Block II – Analyse und Interpretation
Aufgabe mit schriftlichem Schwerpunkt und gestalterischem Anteil

Caspar David Friedrich (1774-1840)
Der Mönch am Meer, 1808-1810
Öl auf Leinwand
110 × 171,5 cm

George Grosz (1893-1959)
Stützen der Gesellschaft, 1926
Öl auf Leinwand
200 × 108 cm

David Hockney (* 1937)
Selbstbildnis mit blauer Gitarre, 1977
Öl auf Leinwand
152,4 × 182,9 cm

Wolfgang Tillmans (* 1968)
Lutz and Alex sitting in the trees, 1992
Chromogendruck
184,5 × 135 cm
Beschreibung
Wähle aus den beiliegenden Reproduktionen ein Werk aus und begründe deine Wahl.
Schilder deine ersten Eindrücke und beschreibe die dargestellte Situation.
Analyse
Analysiere das Werk im Hinblick auf Gegenstand, Komposition, Form, Farbe und Raum.
Unterstütze deine Untersuchungen durch entsprechende Skizzen und Studien.
Präsentiere deine bildnerischen Ergebnisse angemessen.
Interpretation
Interpretiere das Werk und stelle dabei deine Sicht auf das Thema DENKBARES – SICHTBARES – FÜHLBARES dar.
Ordne das Werk kunsthistorisch ein und begründe die Zuordnung unter Berücksichtigung deiner Analyseergebnisse.
Materialien und Geräte:
beiliegende Reproduktionen, diverse Mal- und Zeichenpapiere, Transparentpapier, Stifte, Kreiden, Farben, Pinsel, Kopierer, weißes Kopierpapier zum Schreiben (gestempelt)
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Eindrücke, Analysiere und Interpretation der Werke
1. Caspar David Friedrich: Der Mönch am Meer, zwischen 1808 und 1810
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Natur in beeindruckender Form
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ein unendlich weiter Himmel löst in seinen düsteren Farben Einsamkeit aus
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ein kleiner Mönch steht verloren am Strand, in Blickrichtung das fast schwarze Meer
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dieses querformatige Landschaftsbild zählt zu den bekanntesten Werken des Künstlers
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ein Bild, welches durch horizontale Linien geprägt ist, fast wie übereinanderliegende Schichtungen; die einzige Vertikale bildet der im unteren Drittel stehende Mönch
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der Strand stellt ein stumpfes Dreieck dar, an dessen Spitze die zum Meer blickende Figur steht
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das fast schwarze Meer mit seinen kurzen weißen Schaumkronen wird durch eine schnurgerade Horizontlinie vom wolkenverhangenen Himmel getrennt
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gleichsam trennt es streng das Irdische vom Himmlischen, wobei der Himmel mit 5/6 den überwiegenden Teil ausmacht
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die scheinbar nach rechts ziehende Wolkendecke könnte als gespiegelte Form zum Ufer gesehen werden
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durch die Position der Figur wird das Kompositionsschema des Goldenen Schnitts deutlich
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die perspektivische Tiefe wird durch Farbe ausgelöst und trägt zum Gefühl der Unendlichkeit bei
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die Dunkelheit des Meeres im Gegensatz zum Strand und den helleren Lasurschichten des Himmels stehen in einem Hell-Dunkel-Kontrast
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das valeuristische Farbkonzept in den Blautönen trägt zur kalten Stimmung des Bildes bei
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Blauviolett als Farbe der Melancholie wird durch gelbliche Ockertöne gesteigert
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durch Skizzen und Studien zu belegen
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die kleine Rückenfigur mit scheinbar vor der Brust gefalteten Händen am unteren Bildrand scheint uns mit in die Szene hinein nehmen zu wollen
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dabei ist deren Identität nicht eindeutig erkennbar, nur der Titel und das kuttenartige lange Gewand deuten auf einen Geistlichen hin und können Bezug zu Friedrichs Religiosität sein
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der sich in einer tiefen Phase des Sinnsuchens befindliche Künstler stellt hier den von Naturgewalten umgebenden Menschen dar
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Natur erhält hier eine religiöse Größe
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damit gilt das Bild als romantisches Motiv schlechthin
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das Verhältnis zwischen Mensch und Natur wird durch die Größenverhältnisse sichtbar
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sich klein fühlen in einer unendlich großen von der Natur geprägten Welt, ohne die Lasten der Zivilisation – mit oder ohne Spiritualität, macht neue Gedanken möglich und setzt Gefühle frei
