Aufgabe C – Gottes- und Menschenbilder
Thema
Biblisch-christliche Gottes- und Menschenbilder
Aufgabenstellung
Gib den Gedankengang der Predigt von Wolfgang Huber wieder. (Material 1)
Erläutere das der Predigt (Material 1) zugrundeliegende Gottesbild unter Bezug auf biblische Gottesvorstellungen im Alten und Neuen Testament.
„Gott will, dass wir ändern, was wir ändern können, dass wir hinnehmen, was wir nicht ändern können, und dass wir lernen, das eine vom andern zu unterscheiden.“ (Material 1) Beurteile vor dem Hintergrund der von Huber vertretenen Position aktuelle Bestrebungen zur stetigen Verbesserung des Menschen durch den Transhumanismus (Material 2). Berücksichtige bei deiner Einschätzung das biblisch-christliche Menschenbild.
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M1: Predigt im ZDF-Fernsehgottesdienst aus Ingelheim am Rhein (26.04.2020)
Wolfgang Huber
Quelle: Wolfgang Huber: Predigt im ZDF-Fernsehgottesdienst aus Ingelheim am Rhein, 26.04.2020, URL: https://rundfunk.evangelisch.de/druport/api/get/download/be2H_Eee_MTst9jWXyt99SJ800255857 (abgerufen am 10.06.2025).
Hinweis: Wolfgang Huber (*1942): evangelischer Theologe
1 Huber hält diese Predigt zu Beginn der Corona-Pandemie.
M2: Lexikonartikel „Transhumanismus“ (2017)
Michael Utsch
Quelle: Michael Utsch: Lexikonartikel „Transhumanismus“ 2017, URL: https://www.ezw-berlin.de/publikationen/artikel/transhumanismus/ (abgerufen am 16.11.2022).
Hinweis: Michael Utsch (*1942): Psychologe
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Einleitung (Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr und Thema): In seiner Predigt, gehalten im Rahmen eines Fernsehgottesdienstes in Ingelheim am 26.04.2020, befasst sich Wolfgang Huber mit den Herausforderungen der Corona-Krise und eröffnet aus dem Glauben an einen Gott, der aus dem Bösesten noch Gutes entstehen lassen kann, einen Blick auf eine hoffnungsvolle Zukunft.
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Huber verbindet sein Nachdenken über die Corona-Krise mit einem Zitat Dietrich Bonhoeffers aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
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Der Glaubenssatz Bonhoeffers, dass Gott auch aus dem Bösesten noch Gutes entstehen lassen könne und wolle, dürfe nicht so verstanden werden, dass das Böse einen Sinn habe oder Kriege und Pandemien göttliche Strafgerichte seien; das Leid der Menschen erwachse vielmehr aus der Natur selbst oder habe seine Ursache im Menschen.
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Gott wolle, dass Menschen ihre Welt zum Guten verändern, aber auch die Grenzen ihres Handelns wahr- und annehmen; diese Haltung der Demut sei wichtig, damit auch aus Schwerem Wertvolles entstehen könne. Dies veranschaulicht der Autor an drei Beispielen:
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Ihm selbst sei bei einer schweren Erkrankung aufgegangen, dass er sein Leben nicht in der Hand habe, sondern täglich aus Gottes Gnade lebe.
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Aus der Schilderung eines erkrankten Freundes habe er gelernt, dass eine unheilbare Krankheit zwar die Bewegungsfreiheit begrenzen könne, der Mensch aber an Empfindsamkeit und Dankbarkeit für das Leben zu wachsen vermöge.
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Schließlich führt er als biblischen Zeugen dieser Dankbarkeit den Apostel Paulus an, der von einer Krankheit berichtet, deren Leiden ihn offensichtlich nicht losließen. Diese Schwäche habe Paulus aber nicht niedergedrückt, sondern sei ihm zur Stärke geworden, da er an dieser persönlichen Grenze Gott begegnet sei, der sich in Jesus mit den Schwachen und Leidenden solidarisch gezeigt habe.
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Eine solche Haltung der Demut stehe in Spannung zum Lebensgefühl der Moderne, nach dem der Mensch sein Leben selbst kontrolliere und sich als alleiniger Herr über die Welt sehe.
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Derzeit müssten wir jedoch erkennen, dass wir selbst nur ein Teil der Natur sind und dass auch Viren in ihrem Überlebensdrang zu dieser gemeinsamen Lebenswelt gehörten.
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Gott habe die Welt gut geschaffen. Dies sei aber kein abgeschlossener Prozess, sondern dauere noch an, wie wir an der Coronakrise schmerzlich erfahren würden. Wir müssten alles tun, um das Zerstörungswerk der Viren einzudämmen, und dürften dabei die Menschen, die darunter litten, nicht aus den Augen verlieren.
