Aufgaben B
I. Kunstgeschichte/Kunsttheorie
Expressionismus – Drucktechnik
Definiere den Begriff „Expressionismus“ unter Berücksichtigung der Wortbedeutung und nimm Bezug auf die Absichten und Grundgedanken der expressionistischen Künstler.
Viele Vorbilder und Einflüsse prägen den Expressionismus.
Zähle drei bedeutende Vorbilder für die Künstler des Expressionismus auf.
Beschreibe, auf welche Weise diese Vorbilder jeweils die expressionistische Kunst beeinflussen.
Neben dem „Blauen Reiter“ bildet sich in Deutschland noch eine zweite expressionistische Künstlergruppe heraus.
Nenne den Namen dieser Gruppierung und zwei Vertreter (keine in der Angabe erwähnte) mit jeweils einem passenden Werk.
Zeige typische Bildthemen dieser Künstlergruppe auf.
Die Abkehr der Expressionisten von der Tradition zeigt sich insbesondere in einem veränderten Umgang mit dem Gestaltungsmittel Form. Erläutere diese Aussage.
In diesem Zusammenhang experimentieren einige Expressionisten mit der Technik des Holzschnitts. Dabei handelt es sich wie auch beim Linolschnitt um ein Hochdruckverfahren. Beschreibe, wie man bei dieser Technik vorgeht.
II. Kunstbetrachtung
Max Liebermann (Impressionismus) – Marianne von Werefkin (Expressionismus)
– Laura Lechner (Installation)
Ihnen liegen die Reproduktionen folgender Werke vor:
Max Liebermann: „Wäschetrocknen – Die Bleiche“, 1890
Marianne von Werefkin: „Wäscherinnen“, um 1909
Beide Bilder zeigen Frauen bei Tätigkeiten rund um das Waschen und Trocknen von Wäsche. Arbeite inhaltliche Unterschiede heraus.
Vergleiche beide Gemälde hinsichtlich:
a) Farbe b) Malweise c) Raum
Außerdem liegen Ihnen zwei Fotografien der Installation „Waschfrauen“ vor, die ein Teil der Gesamtinstallation „Alltagsmenschen“ von Laura Lechner sind.
Die leicht überlebensgroßen Figuren aus Beton werden für einen begrenzten Zeitraum im Stadtgebiet wechselnder Orte aufgebaut.
Beschreibe, wie der Betrachter in die Installation eingebunden wird.
Die Ausstellung, die mehrere auf das Stadtgebiet verteilte Figurengruppen umfasst, trägt den Namen „Alltagsmenschen“. Nimm Stellung zur Wahl des Titels.
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Max Liebermann: Wäschetrocknen – Die Bleiche, 1890,
Öl auf Holz, 26,5 x 37,5 cm

Marianne von Werefkin: Wäscherinnen, um 1909,
Tempera auf Papier auf Pappe, 50,5 x 64,6 cm


Laura Lechner: Alltagsmenschen,
Fotos von der Ausstellung in Marktredwitz, 2024
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Expressionismus – Drucktechnik
„Expressionismus“:
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Expressionismus (lat. expressio = Ausdruck) ist eine Ausdruckskunst.
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Ihr Ziel ist die Steigerung des Ausdrucks, um eine emotionale Wirkung beim Betrachter hervorzurufen.
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Es ist ihre Absicht, die Farbigkeit zu übersteigern und die Form auf das Wesentliche zu reduzieren.
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Die Expressionisten streben nicht nach einer naturgetreuen Wiedergabe. Sie wollen die Welt nicht in ihrer flüchtigen Erscheinung einfangen, wie es die Impressionisten getan haben,
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sondern das innere Wesen der Motive und ihre eigenen Empfindungen zum Ausdruck bringen.
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Die Künstler wollen außerdem nicht konventionell sein und traditionellen Schönheitsidealen nacheifern.
Drei bedeutende Vorbilder für die Künstler des Expressionismus:
z. B.
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Vincent van Gogh
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Kunst der Naturvölker
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Kinderzeichnung
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Van Gogh beeinflusst vor allem durch seinen ausdrucksstarken Malstil mit starken Konturen und intensiven, kontrastreichen Farben.
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Für die Masken und Skulpturen der Urvölker Afrikas ist die naturalistische Wiedergabe der Wirklichkeit nicht wichtig, sondern die freie Ausdrucksfähigkeit, wobei die Form meist auf die wichtigsten Aspekte reduziert wird.
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Kinder unterdrücken ihre Gefühle nicht, sie bringen diese in Kinderzeichnungen spontan und frei zum Ausdruck, indem sie Formen auf das Wesentliche reduzieren und eine intensive Farbigkeit einsetzen.
Namen dieser Gruppierung und zwei Vertreter:
„Die Brücke“
z. B.
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Otto Müller:
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„Badende“
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Erich Heckel:
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„Der Dorfteich“
Typische Bildthemen dieser Künstlergruppe:
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Die Großstadt in ihren verschiedenen, meist negativen Facetten:
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Anonymität, Außenseiter, Einsamkeit
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Gewalt, Hässliches in Form von verzerrten Grimassen
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schonungslose Bilder von Sucht, Krankheit oder Tod
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Im Gegensatz dazu: Aktdarstellung von Menschen in freier Natur nach dem Vorbild der „primitiven“ Kunst
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Durch Reduzierung der Form wird die Steigerung des Ausdrucks erreicht.