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ein Zustand inniger Einkehr, der die Bedeutungen des eigenen Ichs verrückt
2. George Grosz: Stützen der Gesellschaft, 1926
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karikierte Männertypen in absurder Situation
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so befinden sich die drei im Vordergrund an einem Tisch, ausdrucksstarkes Beiwerk verrät ihre Profession, das, was sich in ihren Köpfen abspielt, ist offengelegt und wenig schmeichelhaft, denn es stinkt ganz offenbar
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im Hintergrund agieren zudem ein grimmiger Richter sowie ein ebensolcher Offizier vor einer brennenden Kriegskulisse
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deutlich wird in dieser Malerei das Montageprinzip: viel Geschehen ist hier verdichtet und stützt den aussagekräftigen Inhalt
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der Mann, der dem/der Betrachtenden am nächsten ist, ist mit einem Anzug bekleidet, sein weißer Hemdkragen ist von einer Krawatte umschlossen, in der als Nadel ein Hakenkreuz steckt, die deutschen Farben fließen zudem als schmales Band über den Schlips
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in der linken Hand hält er einen gefüllten Bierkrug, in der rechten einen Säbel
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sein Gesicht ist im Profil zu sehen: ein Monokel verdeckt das linke Auge, die Wange darunter ist rotgeädert, die Nase spitz und der geöffnete Mund zeigt gelbe Zähne
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die interessanteste Passage bildet jedoch der geöffnete Kopf: ein bewaffneter Soldat auf einem Pferd spukt dort umher, wo das Gehirn sein sollte
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die Herren hinter ihm tragen auch Anzüge und weiße Hemden, daneben aber auch Utensilien, die den linken als mit Zeitungen und Feder bewaffneten Journalisten und den rechten wie einen Fabrikanten aussehen lassen, in ihren Köpfen befindet sich stinkender Unrat, konkret Urin, der mit einem Nachttopf abgedeckt ist, und ein Haufen dampfender Kot, der dem beleibten Unternehmer anstelle des Hirns gegeben ist
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der Richter, der im Talar hinter ihnen steht, zeigt sich seitlich in der großen Pose einer Urteilsbegründung, der noch weiter hinten nach rechts marschierende Offizier trägt nicht nur Uniform, sondern auch einen blutbeschmierten Säbel und eine Pistole, sein Gesichtsausdruck ist fanatisch und erbarmungslos
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im äußersten Hintergrund zeigt sich dann das, wohin das Bestreben dieser Männer geht: ein Kriegsgeschehen mit einem brennenden Haus
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insofern ist die Komposition inhaltlich gestaffelt in Planung-Beschluss-Durchführung, nichts ist zufällig, wenngleich es formal gestreut erscheint
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die Farben steigern sich auch in Richtung Hintergrund, sie beginnen mit erdigen Beigetönen in den Anzügen der Vordergrundfiguren, werden zur Mitte hin dunkler und zeigen hinten starke Rottöne, die mit den grünlichen Beigetönen der Militärkleidung des Offiziers einen Komplementärkontrast eingehen, das Hell-Dunkel erscheint durchgängig kontrastreich
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Räumlichkeit ergibt sich vornehmlich durch Überschneidungen sowie die starke Licht-Schatten-Modulation
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die Formensprache entspricht dem Berliner Verismus, ist im Sinne einer Karikatur vereinfacht und ausdrucksstark
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durch Skizzen und Studien zu belegen
Denkbares, das sich hier auftut, könnte innerhalb und außerhalb des Bildes gefunden werden:
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in den Köpfen der Männer zeigen sich Kriegsfantasien und Exkremente
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George Grosz, ein veristischer Maler der Weimarer Republik, prangert hier Militaristen und Industrielle, die stets vom Kriegsgeschehen profitieren, gleichermaßen an, er erinnert an gewesenes Grauen und ahnt neues voraus
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die „Stützen der Gesellschaft“ bescheren dieser den Untergang, stärker kann Ironie nicht sein
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Kriegswahnsinn muss aufhören
Quelle:
Thomas, Karin u. a.: Kunst Bildatlas, Ernst-Klett-Verlag, Stuttgart 2007
3. David Hockney: Selbstbildnis mit blauer Gitarre, 1977
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ein statisch anmutender Raum mit stark perspektivischer Orientierung, in dem David Hockney sitzt; wirkt konstruiert und unvollendet
