Aufgabe 2
Textbezogenes Schreiben: Interpretation literarischer Texte
Thema
Ruth-Maria Thomas (* 1993): Die schönste Version (Auszug; 2024)
Aufgabenstellung
Interpretiere den Auszug aus dem Roman Die schönste Version von Ruth-Maria Thomas.
Vergleiche auf der Grundlage deiner Interpretationsergebnisse die Darstellung der Figur Jella mit der Darstellung der Figur Doris aus dem Roman Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun.
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Ruth-Maria Thomas (* 1993)
Die Romanhandlung spielt um das Jahr 2010 in einer ostdeutschen Kleinstadt, wo die Ich-Erzählerin Jella Nowak studiert. Im folgenden Auszug schildert sie rückblickend den Beginn ihrer gescheiterten Beziehung zu dem einige Jahre älteren Künstler Yannick Brenner.
1 Anzughose
2 Gesichtspose, bei der die Lippen zu einem Schmollmund gespitzt und die Wangen gleichzeitig eingesogen werden
3 Jellas Vorgesetzte in der Stadtbibliothek
4 Titel einer Buchreihe für Teenager
5 Cheers (engl.): hier: Prost
Quelle: Ruth-Maria Thomas: Die schönste Version. Roman. Hamburg: Rowohlt Verlag, 2024, S. 47-51
Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.
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Einleitung
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Das vorliegende Kapitel aus dem 2024 erschienenen Roman Die schönste Version von Ruth-Maria Thomas behandelt das vom verbalen und körperlichen Annähern geprägte erste Aufeinandertreffen zweier junger Menschen, die sich in einem Club zueinander hingezogen fühlen, im Spannungsfeld zwischen Selbstbehauptung und Unsicherheit.
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Der Text stellt das taktierende Annäherungsspiel sowie die unbewussten Machtdynamiken einer sich anbahnenden Liebesbeziehung dar.
Hauptteil
Inhalt und gedanklicher Aufbau
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Das vorliegende Kapitel des Romans ist in 5 wesentliche Sinnabschnitte einteilbar.
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Zu Beginn (Z. 1-6) beschreibt Jella die Kulisse im neu eröffneten Studentenclub „Blue“, der in einer ehemaligen Kantine eingerichtet wurde. Sie schildert die ausgelassene, pulsierende Feierkultur zu Beginn der Sommersemesterferien und die sexuell aufgeladene Stimmung unter den anwesenden Gästen.
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Im zweiten Sinnabschnitt (Z. 7-17) wird Jella an der Bar auf Yannick, der das Geschehen beobachtet, aufmerksam und der besonderen Wirkung seines ambivalenten Erscheinungsbildes auf sie.
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Im letzten Sinnabschnitt (Z. 18-114) ergreift Jella die Initiative und setzt sich zu Yannick an den Barhocker. Dieser spricht sie direkt an, bietet ihr ein Getränk an. Im Verlauf des Gesprächs über seine Rückkehr aus München bringt Jella eine literarische Anspielung an Keuns Das kunstseidene Mädchen an („Ein Glanz?“, Z. 35). Trotz eigener Unsicherheit und dem Ignorieren einer eingehenden Handynachricht ihrer Freundinnen berichtet sie ihm von ihrer Arbeit in der Stadtbibliothek und ihren Leseerfahrungen. Es kommt zur ersten physischen Berührung, und sich bei Jella ein verstärkendes Gefühl der Anziehung während des von Yannick initiierten Bestellvorgangs eines Getränks.
Yannick erkundigt sich nach Jellas Studium. Während Jella von innerer Aufregung und Selbstzweifeln begleitet wird, bringt Yannick das Gespräch auf eine persönlichere Ebene und nennt sie schließlich eine „Frau“. Dieser Begriff löst bei Jella eine tief empfundene Freude und Selbstbestätigung aus, woraufhin sie lächelnd den Körperkontakt zu ihm sucht.
Erzählerische Gestaltung
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Die personale Ich-Erzählerin Jella schildert das Geschehen aus ihrer Innensicht, was einen unmittelbaren, Nähe zur Leserschaft schaffenden Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt ermöglicht.
