Aufgabe B – Gottesvorstellungen & Schöpfungsethik
Thema
Gottesvorstellungen in Christentum und Islam sowie biblisch-christliches Menschenbild und Schöpfungsethik
Aufgabenstellung
Gib die zentralen Aussagen Moltmanns aus dem Interview wieder. (Material)
Erläutere anhand der christlichen und islamischen Gottesvorstellungen, auf welche Aspekte sich eine von Moltmann vorgestellte „interreligiöse Gemeinschaft der Barmherzigen“ beziehen kann und welche Herausforderungen sich stellen.
Entwickle auf Basis des biblisch-christlichen Menschenbilds konkrete Ideen, wie eine von Moltmann geforderte „Umkehr im Denken“ unter Beachtung schöpfungsethischer Herausforderungen aussehen kann. Beziehe in die Argumentation persönliche Möglichkeiten und Grenzen ein.
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Interview mit Jürgen Moltmann
1 das moderne Paradigma – grundsätzliche Denkweise der Moderne
2 vgl. Ex 23,10
3 vgl. Jes 65,17
4 Paul Gerhardt (1607–1676) – deutscher Theologe und Kirchenlieddichter
Quelle: Ehrfurcht vor allem Leben. Interview mit Jürgen Moltmann, in: Sonntagsblatt, 13.06.2017, URL: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/glaube/theologe-juergen-moltmann-ehrfurcht-vor-allem-leben (abgerufen am 16.03.2025).
Hinweis: Jürgen Moltmann (1926–2024): evangelischer Theologe
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Einleitung (Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr und Thema): In dem Interview „Ehrfurcht vor allem Leben“, welches das Sonntagsblatt 2017 mit Jürgen Moltmann führte, erläutert dieser seine Hoffnung auf eine Umkehr der Menschen angesichts einer sich zuspitzenden ökologischen Katastrophe.
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Zwar richte sich Moltmanns Hoffnung grundsätzlich auf Gott, jedoch hoffe er auch auf die Vernunft des Menschen, der sich seiner Verantwortung bewusst werden müsse.
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Grundlegend sei eine mentale Umkehr, die das anthropozentrische, machtorientierte Weltbild der Moderne hinter sich lasse und den Menschen als Teil der lebensfördernden Schöpfung sehe, in der Mensch, Tier und Umwelt voneinander abhängen.
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Das bislang vorherrschende, moderne Menschen- und Weltbild, in dem der Mensch eine Sonderstellung innehabe, sei auf eine interessengeleitete Interpretation der biblischen Texte zurückzuführen, welche im Kontext der Kolonisation entstanden sei.
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Nicht der Mensch, sondern der Sabbat sei die „Krone der Schöpfung“, der der Würdigung Gottes und der Erholung aller Teile der Schöpfung diene. Entsprechend brauche es gerade heute wieder einen Sabbat, im Sinne einer Erholung von der produktiven Verwertung, für Land, Meer und Luft.
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Zwar richte sich unsere endgültige Hoffnung auf eine neue, gerechte Erde, dieser Neuanfang habe aber mit Christus schon begonnen und nehme uns in die Verantwortung, für Gerechtigkeit – auch in Bezug auf Tier und Umwelt – zu sorgen.
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Deswegen dürfe sich die Religiosität von Christen nicht nur auf ein himmlisches Reich beziehen, sondern solle auch Ehrfurcht vor dem Leben und eine Sensibilität für die Erde beinhalten.
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Dies ließe sich auch auf andere Religionsgemeinschaften übertragen, da das göttliche Attribut der Barmherzigkeit in den abrahamitischen Religionen eine zentrale Rolle spiele und somit eine interreligiöse Bewegung entstehen könne.
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Abschließend betont Moltmann seinen Glauben an die Auferstehung der Toten und die Teilhabe aller Lebewesen an einer unvorstellbaren neuen Erde.
Aufgabe 2
Auf folgende Aspekte könnte sich eine „interreligiöse Gemeinschaft der Barmherzigen“ beziehen:
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Das Christentum und den Islam verbindet der Glaube an den einen Gott, den Gott Abrahams. Beide Religionen glauben an einen einzigen, personal gedachten Gott, der als Schöpfer von Tier, Mensch und Umwelt angesehen wird. Gott (arabisch: Allah) wird zudem als allmächtig, allwissend und ewig gedacht.
