten am Körper als angemessener Schmuck gehören ("Barba viros hirtaeque decent in corpore saetae", V. 17).
Strukturierung und Argumentationsaufbau
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Das asyndetische Trikolon mit Anaphora beziehungsweise Polyptoton von "multae" ("multae quoque vallibus errant, / multas silva tegit, multae stabulantur in antris", V. 1–2) veranschaulicht bildhaft das unzählbare Ausmaß und die Verteilung seines Viehbesitzes im Raum.
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Die prägnante Sententia ("pauperis est numerare pecus", V. 4) spitzt Polyphems Selbstbewusstsein komprimiert zu und dient als rhetorisches Hauptargument zur Demonstration seines unermesslichen Reichtums.
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Das durch die Anaphora von "turpis" eingeleitete Gedankengebäude ("Turpis sine frondibus arbor, / turpis equus, [...]", V. 14–15) gliedert seine Gegenargumentation systematisch, um das Vorurteil über seine Behaarung zu entkräften.
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Das Polyptoton von "pars" beziehungsweise "partem" ("pars inde bibenda / servatur, partem [...]", V. 5–6) strukturiert in paralleler Fügung die geordnete Nutzung und Weiterverarbeitung der Milchressourcen.
Vergleiche und bildhafte Diktion
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Der explizite Vergleich "ut lucus" ("Coma plurima torvos / prominet in vultus umerosque – ut lucus – obumbrat", V. 11–12) vergleicht seine dichte Mähne mit einem heiligen Hain, wodurch seine gigantische Erscheinung im Sinne einer naturgewaltigen Erhabenheit gefasst wird.
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Die Reihung von Naturbespielen (Exempla) umfasst Bäume, Pferde, Vögel und Schafe ("arbor", V. 14; "equus", V. 15; "volucres", V. 16; "ovibus", V. 16) und zieht eine funktionale Analogie zwischen tierisch-pflanzlichem Schutzkleid und menschlich-zyklopischer Körperbehaarung.
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Das Adjektivattribut "niveum" ("Lac mihi semper adest niveum", V. 5) erzeugt ein Ästhetik- und Reinheitsbild, das im Kontrast zur sonstigen Rohheit des Ungeheuers steht.
Rhetorische Figuren der Steigerung und Abwertung
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Die maßlose Hyperbel ("Non est hoc corpore maior / Iuppiter in caelo", V. 9–10) nutzt den direkten Größenvergleich mit dem obersten Gott, um Galatea durch absolute physische Überlegenheit zu beeindrucken.
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Das Indefinitpronomen in der Wendung "nescio quem [...] Iovem" (V. 10–11) lässt eine spöttische Haltung gegenüber der klassischen Götterwelt erkennen und unterstreicht Polyphems mythologische Autonomie und Hybris.
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Die Antithese von kahl-hässlich und behaart-geschmückt ("Turpis sine frondibus arbor", V. 14; "ovibus sua lana decori est", V. 16) kehrt gängige Schönheitsideale um und definiert Körperbehaarung als notwendigen Zierrat.
Klangmittel und argumentative Synthese
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Die Alliteration "pauperis est numerare pecus" (V. 4) verleiht dem Aphorismus durch die Konsonantenwiederholung von p einen prägnanten Rhythmus und betont lautlich den Spott über Armut.
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Der Chiasmus in Verse 16 ("pluma tegit volucres, ovibus sua lana decori est", V. 16) variiert die Satzstruktur zwischen Subjekt-Verb-Objekt und Dativ-Subjekt-Prädikatsnomen, was der Aufzählung poetische Dynamik verleiht.
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Die resümierende Sententia am Ende des Abschnitts ("Barba viros hirtaeque decent in corpore saetae", V. 17) bündelt seine Beweisführung in einer allgemeinen Regel zur männlichen Ästhetik.
Die drei Verse aus Ovids Metamorphosen stehen im klassischen daktylischen Hexameter.