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Dies führt zu einer vorwiegend flächigen Wirkung.
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Die Formen sind häufig scharf begrenzt und durch meist dunkle Konturen betont.
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Sie erscheinen (z. B. im norddeutschen Expressionismus und bei den Brücke-Künstlern) teilweise grob und verzerrt.
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Wichtiges wird entgegen der natürlichen Proportionen verändert dargestellt.
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Zu Gunsten des Ausdrucks wird eine naturgetreue Wiedergabe von Oberfläche bzw. Stofflichkeit und Details aufgegeben.
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Das Motiv wird auf den Druckstock spiegelverkehrt übertragen.
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Aus dem Druckstock werden mit besonderen Messern (z. B. Hohleisen, Geißfuß)
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die Stellen, die nicht drucken sollen, herausgehoben.
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Die erhabenen Stellen werden mit Farbe eingewalzt und
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mit Hilfe einer Druckpresse oder per Handdruck auf Papier gepresst.
II. Kunstbetrachtung
Max Liebermann (Impressionismus) – Marianne von Werefkin (Expressionismus) – Laura Lechner (Installation)
Liebermann
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lediglich eine Frau als Rückenfigur beim Aufhängen oder Abnehmen von Wäsche
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stürmisches Wetter mit zum Teil am Boden liegenden Tüchern
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Szene zwischen Bäumen in einem großen, weitläufigen Garten
Werefkin
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drei Frauen mit Kopftüchern, zwei davon als Rückenfigur, und ein Mädchen
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Waschen und Aufhängen der Wäsche
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Szene in einem Innenhof mit Beet
Farbe
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Lokalfarbe (braunes Kleid) und stellenweise Erscheinungsfarbe (rosa-blaue Schattierung auf weißen Laken im Vordergrund)
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in ihrer Leuchtkraft gebrochene Farben (v. a. Pastelltöne, getrübte Grüntöne)
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Hell-Dunkel-Kontrast (weiße Laken – Pfahl)
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Kalt-Warm-Kontrast (blaue – rosafarbene Wäsche)
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abgeschwächter Komplementärkontrast (rot-rosafarbene Wäschestücke – grüne Bäume)
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Lokalfarbe (rotes Dach) und stellenweise Ausdrucksfarbe (graues Kindergesicht)
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breite Farbpalette mit kräftigen Farbtönen, intensives Blau (Wäschekörbe)
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Hell-Dunkel-Kontrast (weißes Laken – dunkle Bluse)
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Kalt-Warm-Kontrast (blaugrauer Himmel – rotes Dach)
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Komplementärkontrast (rosarote Blumen – grünes Blattwerk)
Malweise
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skizzenhafter, deutlich erkennbarer, dynamischer Duktus (hängende Wäsche)
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teils durchscheinender Bilduntergrund (linker Bildrand)
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pastoser Farbauftrag (Hintergrund)
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deutlich sichtbare Pinselspuren (Blumenbeet)
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flächiger Farbauftrag (Hauswand)
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teils durchscheinender Bilduntergrund (Arm des Mädchens)
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pastoser Farbauftrag (Blumen im Beet)
Raum
raumschaffende Elemente durch:
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Überschneidung (Pfahl, Wäsche, Hintergrund)
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perspektivische Verkleinerung (Frau – Baumstämme)
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Höhenunterschiede in der Positionierung (Frau oberhalb der liegenden Wäsche)
aber
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teilweise reduzierte Räumlichkeit durch skizzenhafte Malweise und Formauflösung (Baumkronen)
raumschaffende Elemente durch:
-
Überschneidung (Wäschetonnen, Beet, Frauen)
aber
-
durch Mauer versperrter Blick in den Tiefenraum
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perspektivisches Aufkippen des Blumenbeetes
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Spiel mit der partiellen Umkehrung der Farbperspektive (blaue Wäschetonnen im Vordergrund, rotes Wäschestück an Leine)
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Der Betrachter kann zwischen die allansichtigen Figuren treten, sie umschreiten und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.
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Die Figuren laden dazu ein, selbst Teil des Kunstwerks zu werden, indem man sich neben sie stellt und sich mit ihnen fotografiert.
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Die Szene gleicht einer Art „Schnappschuss“ aus dem Alltag, denn die als Gruppe interagierenden Figuren werden bei alltäglichen Tätigkeiten gezeigt (Begegnung auf dem Wäscheplatz neben dem Brunnen beim Wäschetrocknen).
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Allerdings wirken sie etwas antiquiert (Kittelschürzen, Kopftücher, Weidenkorb) und damit nicht mehr alltäglich, da in modernen Haushalten das Reinigen und Trocknen der Wäsche meist von Waschmaschine und Wäschetrockner übernommen wird.
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Die Bemalung ist stark an der Wirklichkeit orientiert und verleiht den Figuren ein natürliches, alltägliches Erscheinungsbild – was bei vielen anderen künstlerischen Plastiken, z. B. aus Bronze, nicht der Fall ist.
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Durch ihre leicht überproportionale Darstellungsweise (etwas größer und voluminöser) und die eingefrorene Haltung heben sich die Figuren von lebenden, alltäglichen Personen ab.