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Sowohl das Christentum als auch der Islam halten den unhintergehbaren Abstand zwischen Schöpfer und Geschöpf präsent und wissen um den Erkenntnisvorbehalt des Menschen gegenüber Gott. Der Mensch kann Gott ansprechen und anrufen (vgl. z. B. die 99 Namen Gottes im Islam, biblische Psalmen und alltägliche Gebete beider Religionen), er ist jedoch nicht imstande, Gott in seiner Fülle zu erkennen, wie auch das alttestamentliche Bilderverbot und dessen strikte Realisierung im Islam deutlich machen.
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Sowohl im Christentum als auch im Islam wird Gott als barmherzig beschrieben:
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Im Islam wird Gott – ebenso wie im Christentum – eine richtende Funktion zugeschrieben, trotzdem bleibt Barmherzigkeit ein zentrales Attribut Gottes. Dabei bezieht sich das Erbarmen bzw. die Barmherzigkeit Gottes sowohl auf die gesamte Schöpfung mit all ihren Geschöpfen wie auch auf zu vergebende Taten der Menschen.
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Im Christentum zeigt sich die Barmherzigkeit Gottes insbesondere in der unverdienten Gnade, die durch Christus den Menschen versöhnt (2Kor 5,19) und ihm seine Schuld nicht anrechnet, sondern ihn durch Glauben rechtfertigt (Röm 3,28). Barmherzigkeit als göttliche wie für den Menschen vorbildhafte Eigenschaft wird aber auch in verschiedenen Gleichnissen und im Leben Jesu hervorgehoben.
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Der Mensch hat als vernunftbegabtes Geschöpf Gottes in beiden Religionen die Aufgabe, sein Leben im Auftrag Gottes gerecht und barmherzig zu führen und Sachwalter der Schöpfung zu sein:
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Die Erfahrung von Gottes Barmherzigkeit motiviert Christen zu einem barmherzigen Umgang mit anderen Menschen (z. B. Bergpredigt, Mt 5–7) und wird zur Richtschnur der Bewährung des Menschen (Gleichnis vom Weltgericht mit den Werken der Barmherzigkeit, Mt 25,31–46).
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Auch im Islam fordert die Barmherzigkeit Gottes Muslime dazu auf, ebenfalls barmherzig zu handeln (z. B. durch Almosen).
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Herausfordernd bei einer solchen „interreligiösen Gemeinschaft der Barmherzigen“ ist allerdings vor allem die zentrale Rolle, die Jesus Christus für den christlichen Glauben spielt:
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Im christlichen Verständnis ist Jesus Christus Teil der göttlichen Trinität und damit eins mit Gott (Joh 10,30), dessen Wesen sich erst von Christus her offenbart (Joh 14,6). Aus christlicher Perspektive stellt die trinitarische Gottesvorstellung dabei die Einzigkeit Gottes nicht in Frage, sondern konkretisiert sie.
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Jesu Wirken und sein Tod veranschaulichen nach christlichem Verständnis die Vergebung der Sünden und machen damit Gottes Barmherzigkeit mit den Menschen vollends deutlich.
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Demgegenüber lehnt der Islam jegliche trinitarische Vorstellung kategorisch ab. Jesus ist im Koran ein Prophet. Die dreifache Präsenz Gottes, wie sie die christliche Trinität behauptet, wird im Islam als Beigesellung vergöttlichter Wesen gedeutet und mit dem Vorwurf des Polytheismus versehen. Allerdings entwirft der Koran eine andere Deutung christlicher Trinität und versteht diese als Trinität von Gott, Jesus und Maria.
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Eine „interreligiöse Gemeinschaft der Barmherzigen“ könnte sich also in erster Linie auf den barmherzigen Schöpfergott und den an die Menschen ergangenen Auftrag der Bewahrung der Schöpfung beziehen. Denn eine Gemeinschaft von Christen und Muslimen, die sich im Sinne Moltmanns ihrer Umwelt gegenüber – sei es Mensch, Tier oder Pflanze – als barmherzig erweist, weil sie dies als Auftrag und Wille Gottes versteht, integriert einen wichtigen Aspekt der Gottesbilder beider Religionen.
Aufgabe 3
Je nach unterrichtlicher Voraussetzung können die Ausführungen schöpfungsethische Herausforderungen der Klimaerwärmung und der Tierethik behandeln oder ausführlicher nur eine der beiden schöpfungsethischen Herausforderungen in den Blick nehmen.
Möglich ist zunächst eine Bezugnahme auf das vorangestellte Zitat: Eine Umkehr im Denken zeichnet sich nach Moltmann insbesondere dadurch aus, dass der Mensch sich nicht länger einseitig als überlegener Herrscher über den Rest der Schöpfung begreift, sondern sich stärker als Teil der Schöpfung versteht, mit der er zusammenarbeiten soll und ohne die er nicht überlebensfähig ist.