Vers 1 (V. 1)
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Text: "Hoc pecus omne meum est, multae quoque vallibus errant,"
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Metrisches Schema:
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Zäsuren:
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Penthemimeres nach meum est (nach der 3. Arsis / 5. Halbfuß)
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Trithemimeres nach omne (nach dem 3. Halbfuß)
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Hephthemimeres nach multae (nach der 4. Arsis / 7. Halbfuß)
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Vers 2 (V. 2)
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Text: "multas silva tegit, multae stabulantur in antris;"
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Metrisches Schema:
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Zäsuren:
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Penthemimeres nach tegit (nach der 3. Arsis / 5. Halbfuß, fällt mit dem Sinnabschnitt zusammen)
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Trithemimeres nach silva (nach dem 3. Halbfuß)
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Hephthemimeres nach multae (nach der 4. Arsis / 7. Halbfuß)
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Vers 3 (V. 3)
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Text: "nec, si forte roges, possim tibi dicere, quot sint:"
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Metrisches Schema:
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Zäsuren:
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Penthemimeres nach roges (nach der 3. Arsis / 5. Halbfuß)
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Hephthemimeres nach possim (nach der 4. Arsis / 7. Halbfuß)
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Bukolische Diärese nach dicere (Worteinschnitt zwischen dem 4. und 5. Fuß)
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Beurteilung auf Basis der Argumentationsstruktur des Textes
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Polyphem versucht, Galatea primär durch materiellen Überfluss und seinen riesigen Viehbesitz zu beeindrucken ("Hoc pecus omne meum est", V. 1; "Lac mihi semper adest niveum", V. 5). Für eine Meeresnymphe, die in der Natur lebt und den Hirten Acis liebt, stellt rein materieller Reichtum ("pauperis est numerare pecus", V. 4) jedoch keinen Anreiz für echte Zuneigung dar.
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Seine Selbsterhöhung über den höchsten Gott Jupiter ("Non est hoc corpore maior / Iuppiter in caelo", V. 9–10) zeugt von Hybris und wirkt bedrohlich sowie anmaßend statt einnehmend.
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Der Versuch, seine körperliche Rohheit und Behaarung durch Analogien aus der Natur als Schönheitsideal umzudeuten ("Barba viros hirtaeque decent in corpore saetae", V. 17), bleibt eine rhetorische Schutzbehauptung, die Galateas ästhetische Abneigung gegen das Ungeheuer nicht aufheben kann.
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Die Rede ist von Selbstbezogenheit und Imponiergehabe geprägt ("placuitque mihi mea forma videnti", V. 8), geht aber mit keinem Wort auf die Bedürfnisse, Wünsche oder Gefühle der Umworbenen ein.
Beurteilung aus Sicht der epikureischen Philosophie
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Verstoß gegen das Ideal des einfachen Lebens: Epikur fordert die Beschränkung auf natürliche und notwendige Bedürfnisse. Polyphems Prahlerei mit unermesslichem Besitz steht im direkten Widerspruch zum epikureischen Ideal der Genügsamkeit (autarkeia).
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Gefährdung der Seelenruhe: Das epikureische Höchstgut ist die Schmerzlosigkeit des Körpers (aponia) und die Unerschütterlichkeit der Seele (ataraxia). Polyphems Maβlosigkeit, seine maßlose Überheblichkeit und seine Gottesverachtung ("nescio quem regnare Iovem", V. 10–11) erzeugen Aufruhr und Affekte, die der ataraxia entgegenstehen.
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Fehlende Verankerung in der Freundschaft: Für Epikur ist die Freundschaft (amicitia) die verlässlichste Quelle für ein glückliches Leben. Polyphems Versuch, Zuneigung durch Macht, Größe ("Adspice, sim quantus", V. 9) und Vorräte zu erzwingen, entbehrt jeder Form von vertrauensvoller und sanfter Zuwendung.
Beurteilung aus Sicht der stoischen Philosophie
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Verletzung des sittlich Guten: Für die Stoa ist die Tugend (virtus) das einzige wahre Gut. Polyphem offenbart in seiner Rede weder Maβhaltung (temperantia) noch Weisheit (sapientia), sondern erliegt der Eigenliebe und dem äußeren Schein.
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Verstoß gegen das Angemessene und die Naturordnung: Zwar zieht der Zyklop Vergleiche zur Natur heran, um seine Borsten zu rechtfertigen, doch verletzt seine maβlose Selbsterhöhung über die Götter die von der Weltvernunft (logos) vorgegebene kosmische Ordnung.
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Mangel an Affektkontrolle: Die Stoa fordert die Beherrschung der Leidenschaften und das Verharren in Vernunft (ratio). Polyphem lässt sich von seinem Trieb leiten und offenbart durch seine Drohgebärden eine fehlende Seelenruhe und innere Unabhängigkeit.
Abschließendes Urteil
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Der Zyklop Polyphem kann die Liebe der Nymphe Galatea mit dieser Argumentation nicht gewinnen.
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Seine Rede scheitert auf menschlich-emotionaler Ebene an seiner Maßlosigkeit und der rein materiellen Ausrichtung der Argumente.
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Auch vor philosophischen Maßstäben hält seine Werbung nicht stand: Sowohl nach epikureischer als auch nach stoischer Ethik widerspricht sein Verhalten den Grundvoraussetzungen für ein geglücktes, tugendhaftes und von echter Zuneigung geprägtes Zusammenleben.