Vorschlag B
Die Heilige Allianz – Friedensmodell oder Unterdrückungsinstrument?
Aufgaben
Fasse die Ausführungen Emil Ludwigs zusammen. (Material)
Setze die Überlegungen Ludwigs (Material) in Beziehung zur Ideologie der Nationalsozialisten und zu den Entwicklungen 1933–1938 in Deutschland.
„Die Interessen der Könige […] hatten in dieser Allianz ein so starkes Feld gefunden, dass sie den Frieden Europas durch vierzig Jahre erhalten hat. Dies ist, trotz allem, ihr Verdienst geblieben.“ (Material)
Überprüfe, inwiefern der Wiener Kongress und damit auch die Heilige Allianz innen- und außenpolitisch zu friedlichen Zuständen in Europa führten.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?Emil Ludwig: Die neue Heilige Allianz (1938)
1Anspielung auf die Pressekampagne im Vorfeld des vertragswidrigen Anschlusses Österreichs im März 1938
2Anspielung auf den 1933 vom Reichsjuristenführer Hans Frank geprägten Grundsatz nationalsozialistischer Rechtsauffassung: „Was dem Volk nützt, ist Recht – was ihm schadet, ist Unrecht.“
3ominös – unheilvoll, berüchtigt
4vierzig Jahre – Hinweis auf den Krimkrieg, der 1855 mit der Eroberung von Sewastopol durch britische, französische und osmanische Truppen einen Höhepunkt erreichte
Emil Ludwig: Die neue Heilige Allianz. Über Gründe und Abwehr des drohenden Krieges, Straßburg 1938, S. 20ff.
Hinweise
Emil Ludwig (1881–1948): deutscher, ab 1932 schweizerischer, international erfolgreicher Schriftsteller. Teile seines Werkes gehörten zu den Büchern, die 1933 von den Nationalsozialisten öffentlich verbrannt wurden.
Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.
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monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?In einer Einleitung sollen Autor, Titel, Erscheinungsjahr, das Thema und ggf. der Adressat genannt werden: Der Schriftsteller Emil Ludwig warnt in seiner in Exilsituation 1938 erschienenen Schrift „Die neue Heilige Allianz. Über Gründe und Abwehr des drohenden Kriegs“ vor Deutschland, das gut für einen Krieg gerüstet sei und Rache wolle, und regt die Bildung einer neuen „Heiligen Allianz“ an, die ein auf Rache bedachtes Deutschland eindämmen könne.
Im Einzelnen können Ludwigs Ausführungen u. a. wie folgt zusammengefasst werden:
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Deutschland zeige sich 1938 genauso kriegsbereit wie 1914, werde aber aufgrund von NS-Propaganda, anders als vor dem Ersten Weltkrieg, angetrieben von Revanchismus, Aggressivität und Größenwahn.
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Ludwig betont, dass die deutsche Regierung unmoralisch handele, weil sie Vertragsbrüche als richtig ansehe.
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Da Ludwig es für ausgeschlossen hält, dass der Krieg noch durch eine Revolution innerhalb Deutschlands verhindert werden könne, fordert er die drei mächtigsten Demokratien auf, eine neue „Heilige Allianz“ zu bilden. Die alte hätte zwar keinen guten Ruf, aber sie hätte 40 Jahre lang (bis zum Krimkrieg) für Frieden in Europa gesorgt.
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Die neue Allianz solle sich nicht gegen die Revolution wenden, sondern gegen Gefahren für die Freiheit. So wie damals gehe es auch nun darum, den Friedensstörer, also Nazi-Deutschland, einzuhegen und an einer Hegemonie in Europa zu hindern.
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Er betont, dass die neue Allianz nur erfolgreich sein könne, wenn sie nicht nur von Frankreich und Großbritannien geschlossen werde, sondern wenn sich auch die Vereinigten Staaten anschlössen. Danach könnten weitere Staaten beitreten; Ludwig sagt den Beitritt der UdSSR und vieler weiterer Staaten voraus. Die UdSSR hält er für friedfertig.
