III Friede diesem Haus
„‚Die andere Backe hinhalten‘, das scheint tatsächlich jeder Opposition gegenüber dem Bösen den Rückhalt zu nehmen und stattdessen Unterwerfung anzuempfehlen.“ (Material 1, Z. 2-4)
Fasse den Text Material 1 zusammen und zeige dabei das im Text aufscheinende jesuanische Verständnis von Gewaltlosigkeit auf!
„Ein Teil der Verwirrung über diesen Abschnitt aus der Bergpredigt entspringt dem Versäumnis, nach der Zuhörerschaft Jesu zu fragen.“ (Material 1, Z. 18 f.)
Stelle eine Auslegungsvariante der Bibel dar und erkläre vor diesem Hintergrund die Problematik der Auslegung biblischer Texte, wie sie sich in Material 1 und Material 2 zeigt!
„Frieden bezeichnet eine umfassende und dauerhafte Rechtsordnung und Lebensform, bei der Wohl und Wohlstand der Bürger und Bürgerinnen oberste Ziele sind.“ (Material 4, Z. 1 f.)
Erläutere unter Einbeziehung von Material 3 und Material 4 die bleibende ethische Relevanz der Bergpredigt!
Gib drei Prinzipien der katholischen Soziallehre wieder und untersuche, inwiefern diese einen Beitrag zu einem Frieden im Sinne von Schalom (vgl. Material 3) leisten können!
„Das Evangelium ist die Frohe Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes, das sich in der Versöhnung und dem Frieden der Menschheit untereinander und mit Gott verwirklicht.“ (Material 5, Z. 4-6)
Skizziere einen biblischen Zukunftsentwurf und setze diesen in Beziehung zu Material 5!
„Wie können wir Frieden erreichen, wenn wir sein Gesicht nicht kennen?“
Vor dem Hintergrund dieser Frage initiiert das ökumenische Schulprojekt „Frieden ist Klasse!“ eine Fotoausstellung zum Thema „Wie sieht Frieden aus?“. Für die Ausstellung wurden von der Schulgemeinschaft entsprechende Fotos eingereicht.
Du hast dich bereiterklärt, ausgehend von einem dieser Fotos die Eröffnungsrede für die Ausstellung vor der Schulgemeinschaft zu halten.
Wähle eines der Bilder Material 6a-c aus und entwirf dazu unter dem Titel „Wie sieht Frieden aus?“ die Eröffnungsrede für die Ausstellung! Stelle darin das gewählte Bild vor und beziehe in deiner Rede mindestens drei Materialien aus Material 1-Material 5 mit ein.
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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Material 1: Die andere Backe hinhalten?
Walter Wink (1935-2012) war Professor für neutestamentliche Theologie in New York. Er engagierte sich in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (1954-1965) und wurde durch seine innovativen Auslegungen biblischer Texte international bekannt. In diesem Textausschnitt aus dem Jahr 1988 interpretiert er die bekannten Worte aus der Bergpredigt zur Gewaltlosigkeit.
Quelle: https://www.arbeitsstelle-kokon.de/theologie-zu-frieden-und-konflikt/bibeltexte-und-auslegung/matthaeus-538-42/der-dritte-weg-jesu. (für Prüfungszwecke bearbeitet; zuletzt eingesehen am 21.07.2025)
1 Die linke Hand galt in vielen Kulturen als unrein, da sie für Körperreinigungen verwendet wurde. Deshalb war ein Faustschlag mit der linken Hand für Rechtshänder als unschicklich oder unanständig zu betrachten.
2 Martin Luther King (1929-1968): amerikanischer Friedensnobelpreisträger und Bürgerrechtler für die Überwindung von Rassentrennung und sozialer Ungerechtigkeit
Material 2: Gewaltfreier Widerstand oder Unterwerfung?
Dieser Textausschnitt von Walter Wink befasst sich kritisch mit der herkömmlichen Übersetzung des Worts „anthistenai“ in vielen Ausgaben des Neuen Testaments und untersucht dessen tatsächliche Bedeutung im griechischen Urtext.
Quelle: https://www.arbeitsstelle-kokon.de/theologie-zu-frieden-und-konflikt/bibeltexte-und-auslegung/matthaeus-538-42/der-dritte-weg-jesu. (für Prüfungszwecke bearbeitet; zuletzt eingesehen am 21.07.2025)
Material 3: Begriffsbestimmung von Schalom
Die folgende Erläuterung zu dem hebräischen Begriff „Schalom3“, der in deutschen Bibelübersetzungen meist vereinfacht mit „Friede“ wiedergegeben und bis heute im Judentum als Begrüßungsformel verwendet wird, stammt aus dem wissenschaftlichen Onlinelexikon WiBiLex der Deutschen Bibelgesellschaft.
