Vorschlag C – Was ist „wahrer“ Adel?
I Übersetzung
Übersetze den Text in angemessenes Deutsch. (Material 1)
II Interpretation
Beschreibe unter Verwendung lateinischer Textbelege Senecas Begriff von „wahrem“ Adel. (Material 1)
Analysiere die sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes vom Textanfang bis mundus est. (Material 1)
Vergleiche das Bild des nobilis Verres und das der Sklaven in der Darstellung Ciceros (Material 2) mit den Ausführungen Senecas zu Stand und Rang in der Gesellschaft. (Material 1)
Beurteile unter Berücksichtigung der politischen Karriere Ciceros, inwieweit ein Mann ohne adelige Herkunft in der römischen Republik Aufstiegsmöglichkeiten in den Amtsadel (Nobilität) hatte.
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Vorbemerkung
Nach römischer Auffassung gilt das, was ein Sklave im Interesse seines Herrn verrichtet, als eine Dienstleistung (ministerium), zu der er verpflichtet ist.
Seneca befasst sich in einer philosophischen Schrift mit der Frage, inwieweit auch ein Sklave seinem Herrn – so wie freie Menschen untereinander – eine Wohltat erweisen kann (beneficium dare), und kommt zu folgender Erkenntnis:
Übersetzungshilfen
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Z. 1 |
servum qui negat dare [...]: Ordne (is,) qui negat servum dare [...]. ignarus, -a, -um (+ Gen.): hier ohne Verständnis (für etwas) refert: es kommt darauf an |
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Z. 2 |
cuius animi sit, qui praestat = cuius animi (is) sit, qui (beneficium) praestat animi esse: hier eine Geisteshaltung/(innere) Einstellung haben praestare (+ Akk.): (etwas) geben, (etwas) erweisen nulli: Ergänze homini. |
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Z. 3 |
libertinus, -i, m.: Freigelassener (siehe auch Z. 10) |
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Z. 4 |
census, -us, m.: hier Vermögen, Besitz contentus, -a, -um (+ Abl.): zufrieden (mit etwas) |
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Z. 5 |
principia, -orum, n. (Pl.): Ergänze sunt. nemo altero nobilior, nisi cui [...]: Ordne und ergänze nemo nobilior quam alter est, nisi is, cui [...] est. |
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Z. 6 |
ars, artis, f.: hier Eigenschaft aptior, aptius (+ Abl.): besser ausgestattet (mit etwas). Beziehe aptius auf ingenium. |
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Z. 6 ff. |
Qui [...] non noti magis quam nobiles sunt: Ordne und ergänze Sunt non magis noti quam nobiles (ii), qui [...]. |
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Z. 7 |
multis stemmatum illigata flexuris: an vielen Verzweigungen ihrer Stammbäume festgemacht. Beziehe auf nomina (Z. 6). magis: hier eher |
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Z. 8 |
parens, -entis, m.: hier Ursprung |
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Z. 9 |
Neminem despexeris [...]!: Verachte niemanden [...]! obsoletus, -a, -um: schäbig; ohne Ansehen |
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Z. 9 f. |
obsoleta sunt nomina [...] fortuna: Ordne und ergänze nomina (hominum) obsoleta sunt et parum adiuta indulgente fortuna. fortuna indulgens: gütiges Schicksal, gnädiges Schicksal |
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Z. 9 |
adiuvare, adiuvo, adiuvi, adiutum: begünstigen |
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Z. 10 |
sive [...] ante vos habentur: Übersetze aktivisch sei es, dass [...] vor euch stehen libertinus, -i, m.: Freigelassener (siehe auch Z. 3) exterus, -a, -um: ausländisch erigere, erigo: emporheben, aufrichten |
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Z. 11 |
quidquid in medio sordidi iacet: was auch immer an schmutziger Armut zwischen euch liegt transilire: hier über etwas hinwegsehen in summo: am Ende |
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Z. 11 f. |
magna nobilitas: eine wahrhaft adelige/edle Gesinnung |
Material 2
Vorbemerkung
In seinen Reden gegen C. Verres tritt Cicero 70 v. Chr. als Ankläger in einem Strafprozess auf. Verres entstammte dem römischen Hochadel und war von 73 bis 71 v. Chr. Statthalter der Provinz Sizilien. In dieser Zeit machte er sich vieler Willkürakte und Gewalttaten gegenüber der einheimischen Bevölkerung schuldig, raubte zahllose Kulturschätze, darunter auch ein Kultbild und eine dazugehörige Victoria-Statuette aus dem Heiligtum der Göttin Ceres in Henna.
