HT 3
Aufgabenstellung
Erarbeite Thema und Gedankengang des Textes von Hans-Joachim Eckstein und
arbeite dabei die von ihm entwickelte Deutung des Kreuzestodes Jesu heraus.
Entfalte das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung, wie es sich aus einem
christlich geprägten Menschenbild ergibt, und setze die im Text von Hans-Joachim
Eckstein entwickelte Deutung des Kreuzestodes Jesu dazu in Beziehung.
Erörtere vor dem Hintergrund deiner bisherigen Ergebnisse und anhand von selbst
gewählten Beispielen, inwiefern eine Deutung des Kreuzestodes Jesu, so wie Hans-
Joachim Eckstein sie entwickelt, positive Auswirkungen auf das eigene Leben haben
kann, und nimm begründet Stellung.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Das Wort vom Kreuz
Hans-Joachim Eckstein
Hans-Joachim Eckstein: Das Wort vom Kreuz. 1 Kor 1,18-21. Online-Veröffentlichung,
Institut für Glaube und Wissenschaft, Marburg 2009 (04.12.2025)
(Die Kürzungen im Text unterbrechen den Gedankengang nicht, sondern nehmen lediglich ergänzende
Aspekte heraus. Offenkundige Druckfehler wurden korrigiert, ohne dabei den Sinn zu verändern.)
Hans-Joachim Eckstein ist evangelischer Theologe.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?1) Thema und Gedankengang des Textes sowie Ecksteins Deutung des Kreuzestodes Jesu
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Hans-Joachim Eckstein setzt sich mit der Bedeutung des Kreuzestodes Jesu und seinem Verhältnis zur Auferstehung auseinander. Ausgangspunkt ist die paulinische Aussage vom gekreuzigten Christus, die für Juden als Ärgernis und für Griechen als Torheit erscheint. Eckstein möchte zeigen, dass sich der Sinn des Kreuzes nicht durch menschliche Logik allein, sondern erst aus der Perspektive der Auferstehung erschließt (vgl. Z. 1–8).
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Zunächst widerspricht Eckstein der Vorstellung, Gott selbst sei für die Kreuzigung Jesu verantwortlich. Schuld seien vielmehr die historischen Machthaber, die Jesus aufgrund ihrer eigenen Interessen und nach den Regeln ihrer Machterhaltung hinrichten ließen (vgl. Z. 9–13).
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Gerade dadurch würden sich diese Herrschenden jedoch selbst entlarven: Die vermeintlich Mächtigen zeigten durch die Hinrichtung des gerechten und unschuldigen Jesus die Ungerechtigkeit ihrer eigenen Herrschaft. Das Kreuz werde somit zum Zeichen dafür, dass scheinbar überlegene Macht letztlich demaskiert werden könne (vgl. Z. 12–20).
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Eckstein weist darauf hin, dass sich dieses Muster auch in späteren geschichtlichen Situationen erkennen lasse, etwa bei Opfern ungerechter Herrschaft oder beim Zusammenbruch politischer Machtordnungen. Das Kreuz stehe daher für die „Entmachtung der vermeintlich Mächtigen“ (vgl. Z. 15–20).
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Anschließend betont Eckstein, dass das Kreuz an sich nichts Heilsames besitzt. Die Kreuzigung sei zunächst ein grausames Hinrichtungsinstrument der Antike. Erst im Licht der Auferstehung erhalte der Tod Jesu für Christinnen und Christen eine heilvolle Bedeutung (vgl. Z. 21–26).
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Deshalb könne es für Eckstein keine neutestamentliche Kreuzestheologie ohne Auferstehung geben. Die Jünger hätten den tieferen Sinn des Kreuzes erst durch die Erfahrung des auferstandenen Christus verstanden. Die Auferstehung sei damit sowohl sachlich als auch erkenntnismäßig die Voraussetzung für die christliche Deutung des Kreuzes (vgl. Z. 23–29).
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Im weiteren Gedankengang wendet sich Eckstein gegen die Vorstellung, beim Tod Jesu habe Gott ein Menschenopfer verlangt, um mit der Menschheit versöhnt werden zu können. Diese Vorstellung verkehre für ihn den eigentlichen Sinn des Geschehens: Nicht ein Mensch werde Gott geopfert, sondern Gott selbst gebe sich dem Menschen hin, um ihn zu gewinnen (vgl. Z. 30–35).