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Durch diese Allianz könnten sich die nicht-faschistischen, rational handelnden Staaten gegen die Drohungen der Faschisten erfolgreich zur Wehr setzen.
Emil Ludwig bezieht sich u. a. auf verschiedene politische und gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten ab Januar 1933. Es bietet sich dabei an, einige der folgenden Bezüge herzustellen:
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Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 begann der Umbau Deutschlands in einen faschistischen Führerstaat.
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Zentrale Wesenselemente der demokratischen und rechtsstaatlichen Verfassungsordnung der Weimarer Republik wurden mit der Reichstagsbrandverordnung (Grundrechte), dem Ermächtigungsgesetz (Gewaltenteilung) und der Gleichschaltung der Länder (Föderalismus) beseitigt. („einem solchen Staate, der keine rechtsgültige Verfassung hat“)
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Der Prozess der Gleichschaltung wirkte dabei tief in die Gesellschaft und formte sie entlang der ideologischen Überzeugungen des Nationalsozialismus hin zu einem kollektivistischen Totalitarismus. („Die dumpfe Menge glaubt wirklich mit voller Naivität daran, dass sie die besten Menschen in Europa sind“)
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Leitendes Prinzip war dabei die Vorstellung von der Volksgemeinschaft, die aggressiv und kämpferisch nach außen auftrat und von der rassischen Überlegenheit der arischen Deutschen und der Unterlegenheit anderer Völker und „Rassen“ überzeugt war. („zum Herrschen geboren“)
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Der daraus abgeleitete Gedanke der Herrenrasse legitimierte Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung angeblicher Volksschädlinge (z. B. Boykott jüdischer Geschäfte, Bücherverbrennung, Nürnberger Gesetze). („Hier ist eine Form der Staats-Immoral am Werke, wie wir sie bisher doch noch nicht kannten.“)
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Dieses aggressive und totalitäre Weltbild prägte auch die Außenpolitik der Nationalsozialisten, die ihren ideologischen Niederschlag in der Absicht der Eroberung von „Lebensraum im Osten“ fand. („Nichts, was man ihnen gäbe, täte ihnen genug: es muss erobert sein! Die Deutschen brauchen kein Land: sie brauchen den Sieg.“)
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Stand man anfangs noch in der Tradition der Revisionspolitik der Weimarer Republik, zeigte sich schnell, dass die Nationalsozialsten viel höhere Risiken einzugehen bereit waren, militärische Auseinandersetzungen riskierten und offen gegen die Regelungen des Versailler Vertrages verstießen (z. B. Wiedereinführung der Wehrpflicht, Remilitarisierung des Rheinlands, Anschluss Österreichs). („Auch andere Völker haben Verträge gebrochen, […] Aber der Vertragsbruch ist damals nicht heilig gesprochen worden. Heut lässt die deutsche Regierung schreiben, Verträge gälten „nur so lange, als das Wohl des Staates sie erträgt.“)
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Diese Verstöße gegen vertragliche Verpflichtungen legitimierte man, indem der Versailler Vertrag als „Schanddiktat“, das die „Novemberverbrecher“ unterzeichnet hätten, diskreditiert wurde. („denn sie fühlen sich als schuldlose Opfer von der Welt betrogen“)
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Zudem fühlten sich breite Bevölkerungskreise auch Jahre später nach dem Ersten Weltkrieg nicht als militärisch besiegt, sondern im Sinne der „Dolchstoßlegende“ als verraten. („um den Sieg heimtückisch betrogen“)
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Entsprechend selbstbewusst und aggressiv trugen die Nationalsozialisten ihre Forderungen vor und nutzten den Friedenswillen der Westalliierten (Appeasement) zu ihrem Vorteil aus (z. B. Münchener Abkommen). („vor den Träumen, Launen oder Dogmen einiger ,Führer‘ alle drei Monate zu zittern“; „Nachdem jahrelang die faschistischen Staaten durch ihre Reden die Welt bedrohen“)
Emil Ludwig kritisiert die Heilige Allianz in seinem Text als absolutistisch und als gegen die Revolution gerichtet; er hält ihr aber zugute, dass sie eine vierzigjährige Friedensperiode in Europa ermöglicht habe.