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Herstellung des Eindrucks von Unmittelbarkeit durch chronologisches, weitgehend zeitdeckendes Erzählen im Hauptgeschehen, während das Präteritum als Erzähltempus die retrospektive Distanz der Erzählerin zum bereits Vergangenen markiert.
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Verstärkung des Eindrucks von Lebendigkeit, Authentizität und Intensität des Gesprächs sowie der Emotionen durch Wechsel zwischen Wiedergabe von direkter Rede ohne eindeutige Kennzeichnung und z. T. Zuordnung, indirekter Rede (Z. 21-25) und nonverbalen Signalen (z. B. Blicke, Berührungen, Gesten) beider Figuren.
Figurengestaltung
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Jella Nowak:
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Studentin in einer ostdeutschen Kleinstadt (vgl. Einführung), die Architektur oder Stadtplanung studiert (vgl. Z. 87, 93, 98) und eine Vorliebe für Zahlen hat, weil diese sie beruhigen (vgl. Z. 100 f.).
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Literarisch interessiert durch ihre Arbeit in der Stadtbibliothek (vgl. Z. 47) und ihre früheren Leseerfahrungen als Jugendliche (vgl. Z. 48–53).
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Beeindruckt von Yannicks äußerer Erscheinung und seiner Ausstrahlung (vgl. Z. 13–17).
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Ergreift zwar einerseits die Initiative (vgl. Z. 18, 112), zeigt aber zugleich deutliche Zeichen von Unsicherheit (vgl. Z. 53–57, 102 f., 104 f.).
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Nimmt sich wiederholt zurück und ordnet sich Yannick unter (vgl. Z. 22–25, 75 f., 90–92); sie ignoriert sogar die Nachricht ihrer Freundinnen, um die Interaktion nicht zu unterbrechen (vgl. Z. 45 f.).
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Zeigt eine deutliche Empfänglichkeit für Yannicks Zuwendung (vgl. Z. 39, 67, 89 f., 108, 112) und zieht eine Selbstbestätigung daraus, von ihm als „Frau“ wahrgenommen und bezeichnet zu werden (vgl. Z. 112–114).
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Der Romantitel Die schönste Version lässt sich als Hinweis auf Jellas Wunsch nach einer funktionierenden, idealen Beziehung deuten.
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Yannick Brenner:
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Einige Jahre älterer Künstler (vgl. Einführung), der nach einem vermutlich längeren Aufenthalt in einer Großstadt in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist (vgl. Z. 32–34).
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Seine äußere Erscheinung übt eine große Anziehungskraft aus: Ein nicht unbedingt schönes Gesicht (vgl. Z. 9 f.) mit Dreitagebart, Stirnfurchen, Muttermal, braunen Locken (vgl. Z. 10–12), aber selbstsicher wirkenden Augen und auffälliger Kleidung („Bügelfaltenhose“, „Farbspritzer“, Z. 12–17).
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Offen, interessiert und selbstbewusst; übernimmt sofort die Gesprächsführung durch direkte Fragen (vgl. Z. 21 f., 44, 65, 84 f., 88, 95) und initiiert Körperkontakt (vgl. Z. 59).
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Inszeniert sich als erfahrener Mann von Welt und Gin-Tonic-Kenner (vgl. Z. 26–31, 70–74) sowie als vorgeblich moderner, Frauen wertschätzender und respektierender Mann (vgl. Z. 24 f., 60, 106 f., 110 f.).
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Selbstdemaskierung durch eklatante Widersprüche: Betont, nicht über Frauen hinweg entscheiden zu wollen, beharrt aber auf der Gin-Tonic-Bestellung (vgl. Z. 21–26), bestellt ungefragt Zitrone statt Gurke (vgl. Z. 72–74) und lässt Jella kaum Zeit zum Antworten (vgl. Z. 85 f.).
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Einzelne Momente zeigen Zeichen von Unsicherheit (Z. 79 f.), Verletzbarkeit oder narzisstischer Bestätigungssuche (Z. 84 f.).
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Deutet bereits durch sein bevormundendes Gesprächsverhalten und Jellas unterordnendes Muster darauf hin, dass die Beziehung im weiteren Verlauf scheitern wird (vgl. Einführung).
