Block I
Geldpolitik und Geldentwertung
Beschreibe die Funktionen des Geldes in einer Volkswirtschaft.
Erläutere mithilfe einer grafischen Darstellung des erweiterten Wirtschaftskreislaufs die Bedeutung von Geldwertstabilität in einer geschlossenen Volkswirtschaft.
Arbeite aus M 1 und M 2 mögliche Ursachen von Inflation und deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsakteure heraus.
Das vorrangige Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten.
Erkläre die Wirkungsweise der der EZB zur Verfügung stehenden Instrumente für dieses Ziel. Beziehe hierbei die Intention der Karikatur M 3 mit ein.
„Damit zumindest die Beschäftigten unter den Verbrauchern [die Effekte der Inflation] verkraften, gibt es auf derlei Belastung nur eine Antwort: höhere Löhne und Gehälter.“ (M 4, Z. 9-11)
Beurteile die Forderung Bauchmüllers hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?M 1 Inflation springt über 7 Prozent
Harald Freiberger, Süddeutsche Zeitung, 10.04.2022, Quelle: Inflation springt über sieben Prozent - Politik - SZ.de, Zugriff am 12.04.2023
M 2 Verbraucherkorb


Zeichner: Petar Pimestrovic, erschienen am 10. Mai 2022
Quelle: Kleine Zeitung | Aktuelle Nachrichten und Services, Zugriff am 12.04.2023
M 3 „Guten Abend! Ich soll hier einen Teufel austreiben…“


Zeichner: Rolf Henn alias „Luff“, erschienen am 08.09.2022
Quelle: https://www.stuttgarter-zeitung.de/gallery.luff-mohr-die-karikatur-des-tages.baa5e564-d166-413d-9fa2-c780c2aa195e.html, Zugriff am 28.09.2022
M 4 Wie man sich gegen hohe Energiepreise wappnet
aus Michael Bauchmüller: Wie man sich gegen hohe Energiepreise wappnet. 11.03.2022 (leicht verändert)
Quelle: Wie man sich gegen hohe Energiepreise wappnet - Wirtschaft - SZ.de, Zugriff am 12.04.2023
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Geld erfüllt in der modernen Wirtschaft vier zentrale Funktionen:
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Allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel:
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Geld dient dem Austausch von Gütern und Dienstleistungen.
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Es vereinfacht den Tauschverkehr zwischen Produzenten.
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Der direkte Naturaltausch wird dadurch ersetzt, da kein passender Tauschpartner mehr nötig ist.
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Wertmesser und Recheneinheit:
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Geld ermöglicht die Bewertung von Gütern und Dienstleistungen.
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Unterschiedliche Güter (z. B. Getreide, Autos, Maschinen) werden vergleichbar.
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Alle Werte werden in Geldeinheiten ausgedrückt und können dadurch addiert und verrechnet werden.
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Wertaufbewahrungsmittel:
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Geld erlaubt es, Kaufkraft über einen längeren Zeitraum zu speichern.
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Es überbrückt die Zeit zwischen Verkauf und späterem Kauf von Gütern.
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Voraussetzung ist ein stabiler Geldwert, damit keine Kaufkraft durch Inflation verloren geht.
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Wertübertragungsmittel:
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Geld ermöglicht die Übertragung von Werten, z. B. durch Löhne, Schenkungen oder Erbschaften.
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Diese Funktion basiert darauf, dass Geld sowohl Tauschmittel als auch Wertaufbewahrungsmittel ist.
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Quelle: Digitale Unterrichtsmaterialien für Lehrer:innen | School-Scout
Geldwertstabilität:
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Definition:
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Geldwertstabilität bedeutet eine dauerhaft gleichbleibende Kaufkraft des Geldes.
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Sie geht mit einem stabilen Preisniveau (Preisniveaustabilität) einher.
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Beeinflusst wird sie durch Angebot, Nachfrage und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.
