Aufgaben C
I. Kunstgeschichte/Kunsttheorie
Surrealismus – Realismus
Beschreibe wesentliche zeitgeschichtliche Einflüsse, die zur Entstehung des Surrealismus beitragen.
Erkläre die Bedeutung des Begriffs „Surrealismus“ und informiere über dessen Entstehung.
Die Werke dieser Epoche lassen sich zwei Strömungen zuordnen, wovon eine der veristische Surrealismus ist.
Nenne den Namen der anderen Stilrichtung und führe für beide jeweils einen Künstler (keinen der in der Angabe genannten) mit einem zugehörigen Werk an.
Die Künstler des veristischen Surrealismus orientieren sich an der sichtbaren Realität der Objekte. Allerdings verändern sie diese, um eine fantastische und irritierende Bildsituation zu schaffen. Erläutere drei Möglichkeiten der Verfremdung.
Der Zufall spielt im Gestaltungsprozess vieler surrealistischer Werke eine wichtige Rolle. Beschreibe zwei solcher Zufallstechniken.
Frühere Epochen, wie der Realismus, haben eine völlig andere Sicht auf die Wirklichkeit.
Zeige wesentliche Grundgedanken des Realismus auf.
Charakterisiere die vorherrschende Wahl der Motive und deren farbliche Umsetzung.
II. Kunstbetrachtung
Pieter Bruegel der Ältere (Renaissance) – Vincent van Gogh (Wegbereiter der Moderne) – Jianhui Liao (zeitgenössische Fotografie)
Ihnen liegen die Reproduktionen folgender Werke vor:
Pieter Bruegel der Ältere: „Die Bauernhochzeit“, um 1568
Vincent van Gogh: „Die Kartoffelesser“, 1885
In beiden Werken spielt das Thema „Essen“ eine wichtige Rolle. Analysiere die Gemälde hinsichtlich wesentlicher inhaltlicher Unterschiede.
Vergleiche beide Gemälde hinsichtlich:
a) Form b) Farbe c) Malweise d) Licht
Zusätzlich liegt Ihnen die Farbfotografie „Cauldron Noodles“ (übersetzt: Kesselnudeln) von Jianhui Liao vor. Sie zeigt Menschen bei einem jährlichen Fest zu Ehren der Göttin Nuwa in China.
Erläutere, wie der Fotograf mit kompositorischen und perspektivischen Mitteln einen besonderen Blickwinkel schafft.
Lege mögliche unterschiedliche Absichten dar, die Jianhui Liao und Vincent van Gogh mit der Darstellung des Themas „Essen“ jeweils in ihren Werken erreichen wollen.
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Vincent van Gogh: Die Kartoffelesser, 1885,
Öl auf Leinwand, 81,5 x 114,5 cm

Pieter Bruegel der Ältere: Die Bauernhochzeit, um 1568,
Öl auf Eichenholz, 114 x 164 cm

Jianhui Liao: Cauldron Noodles, 2019
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Surrealismus – Realismus
Zeitgeschichtliche Einflüsse, die zur Entstehung des Surrealismus beitragen:
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Der Surrealismus entsteht unter anderem als Reaktion auf die traumatischen Erfahrungen im 1. Weltkrieg und dessen Folgen.
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Denn eine bis dahin unbekannte Brutalität mit dem Einsatz von Giftgas fordert zahlreiche Todesopfer (etwa 700.000 Soldaten sterben auf dem Schlachtfeld von Verdun).
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Verzweifelte, verletzte und verstörte Soldaten sowie Zivilisten kehren in ihre Heimat zurück.
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Viele Künstler und Intellektuelle halten die bürgerliche Kultur, in welcher nur skrupellose Ausbeuter erfolgreich zu sein scheinen, für unglaubwürdig und wenden sich provokativ gegen Militär, Justiz und die Regierung.
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Insbesondere die Dada-Bewegung prägt mit ihrer Ablehnung konventioneller Kunstformen den Surrealismus.
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Sigmund Freud entwickelt in dieser Zeit seine Theorien über die Erforschung des Unterbewusstseins. Er verwendet die Traumdeutung als Mittel der Psychoanalyse. Dabei lenkt er sein Augenmerk auf die freie Assoziation, die zu tieferen Erkenntnissen führen soll.
„Surrealismus“:
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Der Begriff „Surrealismus“ kommt aus dem Französischen und heißt wörtlich übersetzt „über die Realität hinausgehen“ bzw. „eine andere Realität schaffen“.
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Damit wird die Darstellung von traumhaften, unwirklichen Situationen oder Bedingungen beschrieben, die das Wahrnehmbare übersteigen.
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André Breton prägt den Begriff, indem er 1924 das sogenannte „Manifest des Surrealismus“ veröffentlicht. Darin definiert er diesen als die Auflösung der scheinbar gegensätzlichen Zustände von Traum und Realität in einer neuen Wirklichkeit.
Absoluter oder Abstrakter Surrealismus
z. B.
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Joan Miró:
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„Karneval des Harlekins“
Veristischer Surrealismus
z. B.
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René Magritte:
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„Die persönlichen Werte“
Drei Möglichkeiten der Verfremdung:
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Metamorphose:
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Ein Objekt verwandelt sich in ein anderes, z. B. Schuhe, die zu Füßen werden.
