Aufgabe 4
Textbezogenes Schreiben: Erörterung pragmatischer Texte
Thema
Franziska Zimmerer (* 1993): Ich habe diesen Text noch selbst geschrieben (Kommafehler inklusive) (2025)
Aufgabenstellung
Stelle den Argumentationsgang des Kommentars Ich habe diesen Text noch selbst geschrieben (Kommafehler inklusive) von Franziska Zimmerer dar und erläutere die Intention des Textes.
Erörtere ausgehend vom Text die These von Franziska Zimmerer, dass derzeit ein „Wertverfall des geschriebenen Worts“ (Z. 53) zu beobachten sei. Beziehe dabei deine Kenntnisse des Themenfelds „Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen“ ein.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Ich habe diesen Text noch selbst geschrieben (Kommafehler inklusive) (2025)
Franziska Zimmerer (* 1993)
1Internetportal, das die Möglichkeit bietet, kurze Mitteilungen im Netz zu veröffentlichen. Die Plattform heißt seit Juli 2023 „X“.
2Internetforum bzw. Dienstleister, der digitale Medieninhalte sammelt und aufbereitet
3Lehrkraft mit höherem Dienstgrad
4negative Emotionen indirekt ausdrückend
5Fettdruck
6Timeline (engl.; dt. wörtlich: Zeitlinie): Darstellung personalisierter aktueller Meldungen auf Social-Media-Plattformen
7Plural zum Vornamen Johannes; Name zahlreicher Heiliger, z. B. Johannes der Täufer oder Johannes der Apostel
8soziales Netzwerk für Geschäftskontakte
9(künstliche) Aufgeregtheit, (ständige) Alarmstimmung
10Alan Turing (1912-1954): britischer Logiker, Mathematiker und Informatiker
11wissenschaftliche Publikationen
12generisch: hier: verallgemeinert, nicht individualisiert
Quelle: Franziska Zimmerer (05.08.2025): Ich habe diesen Text noch selbst geschrieben (Kommafehler inklusive), veröffentlicht unter https://www.welt.de/vermischtes/article688b2db2eba40421e07df620/Sprache-Maschinen-liefern-glatt-gebuegelte-Saetze-wir-setzen-nur-noch-unseren-Namen-drunter.html; zuletzt abgerufen am 13.09.2025
Anmerkung zur Autorin: Franziska Zimmerer ist Journalistin und Mitglied der Redaktionsleitung der Zeitung WELT.
Die Zeichensetzung entspricht der Textquelle.
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Einleitung
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Der Kommentar Ich habe diesen Text noch selbst geschrieben (Kommafehler inklusive) von Franziska Zimmerer, veröffentlicht im August 2025 in der WELT, setzt sich kritisch mit der Rolle und den Folgen von Künstlicher Intelligenz (KI) in der zeitgenössischen schriftlichen Kommunikation auseinander.
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Thema des Textes ist die Auseinandersetzung mit dem kommunikativen Potenzial von Künstlicher Intelligenz und den damit verbundenen Gefahren der sprachlichen Entwertung und kognitiven Passivität im Alltag.
Hauptteil
Argumentationsgang und wesentliche Inhalte
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Die Autorin steigt mit einem bildhaften Vergleich, der Inhalte generierenden KI mit einer wiederkäuenden und ausscheidenden Kuh auf der Weide ein. Sie führt aus, dass die KI das verarbeitet („gefressen hat“ Z. 2), was Menschen über Jahre bereitgestellt haben (Social-Media-Beiträge, Nachrichten, Bücher, Essays), um daraus auf Anstoß („Content-Kuhfladen“) maschinell erzeugte Textmassen zu produzieren (vgl. Z. 1-7).
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Zimmerer artikuliert einen ironisch eingefärbten Pessimismus und belegt diesen mit der KI-gestützten E-Mail-Kommunikation in der Arbeitswelt, die trotz polierter Phrasen frei von eigenen Gedanken bleibe (vgl. Z.8-15).
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Zudem konfrontiert sie die Erwartungshaltung der Nutzung sozialer Medien (Unterhaltung, Information) mit der ernüchternden Realität vorzufindender KI-generierter Inhalten (z. B. animierte Babys mit Politikergesichtern, generierter Alarmismus auf LinkedIn) (vgl. Z. 16-24).
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Nach einem Hinweis auf den Turing-Test, der maschinelle Intelligenz an der Unterscheidbarkeit von menschlichen Antworten misst, stellt sie fest, dass moderne KI-Systeme diesen Test problemlos bestehen (vgl. Z. 25-31).