Quelle: https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/friede-schalom. (zuletzt eingesehen am 22.07.2025)
3 Mit dem Begriff „Schalom“ ist der arabische Begriff „Salam“ verwandt. Auch dieser steht für Friede, Wohlergehen, Unversehrtheit sowie Heil und Gesundheit und wird als Begrüßungsformel verwendet.
4 Odil Hannes Steck (1935-2001): evangelischer Alttestamentler
Material 4: Begriffsbestimmung von negativem und positivem Frieden
Die folgende Begriffsbestimmung von „Frieden“ stammt aus dem Politiklexikon der Bundeszentrale für politische Bildung.
Quelle: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17511/frieden/. (zuletzt eingesehen am 22.07.2025)
Material 5: Friede als Kernbotschaft des Evangeliums
Der Text „Friede diesem Haus“ wurde 2024 von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht und greift eine frühchristliche Begrüßungsformel auf, die sich im Lukasevangelium wiederfindet. Er thematisiert die christliche Verantwortung für den Frieden in einer von Konflikten geprägen Welt. Ausgehend von theologischen Grundlagen zeigt der Text, wie Kirche, Gesellschaft und Einzelne zum Frieden beitragen können.
Quelle: Migration menschenwürdig gestalten: Gemeinsames Wort der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Bonn 21.10.2021, S. 102 f. (für Prüfungszwecke bearbeitet)
Material 6: „Wie sieht Frieden aus?“
Material 6a

Material 6b

Material 6c

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monatlich kündbarSchulLV Plus-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Aufgabe 1
Jesu Verständnis von Gewaltlosigkeit
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Der Text Die andere Backe hinhalten? von Walter Wink beschäftigt sich mit der Auslegung der Bergpredigt Jesu und der Frage, wie dessen Forderung nach Gewaltlosigkeit verstanden werden kann.
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Viele Menschen betrachten die Forderung Jesu, auch die andere Backe hinzuhalten, als unrealistischen Idealismus. Sie verstehen diese häufig als Aufforderung, dem Bösen keinen Widerstand entgegenzusetzen und sich widerspruchslos zu unterwerfen (vgl. Material 1, Z. 1–4).
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Walter Wink widerspricht dieser Deutung. Er betont, dass Jesus selbst eine solche passive Unterwerfung nicht praktiziert habe und seine Worte im gesellschaftlichen Zusammenhang seiner Zeit verstanden werden müssen (vgl. Z. 4–10).
Drei mögliche Reaktionen auf Gewalt
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Wink unterscheidet drei grundsätzliche Möglichkeiten, auf Gewalt zu reagieren: Passivität, Gegengewalt und gewaltfreien Widerstand (vgl. Z. 11–12).
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Passivität bedeutet, Gewalt und Unterdrückung ohne Gegenwehr hinzunehmen. Gegengewalt bedeutet, auf Gewalt selbst mit gewaltsamen Mitteln zu reagieren.
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Jesus eröffnet nach Wink einen dritten Weg, bei dem Menschen dem Unrecht aktiv entgegentreten, ohne selbst Gewalt anzuwenden (vgl. Z. 12–14).
Die Bedeutung der anderen Backe
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Wink verdeutlicht seine Interpretation anhand der gesellschaftlichen Verhältnisse zur Zeit Jesu. Ein Schlag mit dem Handrücken auf die rechte Backe galt als besonders demütigende Handlung, mit der gesellschaftlich Untergeordnete herabgesetzt wurden (vgl. Z. 13–20).
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Indem der geschlagene Mensch auch die andere Backe hinhält, widersetzt er sich dieser Demütigung. Der Unterdrücker kann ihn nicht mehr auf dieselbe Weise erniedrigen (vgl. Z. 20–24).
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Die Handlung stellt deshalb keine passive Unterwerfung dar, sondern eine bewusste Form des Widerstands, durch die der Betroffene seine Würde und Gleichwertigkeit behauptet.
Gewaltfreier Widerstand als aktive Handlung
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Jesus fordert nach Wink Menschen, die gesellschaftlicher Unterdrückung ausgesetzt sind, dazu auf, ihre Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und ihre Selbstachtung zu bewahren (vgl. Z. 24–28).