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Auch hier betont Eckstein, dass das Hinrichtungsinstrument selbst keine Heilswirkung habe. Die Heilsbedeutung beginne damit, dass Gott selbst Mensch wird und in Jesus Christus bis zum Kreuz und zur Auferstehung handelt (vgl. Z. 35–43).
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Dass dieser Weg für die menschliche Vernunft zunächst als Torheit erscheine, könne nach Eckstein erst aus der Perspektive der Auferstehung überwunden werden. Die christliche Botschaft dürfe deshalb nicht versuchen, das Kreuz lediglich mit den Maßstäben ihrer Kritiker rational zu rechtfertigen (vgl. Z. 43–48).
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Einen entscheidenden Schwerpunkt setzt Eckstein anschließend bei der Frage nach der Versöhnung. Er weist die Vorstellung zurück, Christus sei gekommen, um einen zornigen oder feindlich gestimmten Gott mit der Welt zu versöhnen. Nicht Gott sei unversöhnt, sondern der Mensch (vgl. Z. 49–55).
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Der Tod Jesu sei daher nicht die Ursache der Liebe Gottes, sondern ihr sichtbarster Ausdruck. Eckstein formuliert: „Christus musste nicht sterben, damit Gott uns liebt, sondern weil Christus gestorben ist, wissen und erkennen wir, dass und wie sehr Gott uns liebt.“ (Z. 56–58)
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Das Kreuz wird damit zum Erkenntnisgrund der bedingungslosen Liebe Gottes. Nicht der Tod Jesu bringt Gott erst dazu, den Menschen zu lieben; vielmehr zeigt sich am Weg Jesu bis ans Kreuz, wie weit Gottes bereits bestehende Liebe zum Menschen reicht (vgl. Z. 49–59).
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Von diesem theologischen Gedanken geht Eckstein anschließend zu den Konsequenzen für das menschliche Leben über. Entscheidend sei, ob sich ein Mensch von Gott nur unter bestimmten Voraussetzungen angenommen fühlt oder ob er von einer unbedingten Annahme ausgehen kann (vgl. Z. 60–67).
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An menschlichen Beziehungen verdeutlicht Eckstein den Unterschied: Bedingte Anerkennung entsteht, wenn Zuwendung von bestimmten Eigenschaften, Leistungen oder Erfolgen abhängig gemacht wird. Dann müsse der Mensch ständig versuchen, Erwartungen zu erfüllen und sich als liebenswert zu erweisen (vgl. Z. 66–79).
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Eine bedingungslose und umfassende Liebe ermögliche dagegen Sicherheit und Freiheit. Wer weiß, dass er nicht erst durch Leistung Anerkennung verdienen muss, könne aufhören, sich ständig zu beweisen und sein Lebensglück vom Urteil anderer abhängig zu machen (vgl. Z. 79–90).
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Diese Erfahrung ermögliche darüber hinaus einen ehrlicheren Umgang mit den eigenen Schwächen. Wer sich auch mit seinen weniger positiven Seiten angenommen weiß, könne den Mut entwickeln, sich diesen Seiten zu stellen und authentischer zu leben, statt aus Angst vor Ablehnung bestimmte Rollen zu spielen (vgl. Z. 91–99).
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Insgesamt deutet Eckstein den Kreuzestod Jesu daher nicht als Opfer, das einen zornigen Gott besänftigen muss, sondern als Ausdruck und Erkenntnisgrund der voraussetzungslosen Liebe Gottes zum Menschen. Aus dieser Liebe können Freiheit, Selbstannahme und ein verantwortlicherer Umgang mit sich selbst und anderen entstehen (vgl. Z. 49–102).
2) Freiheit und Verantwortung im christlichen Menschenbild und Beziehung zu Ecksteins Deutung des Kreuzestodes
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Ein christlich geprägtes Menschenbild geht davon aus, dass der Mensch Geschöpf Gottes und Ebenbild Gottes ist (vgl. Gen 1,26–27). Seine Würde hängt deshalb nicht von Leistung, Erfolg, gesellschaftlichem Status oder der Anerkennung anderer Menschen ab, sondern ist ihm von Gott zugesprochen.