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Sprachlich stilistische Gestaltung
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Vermittlung von Lebendigkeit in Form von hoher Dynamik zwischen Reflexion und Dialog durch abwechslungsreiche Syntax: Wechsel von kurzen und elliptischen Sätzen (vgl. Z. 41) mit Satzgefügen (vgl. Z. 24 f., 89-92).
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Der authentische Duktus wird durch Umgangssprache („Wessis“, Z. 1; „Studiclub“, Z. 2; „trendy und bio“, Z. 3; „herumschwafelte“, Z. 54; „Ah okay“, Z. 88), Füllwörter („mh?“, Z. 33; „ähm“, Z. 37; „Na“, Z. 77) sowie Auslassungspunkte (Z. 34, 93) geprägt.
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Verwendung zeitgemäßer Anglizismen („Longdrinks“, Z. 3; „Duckface“, Z. 29; „girlsgang“, Z. 45; „Bullshit“, Z. 85; „Cheers“, Z. 107; „Babe, Girl“, Z. 113 f.) zur Verortung in der Jugend- und Feierkultur.
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Auch wird Selbstironie und Neologismus („mit meiner ekligen Bläschen-im-Mund-Geschichte“ [75 f.]) verwendet.
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Konsequenter Verzicht auf Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede, was den fließenden Übergang zwischen Gedanken und gesprochenem Wort verstärkt.
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Erzeugung einer lebendigen und sexuell aufgeheizten Atmosphäre durch eine Bildhafte Darstellung und Zeugma („es lief Sekt auf Eis und Musik, bei der man Lust auf Sex bekommt“ Z. 4 f.) und Vergleichen („blutrot“, Z. 9), wie auch Aufzählungen („schmeckt vielschichtig, bitter, süß, sauer, lecker“ Z. 78 f.).
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Fokussierung auf Körperlichkeit mittels Metonymie („die tanzenden Körper“ Z. 7).
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Betonung von Yannicks körperlicher Anziehungskraft auf Jella, besonders die seiner Augen und seiner Stimme, durch Aufzählung und Ellipsen (vgl. Z. 10-12) sowie Personifikation („Augen, die Bescheid wussten“ Z. 14 f.), Pars pro toto und Vergleich („Seine Stimme sprach meinen Namen aus wie ein Geschenk.“ Z. 67).
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Hervorhebung von Jellas positiver Reaktion auf Yannicks Zugewandtheit durch Alliteration und Metapher („warme Wellen im Bauch“ Z. 96), Metapher („Gänsehaut kroch“ Z. 108) sowie Selbsterkenntnis mittels Apposition („Ich, Jella Nowak, war eine Frau.“ Z. 114).
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Verstärkung der Aussage zu Yannicks Ausstrahlung durch Partikel und Correctio in Verbindung mit Hyperbel („sah er seltsam erhaben, ja irgendwie majestätisch aus“ Z. 17) und Ellipse („Anders.“ Z. 17).
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Verdeutlichung von Yannicks vermeintlich wertschätzender Haltung, deutbar auch als klischeehafte Anbiederung oder sogar als Chauvinismus, durch die wiederholte Verwendung des Wortes „Frau“ (vgl. Z. 106, 111) sowie Aufwertung ihres Studienfaches durch Metapher („Und, planst du schon, wie aus dieser Stadt mal eine Perle wird?“ Z. 95).
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Aufzeigen beidseitiger emotionaler Zugewandtheit in der Interaktion durch Wiederholung von Verben aus dem Bedeutungsfeld „lachen“ (vgl. Z. 29, 32, 43, 62, 79, 83 f., 94, 112).
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Verdeutlichung von Jellas Selbstbeschränkung ihrer inneren Aufgewühltheit (vgl. Z. 89 f.) durch Akkumulation („Träume, Wünsche, Ideen, das ganz große Ding“ Z. 91 f.).
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Anspielung auf den Roman Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun und damit Vergleich von Yannicks Wirkung auf Jella durch den Begriff „Glanz“ (vgl. Z. 35); Reflexion eigener Leseerfahrungen und Vergleich der Lebenswelt junger Frauen der Gegenwart mit der Situation der Protagonistin Doris in Keuns Roman hinsichtlich der Erwartungen und Emotionen (vgl. Z. 48-53).
Fazit
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Der Text reflektiert die komplexe Suche junger Menschen nach Individualität, Authentizität und emotionaler Verankerung in modernen Beziehungsgefügen.