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Verwendung falscher Proportionen beziehungsweise Größenverhältnisse,
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z. B. indem kleine Gegenstände absichtlich viel zu groß oder große Gegenstände viel zu klein dargestellt werden wie etwa ein Apfel, der ein ganzes Zimmer ausfüllt.
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Physikalische Gesetze werden außer Kraft gesetzt,
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z. B. die Uhren, die ihre feste Form verlieren und zerfließen.
Zufallstechniken:
z. B.
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Fumage (Rauchbild):
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Die Flamme einer Kerze streicht am Zeichenblatt vorbei und hinterlässt weich fließende Schatten, die als Inspiration dienen und weiter bearbeitet werden.
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Décalcomanie (Abklatschbild):
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Man tropft Farbe auf ein Blatt Papier, drückt dann ein anderes Blatt darauf und zieht es ab, wodurch zufällige Strukturen erzeugt werden.
Grundgedanken des Realismus:
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Die Künstler sind bestrebt, das wiederzugeben, was objektiv wahrnehmbar ist, ohne etwas zu idealisieren.
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Somit werden auch Alltagsszenen und als hässlich empfundene Motive bildwürdig,
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wodurch das konservative Publikum provoziert werden soll, das keine banalen und karikierenden Bildinhalte gewohnt ist.
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Die Realisten zielen darauf, die gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit zu zeigen, um Kritik zu üben und Veränderungen anzustoßen.
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Die bevorzugten Motive zeigen vor allem Menschen bei alltäglichen Situationen wie beim Waschen oder Beten.
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In der Stadt werden häufig Personen in Fabriken oder dem Industriemilieu dargestellt, während in ländlich geprägten Darstellungen vornehmlich die körperlich anstrengende Arbeit auf dem Feld gezeigt wird.
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Die Motive werden vor allem in Erdfarben gemalt. Brauntöne sollen die Bodenständigkeit, die Einfachheit sowie die Verbindung mit der Natur ausdrücken.
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Die Farbwahl bezieht sich vor allem auf die realistische Darstellung. Im Alltag gibt es kaum auffällige Farbigkeit.
II. Kunstbetrachtung
Pieter Bruegel der Ältere (Renaissance) – Vincent van Gogh (Wegbereiter der Moderne) – Jianhui Liao (zeitgenössische Fotografie)
Bruegel
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größere Festgesellschaft, festlich gekleidete, gut gelaunte und wohlgenährte Personen
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Festmahl im Rahmen einer Hochzeitsfeier mit Musikern und Bedienung
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großer, heller Stadel
van Gogh
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kleinerer Personenkreis aus ärmlichen Verhältnissen; raue, ausgemergelte, ernste Gesichter; schlichte Kleidung
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gemeinsames, alltägliches Essen
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enger, dunkler Innenraum
Form
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naturalistischere Darstellungsweise und klarere Formabgrenzung
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mit weitgehend realistischen Proportionen (Personen)
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und hoher Stofflichkeit (Oberteil der Figur am linken Rand)
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vereinfachte, grobe Formen (Hände) mit teilweiser Formauflösung in der Dunkelheit
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z. T. karikaturhafte Proportionen (Gesichter)
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Andeutung von Stofflichkeit (Faltenwurf der Kleidung)
Farbe
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überwiegend warme Farben
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Lokalfarbe (weiße Beinkleider)
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Hell-Dunkel-Kontrast (helle Schürze – schwarze Schuhe)
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Komplementärkontrast (grüner Vorhang – rote Mütze)
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Kalt-Warm-Kontrast (blau-grüne Schürze – rotes Gewand)
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insgesamt kühle Farbwirkung (Grüntöne)
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reduzierte Farbpalette mit vorrangig dunklen Erdtönen
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Erscheinungsfarbe (gelb-grünliche Beleuchtung)
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Hell-Dunkel-Kontrast (heller Lampenschirm – dunkler Hintergrund)
Malweise
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lasierende, altmeisterliche Malweise (hellblaues Oberteil)
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pastose Malweise mit deutlich erkennbarem Duktus (Hände)
Licht
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keine erkennbare Lichtquelle
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gleichmäßig ausgeleuchteter Raum mit
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zurückhaltendem Einsatz von Schatten (unterhalb des Tisches)
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Öllampe als sichtbare Lichtquelle an zentraler Position
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Schlagschatten erzeugende Beleuchtung – Betonung von Gesichtern, Händen und Essen
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Rest des Raumes dunkel
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Liao fotografiert die Szene aus der Vogelperspektive.
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Dadurch scheint der Betrachter über den Köpfen der Menschen zu schweben,
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deren Blicke und Körperhaltung auf das Zentrum gerichtet sind.
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Der Fokus liegt auf der geballten Menschenmenge,
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die fast kreisförmig um den hell erleuchteten Nudelkessel angeordnet ist.
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Letzterer liegt grob im Goldenen Schnitt.
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Liao möchte die Dynamik des Festes und das Gedränge der Menschen einfangen.
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Einzelne Personen als Individuen sind nicht wichtig.
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Van Gogh betont dagegen die armen Verhältnisse der Kartoffelesser und deren einfache Lebensweise.
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Die Personen sollen in einer familiären und ruhigen Atmosphäre beim gemeinsamen Essen dargestellt werden.