Den ebenfalls adeligen Richtern schildert Cicero das Verhalten des Angeklagten folgendermaßen:
M. Tullius Cicero: In Verrem II 4, 112, in: M. Tulli Ciceronis Orationes. Vol. 3, ed. William Peterson, Oxford 1917.
Übersetzung: M. Tullius Cicero: Sämtliche Reden. Band IV: Zweite Rede gegen Verres. Drittes, Viertes und Fünftes Buch. Eingel., übers. u. erl. v. Manfred Fuhrmann, Zürich/Stuttgart 1971, S. 210f. (mit Änderungen).
1 Konsulat des P. Popilius und des P. Rupilius – hier: im Jahr 132 v. Chr.; Rupilius schlug den 1. sizilischen Sklavenaufstand (135–132 v. Chr.) nieder.
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Wer verneint, dass ein Sklave manchmal seinem Herrn eine Wohltat erweist, hat kein Verständnis für das menschliche Recht. Es kommt nämlich darauf an, welche innere Einstellung derjenige hat, der sie erweist, und nicht darauf, welchen Stand er hat. Keinem (Menschen) bleibt die sittliche Vollkommenheit verschlossen: Allen steht sie offen, alle lässt sie zu, alle lädt sie ein – Freigeborene, Freigelassene, Sklaven, Könige und Verbannte; sie wählt kein Haus und kein Vermögen aus, mit dem nackten Menschen ist sie zufrieden. […]
Alle haben dieselben Anfänge und denselben Ursprung. Niemand ist von höherem Stand als ein anderer, außer derjenige, der einen aufrichtigeren und besser mit guten Eigenschaften ausgestatteten Charakter hat. Sind nicht diejenigen, die Ahnenbilder im Atrium zur Schau stellen und die Namen ihrer Familie in langer Reihenfolge und an vielen Verzweigungen ihrer Stammbäume festgemacht im Eingang des Hauses aufstellen, eher berühmt als adelig? Eine Welt ist der Ursprung von allen […].
Verachte niemanden, auch wenn die Namen der Menschen um ihn herum ohne Ansehen sind und zu wenig begünstigt von einem gütigen Schicksal! Sei es, dass Freigelassene oder Sklaven oder Menschen von ausländischen Völkern vor euch stehen, richtet mutig euren Geist auf und seht über das hinweg, was immer an schmutziger Armut zwischen euch liegt! Es erwartet euch am Ende wahrer Adel.
II Interpretation
Unabhängigkeit vom sozialen Status und Vermögen
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Seneca definiert den wahren Adel nicht über den gesellschaftlichen Stand oder die äußeren Lebensumstände einer Person ("non cuius status", Z. 2).
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Die Tugend, die den echten Adel ausmacht, ist an kein bestimmtes Haus und an keinen Reichtum gebunden, sondern begnügt sich mit dem bloßen Menschen ("non eligit domum nec censum, nudo homine contenta est", Z. 3–4).
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Äußere Zeichen der aristokratischen Abstammung, wie im Atrium ausgestellte Ahnenbilder oder weitverzweigte Stammbäume, machen einen Menschen nicht wahrhaft adelig, sondern lediglich bekannt ("Qui imagines in atrio exponunt [...] non noti magis quam nobiles sunt", Z. 6–8).
Tugend und innere Haltung als einziger Maßstab
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Wahre Nobilität bemisst sich ausschließlich an der charakterlichen Disposition und der inneren Haltung des Einzelnen ("cuius animi sit", Z. 2).
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Als wahrhaft adeliger gilt nur derjenige, dessen Charakter moralisch aufrechter ist und der besser mit guten Eigenschaften ausgestattet ist ("Nemo altero nobilior, nisi cui rectius ingenium et artibus bonis aptius", Z. 5–6).
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Eine edle Gesinnung am Lebensende erwartet diejenigen, die sich mutig aufrichten und niedere, äußere Umstände überwinden ("erigite audacter animos [...] Exspectat vos in summo magna nobilitas", Z. 10–12).
Gleichheit und universelle Zugänglichkeit
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Die stoische Tugend steht jedem Menschen prinzipiell offen, unabhängig davon, ob er Freigeborener, Freigelassener, Sklave, König oder Verbannter ist ("Nulli praeclusa virtus est: omnibus patet, omnes admittit, omnes invitat – et ingenuos et libertinos et servos et reges et exules", Z. 2–3).
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Alle Menschen sind von Natur aus gleichwertig, da sie denselben elementaren Ursprung haben ("Eadem omnibus principia eademque origo", Z. 5).
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Diese naturrechtliche Gleichheit gründet in der stoischen Vorstellung, dass das Universum beziehungsweise die Weltvernunft der gemeinsame Ursprung aller Menschen ist ("Unus omnium parens mundus est", Z. 8).