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Der gewaltfreie Widerstand soll den Unterdrücker mit dem Unrecht seines Handelns konfrontieren, ohne ihn durch Gegengewalt zu bekämpfen.
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Als Beispiel nennt Wink gewaltfreie Protestaktionen der Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King. Schwarze Reinigungskräfte setzten sich entgegen den gesellschaftlichen Erwartungen in einem Geschäft auf die für weiße Kunden vorgesehenen Stühle. Dadurch stellten sie die bestehende Ordnung öffentlich infrage (vgl. Z. 29–34).
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Abschließend verdeutlicht Wink, dass Jesus weder zur Unterwerfung noch zur Gegengewalt aufruft, sondern einen aktiven Widerstand ermöglicht, bei dem Menschen ihre Würde zurückgewinnen (vgl. Z. 34–38).
Zusammenfassung
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Jesu Verständnis von Gewaltlosigkeit bedeutet nach Wink nicht, Unrecht widerspruchslos hinzunehmen. Vielmehr fordert Jesus dazu auf, dem Bösen durch aktiven, kreativen und gewaltfreien Widerstand entgegenzutreten.
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Gewaltlosigkeit wird dadurch zu einer Möglichkeit, die eigene Würde zu bewahren und ungerechte Machtverhältnisse infrage zu stellen, ohne neue Gewalt auszuüben.
Aufgabe 2
Historisch-kritische Bibelauslegung
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Die historisch-kritische Methode untersucht biblische Texte vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit, ihrer sprachlichen Gestaltung und ihrer historischen und gesellschaftlichen Bedingungen.
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Sie berücksichtigt, dass biblische Aussagen in bestimmten kulturellen Zusammenhängen entstanden sind und deshalb nicht ohne Weiteres wörtlich auf heutige Situationen übertragen werden können.
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Dabei werden unter anderem die Entstehungsgeschichte, die literarische Form, der ursprüngliche Adressatenkreis und die Absicht des Textes untersucht.
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Ziel ist es, die ursprüngliche Bedeutung biblischer Aussagen möglichst genau zu erschließen und anschließend nach ihrer Bedeutung für die Gegenwart zu fragen.
Anwendung auf Material 1
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Walter Wink verdeutlicht die Bedeutung einer kontextbezogenen Auslegung anhand von Jesu Forderung, die andere Backe hinzuhalten (vgl. Material 1, Z. 1–10).
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Ohne Berücksichtigung der historischen Situation könnte diese Aussage als Aufforderung zur passiven Unterwerfung verstanden werden.
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Wink erklärt jedoch, dass ein Schlag mit dem Handrücken auf die rechte Backe zur Zeit Jesu eine besondere Form gesellschaftlicher Demütigung darstellte (vgl. Z. 13–20).
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Durch das Hinhalten der anderen Backe wird die ursprüngliche Machtsituation verändert. Der Geschlagene widersetzt sich der Demütigung, ohne selbst Gewalt anzuwenden (vgl. Z. 20–28).
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Die historische Einordnung führt somit zu einer anderen Interpretation: Jesus fordert nicht zur Wehrlosigkeit, sondern zum gewaltfreien Widerstand auf.
Problematik der Bibelauslegung
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Material 2 zeigt, dass die Übersetzung eines einzelnen Begriffs die Bedeutung einer biblischen Aussage wesentlich verändern kann.
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Walter Wink kritisiert die herkömmliche Wiedergabe des griechischen Wortes anthistēnai mit „keinen Widerstand leisten“, weil dadurch der Eindruck entstehen könne, Jesus fordere grundsätzlich zur Passivität auf (vgl. Material 2, Z. 1–3).
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Nach Wink setzt sich das Wort aus Bestandteilen zusammen, die auf ein Gegenübertreten beziehungsweise Widerstehen verweisen. Er verbindet es deshalb auch mit gewaltsamer Gegenwehr und schlägt eine differenziertere Deutung vor (vgl. Z. 3–8).
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Damit wird deutlich, dass Übersetzungen bereits bestimmte Interpretationen enthalten können. Unterschiedliche Wiedergaben eines Begriffs können deshalb zu unterschiedlichen ethischen Schlussfolgerungen führen.
Weitere Herausforderungen der Bibelauslegung
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Historischer Abstand: Die gesellschaftlichen Verhältnisse zur Zeit Jesu unterscheiden sich erheblich von heutigen Lebensbedingungen. Ohne historische Kenntnisse können Aussagen missverstanden werden.
