Aufgabe C –Menschenbild & jesuanische Ethik
Thema
Biblisch-christliches Menschenbild und jesuanische Ethik
Aufgabenstellung
Fasse die zentralen Aussagen der Predigt zusammen. (Material)
Erläutere ausgehend von der vorliegenden Predigt (Material) Aspekte des biblisch-christlichen Menschenbildes.
„Es kann ethisch vertretbar sein, Waffen zu liefern, damit die Ukraine sich verteidigen kann.“ (Material)
Nimm unter Bezugnahme auf die jesuanische Ethik Stellung zur Lieferung von Waffen für Verteidigungszwecke.
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Beate Hofmann
1 der ÖRK – Ökumenischer Rat der Kirchen; eine 1948 gegründete weltweite Gemeinschaft der Kirchen, die sich für Einheit, Gerechtigkeit und Frieden einsetzt
2 verbrämt – hier: beschönigt, verschleiert
Beate Hofmann: Ein Jahr Krieg in der Ukraine. Predigt von Bischöfin Dr. Beate Hofmann in der ökumenischen Friedensandacht in Gelnhausen am 24.02.2023, URL: https://www.ekkw.de/fileadmin/suchrelevant/kirche/bischoefin/bischoefin_230224_friedensgebet_ukraine.pdf (abgerufen am 06.06.2025).
Hinweis: Beate Hofmann (*1963): evangelische Theologin
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Einleitung (Autorin, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr und Thema): In ihrer 2023 gehaltenen Predigt befasst sich Beate Hofmann mit der Frage, ob die Lieferung von Waffen der Seligpreisung der Friedensstiftenden widerspricht.
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Beate Hofmann verweist anlässlich des Kriegsbeginns vor einem Jahr auf die in der Ukraine begangenen Kriegsverbrechen.
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In diesem Zusammenhang fragt sie nach der heutigen Bedeutung der Seligpreisung der Friedensstiftenden. Sie betont das Primat der Gewaltfreiheit in der christlichen Friedensethik.
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Zum Friedenstiften gehört nach Aussage von Hofmann, für den Frieden zu beten und auf Feindbilder zu verzichten.
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Sie vertritt die Position, dass es ethisch vertretbar sein kann, den Angegriffenen Waffen zu liefern, auch wenn man sich dadurch ebenfalls schuldig mache. Es gelte, Ambivalenzen auszuhalten.
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Weiterhin sei es wichtig, über ein mögliches Ende des Krieges nachzudenken und die Opfer des Krieges zu unterstützen.
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Abschließend äußert sie die Hoffnung, dass der Konflikt im Geiste Gottes überwunden werden kann.
Aufgabe 2
Ausgehend von dem Auszug aus Hofmanns Predigt lassen sich folgende Aspekte des biblisch-christlichen Menschenbildes erläutern:
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Hofmann erinnert an den Leitsatz der ökumenischen Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Biblisch begründet sich das in der Gottebenbildlichkeit des Menschen (Gen 1,27), die ihm unverlierbare Würde verleiht und den Auftrag gibt, die Schöpfung verantwortlich zu gestalten und zu bewahren (Gen 1,28; 2,15).
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Hofmann schildert das Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung durch Bombardements und betont, dass Menschen Waffen schaffen, um zu töten, zu vernichten und Kriegsverbrechen zu begehen. Damit zeigt sie auf, dass der Mensch Sünder und als solcher fähig zum Bösen ist.
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Trotz aller Schuld gibt Gott den Menschen nicht auf. Gott bleibt dem Menschen treu, ruft zur Umkehr, bietet Vergebung und eröffnet neue Wege – diese Idee zieht sich durch die Bibel und führt zu Luthers simul iustus et peccator, dem Christen, der zugleich Sünder als auch durch den Glauben gerechtfertigt ist (vgl. Rechtfertigungslehre). Der Mensch ist also – trotz aller Gewaltverstrickung – fähig, umzukehren und Frieden zu stiften.
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Zum Friedenstiften gehört laut Hofmann, keine Feindbilder zu pflegen, Hass und pauschale Verurteilungen zu vermeiden und auch das gemeinsame Menschsein aller Beteiligten anzuerkennen. Hieran lässt sich die biblisch-christliche Aussage über den Menschen als Beziehungswesen veranschaulichen. Als Geschöpf Gottes existiert jeder Mensch in der dreifachen Beziehung: zu seinen Mitgeschöpfen, zu sich selbst und zu Gott.
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Ebenso gehört es laut Hofmann zum Friedenstiften, Geflüchtete aufzunehmen, Opfern beizustehen, Leid zu lindern und gemeinsam Wege zu suchen, wie alle Seiten künftig in Sicherheit und Frieden leben können – ein Handeln, das sich biblisch sowohl aus der Würde des Menschen als Geschöpf und Ebenbild Gottes (Gen 1,27–28) als auch aus der Verkündigung Jesu als Maßstab für gutes Handeln begründen lässt (z. B. Doppelgebot der Liebe).