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Er demaskiert subtil die Entstehung dysfunktionaler Beziehungsdynamiken: Yannicks Neigung zu dominanter Bevormundung trifft auf Jellas Bereitschaft zur Selbstbeschränkung, um die Harmonie des Moments nicht zu gefährden.
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Damit veranschaulicht der Romanauszug das Fortwirken internalisierter, ambivalenter Geschlechterrollen zwischen dem Anspruch auf Selbstbestimmung und dem Wunsch nach Bestätigung durch das Gegenüber.
Teilaufgabe 2
Überleitung
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Die Darstellung von Jella Nowak in Ruth-Maria Thomas Roman Die schönste Version weist bemerkenswerte Parallelen zur Protagonistin Doris aus Irmgard Keuns Klassiker Das kunstseidene Mädchen (1932) auf.
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Beide Frauenfiguren bewegen sich in ihrer jeweiligen Epoche in einem Spannungsverhältnis zwischen dem Streben nach weiblicher Autonomie und der tiefen Sehnsucht nach Liebe und gesellschaftlicher Anerkennung.
Hauptteil
Gemeinsamkeiten
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Beide Werke stellen autonome junge Frauen in den Mittelpunkt, die versuchen, sich in einer von Männern geprägten Welt zu behaupten.
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Sowohl Jella als auch Doris befinden sich auf einer intensiven Suche nach der eigenen Identität im Konfliktfeld zwischen persönlichen Wünschen und gesellschaftlichen Rollenbildern.
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Trotz Phasen des Selbstbewusstseins zeigen beide Figuren Momente von Unsicherheit, Selbstzweifeln und eine verhängnisvolle Neigung zur Fügsamkeit gegenüber männlichen Dominanzansprüchen.
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Beide Protagonistinnen teilen den tiefen Wunsch, von einem Partner wahrgenommen und geliebt zu werden; sie ziehen essenzielle Selbstbestätigung daraus, als begehrenswerte „Frau“ wahrgenommen zu werden.
Unterschiede
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Jella lebt in der Konsum- und Feierkultur einer ostdeutschen Kleinstadt der Gegenwart; ihr Leben ist durch ein Studium (Architektur/Stadtplanung), Nebenjobs und ein gesichertes Auskommen geprägt, Doris hingegen bewegt sich im Berlin der späten Weimarer Republik, geprägt von Weltwirtschaftskrise, Armut und sozialer Unsicherheit; ihr Kampf gilt dem reinen ökonomischen Überleben.
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Während Jella fest in einem schützenden Kreis von Freundinnen („girlsgang“, Z. 45) integriert, erlebt Doris Kontakte zu anderen Frauen meist im ambivalenten Spannungsfeld zwischen kurzzeitiger Solidarität und existenzieller Konkurrenz.
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Jella tritt mit dem grundsätzlichen Anspruch auf eine gleichberechtigte Partnerschaft als Subjekt auf; Beziehungsanbahnung entspringt dem Wunsch nach Intimität bei gleichzeitiger Wahrung der eigenen Identität. Doris wählt Aussehen und Sexualität gezielt als strategisches Mittel zum sozialen Aufstieg und ökonomischen Überleben, wodurch sie sich immer wieder der Gefahr aussetzt, zum bloßen Objekt degradiert zu werden.
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Jella reagiert reflektiert, leise ironisch, teils initiativ, aber im Kern eher introvertiert und intellektuell, Doris hingegen tritt extrovertiert, naiv, impulsiv und humorvoll auf, um ihre seelischen Verletzungen zu überspielen.
Schluss
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Der Vergleich macht deutlich, dass trotz eines Zeitabstands von nahezu hundert Jahren fundamentale Muster in der weiblichen Identitäts- und Beziehungsfindung fortbestehen.
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Während Doris im patriarchalen Berlin der 1930er-Jahre ihre Sexualität zur Sicherung des bloßen Überlebens einsetzen muss, kämpft Jella in der Gegenwart mit subtileren, verinnerlichten Rollenmustern: Trotz ökonomischer Unabhängigkeit erliegt auch sie der Versuchung, sich für die Zuneigung eines Mannes selbst zurückzunehmen.