Block II – Analyse und Interpretation
Aufgabe mit schriftlichem Schwerpunkt und gestalterischem Anteil

Edouard Manet
(1832-1883)
Mademoiselle V… im Kostüm einer Espada1, 1862
1 Espada (aus dem Spanischen), hier: Stierkämpferin, Fechterin.
Öl auf Leinwand
165,1 × 127,6 cm

Gustav Klimt
(1862-1918)
Emilie Flöge, 1902
Öl auf Leinwand
178 × 80 cm

Suzanne Valadon
(1865-1938)
Das blaue Zimmer, 1923
Öl auf Leinwand
90 × 116 cm

Tamara de Lempicka
(1898-1980)
Junges Mädchen mit Handschuhen, 1927-1930
Öl auf Holz
61,5 × 45,5 cm
Beschreibung
Schildere deine ersten Eindrücke zu einem der oben aufgeführten Werke und beschreibe die dargestellte Situation.
Analyse
Analysiere das Werk im Hinblick auf Gegenstand, Komposition, Form, Farbe und Raum.
Belege deine Untersuchungen durch entsprechende Skizzen und Studien.
Präsentiere deine bildnerischen Ergebnisse angemessen.
Interpretation
Interpretiere das Werk unter Berücksichtigung deiner Analyseergebnisse und Sicht auf das Thema SCHEIN UND SEIN sowie einer kunsthistorischen Einordnung.
Materialien und Geräte:
Beiliegende Reproduktionen, diverse Mal- und Zeichenpapiere, Transparentpapier, Stifte, Kreiden, Farben, Pinsel, Kopierer, weißes Kopierpapier zum Schreiben (gestempelt)
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1. Edouard Manet: Mademoiselle V… im Kostüm einer Espada, 1862
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Frau in der Gestalt eines männlichen Espada oder Matadors im Mittelpunkt des hochformatigen harmonisch wirkenden Bildes
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klare, zentrale Anordnung der Frauenfigur vor erzählendem Hintergrund, welcher auf Goya zurückgeht: Stierkampfarena mit männlichem Matador, rechts von der Hauptfigur, auf einem Pferd mit Stier kämpfend, Körper voller Spannung, Bewegung eingefangen, sowie andere Matadore stehend, sich unterhaltend an der Arenawand, weiterer Matador im dunkelblauen Kostüm über die Mauern kletternd angeschnitten, typisch für den Impressionismus
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aufrechte, gespannte Pose, wie entlehnt aus einem Renaissance-Werk, seitlich stehend, aber den Blick dem Betrachter zugewandt und der gespannten, teilweise bedrohlich aussehenden Szene im Hintergrund abgewandt
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die Haltung einerseits selbstbewusst und herausfordernd, was die Macht und Dominanz der dargestellten Espada betont, anderseits Anschein, als wenn sie am Betrachter vorbeischaut und gedankenversunken ist
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Arme zum linken Bildrand ausgestreckt und ein Tuch in der einen und ein Schwert in der anderen Hand etwas nachlässig haltend, sodass das Posieren in den Vordergrund drängt
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braune mit weißem Schleifchen bestickte Schuhe und das rosa Tuch sind für den Stierkampf untypisch
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große unmodellierte Farbflächen; Figuren im Hintergrund in sehr groben Pinselstrichen und flächig, sodass Details verlorengehen und Figuren nur schemenhaft dargestellt sind
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Kontrast zwischen detailliertem, sehr stark modelliertem Körper im Vordergrund, was durch die klaren Linien und Konturen des Kostüms hervorgehoben wird, und flüchtig gemalter Hintergrund mit eigentlichem Stierkampf
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zurückhaltende Farbpalette aus überwiegend Brauntönen und deren ausgewogene Verteilung der Farben schaffen ein valeuristisches Bild
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dunkles Braun im unteren und oberen Teil des Bildes lässt zusammen mit dem hellbraunen sandfarbenen Hintergrund die Haltung sowie ihr Gesicht in den Mittelpunkt rücken
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farbige Akzente in den verschiedenen Tüchern der Hauptfigur bilden verhaltene Komplementärkontraste
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schwarze Kleidung berühmt für Bilder aus Barock bzw. für den spanischen Maler Diego Velázquez, der für Manet zum Vorbild diente
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Manet steht zwischen Realismus und Impressionismus
