Vorschlag B
Nachkriegszeit und Hoffnung auf Erneuerung
Aufgaben
Fasse den Zeitungskommentar Theodor Wolffs zum zehnten Jahrestag des Kriegsbeginns des Ersten Weltkriegs zusammen. (Material)
Erläutere, auch mit Bezug zum vorliegenden Material, die Entwicklung der Weimarer Republik in ihren Anfangsjahren (1918–1923).
„Unsere Hoffnung ist, daß […] bald ein neues, von äußerem und innerem Zwang unabhängiges Deutschland […] sich erheben wird.“ (Material)
Überprüfe, inwiefern diese Hoffnung Wolffs in den Jahren 1945–1949 Wirklichkeit geworden ist.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Theodor Wolff in einem Zeitungskommentar zum zehnten Jahrestag des Kriegsbeginns des Ersten Weltkriegs (abgedruckt am 31. Juli 1924)
1verfemen – ächten, ausstoßen
2Vor allem bei Kriegsausbruch wurde der Krieg von nationalistischen Kreisen als „reinigendes Stahlbad“ gepriesen, das eine durch eine lange Friedenzeit angeblich verweichlichte und satte Nation wieder hart machen sollte.
3„völkische Phraseologie“ – hier abwertend: Verwendung von rechtsradikalen und nationalistischen Begriffen und Ausdrucksweisen
4die Memoirenbücher – hier: Aufzeichnungen von Erinnerungen einflussreicher Persönlichkeiten aus der Zeit des Kaiserreichs
5phantastisch – hier abwertend: fantasierend
6Jupiter – oberste Gottheit des römischen Götterglaubens
Theodor Wolff: Vor zehn Jahren, in: Berliner Tageblatt, Ausgabe Nr. 360 vom 31. Juli 1924, zit. n. Bernd Sösemann (Hg.): Theodor Wolff. Der Journalist, Berichte und Leitartikel, Düsseldorf u. a. 1993, S. 196–198.
Hinweise
Theodor Wolff (1868–1943) war ein deutscher Schriftsteller und Publizist. Von 1906 bis 1933 war er Chefredakteur des Berliner Tageblattes und von 1918 bis 1926 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. 1933 musste er nach Frankreich emigrieren, geriet dort 1943 in die Hände der Gestapo und verstarb kurze Zeit später.
Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage
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Der Publizist Theodor Wolff plädiert in seinem am 31. August im Berliner Tageblatt veröffentlichten Kommentar „Vor zehn Jahren“ für die Republik mit ihren transparenten demokratischen Verfahren. Angesichts der Kritik am demokratischen System erinnert er anlässlich des zehnten Jahrestages des Kriegsbeginns daran, dass für die unheilvolle Entwicklung allein die Monarchie mit ihren im kleinen Kreis getroffenen Entscheidungen die Verantwortung trage.
Im Einzelnen führt Wolff aus:
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Der Kriegsbeginn werde fälschlicherweise verherrlicht, vielmehr sei das deutsche Volk gedankenlos bzw. wider besseren Wissens der Verantwortlichen großem Unheil ausgesetzt worden.
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Deutschland habe aufgrund der Fehler der damaligen politischen Führung seinen Platz in der Welt verloren und sei in ein Chaos gestürzt.
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Statt eines Eingeständnisses dieser Ursache der Niederlage sei mit der Dolchstoßlegende die Wahrheit über diese Zusammenhänge verschleiert worden.
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Keine Vertreter des Volkes seien an den verhängnisvollen Entscheidungen beteiligt gewesen; allein ein exzentrischer Monarch und eine von Machtkämpfen und Intrigen geprägte Regierung trügen dafür die Verantwortung.
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Die Republik habe Verantwortung übernommen und den Staat gerettet.
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Umso ungerechter sei es, dass nun die republikanische Regierung von den Deutschnationalen für transparente Entscheidungen kritisiert werde, die früher in kleiner Runde folgenschwer im Verborgenen getroffen worden seien.
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Wolff befürwortet abschließend noch einmal das neue politische System, indem er die auf das Volk übertragene Macht und Verantwortung betont und weil er aufgrund der politischen Freiheit auf eine glückliche Zukunft hofft.