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Die Welt sei vergänglich und kostbar zugleich und es bedürfe der Vorbilder liebesfähiger Menschen, die sich wie Jesus in ihren jeweiligen Berufen und Familien für andere Menschen einsetzten. So seien in der Krise nicht nur Sorge und Ungeduld hinsichtlich der alten Freiheit gewachsen, sondern auch Hoffnung, gegenseitiges Umsorgen und Ansätze einer neuen, schonenden Lebensweise im Umgang mit der Erde.
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Der Mensch solle seine Vernunft und seine Freiheit verwenden, um künftig Fehler zu vermeiden; dennoch sei die Zukunft nicht durch den Menschen kontrollierbar, sondern liege in Gottes Hand.
Aufgabe 2
Das in der Predigt erkennbar werdende Gottesbild erläutern und dabei Bezüge zu biblischen Vorstellungen von Gott herstellen:
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Huber zeichnet das Bild eines barmherzigen Gottes, der „menschliches Leben“ ermöglicht und achtet. Gott könne selbst aus dem „Bösesten noch Gutes entstehen lassen“. Diese machtvolle Barmherzigkeit Gottes kann am Beispiel von Gleichnissen Jesu (z. B. Lk 15), anhand der alttestamentlichen Exodus-Tradition oder auch der Josefserzählung (Gen 37–50) näher erläutert werden.
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Huber lehnt es ab, angesichts menschlichen Leidens von einem „göttlichen Strafgericht“ zu sprechen, sondern sieht dessen Ursache in „den Kräften der Natur oder menschlicher Willkür“. Er versteht Gottes Allmacht nicht im Sinne vollständiger Kontrolle über das Weltgeschehen, sondern im Sinne einer Ermöglichung von menschlichem Leben und menschlicher Liebe. Im Kreuzesgeschehen zeigt sich in besonderer Weise Gottes Verzicht auf Allmacht (im Sinne vollständiger Kontrolle) und sein Weg der opferbereiten Liebe.
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In Spannung zur oben genannten Aussage von Huber stehen biblische Traditionen, in denen schicksalhafte Ereignisse als göttliches Gericht interpretiert werden, z. B. in der Geschichte des Volkes Israel.
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Huber betont mit Blick auf das Selbstzeugnis des Paulus, dass Gott Menschen auch und gerade in ihren Grenzen und Schwächen begegnen kann. Die Zuwendung Gottes zu den Schwachen zeigt sich biblisch besonders im Gleichnis vom Weltgericht (Mt 25,31–46), in Jesu Zuwendung zu den Sündern, Ausgegrenzten und Kranken (Joh 8,2–11; Lk 19,1–10; Mk 2,1–12) sowie in den Seligpreisungen der Bergpredigt (Mt 5,3–12). Daneben kann darauf verwiesen werden, dass Gott in der biblischen Überlieferung immer wieder schwache und fragwürdige Menschen beruft und in seinen Dienst stellt (Jakob als Betrüger, Mose als Mörder, Petrus als Verleugner Jesu, der Jünger Matthäus als Kollaborateur).
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Für Huber ist Gott der Schöpfer der ganzen Welt, dessen Werk aber noch nicht abgeschlossen ist, sondern als creatio continua weiter fortwirke und nicht nur den Menschen, sondern den gesamten Kosmos, der nach Leben ringe, umfasse. Die Schöpfungserzählungen in Gen 1–2 bringen dieses Schöpfersein Gottes im Kontext damaliger Weltvorstellungen zum Ausdruck. Dabei kommt auch zur Sprache, dass die Welt noch nicht „abgeschlossen“ ist, sondern Gott den Menschen als Bewahrer und Gestalter der Schöpfung in Anspruch nimmt.
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Nach Huber braucht die Liebe in der Welt „starke Vorbilder“, der Mensch solle seine „Vernunft und Autonomie“ zum Guten einsetzen. Darin zeigt sich ein Gottesbild, das Menschen schöpferische Freiheit und Verantwortung einräumt und zutraut. Gott ist ein Gott, der den Menschen als Partner sucht und würdigt – und deshalb das Risiko menschlicher Freiheit auf sich nimmt. Hier kann u. a. auf den sog. Herrschaftsauftrag des Menschen (Gen 1,28–29) erläuternd Bezug genommen werden.
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Die Zukunft liegt nach Huber letztendlich „in Gottes Hand“. Er erwartet von Gott die Vollendung der Schöpfung und des Menschen. Damit bezieht er sich auf biblische Zukunftsvisionen und Hoffnungsbilder, wie sie z. B. im Jesaja-Buch begegnen, aber auch im Buch der Offenbarung (Offb 21,1–7). Gott ist nicht nur Schöpfer und liebevoller Begleiter der Welt und des Menschen, sondern auch Vollender.
Aufgabe 3
Argumentative Beurteilung, wie die Bestrebungen des Transhumanismus vor dem Hintergrund biblisch-christlicher Menschenbilder einzuschätzen sind:
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Die von Huber skizzierte Haltung der Demut fordert zur Akzeptanz eigener Grenzen auf, seien es innere oder äußere. Das Zitat in der Aufgabenstellung macht aber auch deutlich, dass diese Akzeptanz nicht auf eine Haltung der Passivität und Resignation hinausläuft, sondern zur aktiven Gestaltung befreit. Diese Haltung entspricht nach Huber biblischen Aussagen über den Menschen.