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Spiel mit dem Schein: selbstbewusstes Posieren eines Matadors, während eigentlicher Kampf im Hintergrund abläuft
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für das 19. Jahrhundert untypische Szenerie, gerade durch die Rolle der Frau – diese Diskrepanz wird durch Farbauftrag, Farbmodellierung und Komposition hervorgehoben
Ansätze und Ideen für Skizzen
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Einzeichnen der maßgebenden Richtungen und Dynamiken im Bild durch Linien und Pfeile
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Darstellen der Komposition und Farbigkeit
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Kontraste zwischen Kampf und Posieren
2. Gustav Klimt: Emilie Flöge, 1902
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elegante Dame posiert in atemberaubendem Kleid als Senkrechte im provozierend gestreckten Hochformat
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direkter Blickkontakt zum Betrachter
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Kontrast zwischen stark vereinfachtem Hintergrund, ornamentaler Flächigkeit des Kleides und fotografisch genauer Wiedergabe von Kopf und Händen
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die Dargestellte steht die linke Hand an die Hüfte gestützt aufrecht im Bild, feingliedrige Finger werden dabei offenbar
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ihr durch unzählige und kostbare Ornamente geschmücktes Kleid ist sehr schmal geschnitten und betont den schlanken Körper; während ein länglicher Ausschnitt einen dezenten Einblick in das Décolleté bietet, schließt sich ein Kragen eng an den Hals, ein dekorativer Aufbau erhebt sich vom Schulterbereich wie ein Heiligenschein hinter dem Kopf
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das besonders betonte Gesicht ist von dunklen üppigen Locken gerahmt, die etwas über Kinnhöhe enden; der laszive Blick, der von etwas umschatteten Augen und Wangenrot flankiert ist, trifft eine vertraute Person; die orthogonale Nasenlinie sowie die schmalen geschlossenen Lippen verleihen Würde und etwas Strenge
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der Hintergrund zeigt nur zwei Bereiche, nämlich Himmel und Erde, die nicht weiter differenziert sind und damit auch nicht von der Porträtierten ablenken
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die Komposition erscheint beinahe als Mittelsenkrechte, jedoch kaum symmetrisch, was durch die Haltung der Emilie Flöge sowie das aufgestellte Kragenelement verursacht wird; auch die Horizontlinie ist nur etwas aus der Mitte herausgerückt
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als Farbkontraste wirken der Hell-Dunkel-Kontrast zwischen dem dunklen Haar sowie dem zarten Inkarnat der Frau und der Komplementärkontrast Blau-Orange neben Rot und Grün; Farben, die ornamental im Kleid miteinander verwoben sind
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wie Sternenstaub sind Perlmutt- und Goldakzente über die Kleidung gestreut
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Räumlichkeit zeigt sich vor allem im detailliert gestalteten Kopf sowie in den Händen; im Hintergrund, der von der Figur überdeckt wird, kann höchstens die Verblauung als raumbildend gelten
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Emilie Flöge war nicht nur eine erfolgreiche Geschäftsfrau und Modedesignerin, sondern auch Freundin und Muse des bekanntesten österreichischen Jugendstilmalers Gustav Klimt
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dieser schuf 1902 von ihr dieses besondere Porträt und machte sie so unvergesslich
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durch die Entscheidung, die Räumlichkeit allmählich zu vernachlässigen, wandert der Blick des Betrachters vom lieblichen Gesicht über die schlanke Figur und ruht verzaubert auf dem besonderen Kleidungsstück, in dem sich der Jugendstil, der ca. von 1880 bis kurz nach der Jahrhundertwende währte, mit seiner Ornamentik voll und ganz präsentiert
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ob die schöne Emilie mehr Schein als Sein war, bleibt dabei aber ein Geheimnis
3. Suzanne Valadon: Das blaue Zimmer, 1923