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Sprachliche Unterschiede: Biblische Texte wurden ursprünglich in anderen Sprachen verfasst. Bei Übersetzungen können Mehrdeutigkeiten und Bedeutungsnuancen verloren gehen.
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Unterschiedliche Auslegungsmöglichkeiten: Derselbe Bibeltext kann verschieden interpretiert werden. So lässt sich das Hinhalten der anderen Backe entweder als passive Duldung oder als aktiver gewaltfreier Widerstand verstehen.
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Übertragung auf die Gegenwart: Es muss geprüft werden, wie eine ursprünglich an bestimmte Menschen in einer konkreten Situation gerichtete Aussage heute angemessen verstanden und umgesetzt werden kann.
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Gefahr der Instrumentalisierung: Werden biblische Aussagen aus ihrem Zusammenhang gelöst, können sie zur Rechtfertigung bestimmter gesellschaftlicher oder politischer Interessen verwendet werden.
Zusammenführung
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Material 1 und Material 2 verdeutlichen, dass eine angemessene Bibelauslegung sowohl die ursprüngliche Sprache als auch den historischen und gesellschaftlichen Kontext berücksichtigen muss.
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Die historisch-kritische Methode hilft dabei, vorschnelle und einseitige Interpretationen zu vermeiden. Gleichzeitig bleibt die Frage bestehen, wie die erschlossene Bedeutung verantwortungsvoll auf heutige Situationen übertragen werden kann.
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Die Forderung Jesu nach Gewaltlosigkeit zeigt beispielhaft, dass biblische Aussagen nicht ausschließlich nach ihrem heutigen Wortlaut beurteilt werden sollten, sondern im Zusammenhang ihrer Entstehung verstanden werden müssen.
Aufgabe 3
Aufgabe 3.1
Friedensverständnis der Bergpredigt
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Die Bergpredigt (Mt 5–7) gehört zu den zentralen ethischen Texten des Christentums. Jesus beschreibt darin eine Lebenshaltung, die von Nächstenliebe, Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Gerechtigkeit geprägt ist.
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Frieden bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur die Abwesenheit von Gewalt, sondern die Gestaltung gerechter und menschenwürdiger Beziehungen.
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Dieses Verständnis entspricht dem umfassenden Friedensbegriff Schalom, der das Wohlergehen, die Sicherheit und das Heil des Menschen einschließt (vgl. Material 3, Z. 1–5).
Feindesliebe und Gewaltlosigkeit
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Jesus fordert in der Bergpredigt dazu auf, auch die Feinde zu lieben und für diejenigen zu beten, die andere verfolgen (vgl. Mt 5,43–48).
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Damit widerspricht er der Vorstellung, Feindschaft müsse zwangsläufig mit Vergeltung beantwortet werden.
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Die Forderung, die andere Backe hinzuhalten, kann nach Walter Wink als Aufruf zu einem aktiven, gewaltfreien Widerstand verstanden werden (vgl. Material 1, Z. 11–28).
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Gewaltlosigkeit bedeutet somit nicht, Ungerechtigkeit hinzunehmen, sondern ihr entgegenzutreten, ohne selbst Gewalt anzuwenden.
Versöhnung und Friedensstiftung
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Jesus betont die Bedeutung der Versöhnung. Menschen sollen bestehende Konflikte nicht verdrängen, sondern versuchen, gestörte Beziehungen wiederherzustellen (vgl. Mt 5,23–24).
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In den Seligpreisungen bezeichnet er die Friedensstifter als selig (vgl. Mt 5,9).
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Frieden wird damit zu einer aktiven Aufgabe des Menschen, die gegenseitige Anerkennung, Vergebung und die Bereitschaft zur Konfliktlösung voraussetzt.
Gerechtigkeit als Grundlage des Friedens
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Die Bergpredigt verbindet Frieden mit der Forderung nach Gerechtigkeit. Jesus bezeichnet diejenigen als selig, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten (vgl. Mt 5,6).
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Diese Verbindung entspricht dem Verständnis von Schalom, das neben persönlichem Frieden auch gerechte gesellschaftliche Verhältnisse umfasst (vgl. Material 3, Z. 1–5).
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Nach Material 4 lässt sich zwischen negativem und positivem Frieden unterscheiden (vgl. Z. 3–4).