Bei der Überprüfung dieser Aussage bietet es sich an, ggf. nach einer kurzen Beschreibung des Wiener Kongresses (Neuordnung Europas, Gleichgewicht der Mächte, Gründung des Deutschen Bundes, Restauration) einerseits auf die Staaten in Europa und andererseits auf die Menschen im Deutschen Bund sowie in Polen oder Italien zu blicken.
Mit Blick auf die europäischen Staaten könnten folgende Aspekte genannt werden:
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Nach dem Wiener Kongress gab es in Europa tatsächlich für viele Jahrzehnte keine bewaffneten Konflikte zwischen den Staaten.
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Man könnte sogar weiter als Ludwig gehen und das Ende der Friedensperiode nicht mit dem Krimkrieg, sondern erst in den deutschen Einigungskriegen sehen.
Mit Blick auf die Menschen (vor allem im Deutschen Bund) lassen sich folgende Punkte festhalten:
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Die antirevolutionäre Stoßrichtung der Heiligen Allianz zeigte sich in repressiven Pressegesetzen, in der Unterdrückung liberaler und nationaler Gedanken und in der Verfolgung sogenannter Demagogen (Karlsbader Beschlüsse).
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Liberal und national gesinnte Menschen traten im Rahmen von Festen (Wartburgfest, Hambacher Fest) und Vereinen (Burschenschaften, Turn- und Gesangsvereine) für ihre Ideen ein, wurden aber deswegen von der Obrigkeit verfolgt.
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Während der revolutionäre Impuls aus Frankreich 1830 noch nicht in die deutschsprachigen Gebiete übersprang, erhoben sich 1848 nach den Franzosen auch die Deutschen gegen ihre Regierungen. Zunächst sah es nach einer erfolgreichen Bewegung aus: In der Frankfurter Paulskirche trat die Nationalversammlung zusammen, die eine Verfassung mit einem umfassenden Grundrechtekatalog schuf. Allerdings scheiterte die Revolution letztlich und die Verfassung trat nie in Kraft.
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Viele beteiligte Revolutionäre verließen daraufhin ihre Heimat und emigrierten oder sie wurden verfolgt und kamen ins Gefängnis.
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Die Wünsche nach einem einheitlichen Nationalstaat und einer (liberalen) Verfassung wurden also weder im Rahmen des Wiener Kongresses noch in den Jahrzehnten danach erfüllt.
Je nach unterrichtlichen Voraussetzungen bietet es sich an, auch auf die jeweiligen Entwicklungen in Polen einzugehen, die ebenfalls Ludwigs Behauptung eher konterkarieren.
Zu Polen könnte ausgeführt werden:
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Im Rahmen des Wiener Kongresses wurde an der Teilung Polens festgehalten, es gab keinen polnischen Nationalstaat.
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Im November 1830 versuchte Polen, die russische Fremdherrschaft durch einen Aufstand abzuschütteln, der jedoch blutig niedergeschlagen wurde.
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Die polnische Nationalbewegung traf in Deutschland auf Sympathien: So nahmen Vertreter von ihr am Hambacher Fest teil.
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In der Paulskirche 1848 wurde in der sogenannten „Polendebatte“ allerdings festgehalten, dass die polnischen Gebiete, die seit dem Wiener Kongress zu Preußen gehörten, weiterhin zu Preußen bzw. zum zu gründenden deutschen Nationalstaat gehören sollten.
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Sowohl Russland als auch Preußen verfolgten in ihren polnischen Siedlungsgebieten eine klare Russifizierungs- bzw. Germanisierungspolitik.
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Polen wurde erst als Ergebnis des Ersten Weltkriegs zum Nationalstaat, zur Republik Polen.
Mögliches Fazit
Während auf der zwischenstaatlichen Ebene Ludwigs Beschreibung der vier Jahrzehnte nach dem Wiener Kongress als Friedensperiode zutrifft, kann man dies für die inneren Verhältnisse im Deutschen Bund so nicht festhalten, ebenso wenig für „Polen“. Hier zeigt sich eine weniger friedliche Seite in Form von polizeilicher Überwachung und Unterdrückung.