Syntaktische Struktur und Gedankenführung
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Das vorangestellte Akkusativobjekt in der Satzfügung "Servum qui negat dare aliquando domino beneficium" (Z. 1) rückt den Sklaven als zentralen Themafokus durch eine grammatikalische Frontstellung unmittelbar in den Blickpunkt des Lesers.
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Die prägnante Antithese "cuius animi sit [...] non cuius status" (Z. 2) stellt in parallelem Aufbau die Überlegenheit der inneren Geisteshaltung gegenüber dem äußeren Sozialstatus heraus.
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Mehrere Verbellipsen, wie etwa die fehlenden Formen von esse in "Eadem omnibus principia eademque origo" (Z. 5) und "Nemo altero nobilior" (Z. 5), verleihen den Aussagen eine argumentative Dichte und den Charakter allgemeingültiger Lehrsätze.
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Der Textabschnitt mündet in die pointierte Sentenz "Unus omnium parens mundus est" (Z. 8), in der das Hyperbaton "Unus [...] mundus" den All-Ursprung umschließt und den Gedankengang zur Gleichheit aller Menschen vor der Natur abrundet.
Rhetorische Figuren und Bildsprache
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Die Tugend wird in einer dynamischen Personifikation vorgeführt ("Nulli praeclusa virtus est: omnibus patet, omnes admittit, omnes invitat", Z. 2–3), indem ihr ein aktives, offenes Welthandeln zugeschrieben wird.
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Das asyndetische Trikolon in Kombination mit einer Anaphora und einem Polyptoton ("omnibus patet, omnes admittit, omnes invitat", Z. 2–3) verstärkt rhythmisch die Aussage, dass die Tugend für ausnahmslos jeden Menschen erreichbar ist.
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Das weitgreifende Polysyndeton "et ingenuos et libertinos et servos et reges et exules" (Z. 3) stellt gegensätzliche gesellschaftliche Ränge nebeneinander und hebt aufzählend die universelle Gültigkeit dieses Anspruchs hervor.
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Die Metapher "nudo homine contenta est" (Z. 4) verdeutlicht bildhaft, dass die Tugend den Menschen frei von allen äußeren Standessymbolen, Ämtern und Reichtümern bewertet.
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Die rhetorische Frage "non noti magis quam nobiles sunt?" (Z. 7–8) nutzt ein Wortspiel beziehungsweise eine ethymologische Paronomasie zwischen bekannter Herkunft ("noti") und wahrem Adel ("nobiles"), um den äußeren Ahnenkult der römischen Elite zu entlarven.
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Die bildhafte Beschreibung des Ahnenkults ("longo ordine ac multis stemmatum illigata flexuris", Z. 6–7) veranschaulicht durch eine verschachtelte Wortstellung die Äußerlichkeit und Verstrickung in gesellschaftliche Konventionen.
Darstellung des nobilis Verres und der Sklaven bei Cicero (Material 2)
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Cicero zeichnet ein moralisch verwerfliches Bild des adligen Statthalters Verres, indem er dessen Taten mit denen rechtloser Sklaven, Ausreißer und Barbaren vergleicht und ihn ethisch weit unter diese stellt.
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Verres gehört zwar dem Geburtsadel an, unterwirft sich jedoch seinen eigenen Begierden und wird dadurch zum Knecht seiner Lüste ("neque tam servi illi dominorum quam tu libidinum").
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Während die Sklaven im sizilischen Aufstand lediglich ihren Herren entflohen sind, setzt sich Verres über die Grundfesten des Staates hinweg und ist ein Flüchtling vor Recht und Gesetz ("neque tam fugitivi illi ab dominis quam tu ab iure et ab legibus").
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Die Sklaven sind nur durch ihre Sprache und Herkunft fremd, Verres hingegen zeigt eine zutiefst barbarische Wesensart und Gesinnung ("neque tam barbari lingua et natione illi quam tu natura et moribus").
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Verres übertrifft die Aufständischen an Gemeinheit, Verwegenheit, Frevelmut sowie Grausamkeit ("qui indignitate servos, temeritate fugitivos, scelere barbaros, crudelitate hostes vicerit") und macht sich zum Feind der unsterblichen Götter ("quam tu dis immortalibus").
Vergleich mit den Ausführungen Senecas (Material 1)
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Entkopplung von Stand und Moral: Beide Autoren stimmen darin überein, dass der rechtliche und soziale Stand eines Menschen nicht dessen sittlichen Wert bestimmt. Bei Seneca entscheidet primär die Geisteshaltung und nicht der Status ("cuius animi sit [...] non cuius status", Material 1, Z. 2). Dies deckt sich mit Ciceros Entlarvung des adligen Verres, der trotz seiner Nobilität sittlich unter Sklaven steht.