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Der Mensch ist nach der biblischen Tradition ein Teil von Gottes Schöpfung und unterliegt den Gesetzen der Natur (Evolution). Er ist endlich, kann krank werden und muss sterben. Der Transhumanismus findet sich mit dieser menschlichen Begrenztheit nicht ab und versucht, die Grenzen der menschlichen Natur durch biologische und technische Mittel zu überwinden. Der Mensch wird durch gezielte Optimierungsmaßnahmen zum Schöpfer seiner selbst.
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Der Mensch hat in der Schöpfung insofern eine Sonderstellung, als er die Erde als Ebenbild und Repräsentant Gottes (Gen 1,27f.) durch seine Vernunft und seine Freiheit gestalten kann. Deshalb hat er der Schöpfung gegenüber eine besondere Verantwortung. Dieser Schöpfungs- bzw. Herrschaftsauftrag (Gen 1,28; Gen 2,15) öffnet weite Möglichkeiten u. a. zur Bekämpfung von Leid und Krankheit, wie sie auch im Transhumanismus gesehen werden.
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Neben dem Schöpfungsauftrag lässt sich auch aus der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu und seinen Krankenheilungen ein Auftrag zur Überwindung von Leid und Krankheit ableiten. Nach biblischer Vorstellung bleibt der Mensch jedoch, anders als im Transhumanismus, ein begrenztes Wesen, das vielleicht seine Lebenszeit durch medizinischen Fortschritt verlängern, jedoch nicht seine Sterblichkeit überwinden kann.
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Der Mensch ist ein Wesen, das sich zu sich selbst und zu allem, was ihm widerfährt, verhalten kann. Er vermag sein Leben zu deuten und selbst in negativen Erfahrungen noch einen Sinn zu finden und aus ihnen zu lernen, wie Huber im Blick auf einen Freund sowie Paulus als biblisches Beispiel berichtet. Erfülltes Leben ist auch inmitten von Einschränkungen und „Schwachheit“ möglich. Dieser Aspekt ist dem Transhumanismus fremd.
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Huber versteht den Menschen als Beziehungswesen, das der Liebe fähig ist (vgl. Gen 1,27; 2,18.22–24). Der Transhumanismus ist demgegenüber vorrangig individualistisch angelegt und auf die Optimierung des einzelnen Menschen ausgerichtet.
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Der glaubende Mensch ist, nach Huber, einerseits Sünder (vgl. Gen 3), denn er steht für Krieg und menschliche Willkür. Andererseits ist er zum guten Handeln befähigt und kann ein Vorbild in der Pandemie sein. Da der Transhumanismus einen uneingeschränkten Fortschrittsoptimismus vertritt, hat der Gedanke einer grundsätzlichen Fehlbarkeit des Menschen hier keinen Platz.
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Aus seinem Glauben an Jesus Christus hat der Mensch, nach Huber, die Freiheit, sein Leben zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Die Befreiung von Schuld erfährt der Glaubende durch Gottes Gnade, wie sie in Jesus Christus sichtbar wurde (Röm 3,23–28). Im Anschluss an Luthers Freiheitsschrift kann diese geschenkte Freiheit vor allem als „Freiheit zu“ – weniger als „Freiheit von“ – charakterisiert werden: Es geht nicht um ein Maximum an individueller Autonomie – wie im Transhumanismus –, sondern um die Befreiung zu tätiger Nächstenliebe.
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Der Transhumanismus ist durch eine naturwissenschaftlich-technische Sicht geprägt, in der der Mensch (vorrangig) als optimierbare „Maschine“ erscheint, während im christlichen Glauben ein ganzheitliches Menschenbild kennzeichnend ist.
Bei der Beurteilung können – unter Rückgriff auf die genannten Aspekte – verschiedene Positionen eingenommen werden, die hier idealtypisch skizziert werden:
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Eine liberale Position: Weitgehende Befürwortung der Anliegen des Transhumanismus auf der Grundlage, dass der biblische Schöpfungsauftrag des Menschen die Forderung nach einer Verbesserung nicht nur kranker, sondern auch gesunder Menschen beinhalte.
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Eine konservative Position: Ablehnung des Transhumanismus als schöpfungswidrig, da die Geschöpflichkeit des Menschen möglichst wenige Eingriffe in seine Natur verlange und der Mensch nicht „Gott spielen“ dürfe.
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Eine vermittelnde Position: Einzelne Anliegen des Transhumanismus werden befürwortet (eingeschränkte Verbesserungen des Menschen), aber die bleibende Begrenztheit des geschöpflichen Menschen betont. Die Hoffnung auf eine Welt frei von Leid und Tod bezieht sich nach der christlichen Vorstellung auf das Reich Gottes, an dem Menschen mitwirken sollen, das sie aber durch eigene technische oder medizinische Bemühungen nicht herbeiführen können.