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Negativer Frieden bezeichnet die Abwesenheit direkter beziehungsweise personaler Gewalt.
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Positiver Frieden schließt darüber hinaus die Überwindung struktureller und indirekter Gewalt ein. Er verlangt gesellschaftliche Bedingungen, die ein gerechtes und menschenwürdiges Leben ermöglichen.
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Die Bergpredigt lässt sich deshalb besonders mit dem positiven Friedensverständnis verbinden, da sie neben dem Verzicht auf Gewalt auch Gerechtigkeit, Versöhnung und Nächstenliebe fordert.
Bleibende ethische Relevanz
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Die Forderungen der Bergpredigt besitzen auch heute Bedeutung für den Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten, Diskriminierung und Gewalt.
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Feindesliebe und Gewaltverzicht können dazu beitragen, Eskalationen zu verhindern und Möglichkeiten friedlicher Konfliktlösung zu eröffnen.
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Das Beispiel der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King zeigt, dass gewaltfreier Widerstand auch zur Veränderung ungerechter gesellschaftlicher Verhältnisse eingesetzt werden kann (vgl. Material 1, Z. 25–38).
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Die Bergpredigt fordert dabei nicht nur individuelle Friedfertigkeit, sondern auch eine bewusste Auseinandersetzung mit ungerechten Machtverhältnissen.
Zusammenführung
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Die bleibende ethische Bedeutung der Bergpredigt besteht darin, dass sie Frieden als aktive Aufgabe versteht. Menschen sollen Gewalt überwinden, Versöhnung ermöglichen und gerechte Beziehungen gestalten.
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In Verbindung mit dem Schalom-Verständnis und dem positiven Friedensbegriff wird deutlich, dass dauerhafter Frieden nicht allein durch die Abwesenheit von Krieg und Gewalt entsteht, sondern auch soziale Gerechtigkeit und menschliches Wohlergehen voraussetzt.
Aufgabe 3.2
Grundlagen der katholischen Soziallehre
Die katholische Soziallehre beschäftigt sich mit der gerechten Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Ihre grundlegenden Prinzipien orientieren sich am christlichen Menschenbild und an der unveräußerlichen Würde jedes Menschen.
1. Personalitätsprinzip
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Das Personalitätsprinzip geht davon aus, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist und deshalb eine unveräußerliche Würde besitzt (vgl. Gen 1,27).
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Diese Würde gilt unabhängig von Herkunft, Geschlecht, gesellschaftlicher Stellung oder Leistungsfähigkeit.
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Gesellschaftliche und politische Strukturen müssen sich deshalb am Wohl des Menschen orientieren und seine grundlegenden Rechte schützen.
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Beitrag zum Schalom: Die Anerkennung gleicher Menschenwürde bildet eine Voraussetzung für gerechte und friedliche Beziehungen. Diskriminierung, Ausgrenzung und Entwürdigung widersprechen diesem Grundsatz.
2. Solidaritätsprinzip
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Das Solidaritätsprinzip betont die gegenseitige Verbundenheit und Verantwortung aller Menschen.
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Menschen sollen nicht ausschließlich ihre eigenen Interessen verfolgen, sondern sich besonders für Benachteiligte und Hilfsbedürftige einsetzen.
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Solidarität kann sich im persönlichen Handeln, durch soziale Einrichtungen oder durch politische Maßnahmen verwirklichen.
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Beitrag zum Schalom: Solidarität hilft, Armut, Ausgrenzung und gesellschaftliche Ungleichheit zu überwinden. Sie fördert damit das umfassende Wohlergehen der Gemeinschaft.
3. Subsidiaritätsprinzip
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Das Subsidiaritätsprinzip fordert, dass gesellschaftliche Aufgaben möglichst von der kleineren Gemeinschaft übernommen werden sollen, die dazu in der Lage ist.
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Übergeordnete Institutionen sollen die Selbstständigkeit kleinerer Gemeinschaften respektieren und ihnen keine Aufgaben unnötig entziehen.
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Gleichzeitig müssen sie Unterstützung leisten, wenn Einzelpersonen oder kleinere Gruppen überfordert sind.
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Das Prinzip verbindet somit Eigenverantwortung mit notwendiger Unterstützung.
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Beitrag zum Schalom: Subsidiarität ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und schützt vor unnötiger Fremdbestimmung. Zugleich verhindert sie, dass Menschen bei der Bewältigung ihrer Lebensbedingungen alleingelassen werden.