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Ausgangssituation: Kriegsniederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg; soziales Leid, z. B. Verlust von Angehörigen, Kriegsinvaliden, Versorgungsprobleme und Hunger („endlose Gräberreihen“; „Die Republik, auf einem Trümmerfelde aufgerichtet“)
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problematische Rolle der alten Eliten (z. B. geheime Absprache zwischen Groener und Ebert), Mentalität des Kaiserreiches („furchtbare Erbschaft“)
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Verbreitung der Dolchstoßlegende durch rechte Kreise und Reichswehr, um die militärische Niederlage nicht dem Militär, sondern insbesondere den Demokraten anzulasten („daß es möglich war und heute noch möglich ist, mit Dolchstoßgeschichten die Wahrheit zu verdunkeln und mit völkischer Phraseologie die Gehirne zu verwirren“)
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Wahl zur Nationalversammlung und Verabschiedung der Weimarer Verfassung („aus dem Chaos den Staat gerettet“); republikanische Errungenschaften wie Volkssouveränität, Frauenwahlrecht, plebiszitäre Elemente, Grundrechte („das demokratische System […], das die Vertreter des Volkes, und damit das Volk selber, an Macht und Verantwortung beteiligt“)
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Ablehnung der Republik im rechten Parteienspektrum und die fehlende Bereitschaft zu Kompromissen zwischen den Parteien („Heute erschüttern bei jedem Schritt, den die republikanische Regierung unternimmt, die Deutschnationalen und ähnliche Volksfreunde mit ihren Vorwürfen und Protesten die Luft“)
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Kritik an und Verachtung der Demokratie sowie Verklärung des Kaiserreiches in weiten Teilen der Bevölkerung, darüber hinaus in Justiz, Militär und Verwaltung („Und jenen Leichtvergeßlichen, Lauwarmen und Schwankenden, die so gern, leichthin und achselzuckend, die Demokratie kritisieren“)
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parteiübergreifende Ablehnung des als demütigend empfundenen Versailler Vertrags: Gebietsverluste, Reparationszahlungen, Kriegsschuldartikel; Nährboden für Radikalismus
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Gefahr und Destabilisierung durch rechtsextreme Putschversuche (z. B. Kapp-Lüttwitz-Putsch)
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politische Morde durch rechtsextreme Nationalisten, z. B. Matthias Erzberger, Walther Rathenau („Verwilderung“; „rohe Instinkte“)
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Annäherung an die Sowjetunion (Rapallo-Vertrag)
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Krisenjahr 1923
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Inflation und Hyperinflation
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Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen wegen ausbleibender Reparationszahlungen, passiver Widerstand und Zusammenbruch der Wirtschaft
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links- und rechtsextreme Bedrohungen: kommunistischer Aufstand in Sachsen und Thüringen, Hitler-Ludendorff-Putsch in München
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Einführung der Rentenmark zur Stabilisierung der Wirtschaft durch Reichskanzler Stresemann
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Für einen Neuanfang und eine gewisse Unabhängigkeit können angeführt werden:
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Demokratisierung und beginnende politische Partizipation in den westlichen Besatzungszonen (z. B. Kommunalwahlen, Erarbeitung von und Abstimmung über Landesverfassungen, Landtagswahlen)
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Wiedergründungen und Neugründungen von Parteien
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Entnazifizierung durch die Alliierten als Voraussetzung für einen Neuanfang und Neuorganisation des öffentlichen Lebens
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Ansätze zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit sowie Stabilisierung durch den Marshallplan in den Westzonen
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verfassungsgebende Prozesse (Parlamentarischer Rat) und Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Für innere und äußere Spannungen bzw. gegen Unabhängigkeit sprechen:
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bedingungslose Kapitulation, Verlust der Souveränität, militärische, politische und wirtschaftliche Kontrolle durch Alliierte
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Einrichtung von Besatzungszonen (z. B. Rolle der SMAD und der Militärgouverneure sowie des Alliierten Kontrollrates)
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beginnender Kalter Krieg, Einbindung in die jeweiligen Machtblöcke, Ideologisierung und Feindbilder, Konflikt und Konfrontation (z. B. Potsdamer Konferenz, Währungsreform, Berlin-Blockade)
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Schaffung von politischen Strukturen nach sowjetischem Vorbild in der SBZ; keine freien Wahlen, Zwangsvereinigung von KPD und SPD, SED als Einheitspartei, zentralistischer Staat, ideologiebedingtes Wirtschaftssystem
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sich abzeichnende systembedingte wirtschaftliche Entwicklungsunterschiede zwischen West und Ost
Mögliches Fazit
Deutschland erlebte zwischen 1945 und 1949 einen tiefgreifenden Wandel, der zu neuen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen führte. Der Einfluss der Siegermächte USA und UdSSR im Kontext des beginnenden Kalten Krieges war so groß, dass von Unabhängigkeit nicht bzw. nur sehr eingeschränkt gesprochen werden kann. Äußere, aber auch die damit in Verbindung stehenden inneren Zwänge prägten Deutschland. Dennoch wurden in dieser Phase in den Westzonen die Grundlagen für eine weitgehende staatliche Unabhängigkeit gelegt.