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Daraus ergibt sich eine grundlegende Freiheit des Menschen: Der Mensch muss seinen Wert nicht erst selbst herstellen. Er darf sich als von Gott angenommen verstehen und kann sein Leben aus dieser Zusage heraus gestalten.
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Gleichzeitig ist diese Freiheit nicht mit Beliebigkeit gleichzusetzen. Als Ebenbild Gottes ist der Mensch zur Verantwortung für sich selbst, seine Mitmenschen und die Schöpfung berufen. Freiheit und Verantwortung gehören deshalb im christlichen Menschenbild zusammen.
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Der Mensch besitzt die Möglichkeit, sich für oder gegen das Gute zu entscheiden. In der biblischen Tradition wird damit zugleich seine Schuldfähigkeit ernst genommen. Der Mensch kann seine Freiheit missbrauchen, anderen Menschen Unrecht zufügen und hinter den Möglichkeiten eines verantwortlichen Lebens zurückbleiben.
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Gerade deshalb gehört zum christlichen Menschenbild auch die Vorstellung von Vergebung und Neuanfang. Menschliches Scheitern zerstört die Beziehung Gottes zum Menschen nicht endgültig. Der Mensch bleibt trotz Schuld von Gott gewollt und kann sein Leben neu ausrichten.
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Ecksteins Interpretation des Kreuzes knüpft unmittelbar an diese Vorstellung an. Nach ihm zeigt der Kreuzestod Jesu gerade nicht, dass Gott zunächst versöhnt werden müsse. Vielmehr bestehe die Liebe Gottes bereits vor jeder menschlichen Leistung und unabhängig von menschlichem Versagen (vgl. Z. 49–59).
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Besonders deutlich wird dies in Ecksteins Unterscheidung zwischen bedingter und unbedingter Annahme. Wenn Anerkennung von bestimmten Eigenschaften oder Leistungen abhängt, entsteht Unfreiheit: Der Mensch muss sich ständig beweisen und Erwartungen anderer erfüllen (vgl. Z. 60–79).
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Die im Kreuz erkennbare Liebe Gottes eröffnet dagegen eine besondere Form von Freiheit. Der Mensch kann wissen, dass er „bedingungslos und umfassend geliebt und anerkannt“ ist und sich seine Liebenswürdigkeit nicht erst verdienen muss (vgl. Z. 79–85).
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Diese Freiheit ist damit zunächst eine Freiheit von Leistungs- und Anerkennungszwängen. Der Mensch muss sein Selbstwertgefühl nicht davon abhängig machen, ob er erfolgreich, attraktiv, leistungsfähig oder gesellschaftlich anerkannt ist (vgl. Z. 66–90).
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Daraus entsteht zugleich eine Freiheit zu verantwortlichem Handeln. Wer nicht ständig mit der Sicherung des eigenen Wertes beschäftigt sein muss, kann offener auf andere Menschen zugehen und Beziehungen weniger nach dem eigenen Nutzen beurteilen.
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Ecksteins Gedanke lässt sich damit mit dem christlichen Verständnis von Rechtfertigung verbinden: Der Mensch wird nicht aufgrund eigener Leistungen angenommen, sondern empfängt Gottes Zuwendung als Geschenk. Gerade diese vorausgehende Annahme kann dazu befähigen, verantwortlich und aus Freiheit heraus zu handeln.
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Zugleich ermöglicht die bedingungslose Liebe eine realistische Auseinandersetzung mit eigener Schuld und eigenen Schwächen. Eckstein erklärt, dass ein Mensch, der sich umfassend geliebt weiß, eher den Mut findet, sich auch mit seinen „Schattenseiten“ auseinanderzusetzen (vgl. Z. 91–95).
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Verantwortung bedeutet deshalb nicht, Fehler zu verdrängen. Gerade weil der Mensch nicht befürchten muss, durch sein Versagen seinen gesamten Wert zu verlieren, kann er ehrlicher zu eigenen Fehlern stehen, Verantwortung übernehmen und sein Verhalten verändern.