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nur durch die in die Tiefe verlaufenden Linien der Gegenstände und den angeschnittenen Vorhang ist das Bild als Darstellung eines Raumes sichtbar
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alles hat seinen Platz, wirkt einzeln und gleich wichtig, jedoch haben die Objekte einen Bezug zueinander
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der zur Seite gezogene Vorhang ermöglicht einen stillen beobachtenden Blick zum zeichnenden Künstler in seinem Atelier
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im rechten Vordergrund des Bildes ist eine in die Tiefe hinabgehende Treppe sichtbar; ohne Rahmen erscheint das Treppenauge in Holzoptik
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links daneben befindet sich ein hellblauer Teppich, auf dem in Dunkelblau der Schatten des auf ihm stehenden Stuhles erkennbar ist
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der Stuhl vorn sowie auch der, auf dem der Künstler selbst sitzt und das angedeutete Haus dahinter sind in roten Linien grafisch dargestellt
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ebenfalls im Vordergrund, am rechten Bildrand befindlich, ist ein in Falten gelegter, leicht angeleuchteter Vorhang zu sehen
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an einem großen violett-gepunkteten Tisch sitzend, im Mittelgrund des Gemäldes, der über ein Zeichenblatt gebeugte konzentrierte Künstler neben einer Blumenvase
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darunterliegend ein ebenso rechteckiger Teppich mit hellblau-roten Streifen
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David Hockney ist bekleidet mit einem hell- und dunkelgrün gestreiften Shirt mit weißem Kragen, einer rostbraunen Hose und braunen Schuhen; er hat weißblonde Haare und trägt eine dunkle Brille
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auf dem Tisch befinden sich weiterhin eine mit Wasser gefüllte Glasvase mit rötlichen Tulpen, ein Buch, am vorderen Tischrand fünf gleich große Schraubgefäße mit unterschiedlichen Deckelfarben, vermutlich ebenso mit Farben gefüllt, und ein weißes Blatt oder ein Block neben dem Papier, auf dem er gerade zeichnet
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nach hinten in den Raum hinein wird ein auf Vasenhöhe befindlicher eckiger gelber Streifen geführt, der auf Höhe des Rückens des Künstlers endet, daneben eine weich fließende blau-rot-gestreifte Schnur, die nach hinten blasser wird
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linksseitig befindet sich auf Höhe des beginnenden Tisches ein Ausschnitt eines rot-violett-gekreuzten Musters, durch dies werden dahinterliegende Gegenstände sichtbar
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dahinter befindet sich schwebend eine türkisfarbene Fläche, auf der eine graue Büste zu stehen scheint, dahinter eine stehende Glasscheibe
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vereinzelt zeigen sich leicht Schatten, die aber entweder nach rechts oder links geführt werden
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durch Parallelperspektive mit einem Fluchtpunkt rechts außerhalb des Bildes liegend, erscheint die Ansicht aus stehender Position
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eine offen gehaltene Komposition mit einem starken Form-an-sich-Kontrast, der zugunsten rechteckiger Formen und weniger runder Formen ausfällt
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das Gemälde ist durch hellere Farben und nur wenige Dunkelheiten geprägt
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der dargestellte Raum erscheint im ebenmäßigen Licht von oben
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Person, Gegenstände und abstrakte Formen sind malerisch und teils grafisch auf einem hellen, wahrscheinlich unbearbeiteten Untergrund aufgebracht
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die Farben Blau, Grün, Rot und Violett tauchen im Bild mehrfach immer auf das Objekt bezogen an unterschiedlichen Stellen auf
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Farben verwendet Hockney koloristisch
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durch Skizzen und Studien zu belegen
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ein ruhig zeichnender Künstler in seinem Atelier arbeitend - einem geschützten Raum in dem Denkbares, Sichtbares, Fühlbares entsteht
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Anleihen an Picassos kubistisches Werk der Dora Mar - in Form der Plastik - und der Gitarre - als Zeichnung auf dem Tisch - werden aufgegriffen und scheinen Hockney stark inspiriert zu haben
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realistische und abstrakte Elemente treffen aufeinander und zeigen die Auseinandersetzung mit künstlerischen Positionen, um diese zu sehen, zu denken und zu fühlen
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inspiriert durch das Gedicht des Amerikaners Wallace Stevens „The Man with the Blue Guitar“ von 1937 wird scheinbare Wirklichkeit von beiden in Frage gestellt
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sichtbare Realität deutet in diesem Gemälde auf gefühlte und gedachte Realität des Künstlers hin
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der englische Künstler David Hockney kann in die Pop-Art eingeordnet werden
4. Wolfgang Tillmans: Lutz and Alex sitting in the trees, 1992
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wie auf einem Schnappschuss zeigt der Fotograf hier zwei Menschen, die auf einem Baum sitzen
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die beiden Figuren wirken etwas merkwürdig, da sie nur mit einem Mantel bekleidet sind und wie gerade eben hochgeklettert im Baum sitzen
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inmitten der dichten Natur scheinen sie wie ungeschützte zerbrechliche Wesen
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die Feuchtigkeit des Waldes scheint in satten Grüntönen erahnbar
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hauptsächlich sieht man von der Natur zwei Laubbäume, die ausschnitthaft dargestellt werden
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der vordere Baum ist auf der rechten Seite befindlich, etwas dünner, glattrindig und wenig belaubt, der hintere Baum steht linksseitig und hat eine stark gefurchte Rinde
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beide Figuren sitzen auf dem vorderen rechten Baum, auf unterschiedlichen Ästen und Höhen
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sie scheinen etwas höher geklettert zu sein, da kaum Waldboden am unteren Bildteil erkennbar ist
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die untere Figur erscheint männlich und sitzt mit einem roten Lackmantel bekleidet auf einem Ast, an dem sie sich mit der linken Hand festhält, die rechte Hand berührt dabei den Ast über ihr
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auf diesem sitzt die zweite Figur, die bei genauerer Betrachtung weiblich erscheint; erkennbar wird dies an einer flach ausgewölbten Brust, die aus dem Mantel hervorlugt; sie ist mit einem grünlichen und etwas zu großen Parka bekleidet
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beide tragen gleichmäßig kurz rasierte brünette Haare
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im Hintergrund sind hellere grüne Töne erkennbar, die auf etwas niedrigere Bäume hindeuten
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in der Farbfotografie ist ein ausgeprägter Komplementärkontrast zwischen dem roten Lackmantel und den vielen Grüntönen des Waldes und ihrer Jacke erkennbar
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ein Hell-Dunkel-Kontrast entsteht zwischen den Schattenbereichen unterhalb der Gesäße der beiden Sitzenden und dem helleren Hintergrund
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es liegt eine Tageslichtsituation vor
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jede der beiden Bildhälften des Hochformats beinhaltet einen hochgewachsenen Baum und eine Figur, die eine in der unteren Hälfte links, die andere in der oberen Hälfte rechts, verbunden sind beide Bildhälften durch die beiden nach links gewachsenen Äste des rechten etwas schräg gewachsenen Baumes
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die beiden Menschen sitzen nahezu identisch, aber spiegelverkehrt in ihrer Haltung im Geäst
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die eine Figur schaut nach unten, die andere schaut leicht verschmitzt in die Kamera
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durch Skizzen und Studien zu belegen
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ironischer Verweis auf die Geschichte von Adam und Eva, indem beide ihre Rollen in Form der Jacken getauscht haben
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der 1968 geborene deutsche Künstler nimmt sich (s)einer Jugend an und transportiert das Lebensgefühl der Generation in die Fotografie
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er stellt nicht dar, was er sieht, sondern inszeniert ganz genau, um Authentizität zu schaffen
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junge Menschen, die über ihr Leben lachen, sich alles zutrauen, für die keine Konvention eine Gültigkeit hat – förmlich ohne Erdung
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die Inszenierung eröffnet so vielfältige Denkräume, z. B. Lebensfreude, Freiheit, Rebellion