Zusammenhang der drei Prinzipien
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Das Personalitätsprinzip bildet die Grundlage, da die Würde des Menschen im Mittelpunkt steht.
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Das Solidaritätsprinzip verdeutlicht die Verantwortung der Menschen füreinander.
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Das Subsidiaritätsprinzip beschreibt, wie diese Verantwortung auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen wahrgenommen werden soll.
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Gemeinsam sollen die Prinzipien eine Gesellschaft ermöglichen, in der Menschen selbstbestimmt leben, gegenseitige Unterstützung erfahren und ihre grundlegenden Rechte geschützt werden.
Beitrag zu einem umfassenden Frieden
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Material 3 beschreibt Schalom als einen umfassenden Zustand von Frieden, Wohlergehen, Glück, Ruhe und Sicherheit (vgl. Z. 1–5).
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Die katholische Soziallehre kann dazu beitragen, solche Lebensbedingungen zu verwirklichen, indem sie Menschenwürde, gesellschaftliche Verantwortung und Teilhabemöglichkeiten in den Mittelpunkt stellt.
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Besonders im Zusammenhang mit dem positiven Friedensbegriff aus Material 4 wird ihre Bedeutung deutlich: Frieden erfordert nicht nur die Abwesenheit direkter Gewalt, sondern auch die Überwindung ungerechter gesellschaftlicher Strukturen (vgl. Material 4, Z. 3–4).
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Beispielsweise können soziale Sicherungssysteme, gerechte Bildungschancen und die Unterstützung benachteiligter Menschen einen Beitrag zur Verringerung struktureller Ungerechtigkeit leisten.
Begründetes Urteil
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Die drei Prinzipien der katholischen Soziallehre bieten wichtige ethische Maßstäbe für die Gestaltung eines umfassenden Friedens im Sinne von Schalom.
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Ihre Stärke besteht darin, dass sie sowohl die Würde des Einzelnen als auch die Verantwortung für die Gemeinschaft berücksichtigen.
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Allerdings können sie gesellschaftliche Konflikte nicht allein durch ihre Formulierung überwinden. Entscheidend ist, dass Menschen und politische Institutionen sie tatsächlich umsetzen.
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Insgesamt leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einem positiven Frieden, da sie die Voraussetzungen für ein gerechtes, solidarisches und menschenwürdiges Zusammenleben beschreiben.
Aufgabe 4
Biblischer Zukunftsentwurf – Das Reich Gottes
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Im Mittelpunkt der Verkündigung Jesu steht die Botschaft vom Reich Gottes, also von der anbrechenden Herrschaft Gottes, die durch Liebe, Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden gekennzeichnet ist.
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Jesus verkündet, dass das Reich Gottes nahegekommen ist, und ruft die Menschen zur Umkehr auf (vgl. Mk 1,15).
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Das Reich Gottes ist dabei nicht als gewöhnlicher politischer Staat zu verstehen, sondern als eine Wirklichkeit, in der Gottes Wille zum Heil der Menschen verwirklicht wird.
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Es besitzt eine gegenwärtige und eine zukünftige Dimension: Durch Jesu Handeln wird es bereits erfahrbar, seine endgültige Vollendung steht jedoch noch aus.
Biblische Vorstellungen von einer friedlichen Zukunft
1. Die Friedensvision des Propheten Jesaja (Jes 2,2–5)
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Jesaja beschreibt eine Zukunft, in der die Völker ihre Konflikte nicht mehr mit Waffen austragen.
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Schwerter werden zu Pflugscharen und Speere zu Winzermessern umgeschmiedet (vgl. Jes 2,4).
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Diese Vision verdeutlicht, dass Gewalt und Krieg überwunden und die vorhandenen Mittel stattdessen für das Leben eingesetzt werden sollen.
2. Das Friedensreich Gottes (Jes 11,1–9)
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Jesaja beschreibt eine zukünftige Herrschaft, die von Gerechtigkeit und Frieden geprägt ist.
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In der Bildsprache des Textes leben sogar natürliche Feinde wie Wolf und Lamm friedlich miteinander.
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Die Darstellung symbolisiert eine umfassende Überwindung von Feindschaft, Bedrohung und Gewalt.
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Frieden betrifft damit nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen, sondern die gesamte Schöpfung.
3. Die Seligpreisungen Jesu (Mt 5,3–12)
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Jesus spricht insbesondere Armen, Trauernden, Verfolgten und Menschen, die nach Gerechtigkeit verlangen, Gottes Nähe und zukünftiges Heil zu.