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Damit unterscheidet sich christliche Freiheit von einem Verständnis, bei dem Freiheit lediglich bedeutet, tun zu können, was man möchte. Sie ist eine Freiheit, die aus einer vorausgehenden Beziehung und Zusage entsteht und auf ein verantwortliches Leben in Beziehung zu anderen ausgerichtet ist.
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Auch Ecksteins Kritik an menschlicher Macht lässt sich hier einordnen. Die Hinrichtung Jesu zeigt, wie Menschen Macht und Freiheit missbrauchen können. Gerade die vermeintlich Mächtigen demaskieren sich durch die Tötung des Gerechten selbst (vgl. Z. 9–20).
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Das Kreuz macht daher sowohl die Gefährdung menschlicher Freiheit durch Machtmissbrauch als auch Gottes Gegenmodell sichtbar: Nicht Herrschaft, Zwang und Selbstbehauptung stehen im Mittelpunkt, sondern Hingabe und Liebe.
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Insgesamt ergibt sich ein enges Verhältnis von Freiheit und Verantwortung: Der Mensch ist von Gott voraussetzungslos angenommen und dadurch von dem Zwang befreit, seinen Wert selbst beweisen zu müssen. Gerade diese Freiheit ermöglicht es ihm, Verantwortung für sein eigenes Handeln, seine Mitmenschen und seine Beziehungen zu übernehmen. Ecksteins Deutung des Kreuzes konkretisiert dieses Menschenbild, indem sie die bedingungslose Liebe Gottes als Grundlage menschlicher Freiheit sichtbar macht.
3) Können Ecksteins Gedanken zum Kreuzestod positive Auswirkungen auf das eigene Leben haben?
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Ecksteins Deutung kann zunächst eine entlastende Wirkung gegenüber Leistungsdruck entfalten. In Schule, Studium oder Beruf entsteht leicht der Eindruck, der eigene Wert hänge von Noten, Erfolg oder beruflicher Leistung ab. Eckstein stellt dem die Erfahrung entgegen, dass ein Mensch nicht erst bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss, um angenommen und geliebt zu werden (vgl. Z. 79–90).
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Ein Schüler, der beispielsweise eine wichtige Prüfung nicht besteht, könnte dadurch zwischen seinem persönlichen Wert und seiner konkreten Leistung unterscheiden. Das Scheitern bliebe zwar real und müsste bearbeitet werden, würde aber nicht bedeuten, als Mensch weniger wert zu sein. Eine solche Haltung könnte helfen, nach Rückschlägen konstruktiver neu anzufangen.
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Ähnliches gilt für die Selbstdarstellung in sozialen Medien. Dort entsteht häufig der Druck, möglichst erfolgreich, attraktiv oder glücklich zu erscheinen. Eckstein beschreibt dagegen, wie belastend es ist, ständig Rollen spielen zu müssen, um Anerkennung zu erhalten (vgl. Z. 74–90).
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Die Vorstellung einer voraussetzungslosen Liebe könnte dazu beitragen, die eigene Identität weniger vom Urteil anderer abhängig zu machen. Wer seinen Wert nicht allein aus Likes, Anerkennung oder sozialer Bestätigung ableitet, kann freier entscheiden, wie er leben möchte.
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Positiv kann Ecksteins Deutung auch für den Umgang mit eigenen Schwächen und Fehlern sein. Wer überzeugt ist, nur dann angenommen zu werden, wenn er fehlerlos erscheint, wird Schwächen eher verbergen. Nach Eckstein ermöglicht gerade die Erfahrung unbedingter Annahme, sich den eigenen Schattenseiten ehrlich zu stellen (vgl. Z. 91–99).
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Ein konkretes Beispiel wäre ein schwerer Fehler in einer Freundschaft. Die Vorstellung, trotz des eigenen Versagens grundsätzlich angenommen zu bleiben, könnte den Mut stärken, Schuld einzugestehen, um Verzeihung zu bitten und Verantwortung für die Folgen zu übernehmen, statt den Fehler aus Angst vor Ablehnung abzustreiten.