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Valadon zeigt eine moderne Frau des 20. Jahrhunderts; mit schwerem Körper im Schlafanzug leger bekleidet, auf einem Bett sowie auf den rechten Unterarm gestützt liegend und eine Zigarette rauchend, in einer Pose, die im expressionistischen Stil für weibliche Akte traditionell ist
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mit zwei geschlossenen Büchern am Fußende, als wurden sie gerade gelesen
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ihre Augen wenden sich vom Betrachter ab, wie in Gedanken versunken
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Querformat gedrittelt: unteres Drittel das Bett, mittleres Drittel ein liegender Frauenkörper, oberes Drittel die Zimmerwand
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Frau liegt fast diagonal auf dem Bett, was dem Bild eine Dynamik und Spannung verleiht und eine Dreieckskomposition bildet
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blaugeblümtes Bett und Bettvorhang wie ein Rahmen um die Frauenfigur angeordnet
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vorwiegend werden kräftige, leuchtende Farben verwendet: Blau, Orange, Rot und Grün, die Komplementärpaare bilden
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vorherrschende Farbe, wie der Titel verrät, ist Blau, mit weißen Blumenmustern, die sich abstrahierter im Hintergrund wiederholen
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Farbe schafft eine kühle, atmosphärische Stimmung, verschiedene Schattierungen von Blau erzeugen Tiefe und räumliche Dimension im Bild
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Farbe der Haut nicht wie in traditionellen Akten in Marmorweiß, sondern leicht gerötet in verschiedenen Gelb-, Orange- und Rot-Nuancen
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Hell-Dunkel-Kontrast in den Farbtönen der hellen Haut der Frau und ihrer dunklen Haare sowie in den Blautönen des Bettes und der hellbraun-rötlichen Wand, was die weibliche Figur hervorhebt und einen auffälligen Kontrast zur Umgebung schafft
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farbige Schatten in Kleidung, Kissen, Körper unterstützen die Dynamik im Bild und erzeugen Stofflichkeit
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Farbauftrag teilweise grob und schwungvoll, vor allem im Hintergrund sehr stürmisch bewegt, dadurch wirkt die Wand flächig und rau zugleich
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Formen sind weich und geschwungen, sowohl in der Darstellung der Frau als auch in den Linien und Konturen des Bettes und des Raums; dabei sind diese geschickt genutzt, um die Sinnlichkeit der Szene zu betonen
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dennoch scharfe Konturen durch schwarze Linien, die einzelne Bildgegenstände voneinander abgrenzen und die Kühle unterstreichen
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runde, weibliche Kurven der Figur kontrastieren mit den rechteckigen und trapezförmigen Formen des Bettes bzw. den Büchern und der Wand im Hintergrund
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reduzierte Formensprache, keine detaillierte, sondern eher grobe Darstellung des Gesichtes
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diese Frau provoziert mit dem, was sie hat und dem, was sie ist
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ungeschönt, keine Idealfigur und dazu eine Zigarette im Mund
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Sujet erinnert an einige Odalisken, wie sie Henri Matisse und auch Auguste D. Ingres gemalt haben, auch wegen der buntgemusterten Tücher
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Valadon widersetzte sich der stereotypen, idealistischen Darstellung von Frauen, die die sexuelle Anziehung auf traditionelle Weise betonten
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Malerei entstand in einer revolutionären Zeit, als Geschlechterrollen und weibliche Unabhängigkeit in Paris und anderswo in den Vordergrund der gesellschaftlichen Diskussion gerieten; nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stellung von Frauen in der Gesellschaft als Objekt, das von Männern begleitet, von Männern gestaltet und insgesamt von Männern eingeschränkt wurde, durch eine neue Art von Frau ersetzt; Frauen begannen, in Bezug auf Mode und soziale Normen verschiedene Fortschritte zu machen: weibliche Personen trugen kürzere, locker sitzende Kleider, kürzere Bob-Haare, übernahmen traditionell männliche Rauchgewohnheiten und strebten gezielt nach Bildung