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Bedeutung für die Volkswirtschaft:
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Eine weitgehend stabile Kaufkraft ist Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft.
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Sie ermöglicht einen reibungslosen Handel.
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Zudem fördert sie nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
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Wenn Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind, bleibt auch der Geldwert stabil.
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Bedeutung für Kapital und Investitionen:
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Geldwertstabilität ist entscheidend für die Werterhaltung von Kapitalanlagen.
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Sie schafft Planungssicherheit für Unternehmen und Investoren.
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Damit bildet sie eine zentrale Grundlage für Investitionsentscheidungen.
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Risiken bei Instabilität:
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Sowohl Inflation (steigende Preise) als auch Deflation (sinkende Preise) können problematisch sein.
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Starke Abweichungen nach oben oder unten wirken sich negativ auf die Gesamtwirtschaft aus.
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In solchen Fällen kann Geld wichtige Funktionen teilweise verlieren (z. B. als Wertaufbewahrungsmittel).
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Ausgangsanforderung:
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Es muss zwischen drei wirtschaftlichen Akteuren unterschieden werden:
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Unternehmen
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Staat
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Private Haushalte
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Zentrale Einflussfaktoren (Materialaussagen):
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Der Ukraine-Krieg führt zu steigenden Energiepreisen, insbesondere bei Heizöl und Benzin.
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Es kommt zu Knappheiten bei Agrarrohstoffen.
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Dadurch steigen die Preise für:
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Speisefette und -öle (ca. +20 %)
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Gemüse (ca. +14 %)
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Auswirkungen auf Unternehmen:
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Unternehmen sehen sich mit steigenden Produktionskosten konfrontiert, vor allem durch höhere Energiepreise.
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Diese Kosten werden häufig durch Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben.
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Gleichzeitig fordern Gewerkschaften höhere Löhne, um die Inflation auszugleichen.
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Dadurch entsteht die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale, bei der sich steigende Löhne und Preise gegenseitig verstärken.
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Auswirkungen auf private Haushalte:
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Die steigenden Preise führen zu einer sinkenden Kaufkraft.
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Haushalte können sich für ihr Einkommen weniger Güter und Dienstleistungen leisten.
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Besonders betroffen sind Grundbedürfnisse wie Energie und Lebensmittel.
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Auswirkungen auf den Staat (abgeleitet):
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Der Staat steht unter Druck, entlastende Maßnahmen (z. B. Subventionen, Preisbremsen) bereitzustellen.
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Gleichzeitig können die Staatsausgaben steigen, etwa durch Unterstützungsprogramme.
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Höhere Inflation kann kurzfristig zu steigenden Steuereinnahmen führen (z. B. durch Mehrwertsteuer).
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Langfristig besteht jedoch das Risiko wachsender Staatsverschuldung.
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Zudem muss der Staat Maßnahmen ergreifen, um soziale Spannungen und wirtschaftliche Instabilität zu vermeiden.
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Intention von M3:
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Inflation belastet die gesamte Wirtschaft.
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Die Kaufkraft der privaten Haushalte sinkt.
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Investitionen gehen zurück.
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Banken vergeben weniger Kredite an Unternehmen.
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Höhere Zinsen:
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dienen der Reduzierung der Geldmenge.
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führen zu einer höheren Sparneigung bei privaten Haushalten.
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bewirken einen Rückgang der Nachfrage.
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Handlungsoptionen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Inflationsbekämpfung:
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Offenmarktgeschäfte:
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Die EZB steuert die Liquidität der Geschäftsbanken durch Kauf und Verkauf von Wertpapieren.
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Kauft die EZB Wertpapiere:
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erhalten Banken Zentralbankgeld → Geldmenge steigt.
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Verkauft die EZB Wertpapiere:
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Banken zahlen Zentralbankgeld → Geldmenge sinkt.
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Ziel:
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Erhöhung des Leitzinses
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Verringerung der Kredit- und Geldmenge
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Ständige Fazilitäten:
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Dienen der kurzfristigen Bereitstellung oder Aufnahme von Liquidität (Übernachtkredite/-anlagen).