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Das Bestehen des Turing-Tests durch moderne KI-Systeme führt die Autorin nicht auf eine überragende maschinelle Intelligenz zurück, sondern auf die Inhaltsleere und Banalität der menschlichen Kommunikation selbst, die sich mühelos simulieren lasse. Dabei wirft sie den Menschen Faulheit und Bequemlichkeit vor, da sie sich gedankenlos durch maschinelle Mittelmäßigkeit ersetzen lassen (vgl. Z. 32-39).
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Die Autorin stellt dar, dass es durch KI (wie ChatGPT) auch Veränderungen in der Sprache gibt und nennt hierfür auch Beispiele (delve, comprehend, swift) (vgl. Z. 40-46).
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Mit Verweis auf den Sprachforscher Lopez-Lopez hebt sie hervor, dass es sich bei diesen Veränderungen vor allem um Wörter handelt, die keine starken Bedeutungsträger sind, sondern um Adjektive, Adverbien oder strukturgebende Wörter, also „sprachliche Stützen“ (vgl. Z. 47–52)
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Zimmerer behauptet resümierend einen „Wertverfall des geschriebenen Worts“ (Z. 53).. Sie kritisiert, dass KI-generierte Texte in akademischen, beruflichen und privaten Bereichen die eigene Denkleistung ersetzen, während der scheinbare Effizienz- und Zeitgewinn nicht sinnvoll genutzt, sondern für belanglosen Konsum (z. B. Online-Shopping) vergeudet werde (vgl. Z. 53-59).
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Die Autorin kennzeichnet das Schreiben als verkommenen maschinellen Produktionsschritt statt als Resultat menschlicher Gedankenleistung. Sie stellt die synthetische Sprache mit inhaltlicher Leere und Ambitionslosigkeit gleich und knüpft mit dem lautmalerischen Ausruf der Kuh („Muuuh“) zynisch an das eingangs gezeichnete Bild an (vgl. Z.60-63).
Intention
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Das Hauptanliegen von Franziska Zimmerer ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das Schreiben als unersetzliches Produkt menschlicher Anstrengung, Kreativität und geistiger Innovation.
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Durch Ironie, Schärfe und kulturpessimistische Zuspitzung möchte sie die Leser dazu bewegen, den KI-generierten E-Mail- und Textwahn kritisch zu hinterfragen, der Schleifung eigener Denk- und Formulierungskompetenzen entgegenzuwirken und den Wert des geschriebenen Wortes im aktuellen öffentlichen Diskurs neu zu bestimmen.
Teilaufgabe 2
Erläuterung der strittigen These
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Zimmerer vertritt in ihrem Kommentar die zentrale These, dass in der heutigen Gesellschaft ein gravierender „Wertverfall des geschriebenen Worts“ (Z. 53) stattfinde.
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Der unreflektierte und ausgedehnte Einsatz von KI-generierter Sprache führe zu inhaltlicher Leere, Banalität und Ambitionslosigkeit in der Alltagskultur. Der scheinbare zeitliche und funktionale Effizienzgewinn entpuppe sich in Wahrheit als Ausdruck menschlicher Faulheit, Gedankenlosigkeit und eines stetigen Abbaus eigener Sprach- und Denkfähigkeiten.
Zustimmende Argumente
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Zimmerers These lässt sich wissenschaftlich untermauern, da das gedankenlose Übernehmen von KI-Texten zu einem schleichenden Kompetenzverlust durch mangelnde eigene Sprachpraxis führt.
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Das Auslagern des Schreibprozesses an Maschinen gefährdet die zentrale kulturelle und individuelle Kompetenz des Schreibens, da Schreiben immer auch ein Erkenntnisprozess ist; das bloße Reproduzieren von Phrasen schwächt die eigenständige Gedankenschärfe.
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Durch das Überfluten des Alltags mit glattgebügelten, weitgehend bedeutungslosen KI-Texten sinkt das Vermögen der Rezipienten, komplexe, feingliedrige oder literarische Texte tiefgreifend zu analysieren und zu deuten.
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Die Relevanz schriftlicher Kommunikation droht durch die Dominanz von Bildern, Grafiken und synthetischen Medieninhalten weiter zu sinken.
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Die Schwemme an KI-generiertem Content in sozialen Medien fördert Reizüberflutung, Alarmismus und die Verbreitung von Verschwörungstheorien (vgl. Z. 23 f.).
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Durch die maschinelle Massenproduktion von Texten gerät der Qualitätsjournalismus unter Druck, was das Phänomen der Desinformation im digitalen Zeitalter massiv verstärkt.