4. Tamara de Lempicka: Junges Mädchen mit Handschuhen, 1927-1930
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junge Frau in einem dünnen, grünen Kleid, weißen Handschuhen und einem großen, weißen Hut; schulterlange, hellbraune und goldschimmernde Haare mit exakt geschwungenen Locken
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ihren Kopf leicht nach rechts geneigt, Blick vom Betrachter abgewandt, wirkt kokett
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scheint an ihrem Hut festzuhalten, um ihn nicht an die Brise zu verlieren, auch ihre Haare und Kleidung wirken, als bewegen sie sich zum Wind
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die junge Frau steht im Zentrum des hochformatigen Bildes
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ihr grünes Kleid ist enganliegend und betont die weibliche Figur der Frau mit den üppigen Kurven und gleichzeitig bildet das Kleid eine ausgebreitete Stofffülle
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es ist ausschnitthaft und oberhalb des Knies angeschnitten
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umgeben ist die Dargestellte vom abstrakten, geometrischen grauen Hintergrund, der einen Stuhl oder Sessel andeutet
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die schrägen Linien im Hintergrund und ihr linker, geziert im Schoß abgelegter Arm unterstützen die durch den Wind verursachte Dynamik
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die junge Frau ist in einer sehr flächigen, fast ikonenhaften Weise dargestellt
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ihre Konturen sind glatt und klar, ihre Formen stark stilisiert; das Gesicht ist makellos, ohne sichtbare Details
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die Form des Stuhls ist ebenfalls stark geometrisch, seine rechteckigen und trapezförmigen Elemente unterstreichen den abstrakten Charakter des Hintergrunds
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das dominierende leuchtende und satte Grün des Kleides der Frau steht im Komplementärkontrast zu den satten Rottönen ihrer Lippen, das kühle Farbspiel betont die Schönheit und den Glamour der Dargestellten
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der Hintergrund zeigt sich in verschiedenen Grautönen, die die Kühle und den modernen Charakter des Art-Déco-Stils unterstreichen
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der Raum in diesem Gemälde ist flach und zweidimensional, wenig Anzeichen für Tiefenwahrnehmung oder Perspektive, typisch für den Art-Déco, der oft auf flache, stilisierte Darstellungen setzte
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der Hintergrund verleiht dem Bild nur eine gewisse Räumlichkeit, da er aus mehreren Ebenen und geometrischen Formen und vereinfachten Blöcken, die etwas modelliert sind, besteht; er trägt dazu bei, die Frau in den Vordergrund zu rücken und ihre Präsenz zu betonen
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deutliche Schatten, die den Körper formen und ihn unkonventionell, stilisiert plastisch wie aus Metallteilen wirkend, darstellen
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das sich an ihren Körper schmiegende Kleid erweckt einen Hauch von Erotik, durch den dünnen Stoff zeichnen sich ihre Brüste und ihr Bauchnabel klar ab
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charakteristisches Werk im Art-Déco-Stil, fängt die Eleganz und den Glamour der 1920er Jahre ein
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stellt die Unabhängigkeit der Frau zur Schau sowie Eleganz und Überheblichkeit der mondänen Welt
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Lempicka zeigt menschliches Kunstprodukt, indem sie eine makellose, zur Perfektion stilisierte Frau malte
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das Menschenbild zeigt die kühle Schönheit und das Selbstbewusstsein der dargestellten Frau, während die geometrischen Formen im Hintergrund die moderne Ästhetik dieser Zeit unterstreichen