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Banken können:
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kurzfristig Kredite bei der EZB aufnehmen
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oder überschüssiges Geld anlegen
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Haben zusätzlich eine Signalfunktion für die Geldpolitik.
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Bedeutung:
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Kreditvergabe beeinflusst Investitionen und Konjunktur
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Ziel:
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Zinsen erhöhen
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Kreditmenge reduzieren
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Devisenmarktinterventionen:
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Die EZB kauft oder verkauft Fremdwährungen (z. B. US-Dollar), um den Wechselkurs zu beeinflussen.
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Verkauf von Fremdwährungen:
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Euro wertet auf
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kann Inflation dämpfen
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Abwertung des Euros:
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führt zu steigender Inflation (Importe werden teurer)
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Ziel:
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indirekte Steuerung der Inflation über Wechselkurse
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Mindestreservepolitik:
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Banken müssen Pflichtguthaben bei der EZB halten.
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Die EZB kann den Mindestreservesatz erhöhen oder senken.
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Erhöhung der Mindestreserve:
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weniger Geld für Kreditvergabe verfügbar
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Geldmenge sinkt
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Senkung der Mindestreserve:
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mehr Geld für Kredite verfügbar
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Geldmenge steigt
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Wirkung:
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Einfluss auf Zinsniveau und Preisniveau
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Beitrag zur Sicherung der Preisniveaustabilität
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Argumentationslinie zur Lohn-Preis-Spirale:
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Steigende Löhne führen zu:
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höherer Nachfrage der privaten Haushalte
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steigenden Produktionskosten für Unternehmen
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Unternehmen reagieren darauf:
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insbesondere bei Lohnerhöhungen über der Produktivitätssteigerung
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durch Weitergabe der Kosten in Form von Preiserhöhungen
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Steigende Preise bewirken:
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erneute Lohnforderungen der Gewerkschaften
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weitere Preissteigerungen
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Ergebnis:
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Es entsteht eine Lohn-Preis-Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben treiben
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Einordnung:
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Die Lohn-Preis-Spirale ist weniger die ursprüngliche Ursache der Inflation
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vielmehr handelt es sich um eine Verstärkungs- und Anpassungsreaktion
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sie trägt jedoch dazu bei, die Inflation weiter anzuheizen
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Erklärung des Phänomens Stagflation:
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Definition:
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Stagflation beschreibt eine wirtschaftliche Situation mit:
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stagnierendem oder geringem Wirtschaftswachstum
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hoher Arbeitslosigkeit
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gleichzeitig hoher Inflation
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Merkmale:
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Unterausgelastete Produktionskapazitäten
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schwache wirtschaftliche Dynamik
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gleichzeitig steigendes Preisniveau
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Folgen:
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Die Wirtschaft wächst kaum oder gar nicht
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Löhne und Preise gleichen sich ständig gegenseitig an
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Zusammenhang zwischen Lohn-Preis-Spirale und Stagflation:
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Die Lohn-Preis-Spirale kann Stagflation verstärken:
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steigende Löhne erhöhen die Kosten für Unternehmen
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Unternehmen erhöhen Preise → Inflation bleibt hoch
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Gleichzeitig:
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hohe Preise und Kosten bremsen Investitionen
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Unternehmen stellen weniger ein → Arbeitslosigkeit steigt
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Ergebnis:
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wirtschaftliche Stagnation bei gleichzeitig hoher Inflation
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Weitere mögliche Argumentationsansätze:
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Hohe Unsicherheit führt zu geringerer Investitionsbereitschaft der Unternehmen.
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Sinkende Kaufkraft schwächt die Nachfrage zusätzlich.
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Staatliche oder geldpolitische Maßnahmen können entweder Inflation bekämpfen oder Wachstum fördern, aber selten beides gleichzeitig (Zielkonflikt).
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