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Mit dem Bild einer alten Ukrainerin, die trotz der Zerstörung ihres Hauses den Blick zum Himmel nicht verliert, unterstreicht Hofmann: Wo Menschen sich als Kinder Gottes begreifen, entsteht die Kraft zur Versöhnung. Den Menschen trägt gemäß der Verkündigung Jesu die Hoffnung auf das Reich Gottes, in dem Leid, Krieg und das Böse überwunden sind.
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Aus dieser Hoffnung kann die Kraft erwachsen, sich aktiv und gewaltfrei für den Frieden einzusetzen – wie es Jesus in der Bergpredigt fordert (vgl. Mt 5–7), aus der Hofmann die Seligpreisung (Mt 5,9) zitiert. Als Ebenbild Gottes ist der Mensch dazu berufen, in Frieden und Gerechtigkeit mit anderen zu leben.
Aufgabe 3
In ihrer Predigt beschreibt Hofmann ein Dilemma, einerseits durch die jesuanische Ethik zur Friedfertigkeit und Gewaltlosigkeit verpflichtet zu sein, andererseits aber auch den Angegriffenen beistehen zu müssen.
Für eine prinzipielle Gewaltlosigkeit entsprechend der jesuanischen Ethik könnte angeführt werden:
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Jesus lehrte uneingeschränkte Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit. Die Bergpredigt (Mt 5–7) – auf die Hofmann in ihrer Predigt verweist – stellt die klare Forderung, nicht mit Vergeltung zu antworten, sondern auch die andere Wange hinzuhalten.
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Die jesuanische Ethik fordert nicht nur, Gewalt zu vermeiden, sondern aktiv Feindesliebe zu praktizieren (Gebot der Feindesliebe: Mt 5,44). Dieser Anspruch ist konsequent umzusetzen – auch wenn dies mit schwierigen Konsequenzen verbunden ist. Daher ist jede Form von Gegengewalt grundsätzlich abzulehnen.
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Jesus ließ sich hinrichten, ohne sich gewaltsam zu verteidigen. Sein Kreuzestod ist das stärkste Symbol für seine Ablehnung von Gewalt.
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Gewalt führt häufig nur zur Verstärkung bestehender Konflikte und zur weiteren Eskalation. Deswegen müssen Christinnen und Christen ein Zeugnis für Gottes Reich des Friedens ablegen. Das Böse kann nicht durch Gewalt überwunden werden, sondern durch Gnade und Versöhnung.
Für eine Zulässigkeit von Waffenlieferungen sprechen z. B. folgende Argumente:
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Die jesuanische Ethik betont die Fürsorge für die Schutzlosen und Unterdrückten (vgl. Mt 25,35–40). Waffenlieferungen können deswegen als ultima ratio zum Schutz von Menschen vor Unrecht gesehen werden.
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Jesus predigt in einer Welt, die von Gewalt und Konflikten geprägt ist, das Ideal der Gewaltlosigkeit. Gemäß einiger Deutungen der Bergpredigt können diese Anweisungen Jesu jedoch nicht unmittelbar ins politische Handeln übertragen werden. Daraus ergibt sich die Frage, wie beispielsweise mit Genozid oder extremen Menschenrechtsverletzungen umzugehen ist. In einer von der Sünde geprägten Welt ist eine funktionierende Rechtsordnung Voraussetzung für Frieden und Menschenrechte. Das Völkerrecht deckt die militärische Unterstützung von zu Unrecht angegriffenen Staaten ab.
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Waffenlieferungen zum Schutz von Frieden und Menschenrechten können als Teil der göttlichen Ordnung verstanden werden. Eine solche Form militärischer Gewaltanwendung kann ethisch als Form gelebter Nächstenliebe gerechtfertigt sein. Diese muss sich aber – soweit möglich – an den Regeln des internationalen Rechts orientieren.
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Die Idee eines „gerechten Friedens“ verlangt manchmal Maßnahmen, die auf den ersten Blick im Widerspruch zum jesuanischen Gebot der Gewaltlosigkeit stehen. Wer jedoch schweres Unrecht in Kauf nimmt, steht moralisch genauso in der Verantwortung wie diejenigen, die Gewalt aktiv ausüben.
Mögliches Fazit:
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Waffenlieferungen können gerechtfertigt sein, wenn sie darauf abzielen, langfristig menschliches Leid zu reduzieren und Frieden zu schaffen. Dabei muss jedoch immer eine kritische Abwägung über Art und Umfang erfolgen, um nicht einer Eskalation von Gewalt Vorschub zu leisten.
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Denkbar ist auch eine Positionierung, die unter Berufung auf die Bergpredigt die Anwendung jeglicher Gewalt einschließlich Waffenlieferungen konsequent ausschließt.