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Auch für zwischenmenschliche Beziehungen kann Ecksteins Ansatz hilfreich sein. Menschen erleben häufig eine bedingte Form von Anerkennung, wenn Zuneigung davon abhängt, bestimmte Erwartungen zu erfüllen. Eckstein zeigt, dass Beziehungen tiefer werden können, wenn Menschen sich nicht nur aufgrund bestimmter Eigenschaften oder Leistungen annehmen (vgl. Z. 66–79; 91–102).
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Daraus könnte sich die Haltung entwickeln, auch andere Menschen weniger nach Leistung, Aussehen oder gesellschaftlichem Nutzen zu beurteilen. Die selbst erfahrene bedingungslose Annahme kann so zum Vorbild für den eigenen Umgang mit anderen werden.
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Seine Kreuzesdeutung besitzt außerdem eine gesellschaftliche Dimension. Eckstein sieht im Kreuz eine Entlarvung ungerechter Machtverhältnisse: Die vermeintlich Mächtigen demaskieren sich gerade dadurch, dass sie einen Gerechten töten (vgl. Z. 9–20).
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Für das eigene Leben kann daraus die Motivation entstehen, nicht jede bestehende Machtordnung oder Mehrheitsmeinung einfach hinzunehmen. Beispielsweise kann jemand gegen Ausgrenzung, Mobbing oder ungerechte Behandlung Stellung beziehen, auch wenn dies zunächst Nachteile oder Widerstand mit sich bringt.
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Gleichzeitig sollte Ecksteins Interpretation nicht so verstanden werden, dass christlicher Glaube automatisch alle psychischen oder sozialen Probleme löst. Die Erfahrung einer bedingungslosen Liebe Gottes lässt sich nicht erzwingen. Ein Mensch, der diese religiöse Überzeugung nicht teilt, wird daraus möglicherweise keine persönliche Entlastung erfahren.
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Auch besteht die Gefahr, die Vorstellung bedingungsloser Annahme falsch zu verstehen. Sie bedeutet nicht, dass jedes Verhalten gleichgültig oder ohne Konsequenzen wäre. Gerade Ecksteins Argument ermöglicht vielmehr, Fehler einzugestehen, weil die Person nicht vollständig mit ihrem Fehlverhalten gleichgesetzt werden muss.
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Deshalb kann die Deutung des Kreuzes auch Verantwortung fördern: Wer weiß, dass sein Wert nicht mit jeder Fehlentscheidung verloren geht, kann eher bereit sein, Kritik anzunehmen, eigenes Verhalten zu verändern und Wiedergutmachung zu leisten.
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Für Menschen, die christlichen Glauben teilen, kann außerdem die Vorstellung bedeutsam sein, dass Gott im Kreuz keine distanzierte Macht zeigt, sondern sich selbst hingibt. Das Kreuz kann dadurch als Ausdruck einer Liebe verstanden werden, die den Menschen auch in Scheitern, Schwäche und Verletzlichkeit nicht verlässt (vgl. Z. 30–58).
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Besonders in persönlichen Krisen – beispielsweise bei beruflichem Scheitern, Krankheit, dem Ende einer Beziehung oder dem Verlust gesellschaftlicher Anerkennung – könnte diese Überzeugung Halt geben, weil sie den eigenen Wert nicht von veränderlichen äußeren Bedingungen abhängig macht.
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Insgesamt halte ich Ecksteins Deutung deshalb für lebenspraktisch bedeutsam. Sie kann Menschen dazu ermutigen, ihren eigenen Wert weniger von Leistung und Anerkennung abhängig zu machen, ehrlicher mit eigenen Schwächen umzugehen und andere Menschen ebenfalls voraussetzungsloser anzunehmen.
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Ihre positive Wirkung hängt allerdings davon ab, ob ein Mensch die zugrunde liegende christliche Vorstellung von Gottes Liebe für sich nachvollziehen kann. Auch unabhängig davon enthält Ecksteins Unterscheidung zwischen bedingter und unbedingter Annahme eine überzeugende Einsicht für menschliche Beziehungen: Dauerhafte Freiheit und Sicherheit entstehen dort, wo ein Mensch erfahren darf, dass er nicht erst etwas leisten muss, um als Person angenommen zu sein.