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Entwertung äußerer Standeszeichen: Seneca legt dar, dass Stammbäume und Ahnenbilder im Atrium jemanden lediglich bekannt, aber keineswegs wahrhaft adelig machen ("non noti magis quam nobiles sunt", Material 1, Z. 7–8). Cicero veranschaulicht genau diese These an Verres, dessen gesellschaftlicher Rang eine bloße Fassade bleibt, da sein Charakter ("natura et moribus", Material 2) zutiefst verdorben ist.
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Unterschiedliche Zielsetzung und philosophischer Rahmen: Seneca vertritt eine stoisch-universalistische Ethik, die jedem Menschen unabhängig von seinem Stand den Zugang zur Tugend zuspricht ("Nulli praeclusa virtus est", Material 1, Z. 2) und die naturrechtliche Gleichheit aller betont ("Eadem omnibus principia eademque origo", Material 1, Z. 5). Cicero hingegen nutzt die Argumentation nicht zur Aufhebung von Standesunterschieden, sondern rhetorisch-forensisch als Invektive im Strafprozess.
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Funktion des Sklavenbildes: Während Seneca den Sklaven als moralfähiges Individuum anerkennt, das seinem Herren Wohltaten erweisen kann ("Servum qui negat dare aliquando domino beneficium", Material 1, Z. 1), dienen die Aufständischen bei Cicero als rhetorische Negativfolie. Sie bilden den untersten gesellschaftlichen Maßstab, den Verres durch sein maßloses Fehlverhalten noch unterbietet.
Definition des homo novus und der Nobilität
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Als homo novus galt in der römischen Republik ein Mann, der als Erster aus seiner Familie ein kurulisches Amt, insbesondere das Konsulat, erreichte.
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Die Nobilität war kein rechtlich fixer Geburtsstand, sondern ein faktischer Amtsadel, der sich über konsularische Vorfahren definierte und den Zugang zur Verfassungselite kontrollierte.
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Der Aufstieg in diesen Amtsadel bot zwar soziale Reputation, war jedoch aufgrund des oligarchischen Charakters der Republik mit extrem hohen Barrieren versehen.
Chancen und Erfolgsfaktoren am Beispiel Ciceros
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Überragende rhetorische und juristische Begabung: Cicero nutzte seine Karriere als Anwalt, um sich durch aufsehenerregende Prozesse – wie die Anklage gegen den Adligen Verres im Jahr 70 v. Chr. – Bekanntheit und Einfluss zu verschaffen.
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Soziales Kapital und finanzielles Fundament: Als Angehöriger des Ritterstandes (ordo equester) aus Arpinum verfügte er über das notwendige Mindestvermögen sowie über Verbindungen zu einflussreichen Patronen in Rom.
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Strikte Einhaltung der Regelstrukturen: Cicero durchlief sämtliche Stufen des cursus honorum (Quaestur, Aedilität, Prätur, Konsulat) jeweils im frühestmöglichen Alter (suo anno).
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Systemkonforme Ausrichtung und politische Bündnisse: Cicero gewann die Unterstützung der Optimaten, indem er sich als Bewahrer der bestehenden Ordnung (concordia ordinum) inszenierte und in der Krise um Catilina für den Senatsadel als kleineres Übel erschien.
Strukturelle Hürden für gesellschaftliche Aufsteiger
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Monopolisierung der Macht durch die Nobilität: Etablierte Adelsfamilien betrachteten das Konsulat als ihr erbliche Prärogative und begegneten Neulingen im politischen Betrieb oft mit Verachtung.
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Klientelwesen und Wahlsystem: Die nach Vermögen gestaffelten Zenturiatskomitien begünstigten den Senats- und Ritterstand, während die nobiles über riesige traditionelle Gefolgschaften (clientelae) verfügten.
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Hohe finanzielle Belastung: Der Wahlkampf (ambitio), die Verteilung von Geschenken und die Ausrichtung öffentlicher Spiele erforderten finanzielle Mittel, die Aufsteiger ohne familiäre Vorleistungen schwer aufbringen konnten.
Abschließende Beurteilung
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Die Aufstiegsmöglichkeiten in den Amtsadel waren in der römischen Republik theoretisch gegeben, in der Praxis jedoch äußerst selten und an strenge Voraussetzungen gebunden.
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Ein Aufstieg gelang nur Persönlichkeiten mit exzellenter Bildung, außergewöhnlicher Ausstrahlung, beträchtlichem Vermögen und der Bereitschaft, sich der bestehenden Ordnung anzupassen.
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Ciceros Karriere beweist die punktuelle Durchlässigkeit des römischen Systems; als seltene Ausnahme bestätigt sein Erfolg jedoch eher die Regel der oligarchischen Abschottung der Nobilität.