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Die Friedensstifter werden als Kinder Gottes bezeichnet (vgl. Mt 5,9).
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Die Seligpreisungen verbinden die Hoffnung auf Gottes zukünftige Gerechtigkeit mit der Aufforderung, bereits gegenwärtig entsprechend zu handeln.
4. Die neue Schöpfung (Offb 21,1–4)
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Die Offenbarung beschreibt eine neue Welt, in der Gott bei den Menschen wohnen wird.
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Leid, Tod, Trauer und Schmerz werden endgültig überwunden.
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Diese Vorstellung bildet eine eschatologische Hoffnung auf die Vollendung der Schöpfung und die endgültige Verwirklichung des Friedens.
Bereits gegenwärtige Verantwortung
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Die biblischen Zukunftsbilder beschreiben nicht nur eine Hoffnung auf eine ferne Zukunft, sondern geben Orientierung für das menschliche Handeln in der Gegenwart.
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Menschen sollen sich bereits heute für Gerechtigkeit, Versöhnung und gewaltfreie Konfliktlösung einsetzen.
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Besonders die Reich-Gottes-Botschaft Jesu verbindet die Hoffnung auf Gottes zukünftige Herrschaft mit der Aufforderung zu einem veränderten Leben.
Bezug zu Material 5 – Friede als Kernbotschaft des Evangeliums
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Material 5 stellt den Frieden als zentrale Botschaft des Evangeliums heraus. Bereits der Friedensgruß Jesu an seine Jünger verdeutlicht die besondere Bedeutung des Friedens (vgl. Material 5, Z. 1–3).
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Die Frohe Botschaft besteht nach dem Text im anbrechenden Reich Gottes, das sich in der Versöhnung und im Frieden der Menschen untereinander und mit Gott verwirklicht (vgl. Z. 3–6).
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Christinnen und Christen sollen sich diese Botschaft zu eigen machen und sie in die Welt hinaustragen (vgl. Z. 6–8).
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Dabei genügt es nicht, lediglich eine innere Umkehr zu vollziehen. Das Evangelium verlangt auch eine Veränderung gewaltvoller Lebensverhältnisse (vgl. Z. 8–10).
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Deshalb können die Gläubigen angesichts von Krieg, Konflikten und Unfrieden nicht schweigen (vgl. Z. 10–12).
Zusammenführung
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Die biblischen Zukunftsentwürfe beschreiben eine Welt, in der Gewalt, Leid und Ungerechtigkeit überwunden sind und Menschen in Frieden miteinander und mit Gott leben.
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Material 5 verdeutlicht, dass diese Hoffnung nicht zur Passivität führen darf. Vielmehr verpflichtet die christliche Friedensbotschaft dazu, bereits in der Gegenwart an der Verwirklichung gerechter und friedlicher Lebensbedingungen mitzuwirken.
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Der biblische Zukunftsentwurf ist somit gleichzeitig Hoffnung auf Gottes endgültigen Frieden und Auftrag zum gegenwärtigen Friedenshandeln.
Aufgabe 5
Eröffnungsrede zur Fotoausstellung „Wie sieht Frieden aus?“
Begrüßung und Hinführung
Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, liebe Lehrkräfte, liebe Gäste,
herzlich willkommen zu unserer Fotoausstellung „Wie sieht Frieden aus?“.
Wenn wir an Frieden denken, stellen wir uns häufig eine Welt ohne Krieg und Gewalt vor. Doch ist Frieden wirklich nur die Abwesenheit von Konflikten? Oder beginnt er bereits dort, wo Menschen einander mit Respekt, Liebe und Fürsorge begegnen?
Unsere Ausstellung möchte dazu einladen, über diese Fragen nachzudenken und Frieden aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.
Vorstellung und Deutung des Fotos
Besonders deutlich wird für mich die Bedeutung des Friedens auf dem Foto, das eine Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen zeigt (Material 6c).
Darauf sehen wir eine junge Frau mit einem Baby auf dem Arm, einen Mann und einen älteren Herrn im Rollstuhl. Die Menschen begegnen sich freundlich und zugewandt. Besonders der Blickkontakt zwischen der jungen Frau und dem älteren Herrn vermittelt Nähe und gegenseitige Wertschätzung.
Für mich zeigt dieses Foto, dass Frieden bereits im alltäglichen Zusammenleben entsteht. Menschen unterschiedlicher Generationen begegnen sich, schenken einander Aufmerksamkeit und erfahren Gemeinschaft.
