Block I – Bildgestaltung
Aufgabe mit gestalterischem Schwerpunkt und schriftlichem Anteil
Vorarbeiten
Entwickle in Form von schriftlichen Ansätzen sowie kleinen grafischen und farbigen Skizzen Ideen zum Thema SCHEIN UND SEIN.
Bildstudie
Gestalte auf Grundlage deiner Vorarbeiten eine Bildstudie.
Grafik, Malerei, Collage oder Mischtechnik sind dafür möglich.
Auch eine mehrteilige Arbeit ist denkbar.
Präsentiere deine bildnerischen Ergebnisse angemessen.
Reflexion
Reflektiere deine Gestaltungsentscheidungen im Kontext mit dem Thema und einem kunstgeschichtlichen Bezug.
Materialien und Geräte:
beiliegende Reproduktionen, diverse weiße und getönte Papiere (bis A2), Blei- und Farbstifte, Zeichenfedern und Tuschen, Kreiden, Kohle, Fineliner, Kugelschreiber etc., Aquarell-, Acryl- und Deckfarben, Pinsel, Spachtel, Schere, Klebstoff, Collagematerial, Kopierer
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Ideen und Ansätze:
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Ansatz 1: „Digitaler Barock“ (Farbige Skizze)
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Idee: Ein klassisches Porträt (Anlehnung an Picabia), das durch „Störungs“-Effekte aufgebrochen wird. Der SCHEIN ist die perfekte digitale Oberfläche, das SEIN ist die technologische Störung. Erzeugung einer gewissen Ironie, da technologische Störungen auf einem analogen Werk dargestellt werden.
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Skizze: Portraitskizze, darüber z. B. verpixelte Stellen oder versetzte Streifen, die Teile des Gesichts verschieben.
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Ansatz 2: „Das Stillleben der Überforderung“ (Grafische Skizze)
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Idee: Anlehnung an das zweite Einstimmungsbild. Ein prunkvoller Bilderrahmen. Das Stillleben selbst besteht aus dreckigem Geschirr, oder scheinbar zufällig gewählten Gegenständen. Unordnung als Form der Ästhetik. Prunkvolle Präsentation nach außen (SCHEIN) vs. innerliches Chaos (SEIN).
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Skizze: Komposition aus dreckigen, abgenutzten oder kaputten Gegenständen hinter einem goldenen Bilderrahmen.
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Ansatz 3: „Ebenen-Collage“ (Mischtechnik)
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Idee: Porträt-Umrisse auf durchscheinendem Transparentpapier (oder dünnem weißem Papier), die über Zeitungsausschnitte gelegt werden.
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Skizze: Collage, darüber eine flüchtige Zeichnung mit Fineliner. Thema: Wir sind das, was wir konsumieren.
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Bewertet wird:
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Fähigkeit, die Spezifik von SCHEIN UND SEIN zu formulieren und ästhetisch wirksam darzustellen
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Komposition und Form-Format-Beziehung
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Vielfalt – angemessene Anzahl von Skizzen bzw. Studien
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Variationsbreite – Erprobung unterschiedlicher Möglichkeiten
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Ideenreichtum und Originalität
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Intensität der gestalterischen Auseinandersetzung
Bildstudie
Konkretisierung der Skizzen und Ansätze zu einem vollständigen Werk anhand Ansatz 3:
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Basis: Den Untergrund bildet eine Collage mit Ausschnitten aus Zeitschriften unterschiedlicher Schreibstile (z. B. Fachmagazine, Boulevardpresse, ...). Darüber liegen Silhouetten und Köpfe von Menschen. Teils sind die Figuren aus Transparentpapier ausgeschnitten, teils werden Konturen und Details mit Fineliner gezeichnet. Mit einem roten Stift oder roter Acrylfarbe werden Parolen in den Vordergrund geschrieben. Im Hintergrund sind die Konturen bekannter Personen zu erkennen, die das Weltgeschehen mitbestimmen. Es findet eine Auseinandersetzung mit dem Thema Meinungsbildung durch Medien statt.
Bewertet wird:
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Auseinandersetzung mit den bildnerischen Vorarbeiten
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konsequente Auswahl von Gestaltungsansätzen
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intensive Durchgestaltung
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Beherrschen der jeweils gewählten Technik (Malerei, Grafik, Collage oder Mischtechnik)
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Originalität und künstlerische Qualität der bildnerischen Arbeiten
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angemessene Präsentation
Reflexion
Thematische Umsetzung (Schein und Sein)
Die Arbeit thematisiert die mediale Konstruktion von Realität. Das „Sein“ wird hierbei durch die Materialität der Collage (Informationstexte) dargestellt, die als unübersichtliches Fundament fungiert. Der „Schein“ manifestiert sich in den dominanten roten Parolen, die als vereinfachende, aggressive Wahrheitsebene die komplexen Hintergründe überlagern und verdecken.
Gestalterische Mittel
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Schichtung/Transparenz: Die Verwendung von Transparentpapier für die Personensilhouetten visualisiert die Fragilität individueller Identität innerhalb des medialen Einflusses. Individuen wirken schemenhaft und werden durch die Umgebung „durchleuchtet“.
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Grafischer Kontrast: Der Einsatz von Finelinern für präzise Konturen steht im Kontrast zum diffusen Hintergrund der Collage. Dies betont die Suche nach Klarheit in einer überreizten Informationswelt.
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Farbsymbolik: Die Signalfarbe Rot fungiert als visuelles Störsignal, das die Aufmerksamkeit auf den „Schein“ (die Parole) lenkt und die darunterliegenden Schichten (das eigentliche Sein) entwertet.
Kunstgeschichtliche Bezüge
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Francis Picabia: Die Technik der Transparencies (Überlagerung von Linien und Flächen) wird übernommen, um die Gleichzeitigkeit verschiedener Wahrnehmungsebenen darzustellen.
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Dadaistische Montage: Die Collage als Basis bezieht sich auf die Tradition der Gesellschaftskritik durch Fragmentierung (z. B. Hannah Höch), um die Zersplitterung der modernen Welt abzubilden.
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Konzeptkunst: Die Einbeziehung von Text als gestalterisches Element (ähnlich wie bei Barbara Kruger) hinterfragt die manipulative Kraft von Sprache und Design.
Bewertet wird:
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Bezugnahme auf das Thema SCHEIN UND SEIN
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Erläuterung von Inhalt-Form-Beziehungen
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gewonnene Erkenntnisse aus dem Gestaltungsprozess
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kunstgeschichtlicher Bezug
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Qualität und Plausibilität der schriftlichen Äußerungen