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Situation

While doing research on ways to commemorate victims of crimes against humanity, your American friend came across the photo of a sidewalk in Germany, which you can see on the right. Your friend would like to know more about the story behind it.

Task

Based on the interview, write an email to your friend outlining the information on Gunter Demnig’s project and responses to criticism of the project.

Schwarzweißfoto: drei Stolpersteine im Gehweg vor Hauswand, Pflaster und RegenrohrSchwarzweißfoto: drei Stolpersteine im Gehweg vor Hauswand, Pflaster und Regenrohr

Situation

While doing research on ways to commemorate victims of crimes against humanity, your American friend came across the photo of a sidewalk in Germany, which you can see on the right. Your friend would like to know more about the story behind it.

Task

Based on the interview, write an email to your friend outlining the information on Gunter Demnig’s project and responses to criticism of the project.

Schwarzweißfoto: drei Stolpersteine im Gehweg vor Hauswand, Pflaster und RegenrohrSchwarzweißfoto: drei Stolpersteine im Gehweg vor Hauswand, Pflaster und Regenrohr

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird“

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Herr Demnig, Sie sind der Erfinder der
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Stolpersteine, die in Deutschland fast jeder
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kennt. Ihren Namen dagegen kennt man kaum.
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Halten Sie sich bewusst im Hintergrund?
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Ich habe mich andersrum nie bewusst in den
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Vordergrund gedrängt und nie eigenständig Werbung
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für die Stolpersteine gemacht. Es geht nicht um
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mich. Es geht um die Menschen auf den Steinen. Die
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Familien, die dahinterstehen. Und diejenigen, die
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ihre Geschichte recherchieren und die Steine in
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Auftrag geben. Ich setze sie dann bloß ein.

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Den ersten Stein verlegten Sie im Januar 1995
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in Köln. Er sollte an Sinti und Roma erinnern,
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die von den Nazis verfolgt wurden. Berlin ist
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heute mit mehr als 10.000 die Stadt mit den
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meisten Stolpersteinen, in ganz Europa sind es
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105.000 – das größte dezentrale Mahnmal der
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Welt. Und Sie fahren bis heute täglich durch die
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Republik, um neue zu verlegen.
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Ja, heute waren es neun, in Villingen-Schwenningen. Manche werfen mir vor, dass ich
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das nur noch als Routine sehe, was ich da mache. Das ist nicht so, im Gegenteil: Oft
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reisen Angehörige zu den Verlegungen an. […]

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Am 9. November jähren sich die Novemberpogrome. Was würden Sie sagen:
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Wie steht es in Deutschland um das Erinnern?
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Wir haben in Deutschland viele zentrale Denkstätten, das ist auch gut so. Da werden
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an Tagen wie diesem Kränze abgelegt. Die Stolpersteine dagegen erinnern konstant,
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sie sind mitten in unserem Alltag. Eine riesengroße, historische Karte. Denn die
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Ermordungen und Deportationen sind nicht irgendwo geschehen. Es waren Menschen
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aus unserer Nachbarschaft.

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Hat das auch so viele Jahrzehnte später noch Wirkung?
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Wir arbeiten bei der Verlegung und Pflege immer wieder mit Schulklassen zusammen.
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Anfangs hatten mich mehrere Lehrer gewarnt: Den Schülern stehe das Thema bis zum
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Hals. Ich habe meistens das Gegenteil erfahren. Viele junge Menschen wollen
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verstehen, wie das alles passieren konnte. Und verhindern, dass es wieder passiert.
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Immer wieder sind es auch sie, die für Stolpersteine recherchieren und Spenden
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organisieren. In Berlin-Charlottenburg zum Beispiel haben Schulen Putzpatenschaften
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übernommen. Das ist gelebter Geschichtsunterricht.

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Allerdings sind längst nicht alle Fans der Stolpersteine: In der Vergangenheit
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haben sich Stadträte und Hausverwaltungen immer wieder gegen ihre
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Verlegung gewehrt.
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Ja, hier in Villingen-Schwenningen zum Beispiel sind die Immobilienmakler gegen die
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Steine. Aus Angst, dass dann Neonazis angreifen, Scheiben einwerfen. Dass die
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Häuserpreise leiden. Einmal hat ein Rechtsanwalt in Köln geklagt, dass sein Haus nun
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100.000 Euro weniger wert sei. Er hat verloren. Das Gericht entschied: Die Steine
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wurden aus Bürgerspenden finanziert, die Straße gehört der Stadt.

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Auch von jüdischen Stimmen gibt es Kritik. Ihre berühmteste Gegnerin ist
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Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München
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und mehrere Jahre Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie
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nannte das Projekt „unerträglich“.
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Sie sagt, die Steine würden dazu einladen, die Opfer mit Füßen zu treten – so, wie es
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die Nazis gemacht haben. Und weil sie dagegen ist, haben sich mehrere Städte
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grundsätzlich gegen die Verlegung von Stolpersteinen ausgesprochen. […]

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Was entgegnen Sie dieser Kritik?
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Ich kann sie nicht wirklich verstehen. Die Nazis haben ihre Opfer nicht einfach nur mit
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Füßen getreten, sie hatten ein ausgefeiltes Vernichtungsprogramm. Es ist außerdem
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kein Zufall, dass die Oberfläche der Stolpersteine aus Messing besteht. Dieses Material
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wird durch Benutzung blankpoliert. Heißt: Wer auf Stolpersteinen herumtrampelt, bringt
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sie dadurch zum Glänzen. Charlotte Knobloch wollte lieber eine Erinnerung auf
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Augenhöhe. Das Gute an den Steinen ist aber: Wenn man vor ihnen steht und etwas
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über die Opfer lesen will, muss man sich vor ihnen verbeugen. […]

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Sie sind 76 Jahre alt, noch heute verlegen Sie die meisten Steine selbst.
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Warum?
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[…] Ich möchte die Menschen und ihre Namen dorthin zurückbringen, wo sie ihr
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Zuhause hatten. Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird. In
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meinem eigenen Leben habe ich lange Schweigen erlebt: In der Schule wurden die
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Verbrechen der Nazis nicht behandelt, mein Vater, der im Krieg war, sprach nie darüber.
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Für mich ist das Erinnern ein Lebenswerk geworden.

Laura Dahmer, „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird“, in: Tagesspiegel, 9. November 2023; 638 Wörter

(Foto: privat)

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