Frieden bedeutet hier, dass niemand aufgrund seines Alters oder seiner Lebenssituation ausgeschlossen wird, sondern jeder Mensch Anerkennung und Zugehörigkeit erfährt.
Frieden als Schalom und gesellschaftliche Aufgabe
Diese Vorstellung entspricht dem biblischen Begriff Schalom, der nicht nur die Abwesenheit von Gewalt bezeichnet, sondern eine umfassende, lebensfördernde Ordnung. Dazu gehören Wohlergehen, Glück, Ruhe und Sicherheit (vgl. Material 3, Z. 1–5).
Auch auf dem ausgewählten Foto wird dieser umfassende Frieden sichtbar, da die Menschen einander wahrnehmen und mit Respekt begegnen.
Allerdings genügt es nicht, lediglich friedlich miteinander umzugehen. Wirklicher Frieden setzt auch gerechte gesellschaftliche Bedingungen voraus.
Deshalb unterscheidet man zwischen negativem Frieden, der Abwesenheit direkter Gewalt, und positivem Frieden, der auch die Überwindung struktureller und indirekter Gewalt umfasst (vgl. Material 4, Z. 3–4).
Gerade ältere oder pflegebedürftige Menschen benötigen Unterstützung und gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten. Frieden bedeutet deshalb auch, Ausgrenzung entgegenzuwirken und die Würde aller Menschen zu schützen.
Gewaltlosigkeit und Verantwortung
Dass Frieden aktives Handeln erfordert, zeigt auch die Bergpredigt Jesu.
Jesus fordert dazu auf, die andere Backe hinzuhalten. Walter Wink versteht diese Aussage jedoch nicht als passive Unterwerfung, sondern als dritten Weg zwischen Passivität und Gegengewalt (vgl. Material 1, Z. 11–14).
Menschen sollen sich gegen Erniedrigung und Ungerechtigkeit wehren, ohne selbst Gewalt anzuwenden. Dadurch können sie ihre Würde bewahren und ungerechte Machtverhältnisse infrage stellen (vgl. Material 1, Z. 20–28).
Auch das Foto erinnert uns daran, dass Frieden gegenseitige Achtung voraussetzt. Wenn Menschen ausgegrenzt oder ungerecht behandelt werden, dürfen wir deshalb nicht einfach wegsehen.
Frieden als christlicher Auftrag
Die Bedeutung des Friedens zeigt sich außerdem in der christlichen Botschaft vom Reich Gottes.
Jesus verkündet eine Wirklichkeit, in der sich Gottes Herrschaft durch Versöhnung und Frieden zwischen den Menschen und mit Gott verwirklicht (vgl. Material 5, Z. 3–6).
Der Friedensgruß „Friede diesem Haus!“ (Lk 10,5) bringt diese Botschaft besonders deutlich zum Ausdruck.
Dabei reicht es nicht aus, Frieden nur zu wünschen. Das Evangelium fordert auch eine Veränderung gewaltvoller Lebensverhältnisse und verpflichtet Christinnen und Christen, angesichts von Krieg und Ungerechtigkeit nicht zu schweigen (vgl. Material 5, Z. 6–12).
Die dargestellte Begegnung macht deutlich, dass dieser Auftrag bereits im Kleinen beginnen kann: durch Hilfsbereitschaft, gegenseitigen Respekt und die Übernahme von Verantwortung füreinander.
Abschluss und persönlicher Appell
Liebe Gäste,
das ausgewählte Foto zeigt keinen Friedensvertrag und keine große politische Entscheidung. Es zeigt eine alltägliche Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen (Material 6c).
Gerade darin liegt seine besondere Botschaft: Frieden beginnt im Kleinen, darf aber nicht dort enden.
Er entsteht durch gegenseitige Achtung und Fürsorge, verlangt aber ebenso den Einsatz für Gerechtigkeit und die Überwindung gesellschaftlicher Ungleichheiten.
Deshalb möchte ich uns allen zum Abschluss eine Frage mitgeben:
Was können wir selbst dazu beitragen, dass sich andere Menschen in unserer Gemeinschaft gesehen, respektiert und angenommen fühlen?
Vielleicht beginnt Frieden genau dort, wo wir diese Frage nicht nur stellen, sondern auch danach handeln.
Vielen Dank für eure und Ihre Aufmerksamkeit.