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Die sprachliche Verflachung korrespondiert mit einer kognitiven Verarmung, die langfristig die menschliche Innovationskraft in allen Lebensbereichen bedroht (vgl. Z. 36–39).
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Der Wertverfall sprachlicher Verständigung erschwert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das gegenseitige Verstehen.
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Differenzierungen und Zwischentöne im öffentlichen Diskurs gehen verloren, was zu einer Polarisierung und Verrohung von Debatten bis hin zu Hassattacken führt.
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Zentrale Funktionen der Medien in der Demokratie – wie sachliche Information, Meinungsbildung und Kontrolle – lösen sich auf, wodurch ein postfaktischer Zeitgeist begünstigt wird, der Emotionen über Fakten stellt.
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Im Bereich politischer Sprache verzerrt der KI-Einsatz die informativ-persuasive Funktion zugunsten rein persuasiver Phrasendrescherei.
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Die unklare Urheberschaft von Aussagen befeuerte eine umfassende Vertrauenskrise im politischen und gesellschaftlichen Dialog.
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Öffentlich-politische Kommunikation verkommt zum reinen Instrument kurzfristiger Aufmerksamkeitsgenerierung.
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Das Überhandnehmen synthetischer Standardsprache nimmt Rezipienten die Chance auf echte gedankliche Horizonterweiterung durch das Kennenlernen neuer, individueller Autorenstimmen.
Ablehnende Argumentation
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Zimmerers Grundhaltung lässt sich als übertrieben pessimistisch kritisch hinterfragen (vgl. Z. 8 f.).
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KI-Systeme können die eigenständige Auseinandersetzung mit komplexen Texten und Sachverhalten als Werkzeug sogar unterstützen.
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Die gezielte Nutzung von KI zur Überarbeitung und Präzisierung eigener Entwürfe kann das individuelle Sprachgefühl schärfen.
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Künstliche Intelligenz lässt sich produktiv als Sparringspartner zur Reflexion eigener Argumente einsetzen.
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Der literarische und künstlerische Ausdruck bleibt als genuin menschliche Domäne von der These des allgemeinen Verfalls ausgenommen.
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Von Menschen verfasste Alltagstexte waren auch vor der KI-Ära nicht automatisch ambitionierter oder gehaltvoller; Zimmerer überschätzt hier die Qualität früherer Alltagslyrik und -prosa (vgl. Z. 53–55).
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In der persönlichen, zwischenmenschlichen Kommunikation bleibt die KI untauglich, da dort echte menschliche Empathie unersetzbar ist.
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Der Wandel lässt sich als Chance begreifen, da der KI-Einsatz Journalisten von Routinearbeiten entlastet und Freiräume für aufwendige Recherchen schafft.
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Zimmerer misst Phänomenen auf Social-Media-Plattformen eine zu große Bedeutung bei; diese flüchtigen Tendenzen spiegeln nicht zwangsläufig die Gesamtheit der sprachlichen Wirklichkeit wider.
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Die KI-Entwicklung erzwingt die Ausbildung einer höheren Medien- und Quellenkritik, was eine Chance für das gesellschaftliche Bildungsniveau darstellt.
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In Schlüsselbereichen wie dem Rechtswesen oder der Wissenschaft bleibt exakter, von Menschen verantworteter sprachlicher Ausdruck nach wie vor unverzichtbar.
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Zimmerers Festhalten am rein geschriebenen Wort entpuppt sich als überkommenes Bildungsideal, das moderne visuelle und multimediale Kommunikationsformen unberechtigt abwertet.
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Die nostalgische Abwehrhaltung der Autorin kann als Ausdruck von Sentimentalität und technologischem Kulturpessimismus dekonstruiert werden.
Schluss
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Franziska Zimmerers Diagnose eines „Wertverfalls des geschriebenen Worts“ trifft einen wunden Punkt der modernen Digitalisierung: Wo Schreiben zur bloßen maschinellen Pflichtübung verkommt, verkümmern auch die Gedanken und die Nuancen des öffentlichen Diskurses.
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Dennoch greift ihre pauschale Verurteilung zu kurz. Künstliche Intelligenz beseitigt nicht das Denken, sondern deckt bereits bestehende Banalitäten auf. Entscheidend für die Zukunft der Sprache ist daher nicht die Dämonisierung des Werkzeugs, sondern die bewusste Pflege des Schreibens als Kulturtechnik, um KI gezielt als Hilfsmittel zu nutzen, ohne die eigene intellektuelle und sprachliche Mündigkeit an Algorithmen abzutreten.