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Eine solche Verantwortung lässt sich biblisch mit dem Gedanken der Gottebenbildlichkeit (Gen 1,26) und dem damit einhergehenden Schöpfungsauftrag (Gen 1,28) begründen.
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Auch der aus Gen 2,15 hervorgehende Kulturauftrag des Bebauens und Bewahrens macht deutlich, dass sich der Mensch schützend und gestaltend um die Schöpfung kümmern soll. Ebenso wird in Ps 8,7 beschrieben, dass der Mensch den Tieren gegenüber Verantwortung hat.
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In den Schöpfungserzählungen der Genesis selbst ist angelegt, dass der Mensch Teil einer lebenserhaltenden und lebensdienlichen Umgebung ist. So wird er in Gen 1,26–29 in eine gut funktionierende Schöpfung platziert und in Gen 2,15 in einen friedvollen Garten.
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Tiere sind Mitgeschöpfe des Menschen, die der Mensch als Schöpfungspartner Gottes dann auch benennen darf. Hier ist biblisch bereits ein Miteinander zwischen Mensch und Tier angelegt. Auch in Gen 1,29–30 erfolgt eine ordnungsstiftende Nahrungszuweisung, nach der sich der Mensch vegan ernähren soll und die auf ein Miteinander von Mensch und Tier angelegt ist.
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Ein verantwortliches Denken und Handeln ergibt sich auch über neutestamentliche Menschenbilder, die aufgrund der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu den Menschen in die Pflicht nehmen, am Reich Gottes mitzuarbeiten.
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Auch Luther betont, dass auf die unbedingte Annahme des Menschen sola gratia und sola fide ein freiwilliges und freiheitliches Handeln im Dienst der Mitmenschen und der Schöpfung folgt.
Je nach unterrichtlichen Voraussetzungen werden schöpfungsethische Herausforderungen am Beispiel der Klimaerwärmung und/oder Tierethik exemplarisch ausgeführt.
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So führt die Klimaerwärmung perspektivisch zu Hitzewellen, Naturkatastrophen, einem Anstieg der Meeresspiegel, einem Verlust der Biodiversität, vermehrten Hitzetoten und unbewohnbaren Regionen auf der Erde, was wiederum Fluchtbewegungen begünstigt.
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Ein ausbeuterischer Umgang mit Tieren zeigt sich insbesondere durch das Quälen von Tieren aufgrund wirtschaftlicher Faktoren (z. B. Massentierhaltung, Fleischkonsum, Erhalt von Daunen, Überzüchtung von Legehennen, Vernichtung männlicher Küken).
Ideen für eine „Umkehr im Denken“ könnten sich primär darauf beziehen, dass der Mensch nicht mehr auf Machtgewinnung und Machterhalt aus ist und Eigeninteressen zugunsten des Gemeinwohls und der Bewahrung der Schöpfung als gemeinsamem Lebensraum zurückstellt. Neben konkreten Möglichkeiten werden vom Prüfling aber auch Grenzen in der persönlichen Umsetzung berücksichtigt.
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Einzelne können bereits im Kleinen Veränderungen bewirken und Eigeninteressen zurückstellen, indem sie z. B. vermehrt das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel wählen, auf Flugreisen verzichten, ihren Fleischkonsum reduzieren oder einstellen, Müll vermeiden und in sog. Unverpackt-Läden einkaufen etc. Ein solches Verhalten trägt zum Überleben der Erde bei, die zugleich Lebensraum für künftige Generationen ist. Persönliche Grenzen könnten z. B. mit einer ungünstigen Infrastruktur auf dem Land oder fehlenden finanziellen Möglichkeiten begründet werden.
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Eine „Umkehr im Denken“ appelliert v. a. aber gesamtgesellschaftlich an die Industrienationen, verantwortungsvoller zu handeln (z. B. gegenüber den sog. Entwicklungsländern, bei der Klimaerwärmung). Ein solches Denken und Handeln orientiert sich zugleich an dem durch die Reich-Gottes-Verkündigung Jesu entwickelten Menschenbild, das den Fokus auf die Marginalisierten richtet und diesen eine Existenzsicherung ermöglicht (vgl. Arbeiter im Weinberg: Mt 20,1–16). Hier könnte außerdem die fehlende Verantwortung in Politik und Wirtschaft problematisiert werden (z. B. Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen).