Block III – Entwurf
Aufgabe im Bereich Design mit schriftlichem Anteil

Paul Wunderlich: Frau mit Glas und Hund

Franz Gertsch: Barbara und Gaby 3/74

Clemens Gröszer: Männer

Karl Lagerfeld: Modezeichnungen
Vorarbeiten
Skizziere bildhaft und schriftlich verschiedene Ideen für ein Kleidungsstück mit einem Accessoire zum Thema SCHEIN UND SEIN unter Beachtung von technischen und gestalterischen Varianten.
Entwurf
Gestalte auf der Grundlage deiner Vorarbeiten einen Modeentwurf zum Thema SCHEIN UND SEIN.
Präsentiere deine bildnerischen Ergebnisse angemessen.
Reflexion
Reflektiere deine Gestaltungsentscheidungen im Kontext mit funktionalen, ästhetischen und symbolischen Aspekten.
Materialien und Geräte:
beiliegende Reproduktionen, Skizzenpapier, Transparentpapier, Tonpapiere, weißer Mal- und Zeichenkarton, Blei- und Farbstifte, Kreiden, Fineliner, Kugelschreiber etc., Lineal, Zeichendreiecke, Zirkel, Aquarell-, Acryl- und Deckfarben, Pinsel, Schere, Klebstoff, Collagematerial, Kopierer
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Grundidee:
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Der „Spiegel-Mantel“
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Konzept: Ein langer Oversize-Mantel, dessen Oberfläche aus Hunderten kleinen, reflektierenden Plättchen und besteht.
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SCHEIN und SEIN: Normalerweise wird ein Kleidungsstück im Spielgel betrachtet. Mit diesem Mantel passiert das Gegenteil: Er passt sich seiner Umgebung an, sticht heraus, hält den Menschen den Spiegel vor. Es geht nicht mehr um das Kleidungsstück an sich, sondern die Umgebung darum, die das Aussehen bestimmt.
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Umsetzung: Studien zu Körperhaltung und Bewegungen. Modellierung des Mantels aus reflektierenden Papierschnipseln, ggf. Perlen o. ä., und mit Graphitstift oder Fineliner schraffierten Stellen.
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Bewertet wird:
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thematischer Bezug auf SCHEIN UND SEIN in bildnerischen Überlegungen
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Ansätze zu originellen, überraschenden, eigenwilligen und funktionalen Lösungen
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Suche nach Varianten und Vielfalt
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gestalterische Auseinandersetzung mit Farbe, Form, Kontrasten, Komposition und Material
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spannungsreiche Ordnung der Bildobjekte im Format
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Notizen
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Intensität der Auseinandersetzung
Entwurf
Umsetzung:
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Komposition: Eine Frau, frontal im Fokus, sie befindet sich in der Bildmitte, die Perspektive ist leicht von unten gewählt. Sie läuft auf einer gepflasterten Straße wie auf einem Laufsteg, um sie herum Passanten, die ihr neugierige Blicke zuwerfen. Der Hintergrund (Läden, Straße, Bäume) ist nur schemenhaft angedeutet.
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Sie trägt einen Mantel, der aus hunderten kleinen spiegelnden Fragmenten besteht. Die Form des Mantels ist organisch und fließend, was im Kontrast zu den mosaikartigen, kantigen Fragmenten steht.
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Der Mantel reflektiert die Farben und Konturen seiner Umgebung, und wirkt dadurch fast bunt. Die Trägerin rückt in den Hintergrund und wirkt identitätslos
Bewertet wird:
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Auseinandersetzung mit den bildnerischen Vorarbeiten
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konsequente Auswahl von Gestaltungsansätzen
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Komposition und Figur-Grund-Bezug
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überzeugendes Zusammenspiel von Farbe, Form und Material
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Beherrschen der jeweils gewählten Technik
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Intensität und Originalität im Sinne von SCHEIN UND SEIN
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einprägsame und anregende Gesamtaussage
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angemessene Präsentation
Reflexion
Reflexion der Gestaltungsentscheidungen:
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Funktionale Aspekte:
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Schutz durch Anpassung: Der Mantel fungiert als „urbane Camouflage“. Er schützt das Individuum, indem er es optisch mit der Umgebung verschmilzt.
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Kommunikation: Die Kleidung dient als Medium, das nicht das „Ich“ sendet, sondern die Umwelt reflektiert.
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Ästhetische Aspekte:
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Form-Kontrast: Die Spannung entsteht durch die organisch-fließende Schnittführung (weich) im Gegensatz zur fragmentierten Mosaikstruktur der Spiegel (hart/kantig).
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Licht und Farbe: Der Mantel besitzt keine Eigenfarbe; seine Ästhetik ist rein reflexiv und damit flüchtig und vom Standort abhängig.
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Symbolische Aspekte:
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Verlust des „Seins“: Die totale Spiegelung symbolisiert die Aufhebung der eigenen Identität zugunsten einer perfekten gesellschaftlichen Anpassung.
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Projektionsfläche: Die Trägerin wird zum Objekt, in dem sich andere (die Passanten) nur selbst sehen – ein Sinnbild für die Oberflächlichkeit des SCHEIN.
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Kunstgeschichtlicher Bezug (Impulsbilder):
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Karl Lagerfeld: Übernahme der klaren, heroisierenden Linienführung der Modezeichnung (Zentralperspektive).
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Franz Gertsch: Fokus auf die inszenierte Momentaufnahme und die Stofflichkeit (Reflexion vs. Umgebung).
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Clemens Gröszer: Umkehrung seines Motivs; statt provokanter Abgrenzung (Punk) wird hier die radikale Anpassung als Maske thematisiert.
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Paul Wunderlich: Die maskenhafte Anonymität der Person, die hinter der glatten, künstlichen Oberfläche des Mantels verschwindet.
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Bewertet wird:
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Eingehen auf spezifische Gestaltungsentscheidungen
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Reflexion funktionaler, ästhetischer und symbolischer Aspekte
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Schlüssigkeit der Argumentation und angemessener sprachlicher Ausdruck